StartGaming HubHellraiser: Revival Test/Review

Hellraiser: Revival Test/Review

Schmerz und Vergnügen liegen manchmal erschreckend nah beieinander. Kaum eine Horrorreihe verkörpert diesen Gedanken so kompromisslos wie Hellraiser. Seit Clive Barker 1987 mit seinem gleichnamigen Film eine der verstörendsten Horrorwelten der Kinogeschichte erschuf, stehen die Zenobiten, allen voran der ikonische Pinhead, für eine ebenso faszinierende wie abstoßende Mischung aus Körperhorror, Sadomasochismus und übernatürlichem Grauen. Mit Clive Barker’s Hellraiser: Revival wagt Saber Interactive nun den Versuch, diese besondere Form des Schreckens in ein Videospiel zu übertragen. Das Ergebnis ist allerdings selbst eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit. Dabei beginnt das Abenteuer ausgesprochen vielversprechend. Die Entwickler haben die Vorlage offensichtlich verstanden und scheuen sich nicht davor, ihre verstörendsten Elemente aufzugreifen. Blutige Verstümmelungen, groteske Kreaturen, verstörende Rituale und eine Welt, in der die Grenzen zwischen Lust und Qual längst verschwunden sind, gehören zum Alltag.

Selten hat sich ein Videospiel derart konsequent der Ästhetik eines bekannten Horrorfranchise verschrieben. Doch während Hellraiser: Revival in seinen besten Momenten tatsächlich das Gefühl vermittelt, direkt in einen Film von Clive Barker geraten zu sein, sorgt das eigentliche Gameplay immer wieder für Ernüchterung. Unausgewogene Kämpfe, ein frustrierendes Ressourcenmanagement und teilweise katastrophal gestaltete Bossbegegnungen verwandeln das rund achtstündige Abenteuer in eine emotionale Achterbahnfahrt. Und leider ist das hier nicht immer im positiven Sinne gemeint.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wenn die Suche nach Vergnügen direkt in die Hölle führt

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Aiden und Sunny, ein Paar, das offenbar eine besondere Vorliebe für außergewöhnliche Erfahrungen besitzt. Ihre Beziehung ist geprägt von Experimentierfreude und dem Wunsch, die Grenzen gewöhnlicher Sinneseindrücke zu überschreiten. Eines Nachts gehen die beiden allerdings einen entscheidenden Schritt zu weit. Während eines intimen Moments experimentieren sie mit der sogenannten Genesis Configuration, einer geheimnisvollen Puzzlebox, deren scharfe Kanten weit mehr als nur ein ungewöhnliches Spielzeug darstellen. Was zunächst wie ein weiteres gewagtes Experiment erscheint, entwickelt sich innerhalb weniger Augenblicke zu einem Albtraum.

Die Box öffnet ein Portal zum Labyrinth, jener grausamen Dimension, in der die Zenobiten ihre Vorstellung von Schmerz und Vergnügen ausleben. Sunny zeigt sich von den Möglichkeiten dieser Welt fasziniert und ist bereit, sich den Kreaturen hinzugeben. Was daraufhin geschieht, gehört zu den brutalsten Momenten des gesamten Spiels. Die Zenobiten zerreißen ihren Körper auf grausame Weise und verschleppen sie in ihre Dimension. Aiden bleibt allerdings ebenfalls nicht verschont. Er gerät in die Gefangenschaft eines fanatischen Kultes, der die Zenobiten verehrt und deren Ideologie bedingungslos folgt. Von diesem Moment an verfolgt unser Protagonist zwei Ziele: Er muss dem Kult entkommen und einen Weg finden, Sunny aus dem Labyrinth zurückzuholen. Die Ausgangssituation ist ausgesprochen düster und passt hervorragend zur Vorlage.

Eine kompromisslose Liebeserklärung an Clive Barker

Bereits in den ersten Spielstunden wird deutlich, dass Saber Interactive großen Wert auf die Authentizität der Vorlage gelegt hat. Hellraiser: Revival ist kein gewöhnliches Horrorspiel, dem lediglich ein bekannter Name aufgeklebt wurde. Vielmehr handelt es sich um eine ausgesprochen konsequente Adaption der verstörenden Welt von Clive Barker. Nahezu jeder Korridor, jeder Raum und jede Begegnung erinnert daran, dass wir uns in einem Universum befinden, in dem menschliche Moralvorstellungen längst keine Bedeutung mehr besitzen. Überall entdecken wir Spuren grausamer Rituale, verstümmelte Körper und bizarre Konstruktionen, die auf erschreckende Weise Schmerz und Lust miteinander verbinden. Besonders beeindruckend ist die Konsequenz, mit der die Entwickler diese Ästhetik umsetzen.

