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Halo: Campaign Evolved PS5 Test/Review

Noch vor wenigen Jahren hätte die Vorstellung beinahe absurd geklungen: Halo auf einer PlayStation-Konsole. Ausgerechnet die Spielereihe, die wie kaum eine andere für die Marke Xbox steht, erscheint nun auch auf der PS5. Doch dieser ungewöhnliche Schritt ist längst nicht das einzig Bemerkenswerte an Halo: Campaign Evolved. Halo Studios hat die Kampagne von Halo: Combat Evolved vollständig in der Unreal Engine 5 neu aufgebaut, spielerisch modernisiert und sogar um komplett neue Missionen erweitert. Dabei versucht das Remake nicht, aus dem Klassiker ein modernes Open-World-Spiel mit Talentbäumen, Nebenaufgaben und Crafting-Systemen zu machen. Stattdessen konzentriert es sich auf genau das, was Halo bereits 2001 ausgezeichnet hat: hervorragend inszenierte Feuergefechte, eine abwechslungsreiche Waffenauswahl und eine schnörkellose Science-Fiction-Kampagne. Das Ergebnis ist ein erfreulich geradliniger Shooter, der seine Herkunft nicht versteckt und dennoch an entscheidenden Stellen verbessert wurde.

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Ein Xbox-Klassiker auf der PlayStation

Halo: Combat Evolved war 2001 einer der wichtigsten Titel für Microsofts erste Xbox. Der Shooter etablierte nicht nur den Master Chief als neues Maskottchen, sondern prägte auch die Steuerung und das Design moderner Konsolen-Shooter nachhaltig. Während PlayStation-Spieler damals Titel wie Metal Gear Solid 2 oder Tony Hawk’s Pro Skater 3 erlebten, blieb ihnen das Abenteuer des Master Chiefs verwehrt. Mit Campaign Evolved können sie nun erstmals dessen Debütkampagne auf einer Sony-Konsole nachholen. Veteranen erhalten hingegen die Gelegenheit, einen der einflussreichsten Ego-Shooter aller Zeiten in technisch und spielerisch überarbeiteter Form erneut zu erleben. Dabei bleibt das Remake dem Original erstaunlich treu.

Halo: Campaign Evolved ist auch 25 Jahre nach dem Original ein Produkt seiner Zeit. Das Spiel besitzt keine offene Welt, keine ausufernden Nebenmissionen und kein umfangreiches Rollenspielsystem. Stattdessen folgt die Kampagne einer klaren linearen Struktur. Ihr kämpft euch durch feindliche Raumschiffe, Wälder, Sümpfe und außerirdische Anlagen, erreicht das nächste Missionsziel und tretet dort erneut gegen die Allianz an. Später gesellt sich mit der Flood eine weitere, deutlich aggressivere Bedrohung hinzu. Im Vergleich zu vielen modernen Spielen wirkt diese Struktur beinahe minimalistisch. Campaign Evolved versucht nicht, seine ungefähr zehnstündige Kampagne künstlich mit Sammelaufgaben oder riesigen Karten zu verlängern. Nahezu jede Minute wird mit Kämpfen, Fahrzeugpassagen oder kurzen Storysequenzen gefüllt. Gerade diese Konzentration auf das Wesentliche fühlt sich überraschend erfrischend an.

Das Gunplay bleibt die größte Stärke

Der wichtigste Grund, warum Halo auch heute noch funktioniert, ist das hervorragende Schussgefühl. Bereits das klassische Sturmgewehr vermittelt genau die richtige Mischung aus Kontrolle und Durchschlagskraft. Die legendäre Pistole ist erneut deutlich mächtiger, als ihr unscheinbares Design vermuten lässt, während der Raketenwerfer ganze Gegnergruppen und Fahrzeuge mit einem einzigen Treffer zerlegt. Hinzu kommen Waffen der Allianz wie das Plasmagewehr und der Needler. Letzterer feuert leuchtende Kristallnadeln ab, die sich in Gegner bohren und kurz darauf in einer explosiven Kettenreaktion detonieren. Campaign Evolved übernimmt das vollständige Arsenal des Originals und ergänzt es um ausgewählte Waffen aus späteren Serienteilen. Dadurch wächst die spielerische Vielfalt, ohne dass das klassische Balancing vollständig verloren geht. Fast jede Waffe besitzt eine klar erkennbare Aufgabe. Einige eignen sich hervorragend gegen Schilde, andere gegen ungepanzerte Gegner oder Fahrzeuge. Dadurch werden Spieler regelmäßig dazu gebracht, ihre Ausrüstung an die jeweilige Situation anzupassen. Auch Granaten spielen erneut eine wichtige Rolle. Plasma- und Splittergranaten fliegen regelmäßig durch die Arenen und sorgen dafür, dass die Kämpfe ständig in Bewegung bleiben.

