Nach einer langen und erfolgreichen Early-Access-Phase ist es endlich so weit: Enshrouded hat Version 1.0 erreicht und feiert gleichzeitig seinen Einstand auf der PlayStation 5. Das deutsche Entwicklerstudio Keen Games hat sein ambitioniertes Survival-Rollenspiel in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert und dabei zahlreiche Wünsche der Community berücksichtigt. Herausgekommen ist ein gewaltiges Fantasy-Abenteuer, das Erkundung, Rollenspielelemente, Kämpfe und einen beeindruckend umfangreichen Basenbau miteinander verbindet. Doch reicht die Vollversion aus, um Enshrouded endgültig in die Spitzengruppe des Genres zu katapultieren?
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Bereits während des Early Access überzeugte das Spiel durch seine ungewöhnliche Freiheit. Kaum hatte man sich vorgenommen, eine bestimmte Quest abzuschließen, entdeckte man am Horizont eine interessante Ruine, einen unbekannten Höhleneingang oder einen geeigneten Standort für das nächste Bauprojekt. Aus einem kurzen Ausflug wurden schnell mehrere Stunden, während die ursprünglichen Pläne längst in Vergessenheit gerieten. Genau diese Faszination ist auch in Version 1.0 ungebrochen. Allerdings hat Keen Games das Abenteuer nicht einfach nur um zusätzliche Gebiete erweitert. Neue Spielmechaniken, ein überarbeitetes Magiesystem, umfangreiche Verbesserungen beim Bauen und ein erweitertes Endgame sorgen dafür, dass sich die Welt von Embervale heute vollständiger anfühlt als jemals zuvor.
Eine wunderschöne Welt am Rande des Untergangs
Die Geschichte von Enshrouded führt uns in das einst blühende Königreich Embervale. Was früher eine lebendige Fantasywelt voller Siedlungen und geschäftiger Bewohner war, ist inzwischen weitgehend zerstört. Verantwortlich dafür ist das geheimnisvolle Miasma, ein gefährlicher Nebel, dessen Ausbreitung eng mit der verhängnisvollen Vergangenheit des Königreichs verbunden ist. Wir übernehmen die Rolle eines Flammengeborenen, der dazu bestimmt ist, die Geheimnisse dieser Katastrophe aufzudecken und den verbliebenen Bewohnern eine neue Zukunft zu ermöglichen. Dafür erkunden wir verlassene Städte, überwucherte Ruinen, dunkle Höhlen und gefährliche Gebiete, in denen zahlreiche Kreaturen auf uns warten.

Die eigentliche Besonderheit liegt allerdings nicht in der Ausgangsgeschichte, sondern in der Gestaltung der Spielwelt. Anders als viele andere Survival-Spiele setzt Enshrouded auf eine von Hand entworfene Umgebung, die gleichzeitig umfassend verändert werden kann. Dank der Voxel-Technologie dürfen wir das Gelände bearbeiten, Tunnel graben und ganze Gebäudekomplexe in bestehende Landschaften integrieren. Dadurch entsteht eine bemerkenswerte Freiheit, die sich nicht ausschließlich auf die Errichtung gewöhnlicher Häuser beschränkt. Wer möchte, errichtet eine gewaltige Burg auf einem Berggipfel, verwandelt eine alte Ruine in eine prächtige Festung oder erschafft ein unterirdisches Versteck. Selbst natürliche Felsformationen lassen sich geschickt in eigene Bauprojekte integrieren.
Erkunden, sammeln, bauen und wieder von vorne
Der grundlegende Spielablauf von Enshrouded besitzt einen ausgesprochen motivierenden Rhythmus. Wir verlassen unsere Basis, erkunden unbekannte Gebiete und sammeln Materialien, Ausrüstung sowie wertvolle Gegenstände. Anschließend kehren wir zurück, verbessern unsere Ausstattung und erweitern unsere Siedlung. Dabei greifen die unterschiedlichen Systeme hervorragend ineinander. Neue Materialien ermöglichen bessere Werkzeuge, zusätzliche Handwerker schalten weitere Rezepte frei und stärkere Ausrüstung erleichtert wiederum die Erkundung gefährlicher Regionen.