Hellraiser: Revival gehört zweifellos zu den brutalsten und verstörendsten Horrorspielen, die auf der PlayStation 5 zu finden sind. Dabei beschränkt sich das Spiel nicht auf gewöhnliche Gewaltdarstellungen. Vielmehr nutzt es Körperhorror, groteske Sexualsymbolik und eine bewusst unangenehme Atmosphäre, um das Gefühl permanenter Bedrohung aufrechtzuerhalten. Natürlich ist diese Form des Horrors nicht für jeden geeignet. Wer bereits mit expliziten Gewaltdarstellungen Schwierigkeiten hat, sollte um Hellraiser: Revival einen großen Bogen machen. Fans der Filmreihe dürften dagegen gerade diese Kompromisslosigkeit zu schätzen wissen. Es ist bemerkenswert, wie konsequent Saber Interactive die düstere Vision des Originals aufgreift. Selbst wenn das Spiel an anderer Stelle deutliche Schwächen offenbart, verdient diese kreative Entscheidung Anerkennung.

Das Labyrinth ist der eigentliche Star

Besonders eindrucksvoll fallen die Abschnitte aus, in denen wir das namensgebende Labyrinth betreten. Diese übernatürliche Dimension gehört zu den faszinierendsten Schauplätzen des gesamten Spiels. Hier entfaltet Hellraiser: Revival sein volles atmosphärisches Potenzial. Die Umgebung wirkt gleichermaßen surreal, bedrohlich und verstörend. Räume verändern plötzlich ihre Form, scheinbar vertraute Strukturen verwandeln sich in groteske Konstruktionen und die Grenzen zwischen Realität und Albtraum verschwimmen zunehmend. Vor allem die Beleuchtung ist hervorragend gelungen. Licht und Schatten werden gezielt eingesetzt, um eine beklemmende Stimmung zu erzeugen. Gleichzeitig entstehen visuelle Kompositionen, die direkt aus einem besonders verstörenden Horrorfilm stammen könnten.

Auch spielerisch gehören diese Abschnitte zu den stärksten Momenten. Statt ausschließlich auf Kämpfe zu setzen, präsentiert das Spiel hier interessante Rätsel und ungewöhnliche Umgebungsmechaniken. Besonders gelungen sind die sich verändernden Schauplätze, die nicht nur optisch beeindrucken, sondern teilweise auch einen tieferen Einblick in Aidens Vergangenheit ermöglichen. Dabei erfahren wir mehr über seine komplizierte Beziehung zu Sunny und die persönlichen Konflikte, die beide Figuren miteinander verbinden. Diese Momente verleihen der Handlung zusätzliche Tiefe und sorgen dafür, dass das Geschehen nicht ausschließlich auf möglichst brutale Schockeffekte reduziert wird.

Ein Survival-Horror-Spiel mit Identitätsproblemen

Grundsätzlich präsentiert sich Hellraiser: Revival als relativ linearer First-Person-Shooter mit Survival-Horror-Elementen. Wir bewegen uns durch unterschiedliche Schauplätze, erkunden die Umgebung, sammeln Gegenstände und bekämpfen zahlreiche Gegner. Dabei versucht Saber Interactive, unterschiedliche spielerische Ideen miteinander zu kombinieren. Mal erinnert das Abenteuer an klassische Survival-Horror-Spiele, in denen jeder Schuss sorgfältig überlegt sein muss. Dann wiederum verwandelt es sich beinahe in einen actionreichen Shooter. Zwischendurch erwarten uns Rätsel, Verfolgungsjagden und ungewöhnliche Horrorinszenierungen. Auf dem Papier klingt diese Mischung durchaus vielversprechend. In der Praxis entsteht allerdings der Eindruck, dass die Entwickler möglichst viele unterschiedliche Ideen ausprobieren wollten, ohne jede davon konsequent auszuarbeiten.

Einige dieser Experimente funktionieren hervorragend. Andere wirken dagegen vollkommen deplatziert. Besonders deutlich wird das bei einem Abschnitt, der stark an den Zombies-Modus von Call of Duty erinnert. Hier entfernt sich Hellraiser: Revival plötzlich von seiner zuvor sorgfältig aufgebauten Horroratmosphäre und versucht, eine wesentlich actionreichere Spielerfahrung zu bieten. Das Ergebnis passt allerdings weder besonders gut zum restlichen Abenteuer noch funktioniert es spielerisch überzeugend. Solche Momente sorgen dafür, dass sich Hellraiser: Revival stellenweise erstaunlich unausgeglichen anfühlt. Gerade noch erleben wir eine brillant inszenierte Horrorsequenz, nur um wenige Minuten später in einem spielerisch frustrierenden Abschnitt festzustecken.

