StartModel HubKlemmbausteine ReviewLumibricks Blade Runner 2049 Protein Farm Living Quarters 23002 Test/Review

Lumibricks Blade Runner 2049 Protein Farm Living Quarters 23002 Test/Review

Blade Runner 2049 lebt von seinen Gegensätzen. Gigantische Städte treffen auf menschenleere Landschaften, grelle Hologramme auf beinahe vollständig entsättigte Welten und futuristische Technologie auf Orte, die aussehen, als wären sie seit Jahrzehnten dem Verfall überlassen worden. Genau deshalb ist es spannend, dass Lumibricks seine erste große Filmlizenz nicht einfach mit möglichst vielen leuchtenden Cyberpunk Gebäuden ausschlachtet. Nach K’s Spinner widmet sich der Hersteller mit dem Blade Runner 2049 Protein Farm Living Quarters 23002 ausgerechnet einem der ruhigsten Schauplätze des Films.

Aus 2.400 Teilen entsteht das abgelegene Wohnquartier von Sapper Morton auf der Protein Farm. Das Gebäude wird durch den markanten abgestorbenen Baum ergänzt und besitzt vollständig ausgestaltete Innenbereiche. Mit K und Sapper Morton sind außerdem genau die beiden Charaktere enthalten, die für diese Szene benötigt werden. Eine integrierte Beleuchtung gehört ebenfalls zum Set. Was auf den ersten Blick wie ein unscheinbares Haus in einer braunen Einöde wirkt, entpuppt sich damit als ausgesprochen clevere Wahl für ein Blade Runner Set. Denn kaum ein anderer Ort setzt die Handlung von Blade Runner 2049 derart entscheidend in Bewegung.

Ausgerechnet diese unscheinbare Farm verändert alles

Wer Blade Runner 2049 gesehen hat, dürfte Sapper Mortons Farm sofort wiedererkennen. K reist zu Beginn des Films in die abgelegene Landschaft außerhalb von Los Angeles, um den Nexus-8-Replikanten Sapper Morton aufzuspüren. Morton lebt dort zurückgezogen und arbeitet als Protein Farmer. Was zunächst wie ein routinemäßiger Auftrag für den Blade Runner beginnt, entwickelt sich bekanntlich zu jenem Ereignis, das praktisch die komplette weitere Handlung des Films auslöst. Genau deshalb ist der Schauplatz wesentlich wichtiger, als seine unscheinbare Architektur vermuten lässt. Lumibricks konzentriert sich auf Mortons Wohnquartier und das unmittelbar angrenzende Gelände. Das eigentliche Gebäude ist niedrig, zweckmäßig und optisch stark verwittert. Große futuristische Fassaden oder grelle Neonwerbung sucht man hier bewusst vergeblich.

Stattdessen dominieren Braun, Grau, Beige und weitere gedeckte Farbtöne. Lediglich einzelne Elemente wie der gelbe Eingangsbereich setzen stärkere farbliche Akzente. Dadurch entsteht eine bemerkenswert nahe Annäherung an die trostlose Atmosphäre der Filmvorlage. Während der Street Market auf dichtes Neon und visuelles Chaos setzt, arbeitet die Protein Farm wesentlich zurückhaltender. Das ist für Lumibricks fast schon ungewöhnlich. Schließlich hat sich der Hersteller gerade mit seinen aufwendig beleuchteten Gebäuden einen Namen gemacht. Hier besteht die Herausforderung dagegen darin, nicht zu viel zu machen. Und genau das passt hervorragend zu Blade Runner 2049.

Der Baum ist weit mehr als Dekoration

Der vielleicht wichtigste Bestandteil des gesamten Sets steht kurioserweise gar nicht im Gebäude. Vor Mortons Haus befindet sich der abgestorbene Baum. Lumibricks hätte diesen problemlos als kleines Zubehör behandeln können. Stattdessen ist er ein eigenständiger und auffälliger Bestandteil des Dioramas. Das ist angesichts seiner Bedeutung im Film genau die richtige Entscheidung. Unter diesem Baum entdeckt K schließlich die vergrabene Kiste mit den Überresten von Rachael. Die anschließende Untersuchung führt zu der Erkenntnis, dass sie nach den Ereignissen des ersten Blade Runner ein Kind geboren hatte. Ein Replikant, der ein Kind zur Welt bringt. Damit verändert sich für K und letztlich für die gesamte Welt des Films alles.

