Montag, Februar 9, 2026
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Nioh 3 Test/Review

Wenn ein Entwickler das Soulslike-Genre so gut beherrscht wie FromSoftware, ist es fast zwangsläufig, dass andere Studios versuchen, ähnliche Höhen zu erreichen. Nioh 3 ist Team Ninjas bislang ambitioniertester Versuch, genau das zu tun. Nach zwei hochgeschätzten, aber klar strukturierten Vorgängern öffnet sich die Reihe nun deutlich und greift Ideen auf, die man unweigerlich mit Elden Ring verbindet. Das Ergebnis ist kein revolutionärer Neuanfang, aber ein konsequent weitergedachter Höhepunkt der Serie, der das Beste aus Nioh, Wo Long Fallen Dynasty und Rise of the Ronin vereint.

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Offene Zonen statt strenger Missionsstruktur

Der größte strukturelle Unterschied zu den ersten beiden Nioh-Teilen ist der Abschied von der rein missionsbasierten Progression. Nioh 3 setzt stattdessen auf mehrere große offene Zonen, die jeweils eigene Schauplätze, Zeitperioden und thematische Schwerpunkte besitzen. Diese Areale lassen sich frei erkunden, bieten Nebenquests, optionale Kämpfe und zahlreiche Gelegenheiten, Ausrüstung und Erfahrung zu sammeln, bevor man sich dem eigentlichen Hauptziel widmet.

Das Design erinnert dabei an eine fragmentierte Open-World-Struktur. Statt einer gigantischen, zusammenhängenden Spielwelt gibt es mehrere große Gebiete, die über Ladebildschirme voneinander getrennt sind. Innerhalb dieser Zonen wird der Spieler mit klassischen Aktivitäten konfrontiert, die man aus vielen modernen Action-RPGs kennt. Gegnerlager werden gesäubert, Truhen geplündert und kleinere Sammelobjekte entdeckt. Vieles davon ist wenig originell und erinnert stellenweise an bekannte Ubisoft-Formeln, zumal Inhalte auf der Karte markiert werden, sobald man sich ihnen nähert. Dennoch funktioniert dieses Konzept überraschend gut. Gerade weil Nioh 3 spielerisch so stark ist, werden diese Nebenaktivitäten nicht zur lästigen Pflicht, sondern zur willkommenen Möglichkeit, das eigene Können zu testen, Builds zu optimieren oder schlicht Frust abzubauen, wenn ein Boss zu hart erscheint.

Klassische Level als Gegenpol

Ergänzt werden die offenen Zonen durch kleinere, lineare Missionen, die stärker auf Story und gezieltes Leveldesign setzen. Diese Abschnitte erinnern bewusst an die Struktur der Vorgänger und dürften Fans der alten Nioh-Formel gefallen. Allerdings sind diese Level nach Abschluss nicht erneut spielbar, was den Fokus klar auf die offenen Gebiete legt. Entsprechend hängt der Langzeitspaß von Nioh 3 stark von der Qualität dieser Zonen ab, und hier zeigt sich, dass Team Ninja seine Hausaufgaben gemacht hat. Die Umgebungen sind abwechslungsreich gestaltet. Mal kämpft man sich durch verschneite Landschaften, mal durch zerfallende Städte oder weitläufige Dörfer. Auch wenn visuell nicht alles beeindruckt, sorgen unterschiedliche Layouts und Gegnerplatzierungen für spielerische Abwechslung. So sehr sich die Struktur verändert hat, das Herz von Nioh 3 schlägt unverändert im Kampfsystem. Team Ninja bleibt sich treu und liefert eines der komplexesten und zugleich befriedigendsten Nahkampfsysteme des Genres. Neu ist die klare Unterteilung in zwei Kampfstile, die jederzeit gewechselt werden können.

Der Samurai-Stil repräsentiert das klassische Nioh-Gameplay. Präzises Ausdauermanagement, gezielte Blocks, Paraden und Ki-Pulse sind essenziell, um im Kampf zu bestehen. Wer die Mechaniken beherrscht, wird mit einem flüssigen, kontrollierten Kampffluss belohnt, der jede Unachtsamkeit jedoch gnadenlos bestraft. Dem gegenüber steht der Ninja-Stil, der deutlich auf Mobilität, Täuschung und schnelle Angriffe setzt. Statt Ki-Pulse kommt hier ein spezielles Ausweichmanöver zum Einsatz, das eine Illusion am ursprünglichen Standort hinterlässt und Gegner kurzzeitig irritiert. Ergänzt wird dies durch Ninjutsu-Fähigkeiten wie Shuriken, Bomben und Fallen, die vor allem taktisch orientierte Spieler ansprechen.