Alte Levelstrukturen bleiben sichtbar

So gelungen das Schussgefühl ausfällt, so offensichtlich bleibt das Alter des zugrunde liegenden Leveldesigns. Viele Missionen führen durch ähnlich gestaltete Gänge, Hallen und Räume. Einige Bereiche wirken sogar fast vollständig kopiert und wiederholen sich mehrfach. Gerade in Innenarealen kann dadurch schnell das Gefühl entstehen, im Kreis zu laufen. Das berüchtigtste Beispiel ist weiterhin die Mission „The Library“, die schon im Original aufgrund ihrer monotonen Architektur und endlosen Gegnerwellen kritisiert wurde. Im Remake wurde die Orientierung jedoch verbessert, sodass man sich deutlich seltener verirrt. Die Level wirken dadurch nicht plötzlich modern, aber zumindest wesentlich angenehmer spielbar. Campaign Evolved respektiert das ursprüngliche Design, versucht jedoch, einige seiner größten Frustmomente zu entschärfen.

Halo Studios hat das Spielgefühl behutsam an moderne Shooter angepasst. Master Chief kann nun sprinten, wodurch sich längere Laufwege deutlich weniger zäh anfühlen. Zudem lassen sich Waffen beim Zielen näher heranholen, während die Fahrzeugsteuerung spürbar präziser ausfällt als im Original. Auch die Tastenbelegung orientiert sich stärker an heutigen Standards. Wer regelmäßig moderne Ego-Shooter spielt, dürfte sich daher ohne größere Eingewöhnung zurechtfinden. Besonders erfreulich ist der erweiterte Koop-Modus. Während das Original lediglich zwei Spieler unterstützte, lässt sich die Kampagne nun online mit bis zu vier Personen bestreiten. Dank Crossplay können Spieler unterschiedlicher Plattformen gemeinsam gegen die Allianz antreten. Diese Erweiterungen verändern den Charakter von Halo nicht grundlegend, sorgen aber dafür, dass sich das Remake wesentlich zeitgemäßer spielt.

Enttäuschende DualSense-Unterstützung

Weniger überzeugend ist die Umsetzung der PS5-Funktionen. Im Vorfeld wurde damit geworben, dass Halo: Campaign Evolved die Besonderheiten des DualSense-Controllers nutzt. In der Praxis ist davon jedoch kaum etwas zu spüren. Die adaptiven Trigger bieten bei den verschiedenen Waffen praktisch keinen nennenswerten Widerstand. Auch das haptische Feedback unterscheidet sich kaum von gewöhnlichen Controller-Vibrationen. Gerade bei einem Shooter mit so vielen unterschiedlichen Waffen wäre hier deutlich mehr möglich gewesen. Ein Plasmagewehr, eine Pistole und ein Raketenwerfer hätten sich durch adaptive Trigger und präzisere Vibrationen klar voneinander unterscheiden können. So wirkt die PS5-Version spielerisch kaum anders als die Fassungen auf anderen Plattformen. Für ein derart symbolträchtiges PlayStation-Debüt ist das eine verschenkte Chance.

Technisch überzeugend, aber kein Grafikmeilenstein

Grafisch wurde Halo: Campaign Evolved vollständig neu aufgebaut. Charaktermodelle, Umgebungen, Beleuchtung und Effekte bewegen sich nun auf dem Niveau moderner PS5-Spiele. Die künstliche Ringwelt wirkt deutlich lebendiger und detaillierter. Wälder sind dichter bewachsen, metallische Korridore reflektieren das Licht glaubwürdiger und die außerirdischen Anlagen besitzen eine beeindruckende Größe. Dennoch gehört Campaign Evolved nicht zu den spektakulärsten Spielen der aktuellen Konsolengeneration. Viele Schauplätze sehen gut aus, sorgen aber selten für echte Überraschungsmomente. Besonders gelungen sind die vorgerenderten Zwischensequenzen. Diese präsentieren den Halo-Ring und seine gewaltigen Dimensionen in hoher Qualität und verleihen der Kampagne eine deutlich filmischere Inszenierung. Auf der PS5 Pro stehen ein Qualitäts- und ein Performance-Modus zur Verfügung.

Der Performance-Modus zielt auf 60 Bilder pro Sekunde ab und erreicht diese Marke über weite Strecken. In besonders großen Kämpfen mit vielen Gegnern, Explosionen und Fahrzeugen kommt es gelegentlich zu kleineren Einbrüchen. Diese bleiben jedoch selten und beeinträchtigen das Spielgefühl kaum. Der Qualitätsmodus verbessert Auflösung und einzelne grafische Details, reduziert dafür aber die Bildrate. Für einen schnellen Shooter wie Halo ist dieser Tausch nur bedingt sinnvoll. Da das Gunplay stark von flüssigen Bewegungen und präzisen Reaktionen profitiert, ist der Performance-Modus eindeutig die bessere Wahl.

