Mit NASCAR 25 gelang iRacing Studios im vergangenen Jahr etwas, auf das Fans der amerikanischen Rennserie lange warten mussten: NASCAR war endlich wieder mit einem ernstzunehmenden Videospiel zurück. Entsprechend komfortabel ist eigentlich die Ausgangslage für NASCAR 26. Das Fundament steht, das Fahrgefühl funktioniert und vor allem der umfangreiche Karrieremodus sorgte bereits beim Vorgänger für langfristige Motivation. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob NASCAR 26 ein gutes Rennspiel geworden ist. Viel interessanter ist, wie groß der Fortschritt innerhalb eines Jahres tatsächlich ausfällt.
Die Antwort darauf fällt etwas komplizierter aus. NASCAR 26 ist in vielen Bereichen das bessere Spiel. Die Präsentation wurde sichtbar verbessert, das Racing funktioniert weiterhin hervorragend und kleinere Anpassungen sorgen für ein insgesamt runderes Erlebnis. Gleichzeitig fühlt sich vieles ausgesprochen vertraut an. Wer NASCAR 25 intensiv gespielt hat, wird sich entsprechend innerhalb weniger Minuten heimisch fühlen. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, denn iRacing Studios baut auf einem starken Fundament auf. Nach der erfolgreichen Rückkehr im vergangenen Jahr hätten wir uns allerdings gewünscht, dass NASCAR 26 insbesondere beim Karrieremodus und einigen Simulationselementen den nächsten großen Schritt wagt.
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Auf der Strecke bleibt NASCAR 26 richtig stark
Die größte Stärke des Vorgängers wurde glücklicherweise nicht angerührt. NASCAR 26 schafft weiterhin einen bemerkenswert guten Spagat zwischen Zugänglichkeit und Simulation. Die Fahrzeuge lassen sich kontrollieren, ohne dass jede Runde in Arbeit ausartet. Gleichzeitig bleibt genügend spielerische Tiefe vorhanden, damit sich das Lernen der einzelnen Strecken und die Beschäftigung mit Fahrzeugabstimmungen auszahlen. Damit eignet sich das Spiel sowohl für NASCAR-Fans, die einfach einige Rennen fahren möchten, als auch für ambitioniertere Spieler, die sich intensiver mit ihrem Fahrzeug beschäftigen wollen. NASCAR 26 verwandelt sich nicht plötzlich in einen unkomplizierten Arcade-Racer, nur weil die Einstiegshürde angenehm niedrig gehalten wird.

Gerade über längere Rennen zeigt sich, dass es sich lohnt, die Eigenheiten der Strecken zu verstehen. Linienwahl, Setup und das Verhalten des eigenen Fahrzeugs spielen eine wichtige Rolle. Wer lediglich permanent Vollgas gibt und darauf hofft, dass sich schon irgendwo eine Lücke öffnet, dürfte spätestens auf höheren Schwierigkeitsgraden Probleme bekommen. Auch die KI trägt ihren Teil dazu bei. Die computergesteuerten Fahrer kleben nicht einfach wie an einer unsichtbaren Schnur hintereinander. Unterschiedliche Linien werden genutzt, Fahrzeuge fahren teilweise über längere Zeit nebeneinander und Positionen müssen tatsächlich erarbeitet werden. Besonders wichtig ist allerdings, den passenden Schwierigkeitsgrad für die eigenen Fähigkeiten zu finden. Stimmen die Einstellungen, können ausgesprochen spannende Rennen entstehen. Positionskämpfe fühlen sich glaubwürdig an und gerade im dichten Feld entwickelt NASCAR 26 jene besondere Dynamik, die den Motorsport auszeichnet.
Optisch macht NASCAR den nächsten Schritt
Auch bei der Präsentation hat iRacing Studios nachgelegt. Besonders die Beleuchtung fällt im direkten Vergleich mit NASCAR 25 positiv auf. Wenn die Sonne tief über der Strecke steht und das Licht über Asphalt, Tribünen und Fahrzeuge fällt, kann NASCAR 26 ausgesprochen hübsch aussehen. Generell wirkt die Präsentation sauberer und etwas hochwertiger als im Vorgänger. Das bedeutet allerdings nicht, dass NASCAR 26 plötzlich zur absoluten grafischen Speerspitze des Rennspielgenres gehört. Kleinere optische Ungereimtheiten sind weiterhin vorhanden und einige Bereiche besitzen nicht den Feinschliff, den man von den größten Genrevertretern kennt.

