StartGaming HubEA Sports College Football 27 Test/Review

EA Sports College Football 27 Test/Review

EA Sports College Football 25 feierte nach jahrelanger Pause ein beeindruckendes Comeback. College Football 26 erweiterte die Formel, hatte zum Start jedoch mit einer fehleranfälligen KI und zahlreichen technischen Problemen zu kämpfen. Entsprechend groß waren die Erwartungen an EA Sports College Football 27. Spielerisch liefert der neue Ableger tatsächlich einige der besten Partien, die die Reihe bislang geboten hat. Verbesserte Verteidigungen, ein anspruchsvolleres Passsystem und eine erneut überragende Präsentation vermitteln den College-Football-Sport so authentisch wie kaum ein anderes Spiel. Abseits des Spielfelds fällt das Gesamtbild allerdings deutlich gemischter aus. Neue Systeme in Dynasty und Road to Glory zeigen viel Potenzial, wirken an manchen Stellen aber noch nicht vollständig ausgereift. Hinzu kamen zum Release höchst fragwürdige Mikrotransaktionen in klassischen Einzelspielermodi, die nach deutlicher Kritik teilweise wieder entfernt wurden. College Football 27 ist deshalb ein hervorragendes Football-Spiel, aber kein rundum überzeugendes Gesamtpaket.

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Dynasty wächst zur echten Trainerkarriere

Der Dynasty-Modus bleibt das Herzstück von College Football 27. Hier übernehmt ihr ein College-Programm, kümmert euch um die Mannschaft, rekrutiert neue Talente und versucht, über mehrere Jahre eine erfolgreiche Trainerkarriere aufzubauen. Eine der besten Neuerungen sind die Erwartungen des Athletic Directors. Jede Universität besitzt nun individuelle Ziele, die sich an ihrer realen Bedeutung und Tradition orientieren. Bei einem Spitzenprogramm wie Alabama werden Titel, starke Rekrutierungsjahrgänge und Siege gegen große Rivalen nahezu vorausgesetzt. Kleinere Hochschulen verlangen eventuell weniger Gesamterfolg, messen euch dafür aber besonders stark an Rivalitätsspielen oder der Entwicklung des Programms. Dadurch fühlt sich die Wahl der Schule bedeutender an. Es reicht nicht mehr, einfach ein paar Spiele zu gewinnen. Wer als unerfahrener Trainer direkt bei einem Eliteprogramm einsteigt, muss mit enormem Druck und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten umgehen. Besonders motivierend ist weiterhin der klassische Karriereweg. Man startet beispielsweise als Offensive Coordinator an einer mittelgroßen Universität, sammelt Erfahrung und übernimmt später ein schwächeres Programm als Head Coach. Nach erfolgreichen Jahren öffnen sich schließlich die Türen der großen Colleges. Das überarbeitete Job-System unterstützt diesen Ansatz. Ihr könnt euch nun grundsätzlich auf jede offene Stelle bewerben. Allerdings bleibt das nicht ohne Risiko. Wer sich ständig nach anderen Angeboten umsieht und am Ende keinen Wechsel vollzieht, kann das Vertrauen des aktuellen Programms beschädigen. Diese Mechanik erzeugt glaubwürdige Karriereentscheidungen und verhindert gleichzeitig, dass jeder Jobwechsel ohne Konsequenzen bleibt.

NIL erweitert die Kaderplanung

Mit dem NIL-System erhält Dynasty eine zusätzliche wirtschaftliche Ebene. Spieler können über Namens-, Bild- und Persönlichkeitsrechte Einnahmen erzielen, weshalb ihr ein begrenztes Budget verwalten müsst. Ein hoch bewerteter Quarterback kann einen großen Teil der verfügbaren Mittel beanspruchen. Wer zu viel Geld in einen einzelnen Star investiert, hat anschließend möglicherweise nicht genügend Ressourcen, um andere Schlüsselpositionen zu verstärken. Gleichzeitig werden Mittel für Einrichtungen und Personal benötigt. Dieses System zwingt euch dazu, langfristiger zu planen und nicht ausschließlich den talentiertesten Rekruten nachzujagen. Allerdings wirkt die Berechnung der Forderungen noch nicht vollständig nachvollziehbar. Zwei Spieler mit beinahe identischen Werten können völlig unterschiedliche Summen verlangen, ohne dass das Spiel die Gründe dafür ausreichend erklärt. Die Grundidee passt hervorragend zum modernen College Football. Das Balancing benötigt jedoch noch etwas Feinarbeit.