Besonders praktisch sind die zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten. Mit dem Greifhaken überwinden wir größere Hindernisse, während der Gleiter spektakuläre Reisen über tiefe Schluchten ermöglicht. Auch Schwimmen und Tauchen gehören mittlerweile zum Spielumfang. Dadurch entsteht eine Spielwelt, die nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen zum Erkunden einlädt. Hohe Berge, versteckte Höhlen und scheinbar unerreichbare Ruinen werden zu interessanten Zielen, die häufig mit wertvollen Entdeckungen belohnen. Allerdings sollten Spieler eine gewisse Freude am Sammeln von Ressourcen mitbringen. Gerade größere Bauprojekte benötigen erhebliche Mengen an Materialien. Wer ausschließlich von einem Kampf zum nächsten ziehen möchte, wird mit diesem Spielprinzip möglicherweise weniger anfangen können.
Ein Bausystem, das seiner Konkurrenz einiges voraus hat
Eine der größten Stärken bleibt zweifellos das umfangreiche Bausystem. Schon während des Early Access konnten Spieler beeindruckende Konstruktionen erschaffen, doch mit Version 1.0 wurden die Möglichkeiten noch einmal erweitert. Besonders interessant ist der neue freischaltbare Baumodus mit frei beweglicher Kamera. Statt jede einzelne Konstruktion aus der Perspektive der Spielfigur platzieren zu müssen, können wir unsere Bauprojekte nun wesentlich komfortabler aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Gerade bei hohen Türmen, komplizierten Dachkonstruktionen oder umfangreichen Fassaden macht sich diese Neuerung positiv bemerkbar. Hinzu kommen zahlreiche neue Baublöcke, Möbel, Pflanzen und Dekorationselemente. Dadurch lassen sich Gebäude noch individueller gestalten.

Auch kleinere Komfortverbesserungen erweisen sich im Alltag als ausgesprochen nützlich. Lagerkisten können beispielsweise direkt verbessert werden, ohne dass sämtliche Gegenstände zuvor ausgeräumt werden müssen. Zusätzlich lassen sich eigene Namen vergeben, wodurch die Organisation umfangreicher Materialsammlungen wesentlich einfacher wird. Das automatische Einsammeln herumliegender Gegenstände reduziert ebenfalls unnötige Handgriffe. Allerdings gilt diese Funktion nicht pauschal für sämtliche Beute oder Truheninhalte. Insgesamt zeigt sich, dass Keen Games die Rückmeldungen der Community ernst genommen hat. Das Bauen gehört weiterhin zu den besten Bestandteilen des Spiels und profitiert erheblich von den neuen Komfortfunktionen.
Charakterentwicklung ohne starre Klassen
Neben dem Bauen gehört die Charakterentwicklung zu den wichtigsten Säulen des Spiels. Enshrouded verzichtet auf ein starres Klassensystem und erlaubt stattdessen unterschiedliche Kombinationen aus Fähigkeiten und Spielstilen. Ob schwer gepanzerter Nahkämpfer, geschickter Bogenschütze oder mächtiger Magier: Der umfangreiche Talentbaum bietet zahlreiche Möglichkeiten, den eigenen Charakter zu spezialisieren. Besonders motivierend ist, dass sich diese Spielweisen miteinander kombinieren lassen. Wer beispielsweise einen Nahkämpfer mit ausgewählten magischen Fähigkeiten ausstatten möchte, kann entsprechende Mischformen ausprobieren.

