Dienstag, Februar 3, 2026
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Code Vein II Test/Review

Mit Code Vein 2 meldet sich Bandai Namco erneut im hart umkämpften Soulslike-Genre zurück. Nach dem durchaus eigenständigen ersten Teil aus dem Jahr 2019 sollte die Fortsetzung eigentlich den nächsten Schritt gehen und dem Franchise ein klareres Profil verleihen. Stattdessen präsentiert sich Code Vein 2 als technisch solides, spielerisch komplexes Action-RPG, dem es jedoch an erzählerischer Kraft, stilistischer Eigenständigkeit und emotionaler Bindung mangelt. Für Fans des Genres gibt es hier durchaus Substanz, doch im direkten Vergleich mit aktuellen Genregrößen bleibt der Titel spürbar zurück.

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Eine Fortsetzung ohne erzählerischen Biss

Inhaltlich ist Code Vein 2 nur lose mit seinem Vorgänger verbunden. Das Spiel erzählt eine neue Geschichte in einer postapokalyptischen Welt, in der Menschen und vampirähnliche Revenants gezwungen sind, gemeinsam gegen eine mysteriöse Bedrohung namens Resurgence zu kämpfen. Diese verwandelt Lebewesen in groteske Kreaturen und destabilisiert das fragile Gleichgewicht der Welt. Trotz dieser durchaus interessanten Ausgangslage gelingt es dem Spiel nicht, eine wirklich fesselnde Geschichte zu erzählen. Der Spieler übernimmt erneut die Rolle eines stummen Protagonisten, des sogenannten Revenant Hunters. Diese bewusste Leerstelle soll Identifikation ermöglichen, führt jedoch dazu, dass die Hauptfigur vollkommen austauschbar bleibt.

Der Revenant Hunter reagiert kaum auf Ereignisse, zeigt keine emotionale Entwicklung und wirkt narrativ über weite Strecken irrelevant. Gerade in einem Soulslike, das stärker auf klassische Erzählstrukturen setzt als die Werke von FromSoftware, ist das ein spürbares Problem. Auch die Nebenfiguren können diese Schwäche kaum auffangen. Zwar begegnet man zahlreichen Begleitern, die im Kampf unterstützend eingreifen können, doch ihre Hintergrundgeschichten werden meist in langen, unüberspringbaren Erinnerungssequenzen vermittelt. Diese bremsen den Spielfluss erheblich und wirken eher wie Pflichtübungen als wie organische Charakterentwicklung. Statt Spannung aufzubauen, laden sie dazu ein, Dialoge möglichst schnell zu überspringen.

Charaktereditor als Highlight

Eine der größten Stärken von Code Vein 2 ist zweifellos der extrem umfangreiche Charaktereditor. Kaum ein anderes Soulslike bietet derart detaillierte Anpassungsmöglichkeiten. Gesichter, Frisuren, Körperbau und Kleidung lassen sich bis ins kleinste Detail gestalten. Für kreative Spieler ist das ein echtes Highlight, das allerdings nie sein volles Potenzial entfalten darf. Da Code Vein 2 vollständig auf Multiplayer-Funktionen verzichtet, bleibt der eigene Charakter ausschließlich für das persönliche Spielerlebnis relevant. Es gibt keine Online-Interaktion, kein Teilen von Avataren, keinen sozialen Mehrwert. Damit wirkt der enorme Aufwand fast schon überdimensioniert und letztlich verschenkt.

Kampfsystem mit Tiefe, aber wenig Eleganz

Spielerisch zeigt sich Code Vein 2 von seiner stärkeren Seite. Das Kampfsystem ist komplex, fordernd und bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Individualisierung. Sieben verschiedene Waffentypen erlauben unterschiedliche Spielstile, von schnellen, ausweichbasierten Builds bis hin zu schweren Nahkampfvarianten mit hohem Schadenspotenzial. Ergänzt wird dies durch Forma, spezielle Fähigkeiten, die Angriffe modifizieren oder defensive Optionen eröffnen.

Zentral ist dabei das Ichor-System, eine Ressource, die im Kampf aufgebaut und für Spezialfähigkeiten eingesetzt wird. Zusätzlich kommen sogenannte Jails zum Einsatz, ausrüstbare Kampfgeräte wie mechanische Gliedmaßen oder bizarre Waffen, die das Moveset erweitern und Werte beeinflussen. In der Theorie ergibt sich daraus ein tiefes, variables Kampfsystem, das viel Raum für Experimente lässt. In der Praxis leidet diese Tiefe jedoch unter mangelnder Übersicht. Viele Mechaniken werden nur unzureichend erklärt, Begriffe und Systeme überlagern sich und erschließen sich oft erst nach vielen Stunden. Genre-Veteranen mögen sich hier schnell zurechtfinden, doch selbst erfahrene Soulslike-Spieler müssen Geduld mitbringen.

