Code Violet beginnt und endet mit Zitaten von Leonardo da Vinci. Das wirkt zunächst wie ein Statement. Große Ideen, große Visionen, der Wille, etwas Bedeutungsvolles zu schaffen. Doch genau wie viele der frühen Flugmaschinen-Skizzen des Universalgenies hebt auch dieses Spiel nie wirklich ab. Der Wille ist da, die Umsetzung scheitert an Technik, Tonalität und spielerischem Fundament.
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Die Handlung katapultiert uns weit in die Zukunft, in eine abgelegene Weltraum-Anlage, in der die Protagonistin Violet aus dem Kälteschlaf gerissen wird. Der Auslöser ist ebenso abrupt wie bizarr: Ihre Freundin wird direkt vor ihren Augen von einem Velociraptor gefressen. Willkommen bei Code Violet, einem Spiel, das Dinosaurier, Science-Fiction und Survival-Horror mit einer bemerkenswerten Ernsthaftigkeit präsentiert, obwohl das Szenario an sich kaum ernst zu nehmen ist.
Eine Geschichte zwischen Trash und todernstem Drama
Narrativ bewegt sich Code Violet in einem seltsamen Spannungsfeld. Einerseits ist die Grundidee von Dinosauriern im Weltraum bewusst albern, andererseits wird sie mit einer gravitätischen Schwere erzählt, die nicht so recht passen will. Die Sprachausgabe ist ernst, teilweise pathetisch, als würde hier ein existenzielles Drama verhandelt, während im Hintergrund Raum-Raptoren durch sterile Gänge streifen. Diese Diskrepanz sorgt zwar gelegentlich für unbeabsichtigte Komik, untergräbt aber langfristig jede Form von emotionaler Bindung. Violet selbst bleibt dabei erstaunlich blass. Sie reagiert auf traumatische Ereignisse mit stoischer Distanziertheit, was ihre Rolle als Identifikationsfigur weiter schwächt.

Zusätzlich irritierend ist die Inszenierung der Hauptfigur. Das Spiel beginnt damit, dass Violet lediglich in Unterwäsche durch die Anlage schleicht, angeblich auf der Suche nach ihrer Kleidung. Die Kamera legt dabei einen Fokus, der weniger Spannung erzeugt als vielmehr Fremdscham. Diese Inszenierung zieht sich durch das gesamte Spiel und kollidiert massiv mit dem ansonsten ernsten Ton der Geschichte.
Technische Stolpersteine von der ersten Minute an
Leider offenbart Code Violet seine größten Schwächen bereits spielerisch sehr früh. Schon in den ersten Minuten kam es zu technischen Problemen, darunter ein kompletter Kontrollverlust über die Spielfigur während einer Fluchtsequenz. Solche Bugs sind nicht nur ärgerlich, sondern zerstören unmittelbar jede Form von Immersion. Auch später bleibt das Spiel anfällig für Glitches, unzuverlässige Hitboxen und Kamera-Probleme. Besonders in engen Korridoren versagt die Kamera regelmäßig, was in einem Spiel, das zu großen Teilen in engen Innenräumen spielt, ein massives Problem darstellt. Mehr als einmal endet ein Kampf weniger durch eigenes Versagen als durch fehlende Übersicht.

Schwaches Gunplay und kraftlose Kämpfe
Sobald Violet Waffen findet, sollte eigentlich Erleichterung einkehren. Doch das Kampfsystem gehört zu den größten Enttäuschungen des Spiels. Waffen fühlen sich leicht und wirkungslos an. Selbst Schrotflinten vermitteln kein Gefühl von Wucht oder Gefahr. Trefferfeedback ist minimal, Gegner reagieren kaum sichtbar auf Beschuss und das Treffergefühl bleibt diffus. Wird Violet selbst angegriffen, fehlt es an klarer Rückmeldung. Angriffe wirken visuell harmlos, während lediglich eine Anzeige am Handgelenk verrät, dass man kurz vor dem Tod steht. Spannung entsteht dadurch kaum, Frust dagegen umso mehr.

Auch strukturell bleibt Code Violet rudimentär. Es gibt kein Questlog, keine klare Zielübersicht. Hinweise werden mündlich gegeben und müssen im Kopf behalten werden. Oft endet das in ziellosem Herumirren durch dunkle, sehr ähnlich aussehende Räume auf der Suche nach Schlüsselobjekten oder Zugangskarten. Gelegentliche Rätsel lockern das Geschehen minimal auf, bleiben aber auf einfache Mechaniken beschränkt. Schwarzlicht einsetzen, Codes finden, Knöpfe in der richtigen Reihenfolge drücken. Das alles kennt man besser und eleganter umgesetzt aus anderen Spielen.
Tonales Chaos und fragwürdige Designentscheidungen
Besonders problematisch ist die visuelle und thematische Inkonsistenz. Neben der ernsten Story bietet das Spiel zahlreiche freischaltbare Outfits für Violet, die von Pin-up-Anspielungen bis zu offen sexualisierten Kostümen reichen. Diese stehen in keinem narrativen Zusammenhang und verstärken den Eindruck eines Spiels, das nicht weiß, was es sein will. Wenn emotionale Schlüsselszenen mit tragischer Musik und tränenreichem Monolog inszeniert werden, während die Protagonistin in einem sexualisierten Kostüm präsentiert wird, kippt das Drama endgültig ins Absurde. Es ist schwer, diese Szenen ernst zu nehmen, selbst wenn man es wollte.

Ein positiver Aspekt ist die überschaubare Länge. Nach etwa sechs Stunden ist das Abenteuer beendet. Das verhindert zumindest, dass sich die spielerischen Schwächen zu sehr abnutzen. Dennoch bleibt selbst diese Spielzeit mühsam, da große Teile davon in dunklen, repetitiven Umgebungen stattfinden. Optisch hat Code Violet durchaus Momente, in denen es überzeugt. Einige Außenareale und Lichtstimmungen sind gelungen, auch Violets Charaktermodell ist hochwertig umgesetzt. Leider verbringt man den Großteil der Zeit in monotonen Innenräumen, die diese Stärken kaum zur Geltung bringen.
Fazit
Code Violet ist ein Spiel voller Ideen, das an deren Umsetzung scheitert. Die Mischung aus Science-Fiction, Dinosauriern und Survival-Horror hätte das Potenzial für ein kultiges Erlebnis gehabt. Stattdessen liefern technische Probleme, schwaches Gunplay, monotone Levelstruktur und eine vollkommen inkonsistente Tonalität ein Erlebnis, das eher unfreiwillig unterhält als überzeugt. Einige humorvolle Momente entstehen gerade aus diesem Chaos, doch sie retten das Spiel nicht. Trotz kurzer Laufzeit fällt es schwer, Code Violet uneingeschränkt zu empfehlen. Wer neugierig auf bizarre Konzepte ist und technische Unsauberkeiten verzeiht, kann einen Blick riskieren.

