Nur wenige Tage nach der erschütternden Nachricht über die Schließung von BioWare gibt es eine weitere Entwicklung, die besonders Fans der Mass-Effect-Reihe emotional treffen dürfte. Im Internet ist ein bislang unveröffentlichter Trailer zum eingestellten Mass Effect 5 aufgetaucht. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Leak aussah, wurde inzwischen von mehreren Journalisten als authentisches Material bestätigt. Das Video gewährt einen ersten Einblick in die Richtung, die das traditionsreiche Entwicklerstudio mit seinem nächsten großen Science-Fiction-Rollenspiel einschlagen wollte. Besonders interessant sind dabei der interne Projektname Mass Effect Universe, die geplante Rückkehr in die Milchstraße und ein gewaltiger Zeitsprung gegenüber der ursprünglichen Trilogie. Damit zeichnet sich erstmals ein konkreteres Bild davon ab, welche Zukunft BioWare für seine legendäre Rollenspielreihe vorgesehen hatte.
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Geleakter Mass-Effect-Trailer ist tatsächlich echt
Der Trailer tauchte zunächst auf Reddit im offiziellen Subreddit der Mass-Effect-Community auf. Veröffentlicht wurde das Video nur kurze Zeit nach der Bekanntgabe, dass BioWare nach mehr als 30 Jahren geschlossen wird und die Entwicklung des nächsten Mass Effect damit endgültig endet. Anfangs war unklar, ob es sich um authentisches Material, eine aufwendige Fanproduktion oder möglicherweise KI-generierte Szenen handelte. Inzwischen gibt es jedoch Gewissheit: Sowohl Bloomberg-Journalist Jason Schreier als auch IGN haben die Echtheit des Videos unabhängig voneinander bestätigt.
Damit handelt es sich tatsächlich um Material aus der Entwicklung des inzwischen eingestellten Rollenspiels. Der Trailer wurde offenbar mit frühen Entwicklungsressourcen erstellt und zeigt dementsprechend kein fertiges Spiel. Dennoch vermittelt er einen Eindruck davon, welche erzählerische und visuelle Richtung BioWare mit dem Projekt verfolgen wollte. Wie das Video an die Öffentlichkeit gelangte, ist bislang nicht bekannt. Es wird vermutet, dass ein ehemaliger Mitarbeiter das Material nach der Schließung des Studios veröffentlicht haben könnte. Bestätigt ist diese Vermutung allerdings nicht.
Mass Effect Universe: War das der geplante Titel?
Eine der spannendsten Entdeckungen betrifft den Namen des Projekts. Im geleakten Video erscheint die Bezeichnung Mass Effect Universe, die offenbar während der Entwicklung verwendet wurde. Ob es sich dabei tatsächlich um den geplanten endgültigen Verkaufstitel handelte oder lediglich um einen internen Projektnamen, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen. Die Bezeichnung könnte allerdings auf eine größere erzählerische Neuausrichtung hingedeutet haben. Schließlich hatte BioWare bereits mit der ursprünglichen Mass-Effect-Trilogie ein umfangreiches Universum erschaffen, dessen Geschichte weit über Commander Shepard hinausreicht. Mit Mass Effect: Andromeda versuchte das Studio 2017 bereits, die Reihe in eine andere Galaxie zu verlagern. Der neue Ableger sollte dagegen offenbar wieder stärker an die bekannten Schauplätze und Ereignisse der ursprünglichen Spiele anknüpfen. Dass ausgerechnet Mass Effect Universe als Name verwendet wurde, dürfte unter Fans deshalb für reichlich Diskussionen sorgen.
Tausende Jahre nach Mass Effect 3: BioWare plante einen gewaltigen Zeitsprung
Besonders überraschend ist die zeitliche Einordnung des eingestellten Rollenspiels. Demnach sollte die Handlung mehrere Tausend Jahre nach den Ereignissen von Mass Effect 3 angesiedelt sein. Damit hätte BioWare einen erheblichen Abstand zur ursprünglichen Trilogie geschaffen. Die Entscheidungen rund um Commander Shepard und den Krieg gegen die Reaper hätten weiterhin zur Geschichte des Universums gehört, während sich die Galaxis über Jahrtausende hinweg verändert haben könnte. Ein derartiger Zeitsprung hätte zahlreiche erzählerische Möglichkeiten eröffnet. Politische Machtverhältnisse, Technologien und sogar die Beziehungen zwischen den verschiedenen Spezies hätten sich grundlegend weiterentwickeln können.