College Football 27 versucht, wichtige Momente einer Saison stärker hervorzuheben. Die neue Heisman-Trophy-Zeremonie ist dafür ein gutes Beispiel. Der Gewinn der wichtigsten individuellen Auszeichnung des College Football wird nun deutlich feierlicher inszeniert. Leider lässt sich die Sequenz nicht einfach überspringen. Wer keinen eigenen Kandidaten im Rennen hat, wird sich die Zeremonie vermutlich nicht jedes Jahr vollständig ansehen wollen. Andere Auszeichnungen bleiben wiederum erstaunlich schlicht und bestehen meist nur aus einem Spielerbild, einer Trophäe und etwas Konfetti. Gerade bei kleineren Hochschulen könnte der Gewinn eines landesweiten Awards ein gewaltiger Moment sein. Hier verschenkt das Spiel noch viel atmosphärisches Potenzial. Auch einige technische Probleme trüben den Modus. Das Rekrutierungsmenü reagiert gelegentlich träge, während Wechsel zwischen Spielern und Untermenüs kurze Verzögerungen verursachen können. Zudem kam es im Test vor, dass eine geplante Auswechslung vor einem Spielzug plötzlich große Teile der Offensive Line veränderte. Diese Fehler zerstören den Modus nicht, wirken bei einem jährlichen Vollpreisspiel aber vermeidbar.

Road to Glory sucht weiter nach seiner Identität

Road to Glory lässt euch erneut die Karriere eines einzelnen College-Spielers verfolgen. Entscheidungen zwischen Training, Studium, Erholung und sozialen Aktivitäten beeinflussen Energie, Gesundheit und Leistung. Das System besitzt weiterhin eine gute Grundlage. Jede Woche müsst ihr entscheiden, wie viel Zeit ihr in körperliche Fitness, taktisches Verständnis oder akademische Pflichten investiert. Allerdings bleiben viele Ereignisse sehr oberflächlich. Gespräche mit Mitspielern oder anderen Figuren bestehen häufig lediglich aus einer kurzen Frage, die mit Ja oder Nein beantwortet wird. Das angekündigte Studentenleben wirkt dadurch weniger lebendig als erhofft. Selbst Prüfungen spielen kaum eine sichtbare Rolle. Wer regelmäßig lernt, kann seine akademischen Verpflichtungen offenbar so zuverlässig erfüllen, dass viele dieser Situationen gar nicht erst auftreten. Positiv fällt der überarbeitete Transfermarkt auf. Angebote verschiedener Hochschulen lassen sich übersichtlich vergleichen, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Dadurch wirkt ein Vereinswechsel deutlich nachvollziehbarer und weniger zufällig. Auf dem Feld stehen Positionen wie Quarterback, Running Back, Wide Receiver, Tight End, Edge Rusher, Middle Linebacker, Cornerback und Free Safety zur Verfügung. Besonders defensive Rollen und Tight Ends können auf höheren Schwierigkeitsgraden allerdings frustrierend sein. Gerade als Underdog wird man wiederholt dominiert, obwohl Laufwege und Aufgaben korrekt gelesen wurden. Road to Glory besitzt eine klare Vision, braucht aber weiterhin tiefere Ereignisse, glaubwürdigere Beziehungen und ein ausgewogeneres Fortschrittssystem.

Mikrotransaktionen sorgten für berechtigte Kritik

Der größte Aufreger zum Release waren Mikrotransaktionen in Dynasty und Road to Glory. Spieler konnten echtes Geld einsetzen, um Trainer oder Athleten schneller zu verbessern. Besonders problematisch war dies in Modi, die viele Nutzer vollständig offline spielen. Ein Trainer konnte theoretisch auch ohne Zahlung das maximale Level erreichen, doch der dafür benötigte Zeitaufwand lag offenbar bei zahlreichen kompletten Spielzeiten. Auch in Road to Glory konnten Fortschritte beschleunigt werden. Damit entstand der Eindruck, dass langsame Entwicklung bewusst als Anreiz zum Geldausgeben gestaltet worden war. Nach deutlicher Kritik aus der Community und dem Creator Network kündigte EA Sports an, die Mikrotransaktionen aus Road to Glory und Online Dynasty zu entfernen. Das ist die richtige Entscheidung, ändert aber nichts daran, dass diese Systeme überhaupt für klassische Karriereerlebnisse vorgesehen waren. Das eigentliche Football-Gameplay ist die größte Stärke von College Football 27.

