Manchmal braucht es keine fotorealistische Grafik, keine gigantische Open World und kein Millionenbudget, um ein außergewöhnliches Videospiel zu erschaffen. Das inzwischen geschlossene Japan Studio von Sony bewies das über viele Jahre eindrucksvoll. Titel wie Gravity Rush, LocoRoco, Ape Escape und natürlich Patapon gehörten zu den kreativsten Veröffentlichungen ihrer jeweiligen Konsolengenerationen. Umso schmerzhafter war die Schließung des Studios im Jahr 2021. Glücklicherweise verschwanden damit nicht sämtliche kreativen Köpfe hinter diesen außergewöhnlichen Spielen. Mit Ratatan meldet sich nun unter anderem Patapon-Schöpfer Hiroyuki Kotani zurück und präsentiert einen geistigen Nachfolger, der das beliebte Rhythmuskonzept mit modernen Roguelike-Elementen verbindet. Das Ergebnis ist ein herrlich verrücktes Abenteuer voller niedlicher Kreaturen, eingängiger Melodien und überraschend taktischer Kämpfe. Zwar besitzt Ratatan noch einige Schwächen bei der Balance und der Übersichtlichkeit, doch der unverwechselbare Charme macht vieles davon wieder wett.
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Patapon trifft auf Hades
Wer seinerzeit Patapon auf der PlayStation Portable gespielt hat, dürfte sich in Ratatan sofort heimisch fühlen. Erneut übernehmen wir die Kontrolle über eine kleine Armee, die nicht durch gewöhnliche Tasteneingaben, sondern mithilfe rhythmischer Kommandos gesteuert wird. Angriffe, Verteidigungsaktionen, Sprünge und weitere Befehle müssen passend zum Takt ausgeführt werden. Das klingt zunächst ungewöhnlich, entwickelt allerdings schnell einen enormen Sog. Sobald sich die ersten erfolgreichen Kommandoketten aneinanderreihen, entsteht ein mitreißender Spielfluss, bei dem Musik und Kampfgeschehen nahezu miteinander verschmelzen.

Der entscheidende Unterschied zu Patapon liegt in der Struktur. Ratatan setzt auf ein Roguelike-System, das deutlich an Hades erinnert. Statt einer streng linearen Abfolge von Missionen kämpfen wir uns durch verschiedene Gebiete, sammeln Verbesserungen und stellen uns am Ende jeder Welt einem mächtigen Boss. Scheitern wir, beginnt der nächste Versuch mit neuen Möglichkeiten. Selbst ein erfolgreicher Durchlauf bedeutet dabei noch lange nicht, dass sämtliche Herausforderungen abgeschlossen sind.
Rhythmusgefühl entscheidet über Sieg und Niederlage
Die größte Stärke von Ratatan ist sein Kampfsystem. Während wir unsere kleine Truppe durch die farbenfrohen Landschaften führen, müssen wir ständig den richtigen Rhythmus treffen. Nur wer die unterschiedlichen Kommandos sauber miteinander verbindet, kann seine Armee effektiv steuern. Besonders faszinierend ist, wie schnell sich die Mechanik verinnerlicht. Nach einiger Zeit denkt man kaum noch über die einzelnen Eingaben nach. Stattdessen entsteht ein beinahe musikalischer Bewegungsablauf, bei dem Angriffe, Sprünge und Verteidigungsaktionen ganz selbstverständlich ineinander übergehen.

Dabei verlangt Ratatan durchaus Aufmerksamkeit. Gerade während hektischer Bosskämpfe müssen wir gegnerische Angriffsmuster erkennen, rechtzeitig reagieren und gleichzeitig den Takt beibehalten. Diese Verbindung aus Rhythmusspiel und taktischem Action-Abenteuer funktioniert erstaunlich gut. Hinzu kommt eine hervorragende Soundkulisse, bei der unsere kleinen Kämpfer auf die Befehle reagieren und sich die eingängigen Rufe schnell im Gedächtnis festsetzen. Wer einmal mehrere Stunden Ratatan gespielt hat, dürfte die Melodien selbst nach dem Ausschalten noch im Kopf haben.
Ratakaruta sorgen für Abwechslung
Das Roguelike-System basiert vor allem auf den sogenannten Ratakaruta. Dabei handelt es sich um Verbesserungen, die wir während eines Durchlaufs erhalten und miteinander kombinieren können. Einige verstärken unsere normalen Angriffe, andere verbessern die mächtigeren Hustle-Attacken oder gewähren zusätzliche passive Fähigkeiten. Besonders interessant sind die unterschiedlichen Elementareffekte. Während Feuer beispielsweise häufig Vorteile bietet, wenn wir bereits Lebenspunkte verloren haben, profitieren Eisfähigkeiten eher von einer möglichst hohen verbleibenden Gesundheit.

