Montag, Februar 16, 2026
StartGaming HubDragon Quest VII Reimagined Test/Review

Dragon Quest VII Reimagined Test/Review

Als Dragon Quest VII: Fragments of the Forgotten Past im Jahr 2000 erschien, war es ein monumentales Rollenspiel, episch in Umfang und Struktur, kompromisslos in seiner Länge und Detailverliebtheit. 2013 folgte ein 3DS-Remake, das bereits an Tempo und Zugänglichkeit schraubte. Nun erscheint mit Dragon Quest VII Reimagined eine Neuinterpretation, die nicht einfach nur remastered, sondern visuell und technisch von Grund auf neu aufgebaut wurde. Und ja, das merkt man.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Puppen, Dioramen und eine neue Identität für Dragon Quest

Das auffälligste Merkmal ist der neue „Doll-and-Diorama“-Look. Laut Entwicklerteam wurden tatsächlich physische Figuren erstellt, gescannt und digital umgesetzt. Das Ergebnis ist ein erstaunlich taktiles, fast greifbares Erscheinungsbild. Städte wirken wie liebevoll gestaltete Modellbau-Welten, Charaktere wie kleine, bewegliche Figuren auf einer Bühne. Puristen mögen den Verlust klassischer Pixelästhetik bedauern, doch Reimagined findet eine eigene, charmante Identität. Dreht man die Kamera, entdeckt man Details, Texturen und kleine Feinheiten, die dem Spiel eine warme, handgemachte Atmosphäre verleihen. Es fühlt sich weniger wie ein Remake an, mehr wie eine Neuinszenierung.

Eine epische Reise durch Zeit und Geschichte

Die Grundgeschichte bleibt vertraut. Man übernimmt die Rolle eines jungen Helden aus dem Königreich Estard – Sohn eines kräftigen Fischers, ausgestattet mit grüner Mütze, Stiefeln und einem einfachen Stock. An seiner Seite bald:

  • Kiefer, der Prinz mit wenig Lust auf den Thron
  • Maribel, die eigensinnige Jugendfreundin
  • Ruff, der temperamentvolle Wolfjunge
  • Aishe, die tanzende Kriegerin
  • Sir Mervyn, ein heroischer Veteran mit Shakespeare’schem Pathos

Die Handlung dreht sich um mysteriöse Steinfragmente, insgesamt 71 an der Zahl. Setzt man sie im Schrein der Mysterien zusammen, tauchen versunkene Inseln wieder aus dem Meer auf. Jede neu entdeckte Insel erzählt ihre eigene Geschichte, besitzt eigene Dialekte und kulturelle Eigenheiten. Dabei springt man konstant zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Entscheidungen und Taten in der Vergangenheit beeinflussen die Gegenwart sichtbar: Monster verschwinden, Gebäude verfallen, ganze Städte verändern sich. Diese Struktur bleibt eine der faszinierendsten Erzählideen der Reihe. Der über allem schwebende Gegenspieler ist der Dämonenkönig, eine Bedrohung, die sich langsam und stetig aufbaut.

Straffung ohne Verlust

Produzent Takeshi Ichikawa sprach davon, die Story „verfeinert“ und „gestrafft“ zu haben. Tatsächlich wurden einige Nebenschauplätze gekürzt oder umstrukturiert. Doch keine Sorge: Das Abenteuer dauert immer noch über 100 Stunden. Wichtig ist: Die Straffung wirkt sinnvoll. Die Erzählung fühlt sich fokussierter an, der Einstieg weniger zäh als im Original. Gleichzeitig bleibt der Umfang gigantisch. Neueinsteiger profitieren enorm von dieser Balance.

Klassisches Kampfsystem, modernisiert

Das rundenbasierte Kampfsystem bleibt dem Erbe der Reihe treu und funktioniert hervorragend. Zufallsbegegnungen wurden abgeschafft. Gegner sind sichtbar, Kämpfe können vermieden werden. Das sorgt für ein angenehmeres Tempo. Herzstück des Fortschrittssystems sind die Vocations, Berufe, die Charaktere annehmen können. Jeder Beruf verändert Attribute, Fähigkeiten und Zauber. Später darf man sogar eine zweite Berufung kombinieren und so hybride Builds erschaffen. Wechseln kann man jederzeit. Neue Berufe schaltet man im Verlauf frei. Dadurch entsteht ein motivierendes Experimentiersystem, das strategische Tiefe bietet, ohne überfordernd zu wirken. Hinzu kommen: Let Loose-Fähigkeiten, die bei emotionaler Aufladung Buffs gewähren, eine enorme Auswahl an Zaubern und Spezialtechniken und flexible Schwierigkeitsoptionen. Das Kampfsystem ist zugänglich, aber nie banal.

Inselgeschichten voller Charme

Jede wiederhergestellte Insel besitzt eine eigene Mini-Geschichte. Manche sind tragisch, andere humorvoll oder moralisch komplex. Besonders gelungen sind die regionalen Dialekte, von britisch angehauchten Akzenten bis zu französisch klingenden Sprechweisen. Diese Episoden verleihen dem Spiel eine fast anthologische Qualität. Man hilft Dorfbewohnern, löst Konflikte, besiegt lokale Bedrohungen und verändert nachhaltig ihre Zukunft. Das Spiel versteht es meisterhaft, große Weltbedrohung mit kleinen, menschlichen Geschichten zu verweben.

Nebenaktivitäten und liebevolle Details

Neben der Hauptstory warten zahlreiche Ablenkungen: Lucky Panel, Battle Arena, Ausrüstungsoptimierung und Schatzsuche. Man segelt mit einem klapprigen Schiff über die Meere, fliegt später auf einem magischen Teppich oder nutzt den klassischen Zoom-Zauber für Schnellreisen. Es ist dieses entschleunigte, fast gemütliche Tempo, das Dragon Quest so einzigartig macht. Trotz epischer Bedrohung bleibt das Abenteuer angenehm bodenständig. Die orchestrale Musik ist hervorragend. Heldenhafte Bläser, eingängige Melodien und emotional aufgeladene Stücke begleiten jede Phase des Spiels. Einige Themes bleiben garantiert im Ohr. Die Sprachausgabe ist energiegeladen und verleiht den Figuren Persönlichkeit. Technisch läuft das Spiel stabil. Ladezeiten sind kurz, Animationen sauber, Performance durchweg solide.

Fazit

Dragon Quest VII Reimagined ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Remake aussehen sollte. Es respektiert sein Erbe, modernisiert sinnvolle Elemente und findet gleichzeitig eine eigenständige visuelle Sprache. Der Diorama-Stil mag polarisieren, doch er verleiht dem Abenteuer Charakter. Mit über 100 Stunden Spielzeit, einem flexiblen Berufssystem und einer Vielzahl emotionaler Inselgeschichten liefert das Spiel ein klassisches JRPG-Erlebnis in zeitgemäßem Gewand. Für Fans der Reihe ist es eine liebevolle Neuinterpretation.
Für Neueinsteiger ein idealer Zugangspunkt zu einem der ambitioniertesten Teile der Serie. Ein wunderschönes, warmherziges Rollenspiel und ein Remake, das seinen Titel verdient.

Gesamtwertung: 9/10

Ähnliche Artikel