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Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties Test/Review

Als Yakuza 3 2010 auf der PS3 erschien, war es für viele Spieler der Einstieg in die Welt von Kazuma Kiryu. Heute jedoch zeigen selbst die PS4-Remaster deutlich, wie sehr sich Spieldesign, Komfort und Inszenierung weiterentwickelt haben. Mit Yakuza Kiwami 3 erhält das dritte Kapitel nun eine vollständige Neuauflage in der Dragon Engine, inklusive modernisiertem Kampfsystem, erweiterten Storyelementen und der neuen Zusatzkampagne Dark Ties. Das Ergebnis ist spielerisch vielleicht eine der stärksten Yakuza-Erfahrungen überhaupt. Gleichzeitig dürfte es eines der umstrittensten Remakes der Reihe werden.

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Okinawa, Orphanage und eine der stärksten Kiryu-Phasen

Die Grundhandlung bleibt zunächst vertraut. Nach den Ereignissen von Yakuza 2 versucht Kazuma Kiryu, dem kriminellen Milieu zu entkommen, und übernimmt ein Waisenhaus im sonnigen Okinawa. Diese Phase gehört zu den emotional stärksten Momenten der gesamten Reihe. Kiwami 3 erweitert diesen Abschnitt erheblich. Das Waisenhaus ist nicht nur Kulisse, sondern Mittelpunkt einer umfangreichen Nebenhandlung mit Minispielen, Interaktionen und Charaktermomenten, die Kiryu von seiner fürsorglichsten Seite zeigen. Die berüchtigt langsame Anfangsphase des Originals wirkt hier deutlich entschärft, da man frei entscheiden kann, wann man sich dem ruhigeren Leben widmet.

 

Doch natürlich holt Kiryus Vergangenheit ihn wieder ein. Eine politische Verschwörung auf Regierungsebene zwingt ihn zurück in den Konflikt zwischen Tojo-Clan und neuen Machtspielern. Die erste Hälfte der Geschichte überzeugt mit starken Figuren, gelungenen Einführungen und einem spannenden Wechsel zwischen Okinawas Strandatmosphäre und den düsteren Straßen von Kamurocho. In der zweiten Hälfte verliert die Erzählung etwas an Tempo. Neue Zwischensequenzen liefern zwar zusätzlichen Kontext, können jedoch nicht verhindern, dass einige Kapitel überhastet wirken. Das Finale hingegen bleibt kraftvoll und liefert ikonische Kämpfe, die Fans seit Jahren feiern.

Kontroverse Änderungen und Neubesetzungen

Hier beginnt die Diskussion. Kiwami 3 verändert zentrale Aspekte der Story und besetzt mehrere Figuren neu. Rikiya erhält ein neues Gesicht und einen anderen Schauspieler. Inhaltlich bleibt er derselbe, doch sein überarbeitetes Design verändert seine Wirkung spürbar. Noch gravierender ist die Neugestaltung von Hamazaki. Seine Rolle wird stärker als strategischer Drahtzieher interpretiert, was dramaturgisch durchaus funktioniert. Allerdings sorgt die Besetzung mit einem umstrittenen Schauspieler für zusätzliche Debatten. Für Neueinsteiger dürften diese Änderungen kaum ins Gewicht fallen. Serienveteranen hingegen werden die Eingriffe kritisch sehen. Es sind Entscheidungen, die dem Remake eine unnötige Brisanz verleihen.

Modernisiertes Kampfsystem auf Top-Niveau

Abseits der Kontroversen liefert Kiwami 3 spielerisch ab. Das Kampfsystem wurde grundlegend überarbeitet und orientiert sich am Tempo moderner Serienteile wie Like a Dragon Gaiden: The Man Who Erased His Name. Kiryu kämpft schneller, direkter und mit spürbarer Wucht. Charged Attacks, erweiterte Kombos und brutale Finisher machen jeden Schlag befriedigend. Perfekte Ausweichmanöver spielen wieder eine zentrale Rolle, was den Kampffluss dynamischer, aber auch etwas weniger klassisch Beat-em-up-lastig wirken lässt. Neu ist zudem der Ryukyu-Stil, inspiriert von okinawanischen Kampfkünsten. Er setzt stärker auf Waffenwechsel und defensive Optionen wie Schilde. Die Idee ist spannend, die Umsetzung jedoch etwas unausgewogen. Trotzdem sorgt der Stil für zusätzliche Tiefe und eröffnet kreative Kombinationsmöglichkeiten.

Eine der besten Ergänzungen ist die Nebenaktivität Bad Boy Dragon. Kiryu unterstützt eine Jugendgang in Okinawa, rekrutiert Mitglieder, trainiert sie und führt sie in großangelegte Revierkämpfe. Diese Schlachten erinnern fast an Musou-Titel und bringen willkommene Abwechslung. Das System ist simpel, aber motivierend. Es stärkt Kiryus Fähigkeiten und fügt sich organisch ins Gesamtpaket ein. Zusammen mit den erweiterten Waisenhaus-Elementen entsteht eine Nebenstruktur, die das Spiel deutlich aufwertet.

Dark Ties – Der Antagonist im Fokus

Mit Dark Ties erhält das Remake eine umfangreiche Zusatzkampagne rund um Yoshitaka Mine. Der einstige Antagonist bekommt hier eine eigene Geschichte, die vor den Ereignissen von Yakuza 3 ansetzt. In rund zehn Stunden Hauptstory, mit optionalen Inhalten auch deutlich mehr, erlebt man Mines Aufstieg und erhält neue Einblicke in seine Motivation. Sein Kampfstil ist schnell, aggressiv und macht großen Spaß.

Vor allem narrativ gewinnt Mine enorm an Tiefe. Dark Ties macht ihn nicht unbedingt sympathischer, aber nachvollziehbarer. Und allein die Möglichkeit, einen echten Antagonisten spielbar zu erleben, ist für Fans ein Highlight. Die Dragon Engine sorgt für detaillierte Umgebungen und flüssige Animationen, auch wenn manche Szenen visuell überbelichtet wirken. Der neu arrangierte Soundtrack spaltet die Meinungen, da er nicht überall die Atmosphäre des Originals einfängt. Technisch läuft das Spiel stabil und modern, was es deutlich zugänglicher macht als die alten Versionen.

Fazit

Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties ist spielerisch vielleicht das beste Remake, das RGG Studio bislang veröffentlicht hat. Das modernisierte Kampfsystem, die erweiterten Nebeninhalte und die starke Dark Ties-Kampagne ergeben ein beeindruckendes Gesamtpaket. Gleichzeitig sorgen Storyänderungen, Neubesetzungen und kontroverse Entscheidungen für Diskussionen, die den Gesamteindruck trüben können. Für Neueinsteiger ist es eine hervorragende Gelegenheit, eines der emotionalsten Kapitel der Reihe modernisiert zu erleben. Für Puristen bleibt es ein zweischneidiges Schwert. Unterm Strich ein starkes, ambitioniertes Remake, das durch mutige Entscheidungen glänzt und gleichzeitig unter ihnen leidet.

Gesamtwertung: 8/10

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