Die Verteidigung reagiert intelligenter, schneller und aggressiver. Cornerbacks passen ihre Laufwege mitten im Spielzug an, Linebacker lesen Pässe besser und freie Räume schließen sich deutlich schneller als im Vorgänger. Dadurch sinkt die Fehlertoleranz, ohne dass jede erfolgreiche Aktion unfair verhindert wird. Das neue Passsystem verlangt präziseres Timing. Eine Anzeige muss möglichst weit gefüllt werden, ohne den optimalen Bereich zu überschreiten. Druck durch die Defensive erschwert diesen Vorgang zusätzlich. Gleichzeitig fließen die Werte des Quarterbacks und der Receiver stärker in das Ergebnis ein. Gute Spieler können auch ungenaue Pässe noch spektakulär sichern, während schwächere Teams größere Unterschiede zwischen einzelnen Athleten zeigen. Besonders gelungen ist das Laufspiel. Bewegungen wirken natürlicher und Running Backs reagieren glaubwürdiger auf Kontakte, Richtungswechsel und freie Lücken. Wer mit einem lauforientierten Team spielt und Play-Action-Pässe einsetzt, kann einen äußerst befriedigenden Rhythmus entwickeln. Dank umfangreicher Regler für Passspiel, Laufspiel, Strafen und KI-Verhalten lässt sich die Erfahrung zudem detailliert an den eigenen Geschmack anpassen.

College-Atmosphäre in Bestform

Audiovisuell setzt College Football 27 erneut Maßstäbe. Stadien, Trikots, Lichtshows, Einlaufsequenzen und Jubelanimationen vermitteln die enorme Vielfalt des College Sports. Wettereffekte sorgen für zusätzliche Abwechslung und verändern die Atmosphäre sichtbar. Sonnige Spiele in Kalifornien fühlen sich grundlegend anders an als verregnete Abendpartien in anderen Teilen des Landes. Auch musikalisch hebt sich die Reihe weiterhin angenehm von Madden ab. Marschkapellen spielen überraschende Versionen bekannter Songs und sämtliche Schulen verfügen nun über ihre offiziellen Kampflieder. Diese Details sind nicht bloß dekorativ, sondern ein zentraler Bestandteil der Identität des Spiels. Der Sound der Zuschauer, der Bands und der Stadionsprecher erzeugt eine Atmosphäre, die reguläre Profisportspiele nur selten erreichen.

Fazit

EA Sports College Football 27 besitzt das bislang beste Spielgefühl der neu aufgelegten Reihe. Die stärkere Defensive, das präzisere Passsystem und das hervorragende Laufspiel sorgen für spannende Partien, in denen individuelle Spieler und taktische Entscheidungen stärker zur Geltung kommen. Auch Dynasty macht mit Athletic-Director-Erwartungen, verbessertem Job-System und NIL-Verwaltung wichtige Fortschritte. Road to Glory entwickelt sich ebenfalls in die richtige Richtung, bleibt bei Charakteren, Ereignissen und akademischem Alltag aber noch zu oberflächlich. Das größte Problem lag zum Start außerhalb des Spielfelds. Mikrotransaktionen in Karriere- und Einzelspielermodi waren eine unnötige und verbraucherfeindliche Entscheidung. Ihre nachträgliche Entfernung ist begrüßenswert, hätte aber gar nicht erst nötig sein dürfen. Zusammen mit kleineren Bugs und noch nicht vollständig ausgearbeiteten Systemen entsteht der Eindruck, dass dem Entwicklerteam erneut etwas mehr Zeit gefehlt hat. College Football 27 ist ein starkes Sportspiel mit großartigen Ansätzen, bleibt aber knapp hinter dem zurück, was mit einem längeren Entwicklungszyklus möglich gewesen wäre.

EA Sports College Football 27

EA Sports College Football 27
84 100 0 1
84/100
Total Score
  • Spielspaß
    75/100 Very good
  • Grafik
    90/100 Amazing
  • Gameplay
    85/100 Amazing
  • Sound
    95/100 The best
  • Umfang
    75/100 Very good

Positiv

  • Hervorragendes und anspruchsvolles Football-Gameplay
  • Sinnvolle Erweiterungen im Dynasty-Modus
  • Umfangreiche Präsentation mit offiziellen Kampfliedern
  • Deutlich intelligentere Verteidigung

Negativ

  • Road to Glory bleibt erzählerisch zu oberflächlich
  • Mikrotranskationen in allen Hauptmodi
  • Ultimate Team ohne tägliche Hingabe nicht spielbar
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