Mit Version 1.0 wurde vor allem die Magie deutlich erweitert. Neun neue Zaubertypen sorgen für zusätzliche taktische Möglichkeiten. Dazu gehören Flächenangriffe, Kontrollzauber, Totems und Beschwörungen. Besonders interessant ist die Möglichkeit, Gegner festzuhalten oder sich durch beschworene Skelette unterstützen zu lassen. Dadurch entstehen neue Strategien, die gerade in größeren Kämpfen ausgesprochen nützlich sein können. Auch Zauberstäbe profitieren von zusätzlichen Angriffsmöglichkeiten. Schwere Angriffe sowie freischaltbare Luft- und Ausweichattacken verleihen magischen Charakteren mehr Flexibilität. Später lassen sich außerdem dauerhafte Varianten sämtlicher Zauber freischalten, die keine verbrauchbaren Zauberladungen mehr benötigen. Mana bleibt allerdings weiterhin erforderlich. Das sorgt für mehr Komfort, ohne die Ressourcenverwaltung vollständig abzuschaffen.
Neue Herausforderungen im Endgame
Mit der Vollversion erweitert Keen Games auch das Endgame erheblich. Besonders interessant ist das neue Gebiet Cinder’s Cradle, das vulkanische Landschaften mit schwebenden Inseln kombiniert. Dadurch wird die ohnehin abwechslungsreiche Spielwelt um weitere spektakuläre Schauplätze ergänzt. Die vertikale Erkundung spielt hier eine besonders wichtige Rolle, denn der Zugang zu den Himmelsinseln muss zunächst erschlossen werden. Natürlich warten auch neue Gegner auf uns. Eine zusätzliche Fraktion mechanischer Wächter stellt sich den Abenteurern entgegen, während bereits bekannte Gegnergruppen um weitere Varianten ergänzt wurden.

Zwei neue Hollow-Halls-Dungeons bieten zusätzliche Herausforderungen und wertvolle Beute. Auch die Charakterentwicklung wird fortgesetzt. Die maximale Charakterstufe steigt auf 50, während vollständig verbesserte Ausrüstung Stufe 55 erreichen kann. Hinzu kommen weitere Materialien, Rezepte, Verbrauchsgegenstände und Einrichtungsoptionen. Besonders erfreulich ist, dass Version 1.0 den bisherigen Handlungsbogen zu einem Abschluss führt. Damit erhält das Abenteuer endlich einen erzählerischen Endpunkt, auch wenn der Weg dorthin weiterhin stark von Erkundung und eigenständiger Beschäftigung geprägt bleibt.
Mehr Sprachausgabe, aber keine erzählerische Revolution
Ein häufiger Kritikpunkt während des Early Access war die Art und Weise, wie Enshrouded seine Geschichte vermittelt. Zahlreiche Hintergrundinformationen wurden über gefundene Texte erzählt, was den Spielfluss regelmäßig unterbrach. Mit Version 1.0 hat Keen Games dieses System deutlich verbessert. Die entsprechenden Aufzeichnungen sind nun vertont und können über eine Wiedergabeliste abgespielt werden. Dadurch lassen sich Hintergrundgeschichten anhören, während wir weiterhin die Welt erkunden oder Materialien verarbeiten. Besonders erfreulich ist die deutsche Vertonung durch Dietmar Wunder, der unter anderem als Synchronstimme von Daniel Craig bekannt ist.

