Postapokalyptische Welten funktionieren im Klemmbausteinbereich erstaunlich gut. Verrostete Technik, improvisierte Gebäude, alte Fahrzeuge und eine Welt, in der aus scheinbar wertlosem Schrott plötzlich überlebenswichtige Infrastruktur entsteht, bieten Designern enorm viel kreativen Spielraum. Genau diesen nutzt IAMBRICK mit der Doomsday Gas Station. Aus 2.043 Teilen entsteht keine gewöhnliche Tankstelle, sondern ein dreistöckiger Außenposten, der irgendwo zwischen Fallout, Mad Max und klassischem Endzeit Survival angesiedelt sein könnte.

Das Set misst fertig rund 25,5 x 25,5 x 41 Zentimeter und richtet sich offiziell an Baumeister ab 14 Jahren. Im Lieferumfang befinden sich neben der Tankstelle auch ein Geländewagen, zwei Überlebende, ein beweglicher Reparaturarm und vor allem eine vollständige Beleuchtung. Damit bringt die Doomsday Gas Station bereits auf dem Papier erstaunlich viel mit. Im Test zeigt sich aber vor allem, wie gut die einzelnen Elemente zusammenspielen. Denn das Modell ist weit mehr als eine hübsch heruntergekommene Tankstelle.
| Bezeichnung | Doomsday Gas Station |
| Art.-Nummer | 222.038 |
| Teileanzahl | 2043 |
| Alter | 8+ |
| Verfügbarkeit | ab sofort |
| UVP | ca.85 € |
| Minifiguren | nein |
| Sticker enthalten? | ja, Transfersticker |
| Bedruckte Steine? | ja |
| Anleitung | gedruckt |
| Bauzeit | 6-10 Stunden |
Aus einer Tankstelle wird ein kompletter Endzeit Außenposten
Die grundlegende Idee hinter dem Set gefällt uns ausgesprochen gut. Nach dem Zusammenbruch der Zivilisation ist Treibstoff zu einem wertvollen Gut geworden. Während andere Tankstellen geplündert oder zerstört wurden, haben zwei Überlebende diesen Ort wieder aufgebaut und zu einer Mischung aus Tankstelle, Werkstatt, Unterkunft und Beobachtungsposten umfunktioniert. Diese kleine Hintergrundgeschichte erkennt man dem Modell tatsächlich an. Das Gebäude wirkt nicht einfach absichtlich beschädigt, sondern vermittelt den Eindruck, über einen längeren Zeitraum immer wieder erweitert und repariert worden zu sein. Überall finden sich Rohre, Behälter, Warnschilder, technische Geräte und improvisierte Konstruktionen. Statt sauberer Fassaden dominieren Grau, dunkle Metalltöne und Rostfarben. Kleine Farbakzente verhindern gleichzeitig, dass die Tankstelle zu monoton wirkt.
Besonders schön ist die vertikale Gestaltung. Mit einer Höhe von 41 Zentimetern entwickelt das Modell ordentlich Präsenz, benötigt mit einer Grundfläche von ungefähr 25,5 x 25,5 Zentimetern aber überraschend wenig Stellfläche. Gerade wer bereits mehrere größere Klemmbausteinmodelle besitzt und langsam mit dem Platz kämpft, dürfte das zu schätzen wissen. Der Aufbau gliedert sich thematisch in drei Ebenen. Unten befindet sich die eigentliche Tankstelle mit dem ehemaligen Verkaufsbereich, den Zapfanlagen und dem Fahrzeugservice. Darüber liegt eine Werkstatt mit Werkzeugen, Ersatzteilen und allerlei technischen Utensilien. Ganz oben wartet schließlich ein Beobachtungsposten mit Kommunikationsausrüstung. Dadurch erzählt praktisch jede Etage einen Teil der Geschichte. Im Erdgeschoss wird getankt und gehandelt, darüber werden Fahrzeuge repariert und ganz oben hält jemand Ausschau nach Gefahren. Die Tankstelle fühlt sich deshalb erstaunlich lebendig an, obwohl gerade einmal zwei Figuren enthalten sind.