Drei neue Missionen erweitern die Geschichte

Eine der spannendsten Neuerungen sind drei komplett neue Missionen, die zeitlich vor der eigentlichen Kampagne angesiedelt sind. Darin schleichen sich Master Chief und Sergeant Johnson an Bord eines Schiffs der Allianz und geraten dort in eine zunehmend gefährliche Situation. Die neuen Abschnitte orientieren sich spielerisch eng am Original und konzentrieren sich vollständig auf Kämpfe gegen die Covenant. Überraschenderweise fügen sie sich hervorragend in das Gesamtpaket ein. Sie wirken nicht wie nachträglich hinzugefügte Bonusinhalte, sondern wie Missionen, die bereits 2001 Teil des Spiels hätten sein können. Die neuen Level liefern einige der besten Feuergefechte des Remakes und stehen Klassikern wie „The Silent Cartographer“ oder „Assault on the Control Room“ kaum nach.

Nach dem ersten Durchspielen bietet Campaign Evolved zahlreiche Gründe für weitere Durchgänge. Über versteckte Schädel lassen sich unterschiedliche Modifikatoren aktivieren. Manche machen Gegner widerstandsfähiger, andere verändern Waffen, HUD-Anzeigen oder die Regeln der Kampagne. Dadurch können Spieler eigene Herausforderungen erstellen und bekannte Missionen unter völlig neuen Bedingungen erleben. Besonders anspruchsvoll ist die klassische LASO-Herausforderung, also „Legendary All Skulls On“. Hier wird die Kampagne auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gespielt, während gleichzeitig sämtliche erschwerenden Modifikatoren aktiv sind. Allein oder im Koop für bis zu vier Spieler entsteht dadurch enormer Wiederspielwert. Wer sämtliche Herausforderungen meistern möchte, kann deutlich mehr als die regulären zehn Stunden mit dem Spiel verbringen.

Kein klassischer Multiplayer

Trotz des umfangreichen Kampagnenpakets sollte man sich bewusst sein, dass Campaign Evolved vollständig auf das Einzelspieler- und Koop-Erlebnis ausgerichtet ist. Ein klassischer kompetitiver Halo-Multiplayer ist nicht enthalten. Wer sich spannende Arenagefechte gegen andere Spieler erhofft, wird daher enttäuscht. Für Fans der ursprünglichen Kampagne fällt das allerdings kaum ins Gewicht. Campaign Evolved möchte keine vollständige Neuauflage sämtlicher Inhalte sein, sondern die Geschichte des ersten Halo modernisieren und erweitern. In diesem Bereich erfüllt das Remake seinen Zweck hervorragend.

Fazit

Halo: Campaign Evolved bringt einen der wichtigsten Ego-Shooter aller Zeiten überzeugend in die Gegenwart. Das Remake bleibt der ursprünglichen Kampagne treu, verbessert aber gleichzeitig Steuerung, Bewegungsfreiheit, Fahrzeughandling und Koop-Funktionen. Besonders das hervorragende Gunplay beweist, warum Halo: Combat Evolved auch nach 25 Jahren noch funktioniert. Die Waffen fühlen sich abwechslungsreich und kraftvoll an, während die Feuergefechte dank intelligenter Gegner und offener Kampfareale weiterhin zu den großen Stärken der Reihe gehören. Die drei neuen Missionen fügen sich erstaunlich natürlich ein und erweitern die Kampagne sinnvoll. Der Remix-Modus, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und zahlreiche Schädel sorgen zudem für langfristigen Wiederspielwert. Nicht jede Schwäche des Originals wurde beseitigt. Wiederholte Korridore und Räume erinnern deutlich an das Spieldesign der frühen 2000er-Jahre. Auch die schwache Nutzung der DualSense-Funktionen enttäuscht und verschenkt die Möglichkeit, der PS5-Version eine eigene Identität zu geben. Dennoch ist Halo: Campaign Evolved eine würdige Neuauflage eines Klassikers. PlayStation-Spieler können endlich nachvollziehen, warum der Master Chief zu einer der bekanntesten Figuren der Videospielgeschichte wurde, während Veteranen die bislang beste Version seiner ersten Mission erhalten.Willkommen zurück, Chief.

Halo: Campaign Evolved

Halo: Campaign Evolved
92 100 0 1
92/100
Total Score
  • Spielspaß
    100/100 The best
  • Grafik
    90/100 Amazing
  • Gameplay
    95/100 The best
  • Sound
    100/100 The best
  • Umfang
    75/100 Very good

Positiv

  • Hervorragendes und zeitloses Gunplay
  • Kampagne im Koop mit bis zu vier Spielern
  • Sinnvolle Modernisierungen bei Steuerung und Fahrzeugen
  • Hoher Wiederspielwert durch Schädel und Remix-Modus

Negativ

  • DualSense-Funktionen werden kaum genutzt
  • Kein kompetitiver Multiplayer
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