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Nitro Gen Omega Test/Review

Mit Nitro Gen Omega liefert das kleine italienische Studio DESTINYbit einen ungewöhnlichen Mix aus taktischem Rollenspiel, Sandbox-Elementen und Anime-Inszenierung ab. Das Ergebnis wirkt zwar nicht immer perfekt ausbalanciert oder komplett ausgereift, hinterlässt aber gerade wegen seiner Eigenheiten einen überraschend starken Eindruck. Vor allem Fans von taktischen RPGs und Mech-Settings dürften hier schnell Gefallen finden. Denn Nitro Gen Omega schafft es, bekannte Mechaniken frisch zu kombinieren und daraus ein Spiel zu formen, das trotz kleiner Schwächen eine eigene Identität besitzt.

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Eine Welt ohne Hoffnung

Die Handlung spielt in einer postapokalyptischen Zukunft, in der Maschinen die Kontrolle übernommen haben. Die letzten Menschen leben isoliert in gigantischen Städten auf hohen Säulen, während der Rest der Welt von feindlichen Robotern beherrscht wird. Die meisten Bewohner haben längst aufgegeben. Manche flüchten sich in exzessive Feiern, andere verstecken sich einfach vor dem unausweichlichen Ende. Mittendrin steht jedoch eine kleine Widerstandsgruppe, die sich selbst die „Fools“ nennt und weiterhin an eine bessere Zukunft glaubt. Gemeinsam mit ihnen steuert man einen selbstgebauten Mech durch gefährliche Gebiete und versucht, die Roboterbedrohung Stück für Stück zurückzudrängen.

Die Geschichte selbst bleibt dabei eher simpel erzählt, funktioniert aber vor allem durch ihre Atmosphäre und die starken Charaktermomente innerhalb der Crew. Was Nitro Gen Omega besonders macht, ist die ungewöhnliche Kombination aus harten Taktikgefechten und fast schon ruhigen Slice-of-Life-Momenten. Zwischen Missionen erkundet man mit seinem Schiff die Weltkarte, besucht Städte und kümmert sich um die eigene Crew. Dabei geht es nicht nur um Ausrüstung und Upgrades, sondern auch um das mentale Wohlbefinden der Charaktere. Crewmitglieder können gemeinsam essen, Videospiele spielen, Yoga machen oder Traumazentren besuchen, um die psychischen Folgen der Kämpfe zu verarbeiten. Gerade diese kleinen Momente verleihen dem Spiel überraschend viel Persönlichkeit und sorgen dafür, dass sich die Gruppe wie echte Menschen anfühlt. Unterstützt wird das Ganze durch anime-inspirierte Zwischensequenzen, die emotionaler ausfallen, als man zunächst erwarten würde.

Das Herzstück: Die taktischen Kämpfe

Die eigentliche Stärke von Nitro Gen Omega liegt aber eindeutig im Kampfsystem. Die Gefechte laufen in zwei Phasen ab: der Planning Phase und der Resolution Phase. In der Planungsphase legt man sämtliche Aktionen der Crew im Voraus fest. Dabei übernimmt jedes Besatzungsmitglied eine bestimmte Aufgabe. Während ein Crewmitglied Waffen nachlädt, steuert ein anderes den Mech oder bereitet Verteidigungsmanöver vor. Die Reihenfolge der Aktionen spielt eine enorme Rolle und entscheidet oft darüber, ob ein Angriff gelingt oder die eigene Strategie komplett auseinanderfällt. In der anschließenden Resolution Phase werden alle Befehle automatisch ausgeführt. Dadurch entsteht eine spannende Mischung aus Planung, Risiko und Improvisation. Gerade später entwickelt das Kampfsystem eine beeindruckende taktische Tiefe. Neue Fähigkeiten, bessere Ausrüstung und stärkere Crewmitglieder eröffnen immer mehr Möglichkeiten, um unterschiedliche Strategien auszuprobieren. Allerdings verlangt Nitro Gen Omega auch Geduld. Das Spiel erklärt seine komplexen Systeme nicht immer ausreichend und ein ausführlicheres Tutorial oder Nachschlagewerk hätte definitiv geholfen. Besonders zu Beginn kann die Informationsflut etwas überwältigend wirken. Hat man die Mechaniken jedoch verstanden, entfalten die Kämpfe einen enormen Reiz. Die verschiedenen Gegnertypen sorgen konstant für neue Situationen und zwingen einen regelmäßig dazu, die eigene Taktik anzupassen. Wer Spaß an strategischen RPGs hat, dürfte hier deshalb voll auf seine Kosten kommen.

Kleine Schwächen im Detail

Abseits der Kämpfe merkt man dem Spiel stellenweise das begrenzte Budget des kleinen Studios an. Nicht alle Menüs sind intuitiv aufgebaut und manche Upgrades oder Gegenstände werden nur unzureichend erklärt. Teilweise kauft man neue Ausrüstung, ohne direkt nachvollziehen zu können, wie oder wo sie eingesetzt wird. Auch die Sandbox-Elemente wirken manchmal etwas unausgereift. Die Weltkarte erfüllt ihren Zweck, bleibt spielerisch aber relativ simpel. Dafür punktet Nitro Gen Omega immer wieder mit seiner kreativen Präsentation und seinem eigenwilligen Stil. Gerade die Mischung aus düsterer Sci-Fi-Welt, Anime-Ästhetik und emotionalen Crew-Momenten erzeugt eine Atmosphäre, die man in dieser Form nicht oft sieht. Nitro Gen Omega versucht gar nicht erst, ein riesiges Hochglanz-RPG zu sein. Stattdessen konzentriert sich DESTINYbit auf starke taktische Kämpfe und eine ungewöhnlich persönliche Crew-Dynamik. Dadurch entsteht ein Spiel, das zwar nicht immer perfekt poliert wirkt, aber dafür deutlich mehr Charakter besitzt als viele größere Produktionen. Gerade Fans von Mechs, taktischen Kämpfen und etwas experimentelleren Rollenspielideen dürften hier einen echten Geheimtipp entdecken.

Fazit

Nitro Gen Omega ist ein überraschend starkes Tactical-RPG mit hervorragendem Kampfsystem und einer ungewöhnlich charmanten Mischung aus Sci-Fi-Drama und Crew-Management. Die Kämpfe bieten viel taktische Tiefe, die Charaktere wachsen einem ans Herz und die Mischung aus Sandbox-Elementen und Anime-Atmosphäre funktioniert besser als erwartet. Zwar fehlt es stellenweise an Komfortfunktionen und klaren Erklärungen, doch gerade das kreative Gesamtbild macht den Reiz des Spiels aus. Wer taktische RPGs liebt und Lust auf etwas Eigenständiges abseits der typischen Genreformeln hat, sollte Nitro Gen Omega definitiv im Auge behalten.

Gesamtwertung: 8/10

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