Wenn sämtliche Elemente zusammenspielen, kann das Ergebnis trotzdem überzeugen. Gerade während eines Rennens fällt die verbesserte Beleuchtung deutlich stärker ins Gewicht als irgendwelche kleinen Details am Streckenrand. Diese Verbesserungen passen gut zur generellen Philosophie des Spiels. NASCAR 26 versucht nicht, alles neu zu erfinden. Stattdessen werden viele Bereiche des Vorgängers vorsichtig verfeinert. Das funktioniert bei der Präsentation besonders gut. Der Unterschied ist sichtbar, ohne dass der grundlegende Stil verloren geht.
Vom Hinterbänkler zum Cup-Series-Champion
Das Herzstück bleibt erneut der Karrieremodus. Bereits in NASCAR 25 gehörte die Karriere zu den besten Elementen des Spiels und daran ändert sich auch diesmal wenig. Der Reiz entsteht vor allem durch die Progression. Statt direkt mit einem konkurrenzfähigen Topteam um Siege zu kämpfen, beginnt man weiter unten und arbeitet sich nach und nach in Richtung Cup Series vor. Geld muss verdient, Equipment gepflegt und verbessert und die eigene Organisation Schritt für Schritt konkurrenzfähiger gemacht werden. Gerade die frühen Stunden der Karriere funktionieren deshalb hervorragend. Das eigene Fahrzeug besitzt zunächst schlicht nicht die Geschwindigkeit, um jedes Wochenende um Siege zu kämpfen. Entsprechend verschieben sich die persönlichen Ziele.

Plötzlich kann ein Platz unter den besten 20 genauso befriedigend sein wie später ein Sieg. Wer aus einem unterlegenen Fahrzeug mehr herausholt, als eigentlich möglich sein sollte, erlebt genau jene kleinen Erfolgsmomente, die einen guten Karrieremodus auszeichnen. Mit wachsendem Budget verbessert sich schließlich auch das Material. Nach und nach verändert sich die eigene Position innerhalb des Feldes und aus dem Kampf um Mittelfeldplätze wird irgendwann der Angriff auf Victory Lane. Diese Progressionskurve gehört weiterhin zu den größten Stärken von NASCAR 26. Man bekommt tatsächlich das Gefühl, etwas aufzubauen, statt einfach nur eine lose Aneinanderreihung von Rennen zu absolvieren.
Die Karriere könnte trotzdem viel tiefer gehen
Genau deshalb fällt aber auch auf, wie viel Potenzial weiterhin ungenutzt bleibt. NASCAR 26 übernimmt das starke Grundgerüst des Vorgängers, erweitert die Managementseite allerdings nicht in dem Umfang, den wir uns für eine Fortsetzung gewünscht hätten. Die eigene Organisation könnte deutlich komplexer simuliert werden. Ein dynamischer Fahrermarkt wäre beispielsweise eine naheliegende Erweiterung. Fahrer könnten Teams wechseln, neue Talente könnten auftauchen und die Kräfteverhältnisse innerhalb der Meisterschaft könnten sich über mehrere Saisons stärker verändern. Auch Personalentscheidungen könnten wesentlich wichtiger sein. Welche Mitarbeiter werden verpflichtet? Welche Abteilungen erhalten zusätzliche Ressourcen? Welche langfristige Strategie verfolgt das eigene Team?