Auch wichtige Handwerker und Questgeber verfügen mittlerweile über Sprachausgabe. Das verbessert die Präsentation erheblich und macht die Hintergrundgeschichte wesentlich zugänglicher. Allerdings sollte man keine vollständig neu inszenierte Rollenspielhandlung erwarten. Die eigentlichen Quests bleiben vergleichsweise schlicht und erreichen erzählerisch nicht die Qualität großer storygetriebener Rollenspiele. Enshrouded erzählt seine Geschichte weiterhin überwiegend durch die Spielwelt selbst. Wer damit etwas anfangen kann, wird zahlreiche interessante Details entdecken. Spieler, die auf aufwendig inszenierte Dialoge und emotionale Zwischensequenzen hoffen, könnten dagegen enttäuscht werden.
Technisch ein gelungener Konsoleneinstand
Auch technisch präsentiert sich Enshrouded in Version 1.0 deutlich ausgereifter. Die Entwickler haben zahlreiche Optimierungen vorgenommen, die sowohl die Darstellung als auch die allgemeine Performance verbessern sollen. Ein neuer Brick-Renderer ermöglicht detailliertere Landschaften und Voxel-Gebäude in größerer Entfernung. Zusätzlich wurden die Beleuchtung und die atmosphärischen Effekte überarbeitet. Auch HDR wird unterstützt. Auf der PlayStation 5 Pro steht ein spezieller Modus mit einem Zielwert von 60 Bildern pro Sekunde zur Verfügung. Die reguläre PS5 bietet einen Performance-Modus mit 60-fps-Ziel sowie einen Qualitätsmodus mit 30-fps-Ziel.
Die Eindrücke aus der getesteten PS5-Pro-Fassung fallen positiv aus. Das Spiel wirkt flüssig und technisch insgesamt sauber umgesetzt. Auch auf dem PC hinterlässt die Vollversion einen ausgereiften Eindruck. Vollkommen frei von möglichen technischen Problemen ist Enshrouded allerdings nicht. So weist Keen Games beispielsweise noch auf mögliches Schattenflackern in größerer Entfernung bei bestimmten Grafikeinstellungen hin. Dennoch ist der technische Fortschritt gegenüber den frühen Entwicklungsfassungen deutlich erkennbar.
Fazit
Mit Enshrouded 1.0 liefert Keen Games eine beeindruckend umfangreiche Vollversion ab, die ihre größten Stärken konsequent weiterentwickelt. Besonders die Verbindung aus handgestalteter Fantasywelt, frei veränderbarer Umgebung, umfangreichem Basenbau und motivierender Charakterentwicklung funktioniert hervorragend. Die Welt von Embervale lädt ständig dazu ein, neue Wege zu entdecken. Dank Greifhaken, Gleiter und der zahlreichen vertikalen Strukturen macht bereits die Fortbewegung großen Spaß. Gleichzeitig sorgt das gefährliche Miasma für zusätzliche Spannung und zwingt uns regelmäßig dazu, unsere Expeditionen sorgfältig zu planen. Das Bausystem gehört weiterhin zu den größten Highlights. Die neuen Komfortfunktionen erleichtern umfangreiche Projekte erheblich, während Sparkworks vollkommen neue Möglichkeiten für interaktive Konstruktionen eröffnet. Auch die überarbeitete Magie und das zusätzliche Endgame bieten zahlreiche Gründe, erneut nach Embervale zurückzukehren.
Besonders erfreulich ist außerdem die verbesserte Präsentation der Hintergrundgeschichte. Die vertonten Fundtexte und zusätzlichen Sprecher machen die Welt lebendiger, auch wenn die eigentliche Inszenierung weiterhin hinter klassischen Rollenspielen zurückbleibt. Technisch überzeugt die Vollversion ebenfalls. Allerdings bleibt das Spiel nicht ohne Schwächen. Große Bauprojekte erfordern weiterhin erhebliche Mengen an Materialien, komplexere Sparkworks-Konstruktionen besitzen eine gewisse Einstiegshürde und die Handlung wird trotz zusätzlicher Sprachausgabe vergleichsweise zurückhaltend erzählt. Die größte Enttäuschung für plattformübergreifende Freundesgruppen ist das fehlende Crossplay zwischen PC und PlayStation. Wer allerdings Freude am Erkunden, Sammeln, Kämpfen und kreativen Gestalten besitzt, erhält mit Enshrouded 1.0 ein ausgesprochen umfangreiches Survival-Rollenspiel.

Enshrouded
Enshrouded-
Spielspaß85/100 Amazing
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Grafik75/100 Very good
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Gameplay85/100 Amazing
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Sound80/100 Very good
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Umfang85/100 Amazing
Positiv
- Umfangreiche Möglichkeiten zur Veränderung der Umgebung
- Hervorragendes und vielseitiges Bausystem
- Umfangreicher Koop-Modus
- Umfangreiche neue Endgame-Inhalte
Negativ
- Kein Crossplay zwischen PC und PlayStation zum Start
- Auf PS5 maximal acht statt 16 Spieler