Details, wohin man schaut
Beim Aufbau wird schnell deutlich, dass die Doomsday Gas Station stark von ihren kleinen Details lebt. IAMBRICK setzt nicht auf große, sterile Wandflächen, sondern unterbricht die Architektur immer wieder durch technische Elemente. Rohre laufen entlang der Wände, alte Container und Vorräte stehen herum, Werkzeuge warten auf ihren nächsten Einsatz und technische Geräte wirken so, als wären sie aus unterschiedlichsten Quellen zusammengesucht worden. Gerade dieses kontrollierte Chaos ist für das Endzeit Thema enorm wichtig. Sehr gelungen ist beispielsweise der große mechanische Reparaturarm. Dieser lässt sich bewegen und kann innerhalb der Geschichte des Sets zum Tanken, Heben schwerer Gegenstände oder für Reparaturen eingesetzt werden.
Dadurch ist er nicht nur optisches Beiwerk. Er gibt dem Bereich vor der Station einen funktionalen Mittelpunkt und trägt viel zum Werkstattcharakter bei. Auch auf dem Dach geht die Detailarbeit weiter. Solarpaneele und Kommunikationstechnik ergeben innerhalb der Welt Sinn, schließlich muss der Außenposten irgendwie mit Energie versorgt werden. Gleichzeitig verstärken sie die Silhouette des Gebäudes und sorgen dafür, dass die obere Etage nicht wie ein einfacher Abschluss wirkt. Genau solche Details gefallen uns besonders. Das Modell versucht nicht nur, möglichst spektakulär auszusehen. Viele Elemente besitzen zumindest innerhalb des dargestellten Szenarios eine nachvollziehbare Funktion.
Beleuchtung verwandelt die Tankstelle bei Nacht
Eines der größten Highlights ist allerdings die integrierte Beleuchtung. Bei einem Cyberpunk Modell erwartet man LEDs inzwischen fast schon automatisch. Bei einer heruntergekommenen Endzeit Tankstelle könnte Beleuchtung dagegen zunächst wie ein nettes Extra erscheinen. Tatsächlich wird sie hier zu einem zentralen Bestandteil der Atmosphäre. IAMBRICK beleuchtet gezielt verschiedene Bereiche des Gebäudes. Fenster, Arbeitsbereiche und der obere Beobachtungsposten beginnen zu leuchten und vermitteln dadurch den Eindruck, dass dieser Außenposten tatsächlich noch bewohnt wird. Gerade im abgedunkelten Raum funktioniert das hervorragend. Das warme Licht bildet einen starken Kontrast zur kalten und beschädigten Außenfassade. Plötzlich sieht man nicht mehr nur eine verlassene Tankstelle, sondern einen der vielleicht letzten sicheren Orte in einer ansonsten toten Landschaft.

Das ist ein kleiner Unterschied mit großer Wirkung. Die Beleuchtung zeigt außerdem, wie sinnvoll Lichtsysteme in Klemmbausteinsets eingesetzt werden können. Es geht hier nicht darum, möglichst viele LEDs unterzubringen. Vielmehr unterstützt die Beleuchtung die Geschichte des Modells. Am Tag wirkt die Doomsday Gas Station verlassen und heruntergekommen. Am Abend wird daraus ein aktiver Survival Außenposten. Zum Set gehört außerdem ein kleiner Endzeit Geländewagen. Auch dieser ist für das Gesamtkonzept wichtiger, als man zunächst vermuten würde. Das Fahrzeug dient den beiden Überlebenden innerhalb der Hintergrundgeschichte dazu, Treibstoff, Ersatzteile und Vorräte zu suchen. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass die Tankstelle nicht vollkommen statisch wirkt. Man kann den Wagen neben den Zapfsäulen positionieren, ihn unter den Reparaturarm stellen oder ihn außerhalb der Station platzieren.
Zusammen mit den beiden Figuren entstehen dadurch schnell unterschiedliche kleine Szenen. Genau hier entwickelt das Modell trotz seiner Ausrichtung auf erwachsene Sammler überraschend viel Spielwert. Natürlich ist die Doomsday Gas Station in erster Linie ein Displayset. Dennoch kann man Figuren bewegen, den Reparaturarm verstellen, den Wagen neu positionieren und die verschiedenen Bereiche der Station in kleine Geschichten einbinden. Das gefällt uns deutlich besser als ein vollständig geschlossenes Architekturmodell, das nach dem Aufbau eigentlich nur noch betrachtet werden kann. Gerade die zwei Figuren tragen viel dazu bei. Zwei Charaktere sind für eine Station dieser Größe zwar nicht gerade üppig, gleichzeitig lassen sie ausreichend Raum für eigene Ergänzungen. Wer entsprechende Figuren besitzt, kann aus dem Modell schnell eine wesentlich größere Siedlung machen.