Das Kampfsystem besitzt durchaus gute Ansätze

Dabei ist das eigentliche Kampfsystem keineswegs grundsätzlich schlecht. Die unterschiedlichen Gegner verlangen teilweise verschiedene Vorgehensweisen und sorgen dadurch für eine gewisse taktische Abwechslung. Besonders interessant sind beispielsweise Kultisten, die schwere Rüstungen tragen. Während gewöhnliche Gegner auch mit Klingenwaffen bekämpft werden können, sind gepanzerte Feinde gegen solche Angriffe weitgehend geschützt. Dadurch müssen wir unsere Ausrüstung und Vorgehensweise anpassen. Das ist grundsätzlich eine gute Idee.

Auch die verschiedenen Schusswaffen besitzen unterschiedliche Eigenschaften und können je nach Situation sinnvoll eingesetzt werden. Allerdings schwankt die Qualität der Waffen deutlich. Manche fühlen sich kraftvoll an und vermitteln ein befriedigendes Trefferfeedback. Andere wirken überraschend schwach und lassen jene Wucht vermissen, die man bei einem derart brutalen Horrorspiel erwarten würde. Besonders problematisch ist jedoch nicht die grundsätzliche Kampfmechanik. Vielmehr scheitert Hellraiser: Revival an seinem Ressourcenmanagement.

Zu wenig Munition, zu viele Gegner

Knappheit gehört zum Survival-Horror wie dunkle Korridore und verschlossene Türen. Wenn Munition und Heilgegenstände begrenzt sind, müssen Spieler ihre Entscheidungen sorgfältig abwägen. Sollte man den Gegner tatsächlich bekämpfen oder lieber versuchen, ihm auszuweichen? Lohnt es sich, die letzten Patronen einzusetzen, oder benötigt man sie möglicherweise später dringender? Solche Entscheidungen können enorm zur Spannung beitragen. Allerdings müssen Entwickler dabei eine sensible Balance finden. Und genau diese Balance gerät in Hellraiser: Revival regelmäßig aus dem Gleichgewicht. Über weite Strecken des Abenteuers stehen schlicht zu wenige Ressourcen zur Verfügung.

Munition ist knapp, Heilgegenstände sind selten und selbst gewöhnliche Nahkampfwaffen besitzen nur eine begrenzte Haltbarkeit. Das wäre noch zu verschmerzen, wenn sich die Anzahl der Gegner entsprechend anpassen würde. Stattdessen konfrontiert uns das Spiel regelmäßig mit größeren Gegnergruppen und anspruchsvollen Bossbegegnungen. Dadurch entsteht eine frustrierende Situation. Wir sollen kämpfen, erhalten aber nicht genügend Möglichkeiten, um diese Kämpfe auf eine befriedigende Weise zu bestreiten. Besonders ärgerlich ist die geringe Haltbarkeit der Nahkampfwaffen. Diese nutzen sich relativ schnell ab und müssen anschließend repariert werden. Allerdings stellen Reparaturen ihre Haltbarkeit nicht vollständig wieder her. Dadurch verlieren selbst ursprünglich nützliche Waffen zunehmend an Wert. Nicht selten bleibt schließlich nur noch die standardmäßig verfügbare Klinge übrig. Diese verursacht allerdings vergleichsweise wenig Schaden. Das Ergebnis sind langwierige und wenig befriedigende Kämpfe, bei denen wir Gegner mit schwachen Angriffen bearbeiten müssen, während unsere eigenen Lebenspunkte rapide sinken.

Die Genesis Configuration als übernatürliche Waffe

Natürlich ist Aiden nicht ausschließlich auf gewöhnliche Waffen angewiesen. Eine zentrale Rolle spielt die Genesis Configuration, jene geheimnisvolle Puzzlebox, die bereits zu Beginn der Handlung das Tor zum Labyrinth geöffnet hat. Im weiteren Verlauf kann Aiden ihre übernatürlichen Kräfte selbst einsetzen. Dadurch erhält er Zugriff auf verschiedene Fähigkeiten, mit denen sich Gegner auf ungewöhnliche Weise bekämpfen lassen. Unter anderem können scharfe Gegenstände gegen Feinde geschleudert oder Flammen entfesselt werden. Gerade in Verbindung mit der brutalen Ästhetik des Spiels entstehen dadurch einige spektakuläre Momente. Allerdings besitzt auch dieses System einen entscheidenden Haken. Die übernatürlichen Fähigkeiten werden durch Energie gespeist, die wir durch verursachten Schaden an Gegnern gewinnen.