Blood Codes als Kern der Charakterentwicklung

Eine der interessantesten Ideen von Code Vein 2 ist das Blood-Code-System. Anstatt klassische Attribute wie Stärke oder Geschicklichkeit einzeln zu steigern, legt ein Blood Code die gesamte Werteverteilung und den grundlegenden Spielstil fest. Jeder Code bringt klare Vorteile und Einschränkungen mit sich, wodurch Builds deutlich stärker voneinander abgegrenzt sind als in vielen anderen Soulslikes. Diese Blood Codes sind eng mit dem Partner-System verknüpft. Durch das Vertiefen der Beziehung zu bestimmten Begleitern schaltet man stärkere Varianten frei, was zumindest spielmechanisch einen Anreiz bietet, sich mit den Nebenfiguren zu beschäftigen. Inhaltlich bleiben diese Beziehungen jedoch oberflächlich und emotional wenig greifbar.

Trotz der mechanischen Vielfalt fehlt dem Kampfsystem spürbares Gewicht. Trefferfeedback ist oft schwammig, selbst schwere Waffen vermitteln nicht immer die gewünschte Wucht. Gegner reagieren inkonsistent auf Treffer, was insbesondere in hektischen Kämpfen für Frust sorgen kann. Bosskämpfe folgen bekannten Mustern mit mehreren Phasen, bleiben aber selten im Gedächtnis. Im Vergleich zu aktuellen Genrevertretern wie Lies of P oder Wo Long Fallen Dynasty fehlt es Code Vein 2 an ikonischen Gegnern und emotional aufgeladenen Begegnungen. Vieles funktioniert, aber kaum etwas begeistert.

Eine Welt ohne Wiedererkennungswert

Auch die Spielwelt trägt wenig zur Identität des Spiels bei. Die halb offenen Areale wirken austauschbar und visuell uninspiriert. Zerstörte Städte, Industrieanlagen und giftige Zonen erfüllen zwar die Erwartungen an ein postapokalyptisches Szenario, bleiben aber atmosphärisch blass. Besonders Innenräume leiden unter repetitivem Leveldesign und mangelnder visueller Abwechslung. Ein Motorrad dient als Fortbewegungsmittel, um größere Distanzen zu überbrücken. Die Steuerung fühlt sich jedoch unpräzise an, und das Feature wirkt eher wie ein nachträglicher Zusatz als ein durchdachtes Gameplay-Element. Im direkten Vergleich mit Elden Rings Torrent wird deutlich, wie wenig organisch diese Lösung eingebunden ist.

Technik und Präsentation auf PS5

Technisch läuft Code Vein 2 auf der PlayStation 5 überwiegend stabil, zeigt aber gelegentlich Framerate-Einbrüche, insbesondere in Performance-Modi. Das ist enttäuschend, da das Spiel grafisch insgesamt eher durchschnittlich ausfällt. Texturen, Effekte und Umgebungen wirken funktional, aber nicht zeitgemäß. Die Art Direction setzt kaum eigene Akzente und verlässt sich stark auf bekannte Anime- und Soulslike-Versatzstücke. Einzelne Charakterdesigns wirken zudem unpassend sexualisiert und untergraben den ernsten Ton der Geschichte, was dem Gesamtbild schadet.

Fazit

Code Vein 2 ist ein solides Soulslike mit vielen Systemen, tiefen Build-Optionen und einem anspruchsvollen Kampfsystem. Gleichzeitig scheitert das Spiel daran, daraus ein stimmiges Gesamterlebnis zu formen. Die schwache Erzählweise, die austauschbare Welt und das fehlende emotionale Gewicht verhindern, dass Code Vein 2 im Genre wirklich heraussticht. Für eingefleischte Soulslike-Fans, die Freude an komplexen Mechaniken und Charakteroptimierung haben, bietet das Spiel durchaus Substanz für viele Stunden. Wer jedoch nach einer starken Geschichte, markanten Figuren oder einer einzigartigen Spielwelt sucht, findet bei anderen Genrevertretern deutlich überzeugendere Alternativen.

Gesamtwertung: 7/10

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