Es gibt Spiele, die verschwinden irgendwann in der Vergangenheit, weil sie dort vielleicht auch hingehören. Und dann gibt es Rogue Galaxy. Fast zwei Jahrzehnte nach seinem westlichen Erscheinen wirkt das Weltraum-Rollenspiel von Level-5 wie eine dieser Marken, bei denen man sich unweigerlich fragt: Warum zur Hölle gibt es davon eigentlich noch kein Remake oder Rogue Galaxy 2? Während Remakes längst zu einem festen Bestandteil der Spieleindustrie geworden sind und selbst zahlreiche lange verschollene Rollenspielmarken eine zweite Chance bekommen, schlummert Rogue Galaxy weiterhin im PlayStation-Archiv. Dabei könnte der Zeitpunkt für eine Rückkehr kaum besser sein. Denn Rogue Galaxy hatte schon auf der PlayStation 2 viele der Zutaten, nach denen moderne JRPG-Fans heute suchen.
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Rogue Galaxy war seiner Zeit verdammt weit voraus
Rogue Galaxy erschien ursprünglich in Japan im Jahr 2005, ehe das Abenteuer von Jaster Rogue später auch den Westen erreichte. Entwickelt wurde das Action-RPG von Level-5, also jenem Studio, das sich unter anderem mit Dark Cloud, Dark Chronicle, Professor Layton und Ni no Kuni einen Namen machte. Sony selbst beschrieb Rogue Galaxy zum damaligen US-Launch als großes Weltraumpiraten-Abenteuer mit verschiedenen Welten, Echtzeitkämpfen und mehr als 100 Stunden Spielzeit. Für die westliche Veröffentlichung wurde das Spiel sogar noch einmal erweitert. Unter anderem kamen zusätzliche Gebiete und Änderungen am Kampfsystem hinzu. Doch Zahlen werden Rogue Galaxy kaum gerecht. Denn das eigentliche Herz des Spiels war seine Atmosphäre.

Jaster Rogue beginnt sein Abenteuer auf dem Wüstenplaneten Rosa und träumt von einem Leben zwischen den Sternen. Durch eine Verkettung von Ereignissen landet er schließlich bei einer Gruppe von Weltraumpiraten und begibt sich auf die Suche nach einem legendären Planeten und einem Schatz, der ewiges Leben verspricht. Was danach folgt, ist im Grunde ein spielbarer Weltraum-Anime. Piraten. Raumschiffe. Exotische Planeten. Dschungel. Wüsten. Futuristische Städte. Roboter. Monster. Schatzsuche. Eine bunt zusammengewürfelte Crew und ein Abenteuer, das ständig das Gefühl vermittelt, hinter dem nächsten Horizont könnte eine vollkommen neue Welt warten.
Dieses Spiel schreit geradezu nach einem Remake
Natürlich sollte man Rogue Galaxy nicht verklären. Wer das Original heute spielt, merkt schnell, dass beinahe zwei Jahrzehnte vergangen sind. Einige Dungeons ziehen sich deutlich zu lange. Bestimmte Gebiete bestehen aus endlosen Korridoren. Die Gegnerdichte kann nerven. Manche Systeme werden nur oberflächlich erklärt und auch die Kamera sowie verschiedene Komfortfunktionen stammen unverkennbar aus einer anderen Generation. Doch genau deshalb wäre Rogue Galaxy ein nahezu perfekter Remake-Kandidat. Die Grundlage müsste gar nicht großartig verändert werden. Stellt euch die verschiedenen Planeten mit moderner Grafik vor. Rosa als riesige Wüstenwelt, Zerard als leuchtende futuristische Metropole und Juraika als dichter außerirdischer Dschungel. Dazu flüssige Übergänge, moderne Beleuchtung, deutlich detailliertere Charaktermodelle und ein Raumschiff, das tatsächlich zu einem zentralen Bestandteil des Abenteuers wird.