Gleichzeitig wäre BioWare dadurch weniger stark an die unmittelbaren Ereignisse der ersten drei Spiele gebunden gewesen. Interessant ist außerdem, dass die Geschichte erneut in der Milchstraße stattfinden sollte. Anders als Mass Effect: Andromeda hätte der neue Teil somit wieder die Heimatgalaxis der Menschen, Asari, Turianer und Kroganer in den Mittelpunkt gestellt. Welche bekannten Planeten und Zivilisationen tatsächlich eine Rolle gespielt hätten, geht aus den bisherigen Informationen allerdings nicht hervor.
Liara T’Soni sollte trotz des Zeitsprungs zurückkehren
Bereits seit der ursprünglichen Ankündigung des nächsten Mass Effect war bekannt, dass die beliebte Asari Liara T’Soni eine Rolle spielen sollte. Ihr Auftritt im ersten Teaser aus dem Jahr 2020 hatte damals zahlreiche Spekulationen ausgelöst. Besonders die Frage, ob BioWare die Geschichte von Commander Shepard unmittelbar fortsetzen würde, beschäftigte die Community über Jahre hinweg. Der nun bekannt gewordene Zeitsprung wirft allerdings ein neues Licht auf diese Pläne.
Asari gehören zu den langlebigsten Spezies des Mass-Effect-Universums und können ein Alter von ungefähr 1.000 Jahren erreichen. Sollte die Handlung tatsächlich mehrere Jahrtausende nach Mass Effect 3 angesiedelt gewesen sein, wäre Liaras Rückkehr deshalb erklärungsbedürftig gewesen. Möglicherweise hatte BioWare besondere erzählerische Ideen für ihre Rolle vorgesehen. Denkbar wäre auch gewesen, dass der Trailer unterschiedliche Zeitebenen oder historische Ereignisse miteinander verbindet. Konkrete Antworten liefert das bisher bekannte Material jedoch nicht. Gerade deshalb bleibt die geplante Einbindung von Liara eines der größten ungelösten Rätsel des eingestellten Projekts.
BioWare-Mitarbeiterin: Wir haben an einem großartigen Spiel gearbeitet
Besonders emotional wird die Situation durch die Reaktionen ehemaliger BioWare-Mitarbeiter. Die Autorin Catherynne M. Valente, die an Mass Effect beteiligt war, äußerte sich nach der Schließung des Studios in den sozialen Medien und erklärte, dass das Team an einem großartigen Spiel gearbeitet habe. Diese Aussage verdeutlicht, wie viel Hoffnung die Entwickler offenbar selbst in das Projekt gesetzt hatten.
Für viele Fans ist das besonders bitter. Schließlich sollte das nächste Mass Effect nach den gemischten Reaktionen auf Andromeda einen neuen Anfang für die traditionsreiche Reihe markieren. Schon die wenigen veröffentlichten Teaser hatten ausgereicht, um jahrelange Diskussionen über die Rückkehr bekannter Figuren, mögliche Handlungsstränge und die Zukunft der Galaxis auszulösen. Nun bleibt davon lediglich ein kleiner Einblick in ein Spiel, das vermutlich niemals in seiner ursprünglich geplanten Form erscheinen wird.
Nach BioWares Schließung bleibt die Zukunft von Mass Effect ungewiss
Mit der Schließung von BioWare hat Electronic Arts nicht nur eines seiner traditionsreichsten Studios verloren, sondern auch die Entwicklung des nächsten Mass Effect beendet. Die Marke selbst bleibt weiterhin im Besitz des Publishers. Grundsätzlich wäre es deshalb möglich, dass Electronic Arts irgendwann ein anderes Entwicklerstudio mit einem neuen Mass-Effect-Projekt beauftragt. Konkrete Hinweise auf entsprechende Pläne gibt es derzeit jedoch nicht. Der geleakte Trailer zu Mass Effect Universe ist damit vor allem ein faszinierendes Dokument der Videospielgeschichte. Er zeigt, dass BioWare trotz aller Schwierigkeiten weiterhin an einer Zukunft für seine wohl bekannteste Science-Fiction-Reihe gearbeitet hat. Ob wir jemals erfahren werden, welche Abenteuer BioWare tatsächlich geplant hatte, bleibt offen.

