Alle Jahre wieder steht ein neues EA Sports FC in den Regalen und stellt Fußballfans vor dieselbe Frage: Lohnt sich der Umstieg wirklich oder reicht der Vorgänger noch vollkommen aus? Nach dem durchaus gelungenen EA Sports FC 26 verspricht Electronic Arts auch in diesem Jahr zahlreiche Verbesserungen. Die Entwickler haben an der Spielmechanik geschraubt, die künstliche Intelligenz überarbeitet und insbesondere Ultimate Team sowie die Trainerkarriere mit neuen Funktionen ausgestattet. Mit The Grounds feiert außerdem ein komplett neuer sozialer Spielmodus seine Premiere. Auf dem Papier klingt das nach einem ziemlich umfangreichen Gesamtpaket. Tatsächlich zeigt EA Sports FC 27 auf dem Platz einige seiner besten Veränderungen seit längerer Zeit. Vor allem die stärkere Betonung individueller Fähigkeiten und die überarbeitete Defensive sorgen dafür, dass sich Fußball wieder etwas nachvollziehbarer anfühlt.

Gleichzeitig bleibt die Serie ihrer bekannten Struktur treu und einige Modi scheinen erneut deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen zu haben als andere. Auch die Präsentation kann nicht überall überzeugen. Während Animationen und Bewegungsabläufe natürlicher wirken, sind manche Spielermodelle weiterhin erschreckend altbacken. Dazu gesellt sich ein Kommentar, der inzwischen dringend eine grundlegende Überarbeitung benötigt. EA Sports FC 27 ist deshalb kein revolutionärer Neustart, sondern eine umfangreiche Weiterentwicklung. Ob das ausreicht, um erneut den Vollpreis zu rechtfertigen, hängt vor allem davon ab, welche Spielmodi man bevorzugt.
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Dribbling fühlt sich endlich wieder gefährlich an
Besonders gelungen ist die Überarbeitung des Dribblings. EA Sports FC 27 reagiert direkter auf Eingaben und ermöglicht eine präzisere Ballführung. Mit technisch starken Spielern macht sich das sofort bemerkbar. Wer beispielsweise Lionel Messi kontrolliert und dessen Technical PlayStyle+ nutzt, kann Gegenspieler mit engen Bewegungen und schnellen Richtungswechseln deutlich effektiver unter Druck setzen. Das bedeutet nicht, dass plötzlich jeder Angriff mit einem spektakulären Solo abgeschlossen werden kann. Vielmehr vermittelt das Spiel stärker das Gefühl, dass die individuellen Fähigkeiten eines Fußballers tatsächlich einen Unterschied machen.
In früheren Ablegern entstanden immer wieder Situationen, in denen sich ein eigentlich langsamer Innenverteidiger plötzlich schneller bewegte als ein technisch und körperlich überlegener Angreifer. Auch übermächtig wirkende Torhüter oder schwer nachvollziehbare Zufallsmomente konnten für Frust sorgen. EA Sports FC 27 reduziert dieses Gefühl zumindest spürbar. Gute Entscheidungen und saubere Eingaben werden stärker belohnt. Das macht die Partien nicht nur fairer, sondern auch motivierender.
Eine kleine, aber interessante Neuerung betrifft außerdem Eckbälle. Sobald der Ball ausgeführt wird, öffnet sich ein kurzes Zeitfenster, in dem ein Laufweg gezielt ausgelöst werden kann. Angreifer können dadurch versuchen, sich im richtigen Moment vom Gegenspieler zu lösen. Verteidiger erhalten wiederum die Möglichkeit, genau diese Bewegung zu unterbinden. Das klingt zunächst unspektakulär, bringt aber eine zusätzliche spielerische Ebene in Standardsituationen. Gerade weil Eckbälle in Fußballspielen häufig auf ähnliche Abläufe hinauslaufen, ist diese Änderung willkommen. Insgesamt fühlt sich EA Sports FC 27 auf dem Platz etwas kontrollierter und weniger zufallsabhängig an. Es ist keine vollständige Neuerfindung des Fußballs, aber eine der sinnvolleren spielerischen Weiterentwicklungen der vergangenen Jahre.