Rogue Galaxy besitzt eine Welt, die von moderner Technik massiv profitieren könnte, ohne dass man ihre Identität neu erfinden müsste. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt. Auch spielerisch steckt enormes Potenzial in der Marke. Rogue Galaxy setzte bereits damals auf Echtzeitkämpfe. Gegner tauchten direkt in den Gebieten auf, während Jaster und seine Begleiter mit Nahkampfwaffen, Schusswaffen und Spezialfähigkeiten auf sie losgingen. Heute ließe sich daraus ein deutlich schnelleres und spektakuläreres Action-RPG-System entwickeln. Direkte Charakterwechsel innerhalb der Kämpfe, Kombinationsangriffe zwischen den Crewmitgliedern, perfektes Ausweichen, Paraden, unterschiedliche Waffenklassen und deutlich stärkere individuelle Fähigkeiten könnten Rogue Galaxy spielerisch auf ein völlig neues Niveau heben. Und trotzdem müsste daraus kein Soulslike werden. Rogue Galaxy sollte bunt, schnell und zugänglich bleiben. Ein Abenteuer, bei dem Entdeckung, Charaktere und Progression genauso wichtig sind wie anspruchsvolle Kämpfe. Gerade weil moderne Action-RPGs häufig auf düstere Welten und brutale Schwierigkeitsgrade setzen, könnte ein farbenfrohes Weltraumabenteuer wie Rogue Galaxy heute sogar stärker herausstechen als damals.
Dazu kommt eines der coolsten Fortschrittssysteme seiner Zeit
Auch abseits der Kämpfe hatte Rogue Galaxy überraschend viel zu bieten. Das Revelation Flow genannte Entwicklungssystem ließ Charaktere über ein verzweigtes Raster neue Fähigkeiten und Statusverbesserungen freischalten. Waffen konnten verbessert und miteinander kombiniert werden. Dazu kamen Jagdaufträge, zahlreiche Nebenbeschäftigungen und sogar das umfangreiche Insectron-Minispiel. Besonders faszinierend war zudem die Factory. Spieler konnten Produktionsanlagen aufbauen und verschiedene Maschinen miteinander verbinden, um Gegenstände herzustellen. Für ein JRPG aus der PlayStation-2-Ära war das erstaunlich ambitioniert. Ein Remake könnte all diese Systeme deutlich ausbauen. Eine größere Factory. Umfangreicheres Crafting. Seltene Waffenbaupläne auf unterschiedlichen Planeten. Kopfgeldjagden. Geheimnisse im Weltraum. Optionale Planeten. Neue Crew-Missionen.

Rogue Galaxy besitzt bereits das Fundament für genau jene Art von riesigem Rollenspiel, in der Spieler heute problemlos 80 oder 100 Stunden versinken könnten. Dass Sony die aktuelle PlayStation-Version noch immer selbst mit mehr als 100 Stunden Gameplay bewirbt, zeigt, welche Dimensionen das Original bereits damals hatte. Besonders kurios ist, dass Rogue Galaxy keineswegs vollständig verschwunden ist. Sony veröffentlichte bereits 2015 beziehungsweise 2016 eine emulierte PS4-Version des PlayStation-2-Klassikers mit höher aufgelöstem Rendering und Trophäen. Diese Version lässt sich weiterhin kaufen und kann auch auf der PlayStation 5 gespielt werden. Noch interessanter sind die Nutzerbewertungen. Im deutschen PlayStation Store kommt Rogue Galaxy derzeit auf durchschnittlich 4,77 von fünf Sternen bei mehr als 9.000 Bewertungen.
Sony, holt Rogue Galaxy endlich zurück
Natürlich ist eine Store-Bewertung kein Beweis dafür, dass sich ein aufwendiges Remake automatisch millionenfach verkaufen würde. Aber für ein derart altes Rollenspiel ist es zumindest ein bemerkenswertes Lebenszeichen. Die Marke ist nicht vergessen. Ihre Fans sind noch da. Vielleicht ist Rogue Galaxy nie die größte JRPG-Marke der PlayStation-Geschichte gewesen. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb sie eine zweite Chance verdient. Denn hinter dem Namen steckt kein Franchise, das bereits durch zahllose Fortsetzungen ausgeschlachtet wurde. Es gibt kein Rogue Galaxy 7, kein Mobile-Spin-off und keine jährlichen Ableger. Es gibt ein einziges Spiel. Ein Spiel aus einer anderen Zeit, dessen Ideen teilweise erstaunlich gut zu dem passen, was ein modernes Action-JRPG heute sein könnte.

Ein Remake könnte die Schwächen des Originals beseitigen und gleichzeitig seine fantastische Welt einer komplett neuen Generation präsentieren. Ein Sequel könnte hingegen endlich zeigen, wie groß diese Galaxie wirklich werden kann. Im Moment gibt es allerdings weder eine offizielle Ankündigung für ein Rogue-Galaxy-Remake noch für Rogue Galaxy 2. Und vielleicht ist genau das die größte Tragödie an der ganzen Sache. Denn irgendwo zwischen all den Remakes, Remastern und wiederbelebten Klassikern sitzt Sony auf einem Weltraumpiraten-JRPG, das wie geschaffen für eine zweite Reise durch die Sterne wäre.
Rogue Galaxy braucht ein Comeback.