Ähnliches gilt für Sponsoren. NASCAR und Sponsoring gehören untrennbar zusammen und entsprechend würde sich ein umfangreicheres Managementsystem anbieten. Unterschiedliche Ziele, Vertragsbedingungen oder längerfristige Partnerschaften könnten dafür sorgen, dass sich eine Karriere stärker von der nächsten unterscheidet. Das bestehende System macht weiterhin Spaß. Gerade deshalb wünscht man sich jedoch mehr davon. NASCAR 25 musste zunächst beweisen, dass iRacing Studios überhaupt ein solides Fundament für die Serie entwickeln kann. NASCAR 26 hätte dieses Fundament nun wesentlich aggressiver ausbauen können. Stattdessen bleibt die Karriere eher eine Verfeinerung des bekannten Konzepts.
Die KI ist gut, aber nicht immer nachvollziehbar
Auch auf der Strecke ist noch nicht alles perfekt. Die KI kann hervorragende Rennen produzieren, verhält sich in bestimmten Situationen allerdings weiterhin etwas merkwürdig. Insbesondere Qualifying, Strategie und Reifenverschleiß können gelegentlich zu Situationen führen, die nicht ganz nachvollziehbar wirken. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Reifenzuständen fallen teilweise überraschend drastisch aus, während andere Fehler oder Situationen den Spieler wiederum weniger bestrafen, als man es von einer konsequenten Simulation erwarten würde.
Diese Schwankungen zerstören das Renngefühl nicht. Sie fallen allerdings stärker auf als im vergangenen Jahr. Bei NASCAR 25 konnte man viele solcher Probleme noch mit dem Neustart der Reihe erklären. Nun steht das Grundgerüst bereits und entsprechend richtet sich der Blick stärker auf die Feinheiten. Gerade iRacing Studios besitzt durch seine Simulationshistorie einen Ruf, der automatisch gewisse Erwartungen an Fahrphysik, KI und Rennstrategie erzeugt. NASCAR 26 kommt diesen Erwartungen häufig entgegen, aber eben noch nicht immer. Für einen möglichen Nachfolger liegt hier entsprechend weiteres Potenzial. Eine noch dynamischere KI und nachvollziehbarere Auswirkungen von Reifen, Strategie und Rennbedingungen könnten das bereits starke Racing deutlich weiter aufwerten.

Einige Komfortfunktionen fehlen weiterhin
Auch abseits der Strecke gibt es kleinere Baustellen. Besonders auffällig ist das Fehlen eines Fotomodus. Angesichts der verbesserten Grafik und Beleuchtung wäre NASCAR 26 eigentlich hervorragend dafür geeignet, spektakuläre Rennmomente festzuhalten. Lokaler Splitscreen ist ebenfalls nicht vorhanden. Wer gemeinsam vor einer Konsole Rennen fahren möchte, schaut entsprechend in die Röhre. Dazu kommen kleinere Bereiche in Menüs und Wiederholungen, die noch etwas zusätzlichen Feinschliff vertragen könnten. Nichts davon ist gravierend genug, um das Gesamtpaket ernsthaft zu beschädigen. Zusammengenommen entsteht allerdings der Eindruck, dass NASCAR 26 an einigen Stellen noch eine zusätzliche Politur vertragen hätte.
Auch hier spielt der direkte Vergleich mit dem Vorgänger eine entscheidende Rolle. NASCAR 25 war die große Rückkehr. Entsprechend stand vor allem die Frage im Raum, ob das grundlegende Rennspiel überhaupt funktioniert. Diese Frage ist längst beantwortet. Bei NASCAR 26 geht es deshalb zunehmend darum, aus einem guten NASCAR-Spiel ein herausragendes zu machen. Genau auf diesem Weg fehlen noch einige Schritte.
Viel Racing für NASCAR-Fans
Beim Umfang gibt es trotzdem wenig Grund zur Beschwerde. Neben der umfangreichen Karriere stehen mehrere NASCAR-Serien zur Verfügung und dank Crossplay kann auch plattformübergreifend gegen andere Spieler gefahren werden. Gerade die Kombination aus langfristiger Karriere und Multiplayer sorgt dafür, dass Fans problemlos viele Stunden investieren können. Wer Freude daran hat, Strecken wirklich kennenzulernen, Setups zu optimieren und sich nach und nach zu verbessern, findet ohnehin genügend Motivation.
Die große Stärke bleibt dabei die Balance zwischen unterschiedlichen Zielgruppen. NASCAR 26 verlangt nicht, dass man bereits Hunderte Stunden in Rennsimulationen investiert hat. Gleichzeitig behandelt es den Motorsport ernst genug, um ambitionierte Spieler nicht sofort zu langweilen. Damit besetzt das Spiel eine angenehme Position zwischen unkompliziertem Rennspiel und Hardcore-Simulation. Man kann einfach einsteigen und fahren, doch wer sich intensiver mit den vorhandenen Systemen beschäftigt, wird dafür belohnt.