Viel Modell für rund 100 Dollar
Beim Preis wird die Doomsday Gas Station schließlich besonders interessant. IAMBRICK verlangt aktuell etwa 85€ für das Set. Dafür bekommt man 2.043 Teile, ein 41 Zentimeter hohes Hauptgebäude, ein zusätzliches Fahrzeug, zwei Figuren, bewegliche Elemente und ein komplettes Beleuchtungssystem. Das ist ein ausgesprochen ordentliches Gesamtpaket. Natürlich sollte man den Preis pro Stein niemals als einziges Qualitätsmerkmal betrachten. Gerade kleine technische Elemente können die Teilezahl schnell nach oben treiben. Entscheidend ist deshalb vielmehr, was am Ende tatsächlich auf dem Regal steht.
Und hier liefert IAMBRICK. Die Tankstelle wirkt groß, detailliert und abwechslungsreich. Durch die vertikale Konstruktion entsteht viel sichtbares Volumen, ohne dass das Modell eine halbe Kommode benötigt. Die Beleuchtung würde bei vielen anderen Herstellern zusätzlich Geld kosten und das Fahrzeug könnte problemlos als kleines separates Set durchgehen. Hinzu kommt die ungewöhnliche Themenwahl. Während modulare Häuser, Mittelalter und asiatische Architektur mittlerweile von zahlreichen Herstellern bedient werden, sind wirklich überzeugende postapokalyptische Gebäude noch vergleichsweise selten. IAMBRICK trifft deshalb eine interessante Nische.
Fazit
Die IAMBRICK Doomsday Gas Station ist eines dieser Sets, bei denen das eigentliche Thema mindestens genauso wichtig ist wie die reine Teilezahl. Die Idee einer alten Tankstelle, die nach dem Zusammenbruch der Zivilisation zu einem letzten Außenposten umgebaut wurde, zieht sich konsequent durch das gesamte Modell. Besonders stark ist dabei das visuelle Storytelling. Werkstatt, Tankbereich, Vorräte, Kommunikationstechnik, Beobachtungsposten und Reparaturarm wirken nicht zufällig zusammengewürfelt, sondern bilden eine glaubwürdige kleine Survival Basis. Der mitgelieferte Geländewagen erweitert dieses Konzept zusätzlich und schafft viele Möglichkeiten, die Szene immer wieder etwas anders aufzubauen. Unser Highlight ist allerdings die Beleuchtung. Erst wenn in der heruntergekommenen Station die warmen Lichter angehen, entfaltet das Modell seine komplette Wirkung. Dann sieht die Doomsday Gas Station tatsächlich wie jener letzte bewohnte Außenposten aus, den IAMBRICK darstellen möchte.
Kleinere Kritik gibt es hauptsächlich bei der Figurenanzahl. Zwei Überlebende funktionieren für die Grundgeschichte, bei einem Gebäude dieser Größe wären ein oder zwei zusätzliche Charaktere aber durchaus willkommen gewesen. Dafür lässt sich das Modell hervorragend mit eigenen Figuren erweitern. Für aktuell 85€ bietet IAMBRICK insgesamt ein sehr starkes Paket aus 2.043 Teilen, Beleuchtung, Fahrzeug, Figuren und einer außergewöhnlich detaillierten Hauptkonstruktion. Wer Fallout, Mad Max und generell postapokalyptische Szenarien mag, dürfte hier sehr schnell Gefallen finden. Aber auch unabhängig davon überzeugt die Doomsday Gas Station als kreatives Architekturmodell, das nicht einfach nur hübsch aussieht, sondern eine komplette kleine Geschichte erzählt.

IAMBRICK Doomsday Gas Station
IAMBRICK Doomsday Gas Station-
Aufbau90/100 Amazing
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Teilequalität95/100 The best
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Endergebnis85/100 Amazing
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Preis/Leistung90/100 Amazing
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Spaßfaktor85/100 Amazing
Positiv
- tolle Steinequalität
- sehr viele kleine Details
- modular aufgebaut
- inklusive schönem Storytelling in der Anleitung
- gute Spielbarkeit und starkes Preis Leistungs Verhältnis
Negativ
- lediglich zwei Figuren
- Kabel sind nicht so gut versteckt

