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Diablo IV: Lord of Hatred Test/Review

Mit Diablo 4: Lord of Hatred liefert Blizzard Entertainment eine Erweiterung ab, die sich nicht nur wie ein klassisches Add-on anfühlt, sondern eher wie ein zweiter Frühling für das Hauptspiel. Nach dem eher durchwachsenen Story-Fortschritt von Diablo 4: Vessel of Hatred stand Blizzard vor der Herausforderung, sowohl erzählerisch als auch spielerisch nachzulegen. Genau das gelingt hier überraschend überzeugend. Lord of Hatred schafft es, die Motivation zurückzubringen, die viele Spieler nach dem ersten Durchlauf verloren hatten. Die Kombination aus neuer Story, überarbeiteten Systemen und einer Fülle an Endgame-Inhalten sorgt dafür, dass man sich schnell wieder in den bekannten Diablo-Sog hineinziehen lässt. Und genau das ist letztlich die größte Stärke dieser Erweiterung.

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Eine Kampagne, die hängen bleibt

Die etwa achtstündige Kampagne gehört zu den besten, die die Reihe bisher hervorgebracht hat. Sie ist kompakt, klar strukturiert und schafft es, Spannung konstant aufrechtzuerhalten. Statt sich in unnötigen Nebenhandlungen zu verlieren, konzentriert sich die Story auf zentrale Konflikte, starke Charaktere und emotionale Momente. Besonders beeindruckend ist das Tempo der Erzählung. Wendungen kommen genau im richtigen Moment, ohne konstruiert zu wirken. Gleichzeitig gelingt es dem Spiel, selbst antagonistische Figuren nachvollziehbar darzustellen, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht. Diskussionen über Moral, Macht und die Natur von Dämonen sind hier keine Seltenheit, sondern ein integraler Bestandteil der Erfahrung. Der neue Schauplatz Skovos spielt dabei eine entscheidende Rolle. Als Ursprungsort der Menschheit ist die Region tief in der Lore verankert und bietet eine spannende Mischung aus vertrauten und neuen Elementen. Neben zerstörten Gebieten und dämonischen Einflüssen gibt es auch überraschend unberührte Orte, die einen interessanten Kontrast zur sonst düsteren Welt von Sanctuary bilden. Diese Vielfalt sorgt dafür, dass sich das Erkunden der Region auch visuell lohnt, selbst wenn der Fokus klar auf der Kampagne liegt.

Zwei Klassen, die das Spiel verändern

Mit dem Paladin und dem Warlock erweitert Lord of Hatred das Klassenangebot um zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen spannende Optionen. Der Paladin ist eine klassische Ergänzung, die vor allem Veteranen ansprechen dürfte. Mit seinen defensiven Fähigkeiten, Auren und stabilen Builds bietet er ein vertrautes, aber dennoch modernes Spielerlebnis. Der Warlock hingegen bringt frischen Wind ins Spiel. Diese Klasse erlaubt es, mit dämonischen Kräften zu experimentieren und bietet eine enorme Vielfalt an möglichen Spielstilen. Von Beschwörungen bis hin zu aggressiven Nahkampfbauten ist alles möglich. Besonders interessant ist die Möglichkeit, verschiedene Disziplinen miteinander zu kombinieren und so völlig neue Builds zu erschaffen. Zusätzlich wurden die bestehenden Skillbäume umfassend überarbeitet. Statt einfacher passiver Boni stehen nun Entscheidungen im Vordergrund, die den Spielstil aktiv beeinflussen. Das sorgt für mehr Individualität und macht das Experimentieren mit Builds deutlich spannender. Gleichzeitig bleibt jedoch ein gewisser Grad an Komplexität bestehen, der nicht für jeden Spieler ideal ist.

