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Legacy of Kain: Ascendance Test/Review

Für viele Spieler ist die Legacy of Kain Reihe mehr als nur eine Spielserie. Sie steht für düstere Geschichten, komplexe Charaktere und eine Atmosphäre, die sich tief eingebrannt hat. Besonders Legacy of Kain: Soul Reaver gilt bis heute als Kultklassiker. Mit Legacy of Kain: Ascendance sollte genau dieses Gefühl zurückkehren. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, vor allem nach den jüngsten Remasters und dem wiedererwachten Interesse an der Marke. Doch statt einer triumphalen Rückkehr liefert das Spiel ein Erlebnis, das hinter seinem eigenen Erbe zurückbleibt.

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Eine Geschichte voller Ideen, aber ohne Fokus

Die Reihe war schon immer bekannt für ihre komplexen Erzählungen rund um Zeitreisen, Machtkämpfe und tragische Figuren. Ascendance versucht, genau daran anzuknüpfen, verliert sich dabei jedoch in seiner eigenen Struktur. Die Geschichte basiert lose auf neueren Lore Erweiterungen und führt mit Elaleth eine neue zentrale Figur ein. Gleichzeitig wechseln sich bekannte Charaktere wie Kain und Raziel mit neuen Perspektiven ab. Das klingt auf dem Papier spannend, führt in der Praxis aber zu einem überladenen Einstieg. Zu viele Figuren, zu viele Zeitebenen und eine oft verschachtelte Erzählweise machen es schwer, wirklich in die Geschichte hineinzufinden. Statt emotionaler Tiefe entsteht häufig Verwirrung. Besonders für Spieler, die nicht jeden Teil der Reihe im Detail kennen, kann das schnell abschreckend wirken.

Einer der interessantesten Aspekte von Ascendance ist der visuelle Ansatz. Der Wechsel zu einem 2D Pixel Look verleiht dem Spiel zunächst eine frische Identität und erinnert stellenweise an Klassiker wie Castlevania. Diese Entscheidung funktioniert grundsätzlich gut und passt zur düsteren Vampir Thematik. Problematisch wird es jedoch, wenn das Spiel beginnt, verschiedene Stilrichtungen zu mischen. Neben Pixelgrafik tauchen auch gezeichnete Porträts, Anime Sequenzen und sogar Low Poly Abschnitte im Stil der ersten PlayStation Generation auf. Diese Vielfalt wirkt weniger wie kreative Vielfalt und mehr wie fehlende klare Linie. Das Ergebnis ist ein visuell uneinheitliches Erlebnis, das selten wirklich zusammenfindet.

Gameplay ohne Biss

Die wohl größte Schwäche von Ascendance liegt im Gameplay. Als 2D Action Platformer setzt das Spiel auf klassische Mechaniken, schafft es jedoch nicht, diese mit eigener Identität zu füllen. Sprungpassagen wirken steif und wenig präzise. Kämpfe bleiben oberflächlich, da es kaum Kombos oder taktische Tiefe gibt. Meist beschränkt sich das Geschehen auf wiederholte Angriffe ohne echte Variation. Dadurch entsteht nie ein flüssiger Kampfrhythmus, wie man ihn aus Genre Größen kennt. Auch das Leveldesign bleibt blass. Es fehlen kreative Ideen, spannende Herausforderungen oder erinnerungswürdige Momente. Viele Abschnitte wirken austauschbar und bieten kaum Anreize, sich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Zwar übernimmt man im Spiel die Kontrolle über mehrere Charaktere, darunter Kain, Raziel und Elaleth, doch die spielerischen Unterschiede bleiben begrenzt. Ein interessantes Element ist die Mechanik rund um Vampire, die Blut aufnehmen müssen, um sich zu heilen. Zusätzlich sorgt ein langsam sinkender Lebensbalken für einen gewissen Druck. In der Praxis entfaltet dieses System jedoch kaum Wirkung, da es selten wirklich zur Herausforderung wird. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen Raziels menschlicher und vampirischer Form. Während der menschliche Raziel bewusst schwächer gestaltet ist, fühlt sich dieser Abschnitt eher frustrierend als spannend an. Statt Abwechslung entsteht hier ein Bruch im Spielfluss.

Gute Ideen, schwache Umsetzung

Einige Ansätze wirken durchaus vielversprechend. So können bestimmte Charaktere fliegen, was neue Möglichkeiten im Leveldesign eröffnet. In der Praxis fühlt sich diese Mechanik jedoch unpräzise und schwer kontrollierbar an. Gerade in Passagen, in denen Fliegen eine zentrale Rolle spielt, kommt es häufig zu frustrierenden Momenten. Fehler wirken weniger wie eigenes Versagen und mehr wie das Resultat ungenauer Steuerung. Auch die Gegner KI trägt nicht zur Verbesserung bei. Gegner verhalten sich oft unlogisch, greifen nicht koordiniert an oder eliminieren sich sogar selbst durch ungeschickte Bewegungen. Dadurch verlieren Kämpfe zusätzlich an Spannung. Trotz der vielen Kritikpunkte gibt es vereinzelte Momente, in denen Ascendance sein Potenzial zeigt. Einige Bosskämpfe sind solide inszeniert und bieten zumindest kurzfristig mehr Herausforderung und Dynamik. Auch einzelne Level stechen hervor, etwa ein Abschnitt, der komplett in Schwarz Weiß gehalten ist, oder eine Verfolgungssequenz zu Pferd. Diese Momente zeigen, was möglich gewesen wäre, wenn das Spiel konsequenter in diese Richtung gearbeitet hätte.

Technische Schwächen und Komfortprobleme

Neben den spielerischen Problemen leidet Ascendance auch unter fehlendem Feinschliff. Es gibt keine Speicherpunkte innerhalb von Leveln, was dazu führt, dass man bei einem Abbruch oft große Abschnitte erneut spielen muss. Nicht überspringbare Zwischensequenzen verstärken diesen Frust zusätzlich. Dazu kommen kleinere technische Ungereimtheiten, etwa fehlerhafte Animationen oder Gegner, die trotz Niederlage noch Dialoge beenden. All diese Punkte summieren sich zu einem Gesamteindruck, der unfertig wirkt und das Spielerlebnis unnötig belastet.

Fazit

Legacy of Kain Ascendance ist ein Spiel mit großen Ambitionen, das jedoch an seiner Umsetzung scheitert. Die Idee, die Reihe in ein 2D Format zu überführen, ist spannend und hätte durchaus funktionieren können. Doch schwaches Gameplay, eine überladene Story und fehlender Feinschliff verhindern, dass das Spiel seinem Namen gerecht wird. Statt einer würdigen Rückkehr bleibt ein Titel, der eher an das Potenzial erinnert als es auszuschöpfen. Für langjährige Fans mag ein gewisser Nostalgiefaktor vorhanden sein, doch selbst dieser kann die grundlegenden Probleme nicht überdecken. Hoffentlich bleibt dies nur ein Ausrutscher und nicht das letzte Kapitel dieser einst so besonderen Reihe.

Gesamtwertung: 7/10

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