Zwei Stile, ein System mit enormer Tiefe

Beide Kampfstile sind nicht optionales Beiwerk, sondern integraler Bestandteil des Spiels. Unterschiedliche Gegner und Bossmechaniken verlangen gezielt nach einer bestimmten Herangehensweise. Wer sich ausschließlich auf Samurai oder Ninja konzentriert, beraubt sich effektiv der Hälfte des Kampfsystems. Skillbäume, Waffenarten und passive Fähigkeiten sind eng mit beiden Stilen verknüpft und eröffnen eine enorme Vielfalt an Builds. Zusätzlich sorgen Schutzgeister für weitere Individualisierungsmöglichkeiten. Diese verleihen magische Fähigkeiten und ermöglichen den Einsatz eines temporären Power-Zustands, der in kritischen Momenten das Blatt wenden kann. Gerade in Bosskämpfen entsteht so eine taktische Tiefe, die weit über simples Ausweichen und Zuschlagen hinausgeht.

Anspruchsvoll, aber zugänglicher denn je

Trotz aller Komplexität ist Nioh 3 der bislang zugänglichste Teil der Reihe. Der allgemeine Schwierigkeitsgrad wurde spürbar gesenkt, ohne die Identität der Serie zu verwässern. Viele Bosse sind herausfordernd, aber fair, und nur wenige Kämpfe führen zu längeren Frustphasen. Die offene Struktur trägt ihren Teil dazu bei, da man bei Problemen jederzeit andere Aktivitäten angehen und stärker zurückkehren kann. Zusätzliche Hilfen bieten KI-Begleiter sowie Koop-Optionen, die es ermöglichen, schwierige Abschnitte gemeinsam zu meistern. Puristen mögen darüber die Nase rümpfen, doch für viele Spieler öffnen diese Optionen das Spiel für ein breiteres Publikum, ohne den Kern der Erfahrung zu verfälschen.

Die Handlung von Nioh 3 bedient sich erneut einer zeitübergreifenden Erzählstruktur, bleibt jedoch klar im Hintergrund. Sie liefert Motivation und Kontext, tritt aber schnell hinter das Gameplay zurück. Charaktere und Ereignisse sind funktional, aber selten emotional fesselnd. Das ist kein großer Kritikpunkt, denn Nioh war nie eine Serie, die ihre Stärke aus komplexem Storytelling bezogen hat. Der Fokus liegt eindeutig auf Kampf, Progression und Optimierung.

Technik und Performance auf PS5

Technisch zeigt sich Nioh 3 solide, aber nicht makellos. Auf der PlayStation 5 und selbst auf der PS5 Pro kommt es im Performance-Modus immer wieder zu Framerate-Einbrüchen, insbesondere in offenen Zonen mit vielen Gegnern. Diese Ruckler können den Spielfluss beeinträchtigen und sollten dringend per Patch adressiert werden. Grafisch erfüllt das Spiel seinen Zweck, ohne Maßstäbe zu setzen. Die Umgebungen sind zweckmäßig gestaltet, Effekte solide, aber selten spektakulär. Dafür überzeugt die klare Lesbarkeit im Kampf, die bei der hohen Geschwindigkeit und Komplexität essenziell ist.

Fazit

Nioh 3 ist keine Revolution, aber eine konsequente Weiterentwicklung dessen, wofür Team Ninja seit Jahren steht. Die Kombination aus offenem Zonen-Design und einem der besten Kampfsysteme im Action-RPG-Genre geht größtenteils auf. Auch wenn die Aktivitäten in den Arealen wenig innovativ sind und technische Schwächen das Gesamtbild trüben, überwiegt der spielerische Mehrwert deutlich. Für Fans der Reihe ist Nioh 3 ein klarer Pflichtkauf. Wer bereits frühere Teile mochte, bekommt hier die bislang umfassendste und zugänglichste Version dieser Formel. Neueinsteiger finden dank der offenen Struktur und moderateren Schwierigkeit einen vergleichsweise sanften Einstieg in ein ansonsten gnadenloses Genre. Nioh 3 beweist eindrucksvoll, dass Team Ninja nach fast einem Jahrzehnt noch immer zur absoluten Spitze gehört, wenn es um kompromisslose Nahkampf-Action geht.

Gesamtwertung: 8/10

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