Fazit
NASCAR 26 macht vieles richtig, weil NASCAR 25 bereits vieles richtig gemacht hat. iRacing Studios widersteht der Versuchung, das funktionierende Fundament grundlegend umzubauen und konzentriert sich stattdessen auf Verbesserungen an Präsentation, Beleuchtung und zahlreichen kleineren Bereichen. Das eigentliche Racing bleibt die größte Stärke. Die Fahrzeuge sind angenehm zugänglich, besitzen aber genügend Tiefe, damit Streckenkenntnis, Setup und Erfahrung tatsächlich eine Rolle spielen. Die KI nutzt unterschiedliche Linien, liefert spannende Positionskämpfe und kann bei passenden Schwierigkeitseinstellungen für hervorragende Rennen sorgen.
Auch der Karrieremodus motiviert weiterhin. Der Weg von einem unterlegenen Team bis hin zum Kampf um Siege funktioniert ausgezeichnet und gerade die frühen Stunden machen deutlich, dass Erfolg nicht immer Platz eins bedeuten muss. Ein hart erkämpfter Platz unter den besten 20 kann anfangs genauso befriedigend sein wie später der erste große Sieg. Genau hier liegt allerdings auch die größte verpasste Chance. Die Karriere hätte wesentlich umfangreicher erweitert werden können. Ein dynamischer Fahrermarkt, tiefere Personalentscheidungen, umfangreicheres Sponsorenmanagement und mehr Einfluss auf die Entwicklung der eigenen Organisation würden dem Modus langfristig enorm helfen.
Auch bei KI, Reifenverhalten und einigen Komfortfunktionen besteht noch Luft nach oben. Fotomodus und lokaler Splitscreen fehlen, während Menüs und Wiederholungen etwas zusätzlichen Feinschliff vertragen könnten. NASCAR 26 ist deshalb keine Revolution. Es ist eine konsequente Weiterentwicklung eines bereits starken Vorgängers. Wer NASCAR 25 besitzt, bekommt ein besseres Spiel, aber keinen vollkommen neuen Grundstein für die Serie. Wer den Vorgänger dagegen ausgelassen hat oder einfach ein modernes NASCAR-Spiel sucht, findet hier einen sehr guten Einstieg. iRacing Studios bewegt sich weiterhin in die richtige Richtung. NASCAR 25 hat die Basis geschaffen und NASCAR 26 verbessert sie. Jetzt bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass der nächste Teil den Mut besitzt, auf diesem Fundament endlich den großen Sprung zu wagen.

NASCAR 26
NASCAR 26-
Spielspaß75/100 Very good
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Grafik85/100 Amazing
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Gameplay80/100 Very good
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Sound80/100 Very good
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Umfang90/100 Amazing
Positiv
- Gute Balance zwischen Zugänglichkeit und Simulation
- Befriedigende Progression durch die verschiedenen NASCAR-Klassen
- Sehr gelungenes Fahrgefühl
- Umfangreiches Gesamtpaket
Negativ
- KI verhält sich in einigen Situationen merkwürdig
- Kein lokaler Splitscreen
- Für Besitzer von NASCAR 25 nur ein überschaubarer Evolutionssprung

