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Call of the Elder Gods Test/Review

Mit Call of the Elder Gods liefert Out of the Blue Games eine gelungene Fortsetzung zu dem unterschätzten Abenteuer Call of the Sea ab. Statt sich auf billige Horror-Schocks oder reine Lovecraft-Klischees zu verlassen, setzt das Spiel erneut auf Atmosphäre, emotionale Charaktere und cleveres Rätseldesign. Das Ergebnis ist ein storylastiges Mystery-Abenteuer, das zwar nicht ganz die Magie seines Vorgängers erreicht, dafür aber deutlich ambitionierter wirkt.

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Eine Reise durch Raum, Zeit und Erinnerung

Die Handlung spielt rund zwanzig Jahre nach den Ereignissen des ersten Spiels und führt zwei neue Hauptfiguren zusammen: Evangeline Drayton und Professor Harry Everhart. Evangeline wird von merkwürdigen Visionen einer uralten Stadt geplagt und leidet gleichzeitig unter Erinnerungslücken. Auf der Suche nach Antworten sucht sie Harry Everhart auf, der bereits in die mysteriösen Ereignisse der ersten Expedition verwickelt war. Begleitet wird die Geschichte zudem von den Kommentaren der ursprünglichen Protagonistin Norah, deren Erzählerrolle dem gesamten Abenteuer eine zusätzliche Ebene verleiht. Schon früh wird klar, dass Call of the Elder Gods deutlich größer denkt als sein Vorgänger. Statt einer isolierten Inselreise entwickelt sich die Geschichte zu einem globetrottenden Abenteuer, das von alten Anwesen über versteckte Höhlensysteme bis hin zu verlassenen Nazi-Einrichtungen und uralten Städten vergangener Zeitalter führt.

Lovecraft ohne billigen Horror

Besonders beeindruckend ist dabei, wie geschickt das Spiel mit den Themen von H. P. Lovecraft umgeht. Statt sich ausschließlich auf Monster und Wahnsinn zu konzentrieren, greift Call of the Elder Gods vor allem das Gefühl des Unbekannten auf. Die Inspiration durch Geschichten wie „The Color Out of Space“ oder „The Shadow Out of Time“ ist deutlich spürbar. Realität und Erinnerung verschwimmen zunehmend, Zeit verliert an Bedeutung und die Charaktere geraten immer tiefer in eine übernatürliche Verschwörung. Gerade diese langsame Eskalation funktioniert hervorragend. Das Spiel nimmt sich bewusst Zeit für seine Figuren und ihre emotionalen Konflikte, wodurch die späteren Enthüllungen deutlich stärker wirken.

Wie bereits der Vorgänger setzt auch Call of the Elder Gods stark auf klassische Rätselmechaniken im Stil von Myst oder Riven. Hinweise müssen aufmerksam beobachtet, Umgebungen analysiert und Zusammenhänge selbst erschlossen werden. Das Spiel erklärt nur selten direkt, was zu tun ist, sondern vertraut darauf, dass man seine Umgebung aufmerksam untersucht. Viele Rätsel gehören dabei zu den stärksten Momenten des Spiels. Besonders gelungen sind jene Situationen, in denen man erst langsam versteht, wie verschiedene Mechaniken zusammenhängen, bevor plötzlich der berühmte „Eureka“-Moment einsetzt. Ein frühes Highlight ist beispielsweise ein Abschnitt während eines Gewitters, in dem Statuen korrekt ausgerichtet werden müssen, während Donner und Regen eine zunehmend unheimliche Stimmung erzeugen. Solche Momente verbinden Gameplay und Atmosphäre außergewöhnlich gut.

Nicht jedes Rätsel überzeugt

Allerdings zeigt sich hier auch eine der größten Schwächen des Spiels. Durch die fragmentierte Struktur schwankt der Schwierigkeitsgrad der Rätsel teilweise enorm. Manche Aufgaben lassen sich angenehm logisch lösen, während andere plötzlich mit einer Flut an Informationen und komplizierten Mechaniken überfordern. Gerade technischere Maschinenrätsel können unnötig umständlich werden. Häufig blättert man minutenlang im Journal herum oder läuft erneut durch bereits bekannte Bereiche, nur um einen winzigen Hinweis übersehen zu haben. Zwar bietet das Spiel ein hilfreiches Hinweissystem, das bei Bedarf sogar komplette Lösungen erklärt, doch natürlicher integrierte Hilfestellungen hätten dem Spielfluss oft bessergetan. Audiovisuell liefert Call of the Elder Gods eine starke Leistung ab.

Die unterschiedlichen Schauplätze besitzen jeweils ihre eigene Stimmung und reichen von düsteren Höhlen bis hin zu surrealen Ruinen uralter Zivilisationen. Besonders die Lichtstimmung und die Farbgebung tragen enorm zur mysteriösen Atmosphäre bei. Dazu kommt ein sehr starker Soundtrack, der die Spannung kontinuierlich unterstreicht, ohne sich jemals zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Auch die Sprecherleistungen überzeugen. Vor allem Yuri Lowenthal und Mara Junot verleihen Harry und Evangeline eine glaubwürdige emotionale Tiefe, wodurch ihre persönlichen Konflikte trotz der kosmischen Bedrohung stets greifbar bleiben.

Eine emotionale Geschichte mit kleinen Schwächen

Die größte Stärke des Spiels bleibt letztlich seine emotionale Ebene. Trotz aller Lovecraft-Elemente erzählt Call of the Elder Gods vor allem eine Geschichte über Verlust, Erinnerungen und die Suche nach Antworten. Gerade die Verbindung zwischen den Ereignissen des ersten Spiels und Evangelines persönlicher Reise verleiht der Handlung überraschend viel Gewicht. Allerdings gelingt dem Finale nicht ganz der perfekte Abschluss. Einige Mysterien bleiben bewusst offen, was zwar zur kosmischen Horror-Thematik passt, emotional aber etwas unbefriedigend wirken kann. Auch das hohe Tempo der Ortswechsel sorgt dafür, dass manche Schauplätze nicht genug Zeit bekommen, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Fazit

Call of the Elder Gods ist ein atmosphärisches Mystery-Abenteuer mit starker Lovecraft-Stimmung, cleveren Rätseln und einer emotional überraschend wirkungsvollen Geschichte. Die Fortsetzung erweitert die Ideen von Call of the Sea sinnvoll, setzt stärker auf große Abenteuer-Inszenierung und kombiniert klassische Puzzle-Mechaniken mit einer faszinierenden Erzählung über Zeit, Erinnerung und Verlust. Nicht jedes Rätsel ist gelungen und manche Passagen wirken unnötig kompliziert, doch die hervorragende Atmosphäre, die starken Figuren und das kreative Worldbuilding machen diese Schwächen größtenteils wett. Fans von narrativen Puzzle-Adventures und klassischen Mystery-Spielen sollten sich Call of the Elder Gods definitiv ansehen.

Gesamtwertung: 8.5/10

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