Das bedeutet, dass wir zunächst erfolgreich angreifen müssen, bevor wir die besonderen Kräfte zuverlässig einsetzen können. In einem Spiel, das permanent mit knapper Munition und zerbrechlichen Waffen kämpft, entsteht dadurch ein problematischer Kreislauf. Wir benötigen die Fähigkeiten, um Gegner effektiver zu besiegen. Gleichzeitig müssen wir genau diese Gegner zunächst mit unseren begrenzten Mitteln verletzen, um die Fähigkeiten überhaupt verwenden zu können. Dadurch fühlt sich die Genesis Configuration weniger zuverlässig an, als es für ein derart wichtiges Spielelement sinnvoll wäre. Die Idee ist hervorragend und passt perfekt zur Vorlage. Die praktische Umsetzung leidet allerdings erneut unter dem unausgewogenen Ressourcenmanagement.

Wenn das Spiel seine eigenen Kämpfe umgehen lässt

Interessanterweise verbessert sich die Versorgung mit Ressourcen gegen Ende des Abenteuers etwas. Später erhalten wir mehr Möglichkeiten, unsere Ausrüstung aufzufüllen und uns gegen größere Gegnergruppen zu behaupten. Allerdings wirkt diese Entwicklung beinahe wie ein Eingeständnis der zuvor bestehenden Probleme. In einigen der letzten Begegnungen können beispielsweise rotierende Klingen innerhalb der Umgebung bewegt werden, um größere Mengen an Gegnern auszuschalten.Das funktioniert durchaus und sorgt für spektakuläre Momente.

Gleichzeitig stellt sich allerdings die Frage, warum die Entwickler solche Möglichkeiten nicht konsequenter über das gesamte Abenteuer verteilt haben.  Gerade in einem Spiel, dessen Ressourcenmanagement regelmäßig für Frustration sorgt, wären mehr alternative Lösungswege willkommen gewesen. Stattdessen müssen wir uns über weite Strecken mit unzureichender Ausrüstung durch zahlreiche Kämpfe quälen. Diese Designentscheidung verhindert letztlich, dass das grundsätzlich interessante Kampfsystem sein volles Potenzial entfalten kann.

Fazit

Clive Barker’s Hellraiser: Revival ist eines jener Spiele, bei denen wir uns während des Tests immer wieder gefragt haben, wie ein derart faszinierendes Konzept gleichzeitig so viel Frustration verursachen kann. Auf der einen Seite steht eine außergewöhnlich konsequente Adaption der berühmten Horrorreihe. Saber Interactive hat die groteske Welt von Clive Barker mit beeindruckender Hingabe umgesetzt. Die brutalen Gewaltdarstellungen, verstörenden Rituale und bizarren Kreaturen passen hervorragend zur Vorlage. Besonders Fans der Filme dürften zahlreiche Details wiedererkennen und die kompromisslose Umsetzung zu schätzen wissen.

Auch die Handlung besitzt einen interessanten Ausgangspunkt. Die Suche nach Sunny führt Aiden durch eine Welt, in der die Grenzen zwischen Lust, Schmerz und Wahnsinn längst verschwunden sind. Dabei gelingt es den Entwicklern immer wieder, wirklich beeindruckende Horrormomente zu erschaffen. Insbesondere die Abschnitte im Labyrinth gehören zu den Höhepunkten des gesamten Abenteuers. Die surrealen Umgebungen, das hervorragende Lichtdesign und die ungewöhnlichen Rätsel erzeugen eine beklemmende Atmosphäre, die hervorragend zum Hellraiser-Universum passt. Leider steht dieser kreativen Stärke eine ausgesprochen unausgewogene Spielerfahrung gegenüber.

Clive Barker's Hellraiser: Revival

Clive Barker's Hellraiser: Revival
80 100 0 1
80/100
Total Score
  • Spielspaß
    75/100 Very good
  • Grafik
    90/100 Amazing
  • Gameplay
    70/100 Good
  • Sound
    85/100 Amazing
  • Umfang
    80/100 Very good

Positiv

  • Außergewöhnlich werkgetreue Umsetzung der Hellraiser-Vorlage
  • Eindrucksvolle Gewaltdarstellungen
  • Herausragende Labyrinth-Sequenzen
  • Genesis Configuration mit kreativen Fähigkeiten

Negativ

  • Nahkampfwaffen verschleißen zu schnell
  • Crafting-System durch Materialknappheit ausgebremst
  • Teilweise ausgesprochen frustrierende Bosskämpfe
  • Wiederholte Miniboss-Begegnungen
Ähnliche Artikel