Der Baum ist deshalb nicht einfach irgendeine Landschaftsdekoration. Er markiert den Ort, an dem das zentrale Geheimnis von Blade Runner 2049 buchstäblich ausgegraben wird. Lumibricks nutzt ihn entsprechend prominent. Optisch funktioniert das ebenfalls hervorragend. Die kahlen Äste passen zur lebensfeindlichen Landschaft und bilden gleichzeitig einen starken Kontrast zum flachen Wohngebäude. Das Diorama bekommt dadurch zusätzliche Höhe, ohne dass Lumibricks einen künstlich großen Gebäudekomplex benötigt. Gerade aus etwas Entfernung sorgt der Baum dafür, dass man die Filmszene unmittelbar erkennt.

Außen trist, innen erstaunlich detailliert

Die eigentliche Überraschung wartet im Gebäude. Lumibricks hat nicht nur eine Fassade gebaut, sondern die Wohnräume von Sapper Morton ausgestaltet. Die bisher veröffentlichten Bilder zeigen mehrere Innenbereiche und greifen dabei unter anderem die Küche sowie die Konfrontation zwischen K und Morton auf. Das ist wichtig, denn ein Großteil der bekannten Szene spielt im Inneren. Von außen wirkt Mortons Unterkunft absichtlich trostlos und funktional. Innen entsteht dagegen ein wesentlich persönlicheres Bild des Replikanten. Gerade diese Kombination passt hervorragend zum Film.

Morton wird nicht als gesichtsloses Ziel dargestellt, sondern als jemand, der sich außerhalb der Gesellschaft ein eigenes Leben aufgebaut hat. Seine Unterkunft besitzt deshalb einen vollkommen anderen Charakter als die futuristischen Wohnungen und Straßen von Los Angeles. Lumibricks greift diese Atmosphäre auf. Anstatt einfach eine leere Gebäudeschale um die beiden Figuren zu setzen, wird das Innere zum zweiten wichtigen Teil des Modells. Damit funktioniert das Set nicht nur als Außenansicht der Protein Farm, sondern gleichzeitig als kleines Filmdiorama. Die 2.400 Teile ergeben dadurch zunehmend Sinn. Das unterscheidet 23002 deutlich von einem klassischen Fassadenmodell.

K und Sapper Morton sind die einzig richtige Figurenwahl

Zwei Figuren gehören zum Set: K und Sapper Morton. Mehr braucht diese Szene eigentlich auch nicht. Sapper Morton wird im Film von Dave Bautista gespielt und gehört trotz seiner vergleichsweise kurzen Bildschirmzeit zu den wichtigen Figuren von Blade Runner 2049. Gerade die Unterhaltung zwischen ihm und K gibt dem Zuschauer früh einen ersten Hinweis darauf, dass hinter der scheinbar klaren Trennung zwischen Mensch und Replikant wesentlich mehr steckt. K ist für dieses Set ohnehin unverzichtbar. Damit lässt sich die Konfrontation im Wohnquartier unmittelbar nachstellen. Gleichzeitig kann die Figur natürlich zusammen mit K’s bereits erschienenem Spinner 23001 verwendet werden. Genau hier zeigt sich erstmals richtig, wie Lumibricks seine Blade Runner Lizenz aufbaut.

Der Spinner ist nicht einfach ein isoliertes Fahrzeug. Er gehört zu einer größeren Welt. Protein Farm Living Quarters bildet einen konkreten Zielort für K und sein Fahrzeug. Daneben entstehen der Street Market 23004, K’s Apartment 23003 und weitere Modelle aus vollkommen unterschiedlichen Bereichen der Filmwelt. Dadurch entwickelt sich langsam eine Sammlung wichtiger Schauplätze statt einer Reihe beliebiger Fahrzeuge. Das gefällt uns wesentlich besser.

Beleuchtung ohne Neon Overkill

Natürlich wäre es kein modernes Lumibricks Set ohne Licht. Auch die Protein Farm besitzt eine integrierte LED Beleuchtung.  Interessanter ist aber, wie zurückhaltend das Licht hier eingesetzt wird. Beim Street Market darf Lumibricks praktisch sämtliche Cyberpunk Register ziehen. Werbeschilder, Hologramme und Neonlicht gehören dort unmittelbar zum Erscheinungsbild. Die Protein Farm benötigt das Gegenteil. Deshalb konzentriert sich die Beleuchtung hauptsächlich auf das Gebäude und einzelne Bereiche der Szenerie. Das Licht setzt Akzente, ohne die bewusst triste Umgebung plötzlich in eine Neon City zu verwandeln. Gerade dadurch funktioniert die Atmosphäre. Das warme Licht aus dem Wohnbereich steht im Kontrast zur kalten, verlassenen Landschaft. Bei Dunkelheit dürfte das Gebäude dadurch noch stärker wie ein letzter bewohnter Punkt mitten im Nirgendwo wirken. Für uns ist das ein wichtiger Punkt. Lumibricks beweist hier, dass integrierte Beleuchtung nicht zwangsläufig möglichst spektakulär sein muss. Manchmal reicht es vollkommen, Licht dort einzusetzen, wo es die Atmosphäre der Vorlage unterstützt.

