StartGaming HubSTEINS;GATE RE:BOOT PS5 Test/Review

STEINS;GATE RE:BOOT PS5 Test/Review

Manche Geschichten sind so außergewöhnlich, dass sie auch viele Jahre nach ihrer ursprünglichen Veröffentlichung nichts von ihrer Faszination verlieren. STEINS;GATE gehört zweifellos dazu. Die ursprünglich 2009 veröffentlichte Visual Novel entwickelte sich zu einem der bekanntesten Vertreter des Genres und begeisterte mit ihrer intelligent konstruierten Zeitreisegeschichte, unvergesslichen Charakteren und zahlreichen emotionalen Wendungen. Mit STEINS;GATE RE:BOOT dürfen wir nun ein weiteres Mal nach Akihabara zurückkehren. Doch nachdem die Geschichte bereits mehrfach neu veröffentlicht wurde, stellt sich unweigerlich die Frage, ob dieses Remake tatsächlich notwendig war.

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Die Antwort fällt erfreulich positiv aus, wenngleich nicht ohne Einschränkungen. Entwickler MAGES. hat dem Klassiker eine vollständig überarbeitete Präsentation spendiert, sämtliche Dialoge neu aufnehmen lassen und sogar zusätzliche Geschichten integriert. Besonders die neuen Charakteranimationen und die detailreichen Hintergründe sorgen dafür, dass sich das Abenteuer deutlich moderner anfühlt. Gleichzeitig bleiben allerdings einige Schwächen bestehen, die verhindern, dass RE zur endgültigen Version des Klassikers wird.

Willkommen zurück im Future Gadget Laboratory

Im Mittelpunkt steht erneut Rintaro Okabe, ein exzentrischer Student, der sich selbst lieber als verrückten Wissenschaftler Hououin Kyouma bezeichnet. Gemeinsam mit seinen Freunden betreibt er in Akihabara das sogenannte Future Gadget Laboratory, in dem die Gruppe an teilweise ziemlich absurden Erfindungen arbeitet. Was zunächst wie eine ungewöhnliche Mischung aus Science-Fiction-Komödie und japanischem Studentenalltag beginnt, entwickelt sich schnell zu einer wesentlich ernsteren Geschichte. Durch einen Zufall entdecken Okabe und seine Freunde eine Möglichkeit, Nachrichten in die Vergangenheit zu schicken und dadurch den Verlauf der Gegenwart zu verändern.

Diese sogenannten D-Mails bilden die Grundlage einer zunehmend komplexen Zeitreisehandlung, in der selbst kleine Entscheidungen gewaltige Konsequenzen besitzen können. Gleichzeitig gerät die Gruppe ins Visier einer geheimnisvollen Verschwörung rund um die Forschungsorganisation SERN. Gerade die langsame Entwicklung der Geschichte gehört weiterhin zu ihren größten Stärken. STEINS;GATE nimmt sich bewusst Zeit, seine Charaktere vorzustellen und ihre Beziehungen zueinander aufzubauen. Wenn die Handlung schließlich ihre dramatischeren Wendungen nimmt, entfalten diese dadurch eine umso stärkere Wirkung. Wer die ursprüngliche Visual Novel bereits kennt, wird allerdings schnell feststellen, dass RE größtenteils dieselbe Geschichte erzählt. Die wichtigsten Ereignisse, Konflikte und emotionalen Höhepunkte bleiben erhalten. Dennoch gibt es einige interessante Ergänzungen.

Endlich bekommt Moeka ihre eigene Geschichte

Die wohl bedeutendste Neuerung ist eine zusätzliche Charakterroute für Moeka Kiryu. Während die anderen wichtigen weiblichen Figuren bereits in den bisherigen Fassungen eigene Handlungsstränge erhielten, blieb Moeka bislang eine auffällige Ausnahme. STEINS;GATE RE schließt diese Lücke endlich und widmet der zurückhaltenden Figur eine eigene Geschichte. Gerade langjährige Fans dürften sich darüber freuen, denn Moeka gehört zu den interessantesten und gleichzeitig geheimnisvollsten Charakteren des gesamten Abenteuers. Besonders spannend ist, dass sich ihre Route lose an dem Drama-CD-Ableger STEINS;GATE Gamma: Hyde of the Dark Dimension orientiert. Allerdings handelt es sich keineswegs um eine einfache Übernahme der bekannten Handlung. Vielmehr erzählt RE überwiegend eine neue Geschichte, die auch für Fans der bisherigen Zusatzmaterialien interessante Überraschungen bereithält.