Dadurch entstehen verschiedene strategische Möglichkeiten. Wer möchte, kann bestimmte Elemente gezielt miteinander kombinieren und dadurch besonders wirkungsvolle Effekte erzeugen. Allerdings zeigt sich relativ schnell eine Schwäche des Systems. Ratatan verteilt während eines Durchlaufs derart viele Verbesserungen, dass die anfänglichen Entscheidungen zunehmend an Bedeutung verlieren. Häufig sammeln wir ohnehin einen großen Teil der verfügbaren Fähigkeiten ein. Auch die zahlreichen Händler und großzügig verteilten Ressourcen sorgen dafür, dass sich einzelne Entscheidungen selten wirklich schwer anfühlen. Das reduziert die strategische Tiefe etwas. Gerade ein Roguelike lebt schließlich davon, dass unterschiedliche Builds tatsächlich unterschiedliche Konsequenzen besitzen.
Wenn das Schlachtfeld unübersichtlich wird
Ein weiteres Problem betrifft die Darstellung bestimmter Fähigkeiten. Sobald mehrere Elementareffekte gleichzeitig aktiv sind, kann das Kampfgeschehen ausgesprochen chaotisch werden. Besonders passive Effekte werden nicht immer ausreichend erklärt. So können beispielsweise bestimmte Elementkombinationen zusätzliche Schadenseffekte auslösen, ohne dass deren Ursprung unmittelbar ersichtlich ist. Gerade bei Giftangriffen kann es dadurch passieren, dass man zunächst gar nicht erkennt, ob eine gefährlich aussehende Fläche vom eigenen Charakter oder einem Gegner verursacht wurde. Hier wäre eine klarere visuelle Unterscheidung ausgesprochen hilfreich gewesen. Das gilt insbesondere während hektischer Kämpfe, in denen ohnehin zahlreiche Figuren, Projektile und Effekte gleichzeitig über den Bildschirm wandern. Die niedliche Optik bleibt zwar jederzeit charmant, doch spielerisch leidet gelegentlich die Übersichtlichkeit.

Rataport bietet dauerhafte Verbesserungen
Nach einem abgeschlossenen oder gescheiterten Durchlauf kehren wir nach Rataport zurück. Die kleine Heimatbasis entwickelt sich mit zunehmendem Fortschritt weiter und bietet zahlreiche Möglichkeiten, unsere Armee dauerhaft zu verbessern. So können wir beispielsweise stärkere Waffen herstellen, unsere Angriffskraft erhöhen oder die anfängliche Größe unserer Truppe erweitern. Auch zusätzliche Heilquellen lassen sich freischalten. Diese dauerhaften Verbesserungen motivieren zunächst enorm, schließlich fühlt sich selbst ein gescheiterter Versuch nicht vollkommen umsonst an.

Allerdings offenbart sich hier eine weitere Schwäche der Spielbalance. Bestimmte Bosse wirken anfangs beinahe unüberwindbar. Sobald jedoch genügend permanente Verbesserungen freigeschaltet wurden, verlieren dieselben Gegner plötzlich einen erheblichen Teil ihrer Bedrohlichkeit. Dadurch entsteht gelegentlich der Eindruck, dass weniger das eigene Können als vielmehr die bereits investierte Spielzeit über den Erfolg entscheidet. Gerade für erfahrene Roguelike-Spieler könnte dieser Fortschrittsverlauf etwas unausgewogen wirken.
Ein audiovisuelles Feuerwerk voller Charme
Was Ratatan letztlich so besonders macht, ist seine unglaubliche Persönlichkeit. Kaum ein anderes Spiel schafft es derzeit, eine derart fröhliche und eigenwillige Atmosphäre zu erzeugen. Die kleinen Cobun kommentieren das Geschehen mit charmanten Sprüchen, während die Animationen voller liebevoller Details stecken. Jede Figur besitzt einen eigenen Charakter, und selbst kleinere Bewegungen wirken ausgesprochen lebendig. Hinzu kommt die fantastische musikalische Untermalung. Die rhythmischen Kommandos, die Antworten der Armee und die abwechslungsreichen Melodien verschmelzen zu einer Klangkulisse, die unmittelbar gute Laune verbreitet. Besonders gelungen ist das Tempo zwischen den einzelnen Abschnitten. Auf hektische Kämpfe und anspruchsvolle Bossbegegnungen folgen ruhigere Momente, in denen wir neue Verbesserungen auswählen oder Händler besuchen können. Dieser Wechsel sorgt dafür, dass das Abenteuer trotz seines wiederholungsorientierten Aufbaus lange motivierend bleibt.

Fazit
Ratatan ist genau das kreative Videospiel, das vielen Spielern seit dem Ende von Japan Studio gefehlt hat. Der geistige Nachfolger von Patapon übernimmt nicht einfach nur dessen ungewöhnliches Rhythmuskonzept, sondern entwickelt es mit modernen Roguelike-Mechaniken sinnvoll weiter. Besonders das Kampfsystem begeistert. Sobald wir unsere kleine Armee im richtigen Takt über das Schlachtfeld führen, entsteht ein einzigartiger Spielfluss, der sich deutlich von gewöhnlichen Actionspielen unterscheidet. Auch die charmante Präsentation, die liebenswerten Charaktere und der fantastische Soundtrack gehören zu den größten Stärken.
Allerdings ist nicht alles perfekt. Die Ratakaruta bieten zwar interessante Kombinationsmöglichkeiten, verlieren durch ihre großzügige Verteilung aber teilweise an strategischer Bedeutung. Hinzu kommen gelegentliche Probleme bei der Übersichtlichkeit und eine etwas unausgewogene Schwierigkeitskurve durch permanente Verbesserungen. Trotzdem überwiegt der Spielspaß deutlich. Ratatan besitzt eine unverwechselbare Identität und erinnert daran, weshalb experimentelle Spiele abseits großer Blockbuster so wichtig sind.

Ratatan
Ratatan-
Spielspaß95/100 The best
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Grafik85/100 Amazing
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Gameplay90/100 Amazing
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Sound90/100 Amazing
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Umfang80/100 Very good
Positiv
- Einzigartige Mischung aus Rhythmusspiel und Roguelike
- Fantastischer Soundtrack mit hohem Ohrwurmpotenzial
- Charmante Charaktere und liebevolle Animationen
Negativ
- Teilweise unausgewogene Schwierigkeitskurve