Die Trainerkarriere wird endlich lebendiger
Auch der Managermodus gehört zu den Gewinnern des diesjährigen Ablegers. Electronic Arts hat insbesondere den Transfermarkt und die Entwicklung der Spieler überarbeitet. Verhandlungen mit Vereinen und Fußballern bestehen nun aus zusätzlichen Phasen. Dadurch entsteht stärker das Gefühl, tatsächlich mit einem Spieler oder dessen Verein über einen möglichen Wechsel zu sprechen. Dabei können sich die Verhandlungspartner durchaus kompromisslos zeigen. Ablösesummen, Gehälter, Bonuszahlungen und Vertragsklauseln müssen sorgfältiger abgewogen werden. Spieler berücksichtigen außerdem stärker die Philosophie und den bevorzugten Spielstil eines Vereins. Ein talentierter Fußballer entscheidet sich dadurch nicht mehr ausschließlich anhand des angebotenen Gehalts für einen Wechsel. Auch die sportliche Perspektive und die Ausrichtung des Vereins können eine Rolle spielen.
Das verleiht Transfers zusätzliche Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig hat EA die Entwicklung der Gesamtstärke überarbeitet. Der Overall-Wert eines Spielers steigt oder fällt nicht mehr lediglich aufgrund seines Alters, der absolvierten Partien oder eines bestimmten Trainingsplans. Form, Selbstvertrauen, Fitness und Moral beeinflussen die Entwicklung nun stärker. Hinzu kommen unterschiedliche Wachstumsprofile, wodurch sich Fußballer nicht in jeder Karriere identisch entwickeln müssen. Das ist eine ausgesprochen sinnvolle Veränderung. Schließlich wäre es langweilig, wenn jedes junge Talent in jeder neuen Karriere exakt denselben Weg einschlagen würde.
Auch die Transfers zwischen computergesteuerten Vereinen sollen realistischer ausfallen. Vollkommen absurde Wechsel dürften dadurch seltener werden. Dass beispielsweise Erling Haaland plötzlich bei Ipswich Town unterschreibt, nur weil der Verein überraschend die Meisterschaft gewonnen hat, sollte nicht mehr regelmäßig vorkommen. Natürlich bleiben ungewöhnliche Transfers möglich. Insgesamt wirkt das System jedoch glaubwürdiger.

Spielerkarriere und Clubs bleiben zurück
Weniger erfreulich sieht es bei der Spielerkarriere aus. Dieser Modus hat im Vergleich zur Trainerkarriere deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten. Das bedeutet nicht, dass es überhaupt keine Verbesserungen gibt. Das Archetypen-System ermöglicht zusätzliche Entwicklungspfade, die sich an bekannten Fußballikonen orientieren. Dadurch lässt sich die eigene Spielfigur stärker spezialisieren. Auch die dynamischen Gesamtwertungen aus dem Managermodus kommen hier zum Einsatz. Dazu profitieren Spieler natürlich von den allgemeinen Verbesserungen an KI, Dribbling und Defensivverhalten. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass Electronic Arts diesen Bereich erneut eher nebenbei behandelt hat.
Noch deutlicher wird das bei Clubs. Der kooperative Online-Modus funktioniert weiterhin und dürfte für bestehende Gruppen durchaus attraktiv bleiben. Wirklich große Veränderungen sucht man allerdings vergeblich. Neu ist insbesondere die Verbindung zu The Grounds. Die eigene Clubs-Figur kann nun auch innerhalb des sozialen Hubs genutzt werden. Hinzu kommen zusätzliche Turniere, neue Entwicklungsmöglichkeiten und mehrere Spielformen, die sich die beiden Modi teilen. Das ist grundsätzlich sinnvoll, ersetzt aber keine tiefgreifende Weiterentwicklung von Clubs. Wer bereits viel Zeit in EA Sports FC 26 mit diesem Modus verbracht hat, dürfte sich deshalb fragen, was sich tatsächlich verändert hat. Sollte Electronic Arts diese Entwicklung auch im kommenden Jahr fortsetzen, könnte Clubs zunehmend den Anschluss an die umfangreicher gepflegten Bereiche verlieren.

Ultimate Team wird zugänglicher und belohnender
Wenig überraschend gehört Football Ultimate Team erneut zu den Bereichen, in denen Electronic Arts besonders viel verändert hat. Schließlich ist FUT seit Jahren einer der wichtigsten und zugleich lukrativsten Bestandteile der gesamten Reihe. EA Sports FC 27 versucht allerdings nicht ausschließlich, neue Karten und zusätzliche Inhalte anzubieten. Stattdessen wurden auch mehrere grundlegende Systeme überarbeitet. Ein gutes Beispiel sind die Squad Building Challenges. Diese Aufgaben verlangen weiterhin, bestimmte Spielerkarten gegen Belohnungen einzutauschen. Bisher mussten dafür häufig Vorgaben zur Gesamtwertung, Teamchemie oder Nationalität erfüllt werden.
Nun kommt ein Punktesystem hinzu. Jede Spielerkarte besitzt einen bestimmten Wert, der für SBCs und die neue Gallery relevant ist. Je nach Herausforderung müssen bestimmte Punktzahlen erreicht werden. Besonders angenehm ist, dass die bisherigen Chemieanforderungen bei SBCs entfallen. Dadurch wird das Zusammenstellen geeigneter Mannschaften wesentlich unkomplizierter. Man muss nicht mehr ständig versuchen, irgendwelche Nationalitäten und Ligen miteinander zu kombinieren, nur um eine bestimmte Aufgabe abzuschließen. Das ist eine kleine Veränderung mit großer Wirkung auf die Benutzerfreundlichkeit.

