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Stupid Never Dies Test/Review

Zombies, Dämonen, absurde Charaktere und ein Humor, der irgendwo zwischen No More Heroes und einem völlig durchgedrehten Punk-Comic angesiedelt ist. Mit Stupid Never Dies liefert das japanische Entwicklerstudio GPTRACK50 ein Action-Roguelite ab, das bereits auf den ersten Blick deutlich macht, dass es sich nicht sonderlich ernst nimmt. In einem Genre, das inzwischen von zahlreichen hochwertigen Vertretern wie Hades dominiert wird, ist das durchaus eine willkommene Abwechslung. Schließlich braucht es heutzutage mehr als ein paar zufällig generierte Fähigkeiten, um aus der Masse herauszustechen. Stupid Never Dies versucht genau das mit einer vollkommen überdrehten Präsentation, skurrilen Figuren und einem ungewöhnlichen Kampfsystem. Spielerisch erfindet der Titel das Roguelite-Rad zwar nicht neu, doch seine verrückten Ideen und die eigenwillige Inszenierung verleihen ihm eine Persönlichkeit, die vielen Genrevertretern fehlt. Allerdings hat dieser Wahnsinn auch seine Schattenseiten.

Ein Zombie, eine große Liebe und eine Toilette

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Davy, ein ehemaliger Teenager und leidenschaftlicher Pop-Punk-Musiker, dessen Leben mittlerweile buchstäblich vorbei ist. Nach dem Ende der Welt fristet er sein Dasein als schlurfender Zombie und scheint zunächst keine besonders aufregende Zukunft vor sich zu haben. Das ändert sich, als er auf die eingefrorene Julia trifft. Davy verliebt sich augenblicklich in die geheimnisvolle Schönheit und beschließt kurzerhand, sie wieder zum Leben zu erwecken. Dafür muss er allerdings eine ziemlich ungewöhnliche Reise antreten. Sein Weg führt ihn nämlich durch eine Toilette direkt in die dämonischen Tiefen der Erde, wo er sich schließlich mit einer finsteren Gottheit namens KOM anlegen muss.

Spätestens an dieser Stelle dürfte klar sein, welche Art von Geschichte Stupid Never Dies erzählen möchte. Die Handlung ist vollkommen überdreht, nimmt sich zahlreiche kreative Freiheiten und erinnert mit ihrem absurden Humor stellenweise an die Werke von Suda51. Leider übertreiben es die Entwickler gerade zu Beginn mit den Erklärungen. Statt uns möglichst schnell in die Action zu werfen, werden immer wieder neue Charaktere, Hintergründe und Spielmechaniken vorgestellt. Dadurch verliert die Handlung anfangs etwas an Tempo. Wer sich auf den eigenwilligen Humor einlassen kann, dürfte mit den zahlreichen absurden Wendungen allerdings viel Spaß haben.

Monster verprügeln und ihre Kräfte verschlingen

Spielerisch handelt es sich bei Stupid Never Dies um ein klassisches Action-Roguelite. Wir wagen uns immer wieder in die dämonische Unterwelt, kämpfen uns durch verschiedene Ebenen und versuchen, möglichst weit vorzudringen. Dabei treffen wir auf zahlreiche Kreaturen, die aus unterschiedlichen Fantasywelten stammen könnten. Werwölfe, Zyklopen und Harpyien gehören ebenso zum Gegneraufgebot wie weitere bizarre Monster. Das Besondere daran ist, dass Davy seine Gegner nicht einfach nur besiegen kann. Stattdessen besitzt er die Fähigkeit, bestimmte Monster zu verschlingen und dadurch ihre Kräfte zu übernehmen. Anschließend kann er sich ihre besonderen Eigenschaften im Kampf zunutze machen.