Darüber hinaus wurden mehrere kleinere Szenen ergänzt. Insbesondere Kenner von STEINS;GATE 0 dürften eine neue Sequenz im fünften Kapitel interessant finden. Auch die Geschichten von Suzuha und Faris wurden um zusätzliche Momente erweitert, die ihre Beziehungen zu Okabe vertiefen. Lukas Route erhielt ebenfalls eine deutlich überarbeitete Schlussphase. Nach dem wahren Ende wartet zudem eine zusätzliche Szene, die für langjährige Anhänger des übergeordneten Science-Adventure-Universums von besonderem Interesse sein dürfte. Diese Erweiterungen verändern die Hauptgeschichte zwar nicht grundlegend, verleihen der Neuauflage aber einen echten Mehrwert.

Akihabara sieht beeindruckender aus als jemals zuvor

Die größte Stärke von STEINS;GATE RE ist zweifellos seine grafische Präsentation. Die Entwickler haben sämtliche Hintergründe aufwendig überarbeitet und zahlreiche zusätzliche Schauplätze integriert. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Einige Umgebungen besitzen eine derart hohe Detaildichte, dass sie beinahe wie Fotografien wirken. Besonders beeindruckend ist die Rekonstruktion von Akihabara im Jahr 2010. Die Entwickler haben großen Wert darauf gelegt, den damaligen Charakter des bekannten Tokioter Stadtteils einzufangen.

Straßen, Geschäfte und unterschiedliche Innenräume vermitteln dadurch ein ausgesprochen authentisches Bild der Umgebung. Gerade für Fans, die Akihabara selbst kennen oder sich intensiv mit japanischer Popkultur beschäftigen, besitzt diese Umsetzung einen besonderen Reiz. Auch die zusätzlichen Hintergründe tragen zur Atmosphäre bei. Szenen, die zuvor mit vergleichsweise wenigen Schauplätzen auskommen mussten, wirken nun abwechslungsreicher und lebendiger. Die Modernisierung ist damit weit mehr als eine einfache Erhöhung der Auflösung.

Neue 2,5D-Animationen hauchen den Figuren Leben ein

Neben den Hintergründen wurden auch sämtliche Charakterdarstellungen überarbeitet. Statt der weitgehend statischen Figurenbilder des Originals verwendet RE das E-mote-System, das bereits aus ANONYMOUS;CODE bekannt ist. Dadurch können sich die Charaktere innerhalb ihrer Illustrationen deutlich natürlicher bewegen. Kleine Kopfbewegungen, veränderte Gesichtsausdrücke und fließende Übergänge zwischen unterschiedlichen Körperhaltungen sorgen für eine lebendigere Inszenierung. Besonders schön sind die subtilen Details. Wenn eine Figur überrascht zurückweicht, verwirrt den Kopf neigt oder während eines Gesprächs ihre Haltung verändert, wirkt die Szene wesentlich dynamischer als zuvor.

Allerdings besitzt diese Modernisierung auch eine Kehrseite. Der ursprüngliche Zeichenstil von huke verlieh STEINS;GATE eine unverwechselbare Identität. Seine ungewöhnlichen Farben und charakteristischen Figurenillustrationen unterschieden sich deutlich von vielen anderen Visual Novels. Obwohl huke auch an RE beteiligt war, geht ein Teil dieser Eigenständigkeit verloren. Die neuen Charakterdesigns wirken zugänglicher, aber stellenweise auch etwas konventioneller. Gerade eingefleischte Fans werden deshalb möglicherweise einige Zeit benötigen, um sich an die veränderte Optik zu gewöhnen.

Sämtliche Dialoge wurden neu eingesprochen

Eine weitere große Stärke ist die vollständig erneuerte japanische Sprachausgabe. Sämtliche Dialoge wurden für das Remake neu aufgenommen, wobei die bekannten Sprecher auf ihre langjährige Erfahrung mit den jeweiligen Figuren zurückgreifen konnten. Besonders Mamoru Miyano überzeugt erneut als Rintaro Okabe. Seine Darstellung des selbst ernannten verrückten Wissenschaftlers besitzt eine enorme Energie. Gerade Okabes übertriebene Monologe und seine theatralischen Auftritte profitieren von der leidenschaftlichen Interpretation. Auch Saori Goto darf als Moeka Kiryu stärker glänzen. Durch die neue Charakterroute erhält ihre Figur zusätzliche emotionale Facetten, die sich hervorragend in der schauspielerischen Leistung widerspiegeln.