Wie bei jedem Diablo-Spiel liegt der wahre Kern der Erfahrung im Endgame. Und hier liefert Lord of Hatred vielleicht seine größte Stärke. Die schiere Menge an Systemen, Aktivitäten und Anpassungsmöglichkeiten ist beeindruckend und kann anfangs sogar überwältigend wirken. Neue Features wie das Talisman-System erweitern die Möglichkeiten zur Charakteroptimierung erheblich. Statt klassische Set-Boni an bestimmte Rüstungsteile zu binden, können Spieler nun flexibler agieren und ihre Builds freier gestalten. Auch der überarbeitete Horadrim-Würfel eröffnet neue Wege, Ausrüstung zu verbessern und individuelle Strategien zu entwickeln. Ein weiteres Highlight ist das War Plans System. Dieses fungiert als eine Art dynamische Playlist für Endgame-Inhalte und sorgt dafür, dass man nahtlos zwischen verschiedenen Aktivitäten wechseln kann. Ob Dungeons, Bosskämpfe oder spezielle Events, alles ist schnell erreichbar und sinnvoll miteinander verknüpft. Das reduziert unnötige Wartezeiten und hält den Spielfluss konstant aufrecht.

Fortschritt, der sich wieder lohnt

Ein zentraler Punkt, den Lord of Hatred deutlich verbessert, ist das Gefühl von Fortschritt. Jede Aktivität, jedes gefundene Item und jede investierte Stunde tragen spürbar zur Entwicklung des eigenen Charakters bei. Besonders im späteren Spielverlauf entfaltet sich ein motivierender Loop, der typisch für das Genre ist. Das Zusammenspiel aus Loot, Skill-Anpassungen und steigenden Schwierigkeitsgraden sorgt dafür, dass man immer ein neues Ziel vor Augen hat. Die Erweiterung hebt die Anzahl der Endgame-Stufen deutlich an, was für zusätzliche Langzeitmotivation sorgt. Gleichzeitig helfen Quality-of-Life-Verbesserungen wie der Loot-Filter dabei, den Überblick zu behalten und unnötige Frustration zu vermeiden. Trotz der vielen positiven Aspekte gibt es auch einige Kritikpunkte. Besonders im Koop zeigt sich, dass nicht alle Systeme optimal aufeinander abgestimmt sind. Das War Plans System beispielsweise funktioniert in Gruppen nicht immer ideal, da individuelle Fortschritte nicht vollständig synchronisiert werden. Auch die neue Region Skovos hätte abseits der Hauptstory mehr bieten können. Zwar überzeugt sie optisch und thematisch, doch echte Anreize zur freien Erkundung bleiben begrenzt. Hier hätte Blizzard noch etwas mehr Mut zeigen können. Ein weiterer Punkt ist die Komplexität der Menüs und Systeme. Für erfahrene Spieler mag das kein Problem darstellen, doch Neueinsteiger könnten sich schnell überfordert fühlen. Die Vielzahl an Mechaniken erfordert Zeit und Geduld, um vollständig verstanden zu werden.

Was Lord of Hatred letztlich so stark macht, ist die Kombination aus vielen kleinen Verbesserungen und einigen großen Neuerungen. Das Spiel fühlt sich runder, zugänglicher und gleichzeitig tiefgründiger an als zuvor. Der klassische Diablo-Loop aus Kämpfen, Looten und Optimieren funktioniert hier besser denn je. Gleichzeitig sorgt die stärkere narrative Ausrichtung dafür, dass auch die Geschichte wieder mehr Gewicht bekommt. Diese Balance zwischen Story und Gameplay ist es, die die Erweiterung so gelungen macht.

Fazit

Diablo 4: Lord of Hatred ist mehr als nur eine Erweiterung. Es ist ein klares Statement, dass Blizzard die richtigen Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat. Die Kampagne überzeugt mit Spannung und Atmosphäre, die neuen Klassen bringen frischen Wind ins Gameplay, und das Endgame bietet mehr Tiefe und Motivation als je zuvor. Auch wenn nicht alles perfekt ist und einige Systeme noch Feinschliff benötigen, überwiegen die positiven Aspekte deutlich. Für Fans der Reihe ist diese Erweiterung ein absolutes Muss und ein hervorragender Grund, erneut in die Welt von Sanctuary einzutauchen.

Gesamtwertung: 8.5/10

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