2.400 Teile für ein erstaunlich ruhiges Display

Beim Blick auf das gesamte Modell fällt auf, wie ungewöhnlich die Protein Farm innerhalb des bisherigen Lumibricks Sortiments wirkt. Es gibt keinen riesigen Turm. Keine grellen Werbetafeln, keine überfüllte Straße und keine Dutzenden kleinen Geschäfte. Stattdessen sehen wir ein niedriges Wohngebäude, eine karge Landschaft und einen abgestorbenen Baum. Und trotzdem besteht das Modell aus 2.400 Teilen. Genau diese Zurückhaltung macht den Reiz aus. Blade Runner 2049 definiert sich eben nicht ausschließlich über futuristische Großstädte. Denis Villeneuves Film verbringt auffallend viel Zeit mit leeren Räumen und gigantischen Landschaften. Die Welt wirkt häufig kalt, einsam und beinahe ausgestorben.

Die Protein Farm transportiert genau diese Seite des Films. Besonders schön ist deshalb auch, dass Lumibricks nicht versucht, das Gebäude künstlich spektakulärer zu gestalten. Der niedrige Aufbau und die zurückhaltenden Farben orientieren sich an der Filmkulisse. Als Displaystück lebt das Modell dadurch stärker von der Gesamtkomposition als von einem einzelnen Wow Effekt. Gebäude, Baum, Gelände, Figuren und Licht ergeben gemeinsam die Szene.

Fazit

Die Lumibricks Blade Runner 2049 Protein Farm Living Quarters 23002 sind vielleicht gerade deshalb so interessant, weil das Set auf den ersten Blick vollkommen unspektakulär wirkt. Ein niedriges Haus. Ein toter Baum. Zwei Figuren. Eine braune Einöde. Wer Blade Runner 2049 kennt, weiß allerdings sofort, wie wichtig genau dieser Ort ist. Hier beginnt Ks eigentliche Reise und er trifft auf Sapper Morton. Hier befindet sich unter dem abgestorbenen Baum jenes Geheimnis, das die komplette Ordnung zwischen Menschen und Replikanten infrage stellt. Lumibricks versucht erfreulicherweise nicht, daraus künstlich ein spektakuläres Cyberpunk Gebäude zu machen.

Das Wohnquartier bleibt niedrig, verwittert und farblich zurückhaltend. Der abgestorbene Baum bekommt den Platz, den seine Bedeutung verdient, während die ausgestalteten Innenräume auch die Konfrontation zwischen K und Morton abbilden. Besonders interessant ist der zurückhaltende Einsatz der Beleuchtung. Lumibricks ist inzwischen fast synonym mit beleuchteten Klemmbausteinsets, doch gerade hier wäre ein Übermaß an LEDs vollkommen fehl am Platz. Stattdessen unterstützen die Lichtquellen die düstere und einsame Atmosphäre der Protein Farm. Mit 2.400 Teilen fällt das Set gleichzeitig deutlich umfangreicher aus, als es die flache Architektur zunächst vermuten lässt. Die beiden enthaltenen Figuren K und Sapper Morton sind ebenfalls genau die richtige Wahl. In Kombination mit K’s Spinner lässt sich damit eine der entscheidenden frühen Sequenzen aus Blade Runner 2049 als zusammenhängendes Display darstellen.

Lumibricks Blade Runner 2049 Protein Farm Living Quarters 23002

Lumibricks Blade Runner 2049 Protein Farm Living Quarters 23002
88 100 0 1
88/100
Total Score
  • Aufbau
    90/100 Amazing
  • Teilequalität
    85/100 Amazing
  • Endergebnis
    90/100 Amazing
  • Preis/Leistung
    90/100 Amazing
  • Spaßfaktor
    85/100 Amazing

Positiv

  • Sapper Mortons Wohnquartier samt ausgestaltetem Innenraum
  • K und Sapper Morton als passende Figuren
  • integrierte und atmosphärisch zurückhaltende Beleuchtung

Negativ

  • nur zwei Figuren
Ähnliche Artikel