Gerade diese Verwandlungen gehören zu den interessantesten Mechaniken des Spiels. Denn während sich Davy in seiner gewöhnlichen Zombiegestalt etwas schwerfällig steuert, gewinnen die Kämpfe durch die unterschiedlichen Monsterfähigkeiten deutlich an Dynamik. Je nach Verwandlung verändern sich die verfügbaren Angriffe und damit auch die Möglichkeiten, auf bestimmte Gegnertypen zu reagieren. Allerdings erreicht das Kampfsystem selbst in seinen besten Momenten nicht ganz die Präzision hochwertiger Charakter-Actionspiele. Manche Treffer wirken etwas kraftlos, während die Bewegungen gelegentlich nicht so direkt ausfallen, wie man es sich wünschen würde.

Ein Roguelite mit zahlreichen Verbesserungsmöglichkeiten

Wie es sich für das Genre gehört, spielt die Charakterentwicklung eine entscheidende Rolle. Je mehr Gegner wir besiegen, desto schneller steigt Davy im Level auf. Dadurch werden zusätzliche Verbesserungen verfügbar, die unsere Überlebenschancen erhöhen. Besonders interessant ist die große Anzahl unterschiedlicher Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände. Im Verlauf des Abenteuers treffen wir beispielsweise auf Bessie, eine Burgerverkäuferin, bei der sich mithilfe der gesammelten Spielwährung neue Vorteile erwerben lassen.

Diese erweitern die Möglichkeiten für zukünftige Durchläufe und sorgen dafür, dass sich Davy kontinuierlich weiterentwickelt. Hinzu kommen unterschiedliche Körperteile, die wir innerhalb der Ebenen entdecken können. Diese besitzen nicht nur eigene Werte, sondern teilweise auch ungewöhnliche Spezialeffekte. So kann beispielsweise ein bestimmtes Kopfteil dafür sorgen, dass Davy nach einem Sturz automatisch von Landminen umgeben wird. Solche Fähigkeiten mögen zunächst absurd erscheinen, können in bestimmten Situationen aber ausgesprochen nützlich sein. Gerade das Experimentieren mit unterschiedlichen Kombinationen macht einen großen Teil der Motivation aus.

Ein Einkaufszentrum voller verrückter Ideen

Zwischen den einzelnen Ausflügen in die Unterwelt verbringen wir unsere Zeit in einem ungewöhnlichen Hubbereich, der wie ein Einkaufszentrum gestaltet wurde. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie viel Persönlichkeit die Entwickler in ihre Spielwelt gesteckt haben. Überall verstecken sich kleine Anspielungen auf bekannte Werke der Popkultur. Selbst die Namen einzelner Geschäfte greifen beispielsweise Figuren und Familien aus Romeo und Julia auf. Auch bei der Fortbewegung haben die Entwickler mitgedacht.

Da Davy nun einmal ein Zombie ist, bewegt er sich außerhalb der Kämpfe zunächst entsprechend langsam und schlurfend fort. Glücklicherweise lässt sich relativ früh ein kleiner Saugroboter freischalten, mit dem wir wesentlich schneller durch das Einkaufszentrum fahren können. Solche Kleinigkeiten wirken zunächst nebensächlich, zeigen aber, dass GPTRACK50 durchaus ein Gespür für humorvolle und gleichzeitig praktische Ideen besitzt.

Zwischen Punk-Comic und völliger Reizüberflutung

Die größte Besonderheit von Stupid Never Dies ist zweifellos seine audiovisuelle Gestaltung. Das Spiel setzt auf einen ungewöhnlichen Scribblecore-Stil, der an handgezeichnete Kritzeleien, Punk-Fanzines und wild zusammengeklebte Sticker erinnert. Die Benutzeroberfläche wirkt dabei stellenweise bewusst chaotisch. Neue Fähigkeiten erscheinen beispielsweise als zusätzliche Sticker, die sich nach und nach um die Anzeigen legen. Auch die Figuren und Umgebungen besitzen eine auffällige Gestaltung, die sich deutlich von gewöhnlichen Fantasy- oder Horrorwelten unterscheidet.