Der gesamte Cast liefert eine überzeugende Vorstellung ab und trägt erheblich dazu bei, dass die bekannte Geschichte trotz ihres Alters frisch wirkt. Ähnlich gelungen ist die musikalische Überarbeitung. Der Soundtrack wurde vollständig neu eingespielt, bleibt seinen ursprünglichen Kompositionen aber weitgehend treu. Einige Stücke unterscheiden sich nur geringfügig von den bekannten Versionen, während andere deutlich hörbare Veränderungen besitzen. Die Musik bewahrt damit ihren unverwechselbaren Charakter und profitiert gleichzeitig von einer moderneren Produktion. Auch das Intro und weitere animierte Sequenzen wurden neu gestaltet. Sie orientieren sich eng an den ursprünglichen Vorlagen, wirken durch ihre modernisierte Präsentation aber deutlich hochwertiger.

Spielerisch bleibt alles beim Alten

Wer auf umfangreiche spielerische Neuerungen gehofft hat, dürfte dagegen etwas enttäuscht sein. STEINS;GATE RE bleibt im Kern eine klassische Visual Novel. Wir lesen Dialoge, verfolgen die Handlung und beeinflussen bestimmte Ereignisse durch unsere Entscheidungen. Das wichtigste interaktive Element ist weiterhin Okabes Mobiltelefon. Über eingehende Nachrichten können wir auf unterschiedliche Weise reagieren und dadurch bestimmte Entwicklungen beeinflussen. Zwischen dem sechsten und neunten Kapitel ergeben sich mehrere Möglichkeiten, die Geschichte in Richtung eines charakterbezogenen Endes zu lenken oder den übergeordneten Handlungsverlauf fortzusetzen.

Für Kurisus Ende und das wahre Finale müssen bestimmte Nachrichten korrekt beantwortet werden. Dieses System funktioniert weiterhin gut, besitzt allerdings auch einige Schwächen. So ist das Symbol für eingehende Nachrichten weniger auffällig als im Original. Dadurch kann es passieren, dass wichtige Mitteilungen übersehen werden. Immerhin werden ausgewählte Antworten nun mit einer kleinen Animation dargestellt, die Okabes Texteingabe simuliert. Weniger erfreulich ist dagegen, dass sich eine einmal ausgewählte Antwort nicht mehr zurücknehmen lässt. Diese Möglichkeit bestand im ursprünglichen Spiel noch.

Fazit

STEINS;GATE RE:BOOT beweist eindrucksvoll, weshalb die Geschichte rund um Rintaro Okabe auch nach all den Jahren nichts von ihrer Faszination verloren hat. Die Mischung aus humorvollen Charakterinteraktionen, wissenschaftlichen Gedankenspielen und emotionalen Zeitreiseelementen gehört weiterhin zum Besten, was das Visual-Novel-Genre zu bieten hat. Besonders die grafische Überarbeitung ist hervorragend gelungen. Die detailreichen Hintergründe lassen Akihabara beeindruckend lebendig erscheinen, während die neuen 2,5D-Animationen den Figuren deutlich mehr Ausdruck verleihen. Auch die vollständig neu aufgenommenen Dialoge und der überarbeitete Soundtrack tragen erheblich zur Atmosphäre bei.

Die zusätzliche Moeka-Route ist ein weiterer wichtiger Pluspunkt. Sie schließt eine erzählerische Lücke und bietet selbst langjährigen Fans neue Einblicke in einen der interessantesten Charaktere. Allerdings verhindert ausgerechnet die gekürzte Handlung, dass RE das Original vollständig ersetzen kann. Zwar wurden einige zuvor entfernte Inhalte wiederhergestellt, dennoch fehlen weiterhin zahlreiche Beschreibungen und kleinere Details der ursprünglichen Fassung. Auch die unübersetzten japanischen Texte innerhalb der Spielwelt und einige kleinere Bedienungsprobleme trüben den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck. Der neue Observer-Modus ist eine interessante Idee, hätte allerdings deutlich mehr Komfortfunktionen vertragen können.

STEINS;GATE RE:BOOT

STEINS;GATE RE:BOOT
85 100 0 1
85/100
Total Score
  • Spielspaß
    80/100 Very good
  • Grafik
    90/100 Amazing
  • Gameplay
    80/100 Very good
  • Sound
    90/100 Amazing
  • Umfang
    85/100 Amazing

Positiv

  • Weiterhin hervorragende Zeitreisegeschichte
  • Lebendige 2,5D-Charakteranimationen
  • Neue Moeka-Route mit eigenständiger Handlung
  • Gelungene englische Lokalisierung

Negativ

  • Observer-Modus ohne direkte Kapitelauswahl
  • Ein Teil des ursprünglichen Zeichenstils geht verloren
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