Mittwoch, Januar 28, 2026
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Dynasty Warriors: Origins – Visions of Four Heroes Test/Review

Mit Dynasty Warriors: Origins ist Omega Force im vergangenen Jahr eine kleine Wiedergeburt der traditionsreichen Serie gelungen. Statt reiner Materialschlachten setzte der Titel stärker auf erzählerische Struktur, RPG-Systeme und eine bewusst fokussierte Perspektive. Das nun erschienene Story-DLC Visions of Four Heroes knüpft genau an diesen Ansatz an und erweitert das Spiel um alternative Szenarien, die bewusst mit dem bekannten Kanon brechen. Im Zentrum stehen vier Figuren, die in der Geschichte der Drei Reiche meist als Antagonisten oder tragische Verlierer in Erinnerung geblieben sind. Zhang Jiao, Dong Zhuo, Yuan Shao und Lu Bu erhalten jeweils eigene kurze Kampagnen, die bewusst als Was-wäre-wenn-Erzählungen konzipiert sind. Dabei geht es weniger um große politische Umwälzungen als vielmehr um Charakterstudien. Visions of Four Heroes zeigt diese Figuren in idealisierten Versionen ihrer selbst, frei von jenen Entscheidungen, die letztlich zu ihrem Untergang führten. Das Ergebnis ist offen als Fanfiction zu verstehen, trifft aber gerade deshalb einen Nerv bei Kennern der Vorlage.

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Strukturierte Mini-Kampagnen statt offener Erzählung

Der Zugang zum DLC erfolgt über das Gasthaus im Hauptspiel. Jede Kampagne ist vollständig vom Hauptszenario isoliert, wobei sämtliche Fortschritte des Spielers wie Level, Ausrüstung, Waffen und Fähigkeiten übernommen werden. Anders als im Hauptspiel gibt es keine verzweigenden Storypfade. Die Mini-Kampagnen sind linear aufgebaut und klar auf ihren jeweiligen Protagonisten zugeschnitten. Zhang Jiaos Geschichte bildet den Einstieg und muss zuerst abgeschlossen werden, bevor die übrigen drei Kampagnen freigeschaltet werden. Der erzählerische Kniff ist dabei schnell erklärt. Der sonst stumme Protagonist Ziluan greift in entscheidenden Momenten ein und verhindert den Tod jener Figuren, die im Hauptspiel unweigerlich scheitern. Daraus entwickeln sich alternative Verläufe, die weniger spektakulär als die großen historischen Schlachten sind, dafür aber stärker auf persönliche Motivationen und ideologische Konflikte eingehen.

Bekannte Schlachtfelder mit neuem Fokus

Neue Karten sucht man im DLC vergeblich. Stattdessen greift Visions of Four Heroes auf bestehende Areale zurück, variiert diese jedoch durch veränderte Tageszeiten, Wettereffekte und Gegneraufstellungen. Dank dynamischer Levelskalierung bleiben die Schlachten auch für hochstufige Charaktere fordernd. Selbst Spieler mit Endgame-Ausrüstung können die Kampagnen nicht einfach überrollen, insbesondere auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Inhaltlich setzt das DLC konsequent auf das Prinzip maximale Action bei minimalem Leerlauf. Schlachten folgen dicht aufeinander, häufig stehen mehrere bekannte Generäle gleichzeitig auf dem Schlachtfeld. Gerade Fans der groß angelegten Armee-gegen-Armee-Gefechte kommen hier voll auf ihre Kosten. Einige der finalen Schlachten gehören sogar zu den intensivsten Momenten, die Origins insgesamt zu bieten hat.

Neue Waffen und ein spezielles Fortschrittssystem

Spielerisch bringt das DLC zwei neue Waffentypen ins Spiel. Der Bogen und die Seilpfeilwaffe erweitern Ziluans Arsenal um technisch anspruchsvollere Optionen. Beide Waffen verfügen über spezielle Folgemanöver und Ausweichangriffe, die sie deutlich von den eher direkten Nahkampfwaffen des Hauptspiels abheben. Ihre Entwicklung erfolgt wie gewohnt über Level-Ups und zusätzliche Skills, die auch im Hauptspiel nutzbar sind. Ergänzt wird dies durch einen neuen Skillbaum, der allerdings ausschließlich innerhalb der DLC-Kampagnen aktiv ist. Die freischaltbaren Boni sind eng mit einer neuen Mechanik verknüpft und beeinflussen das Geschehen außerhalb klassischer Schlachten. Dadurch bleibt die Balance des Hauptspiels unangetastet, gleichzeitig fühlt sich dieser Skillbaum vergleichsweise unspektakulär an, da er kaum langfristige Auswirkungen bietet.

Strategische Schlachten als neues Zwischenspiel

Eine der auffälligsten Neuerungen ist das sogenannte Strategische Schlachtsystem. Zwischen den großen Gefechten bewegt sich der Spieler über eine abstrahierte Weltkarte, auf der verbündete und feindliche Einheiten mit eigenen Lebenspunkten und Stärkeanzeigen agieren. Ziel ist es, die gegnerische Streitmacht durch kleinere Scharmützel zu schwächen, bevor es zur finalen Auseinandersetzung kommt. Das System ist bewusst simpel gehalten und erinnert eher an ein taktisches Brettspiel als an eine komplexe Simulation. Siege in Scharmützeln gewähren Ressourcen, mit denen Spezialfähigkeiten aktiviert werden können. Diese reichen von temporären Buff-Zonen bis hin zu Duellen, die ganze Begegnungen auf einen einzigen Kampf reduzieren. Die Mechanik funktioniert solide, wirkt aber eher wie ein Prototyp für zukünftige Spiele als wie ein voll ausgereiftes System.

Präsentation und Spielfluss

Wie schon im Hauptspiel bleibt Omega Force auch im DLC seiner Designphilosophie treu. Die Kamera fängt das Chaos der Massenschlachten eindrucksvoll ein, die Performance bleibt stabil und der Spielfluss hoch. Die kurzen Hub-Bereiche zwischen den Missionen bieten Zugriff auf Händler, Trainingsareale und neue Herausforderungen, ohne den Rhythmus zu brechen. Wermutstropfen bleibt die weiterhin starre Fokussierung auf Ziluan als einzige dauerhaft spielbare Figur. Zwar begleiten bekannte Charaktere zeitweise als Gefährten, doch die Möglichkeit, diese vollständig zu kontrollieren, bleibt auf kurze Abschnitte beschränkt. Gerade angesichts der prominenten DLC-Protagonisten wirkt diese Entscheidung weiterhin verschenkt.

Fazit

Visions of Four Heroes ist kein revolutionärer Erweiterungsinhalt, sondern eine konzentrierte Liebeserklärung an das, was Dynasty Warriors: Origins bereits ausgezeichnet hat. Dichte Schlachten, klare Strukturen und ein Fokus auf alternative Erzählperspektiven prägen das Erlebnis. Die Geschichten selbst bleiben aufgrund ihrer isolierten Natur emotional etwas distanziert, bieten Fans der Vorlage jedoch zahlreiche interessante Gedankenspiele. Wer Origins mochte und vor allem die groß angelegten Schlachten schätzt, bekommt hier genau das in komprimierter Form geliefert. Spieler, die auf tiefgreifende neue Systeme oder nachhaltige Änderungen am Grundspiel gehofft haben, dürften hingegen eher ernüchtert sein. Als in sich geschlossene Erweiterung erfüllt Visions of Four Heroes jedoch genau seinen Zweck und liefert solide, intensive Action mit einem Hauch erzählerischer Neugier.

Gesamtwertung: 8/10

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