Das Ergebnis ist ausgesprochen eigenständig, allerdings definitiv Geschmackssache. Wer klare Benutzeroberflächen und eine eher zurückhaltende Präsentation bevorzugt, dürfte sich von der visuellen Reizüberflutung schnell erschlagen fühlen. Hinzu kommt ein Humor, der zwischen kindischem Unsinn und vollkommen surrealen Einfällen schwankt. Manche Charaktere beginnen plötzlich zu singen, während andere Situationen derart absurd ausfallen, dass man sich unweigerlich fragt, was die Entwickler während ihrer Ideenfindung eigentlich im Sinn hatten. Gerade Fans von No More Heroes dürften sich hier allerdings schnell heimisch fühlen.

Nicht jeder Kampf überzeugt

Trotz seiner vielen kreativen Ideen besitzt Stupid Never Dies einige spielerische Schwächen. Besonders das eigentliche Kampfsystem hätte etwas mehr Feinschliff vertragen können. Davys Bewegungen fühlen sich gelegentlich zu unpräzise an, was insbesondere bei schnellen Gegnern problematisch werden kann. Fliegende Harpyien gehören beispielsweise zu den nervigeren Gegnerarten, weil sie sich nicht immer angenehm bekämpfen lassen. Hinzu kommt die genretypische Wiederholung.

Da wir zahlreiche Ebenen mehrfach durchlaufen müssen, verbringen wir einen erheblichen Teil der Spielzeit damit, gewöhnliche Gegner zu besiegen. Zwar sorgen neue Fähigkeiten und Monsterverwandlungen regelmäßig für Abwechslung, doch das grundlegende Spielprinzip verändert sich nur wenig. Gerade deshalb ist die ungewöhnliche Präsentation so wichtig. Die nächste bizarre Begegnung, ein weiterer verrückter Charakter oder eine unerwartete Wendung motivieren häufig stärker als die eigentlichen Kämpfe.

Fazit

Stupid Never Dies ist eines dieser Spiele, bei denen bereits nach wenigen Minuten klar wird, dass sie nicht jedem gefallen werden. Das Debüt von GPTRACK50 ist laut, chaotisch, gelegentlich geschmacklos und besitzt einen Humor, der sich konsequent jeder Vernunft verweigert. Genau darin liegt allerdings auch seine größte Stärke. Während zahlreiche Roguelites mittlerweile ähnliche Spielmechaniken und Präsentationsformen verwenden, entwickelt Stupid Never Dies eine ganz eigene Identität. Besonders die Möglichkeit, Gegner zu verschlingen und ihre Fähigkeiten zu übernehmen, sorgt für interessante Kämpfe. Auch die zahlreichen Verbesserungen, unterschiedlichen Körperteile und dauerhaften Fortschrittssysteme motivieren dazu, immer wieder einen neuen Durchlauf zu starten.

Leider fehlt es dem Kampfsystem gelegentlich an Präzision. Manche Bewegungen wirken etwas schwerfällig, während bestimmte Gegnertypen unnötig frustrieren können. Auch die zahlreichen Erklärungen und Handlungsszenen bremsen gerade zu Beginn immer wieder den Spielfluss aus. Dafür begeistert das Spiel mit einer herrlich absurden Geschichte, ungewöhnlichen Charakteren und einer visuellen Gestaltung, die man so schnell nicht vergisst. Stupid Never Dies ist kein neues Hades und auch kein spielerisch perfektes Action-Roguelite. Dafür ist es ein eigenwilliges, überraschend charmantes Abenteuer, das sich bewusst von der Masse abhebt.

Stupid Never Dies

Stupid Never Dies
79 100 0 1
79/100
Total Score
  • Spielspaß
    85/100 Amazing
  • Grafik
    80/100 Very good
  • Gameplay
    70/100 Good
  • Sound
    80/100 Very good
  • Umfang
    80/100 Very good

Positiv

  • Herrlich absurde Geschichte mit viel Persönlichkeit
  • Interessante Monsterverwandlungen
  • Viele kombinierbare Fähigkeiten und Körperteile
  • Zahlreiche humorvolle Details und Popkultur-Anspielungen

Negativ

  • Gewöhnliche Zombiegestalt spielt sich etwas schwerfällig
  • Auf Dauer repetitive Kämpfe
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