FUT Champions öffnet sich für mehr Spieler
Auch der Zugang zu FUT Champions wurde verändert. Der besonders kompetitive Wochenendmodus war bislang stark auf Spieler ausgerichtet, die bereits ein gewisses Niveau erreicht hatten. Die bisherige Voraussetzung, mindestens Division 6 zu erreichen, entfällt nun. Qualifikationspunkte können außerdem sowohl über Rivals als auch über Squad Battles verdient werden. Dadurch erhalten mehr Spieler die Möglichkeit, sich für FUT Champions zu qualifizieren. Natürlich bedeutet das nicht, dass der Modus plötzlich einfacher wird. Wer normalerweise Schwierigkeiten gegen menschliche Gegner hat, dürfte auch weiterhin einige deutliche Niederlagen kassieren.
Trotzdem ist es positiv, dass Electronic Arts den Zugang weniger restriktiv gestaltet. Auch weniger erfahrene Spieler können nun zumindest versuchen, sich mit der kompetitiven Community zu messen. Kleinere Anpassungen gibt es zudem bei der Teamchemie von Icons und Heroes. Icons liefern jetzt einen Bonus von +1 für Liga und Nation, während es zuvor +1 für Liga und +2 für Nation waren. Heroes bieten ebenfalls +1 für beide Bereiche, nachdem sie bislang +2 für Liga und +1 für Nation gewährten. Diese Veränderungen dürften gerade beim Zusammenstellen besonders komplexer Ultimate-Teams eine Rolle spielen.

Fazit
EA Sports FC 27 ist ein gutes Beispiel dafür, wie sinnvoll gezielte Verbesserungen sein können. Electronic Arts erfindet seine Fußballsimulation nicht neu, konzentriert sich aber auf einige Bereiche, die tatsächlich einen spürbaren Unterschied machen. Besonders das Gameplay profitiert davon. Die Defensive verlangt mehr Eigeninitiative, offensive Mitspieler bewegen sich intelligenter und das Dribbling reagiert präziser. Dadurch entsteht häufiger das Gefühl, dass gute Entscheidungen und individuelle Fähigkeiten über den Ausgang einer Partie entscheiden. Auch die Trainerkarriere hat einen überzeugenden Schritt nach vorne gemacht. Dynamischere Spielerentwicklungen, glaubwürdigere Transfers und umfangreichere Verhandlungen sorgen für zusätzliche Tiefe. Dass eigene Manager Live Challenges erstellt und geteilt werden können, eröffnet außerdem interessante Möglichkeiten für langfristige Motivation.
Ultimate Team erhält ebenfalls zahlreiche sinnvolle Verbesserungen. Vereinfachte Squad Building Challenges, die neue FUT Gallery und zusätzliche PvE-Live-Events machen den Modus zugänglicher. Besonders erfreulich ist, dass Season Points nun auch durch gewöhnliche Partien verdient werden können, unabhängig vom Ergebnis. Die Begrenzung auf drei PlayStyle+-Fähigkeiten und kleinere Promo-Kampagnen könnten zudem dafür sorgen, dass besondere Spielerkarten länger relevant bleiben. Gleichzeitig sollte Electronic Arts darauf achten, Ultimate Team nicht durch immer neue Währungen unnötig kompliziert zu machen. Weniger überzeugend fallen die Fortschritte bei Spielerkarriere und Clubs aus. Beide Modi profitieren zwar von den allgemeinen Gameplay-Verbesserungen, entwickeln sich ansonsten aber nur langsam weiter.
The Grounds besitzt als neuer sozialer Hub durchaus Potenzial. Die drei unterschiedlich gestalteten Bezirke, zahlreiche Aktivitäten und die Verbindung zu Clubs und Rush schaffen eine interessante Grundlage. Ob der Modus allerdings langfristig genügend Motivation bietet, bleibt abzuwarten. Hinzu kommen bekannte Probleme. Der Kommentar klingt inzwischen erschreckend verbraucht und manche Spielermodelle hätten dringend eine Überarbeitung verdient. Gerade bei einer jährlich erscheinenden Reihe fällt es zunehmend schwer, solche Baustellen zu ignorieren. Trotzdem überwiegen die positiven Veränderungen. EA Sports FC 27 spielt sich besser, bietet mehr Möglichkeiten und verbessert mehrere seiner wichtigsten Modi. Wer EA Sports FC 26 bereits intensiv gespielt hat und vor allem Clubs oder die Spielerkarriere bevorzugt, bekommt allerdings nur begrenzte Neuerungen.

EA Sports FC 27
EA Sports FC 27-
Spielspaß90/100 Amazing
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Grafik80/100 Very good
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Gameplay75/100 Very good
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Sound85/100 Amazing
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Umfang90/100 Amazing
Positiv
- Spürbar verbessertes Gameplay
- Technisch starke Spieler fühlen sich individueller an
- Vereinfachte Squad Building Challenges
- Umfangreiches Gesamtpaket
Negativ
- Spielerkarriere entwickelt sich kaum weiter
- Zunehmend viele unterschiedliche FUT-Währungen
- Keine grundlegende Weiterentwicklung der Reihe

