Wer bei Taktik-RPGs sofort an politische Intrigen, tragische Königreiche und pathetische Reden über Ehre und Gerechtigkeit denkt, bekommt mit Demon’s Night Fever das komplette Gegenprogramm. Das neue Spiel von Disgaea-Schöpfer Sohei Niikawa verbindet strategische Rundengefechte mit schwarzem Humor, völlig absurden Charakteren und einem Kampfsystem, in dem wir unsere eigenen Verbündeten regelmäßig in die Luft jagen. Nach den ersten beiden Kapiteln steht fest: Dieses Taktik-RPG will definitiv nicht brav sein. Im Mittelpunkt steht Killshiro, ein frustrierter Büroangestellter, der die Welt und praktisch jeden Menschen darin hasst. Nervige Kollegen und korrupte Firmenchefs landen kurzerhand in seinem billigen Death-Note-Verschnitt. Sein ziemlich erbärmliches Leben nimmt jedoch eine unerwartete Wendung, als plötzlich der Tod persönlich vor ihm steht. Oder besser gesagt: Giga Super Death.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um die klassische Sensenmann-Version mit schwarzem Umhang, sondern um eine niedliche katzenartige Erscheinung. Gott hat ihr die Kräfte genommen und nun soll ausgerechnet Killshiro dabei helfen, den Kampf gegen den Allmächtigen aufzunehmen. Bereits in den ersten beiden Kapiteln wird deutlich, dass Demon’s Night Fever seine Geschichte alles andere als ernst nimmt. Absurde Charaktere und herrlich bescheuerte Dialoge erinnern dabei nicht zufällig an Disgaea.
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Unsere Verbündeten sind unsere stärkste Waffe
Spielerisch schlägt Demon’s Night Fever allerdings einen überraschend eigenständigen Weg ein. Direkt kontrolliert wird nämlich lediglich Killshiro. Die restlichen Einheiten werden als Peons bezeichnet und lassen sich nicht wie klassische Gruppenmitglieder über das Schlachtfeld bewegen. Stattdessen kommt das sogenannte Peon Exploitation System zum Einsatz. Der Name ist Programm, denn Killshiro behandelt seine Gefolgsleute eher wie Verbrauchsmaterial.

Über verschiedene „Misdeeds“ können die Peons beispielsweise geopfert werden. Ein Verbündeter wird dabei kurzerhand getötet und explodiert, wodurch sämtliche Gegner in seiner Umgebung Schaden erleiden. Benötigt Killshiro Lebensenergie, kann er einem Peon zuvor HP entziehen. Steht das zukünftige Explosionsopfer an der falschen Stelle, tauschen wir mittels Teleportation einfach die Positionen. Dank zahlreicher Aktionspunkte lassen sich mehrere dieser Fähigkeiten innerhalb eines Zuges miteinander kombinieren. Daraus entstehen teilweise erstaunlich lange und herrlich brutale Aktionsketten. Ein schlechtes Gewissen braucht man übrigens nicht zu haben: Die geopferten Peons kehren zurück und können dadurch sogar stärker werden.
Böse sein lohnt sich
Auch zwischen den Kämpfen setzt sich das ungewöhnliche Konzept fort. Durch weitere Misdeeds verbessern wir Killshiros Werte und sammeln sogenannte Perverse Points. Diese fließen in einen umfangreichen Fähigkeitenbaum, über den sowohl die eigenen Kräfte als auch die Peons verbessert werden können. Zusätzliche Untergebene lassen sich kurzerhand entführen und wer neue Gegenstände benötigt, kann sich diese natürlich ebenfalls auf wenig ehrenhafte Weise beschaffen.

Ganz ohne Druck funktioniert das jedoch nicht. Jedes Kapitel besitzt ein begrenztes Zeitkontingent. Verschiedene Aktivitäten verbrauchen Tage und wer seine Zeit ausschließlich damit verschwendet, Untergebene zu quälen oder andere Nebentätigkeiten zu verfolgen, könnte irgendwann vor einem Game Over stehen. Gerade diese Kombination aus Zeitmanagement und taktischen Gefechten könnte langfristig einiges an Tiefe bieten.
Disgaea-Fans sollten Demon’s Night Fever im Auge behalten
Nach den ersten beiden Kapiteln wirkt Demon’s Night Fever wie eine wunderbar schräge Alternative zu den oftmals ernsten Vertretern des Genres. Das Peon Exploitation System sorgt für ungewöhnliche taktische Möglichkeiten, während Geschichte und Charaktere bewusst jeden guten Geschmack über Bord werfen.

Vor allem Fans von Disgaea dürften sich schnell heimisch fühlen. Gleichzeitig besitzt Demon’s Night Fever genügend eigene Ideen, um nicht wie eine bloße Kopie zu wirken. Wenn das Spiel seine Mechaniken im weiteren Verlauf konsequent ausbaut, könnte hier eines der ungewöhnlichsten Taktik-RPGs des Jahres auf uns zukommen.

