Jedes Jahr ein neues Call of Duty. Was früher für Begeisterung sorgte, wird mittlerweile von vielen Spielern mit einer gewissen Skepsis betrachtet. Besonders die Modern-Warfare-Reihe hat in den vergangenen Jahren einiges von ihrem einstigen Glanz verloren. Während der Neustart von 2019 noch mit einer packenden Inszenierung und einer hervorragenden Kampagne überzeugen konnte, hinterließ insbesondere Modern Warfare 3 aus dem Jahr 2023 einen bitteren Nachgeschmack. Eine zusammengewürfelte Einzelspielerkampagne, uninspirierte Missionen und eine Geschichte, die kaum noch jemand ernsthaft nachvollziehen konnte, sorgten für große Enttäuschung.
Mit Call of Duty: Modern Warfare 4 möchte Infinity Ward nun beweisen, dass die traditionsreiche Shooter-Reihe noch immer zu alter Stärke zurückfinden kann. Und tatsächlich gelingt dem Entwicklerstudio zumindest im Einzelspielerbereich eine beeindruckende Rückkehr. Die neue Kampagne erzählt eine düstere Geschichte voller Verrat, persönlicher Rachefeldzüge und groß angelegter militärischer Konflikte. Besonders die Invasion Südkoreas sorgt für einige der spektakulärsten Momente der jüngeren Seriengeschichte. Doch während die Kampagne endlich wieder echtes Blockbuster-Feeling vermittelt, zeigt sich der Multiplayer überraschend konservativ. Zwar funktioniert das grundlegende Gunplay weiterhin hervorragend, doch viele neue Karten und Spielmodi bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Ob Modern Warfare 4 trotzdem zu den besseren Call-of-Duty-Ablegern der vergangenen Jahre gehört, klären wir in unserem ausführlichen Test.
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Eine Kampagne, die Modern Warfare wieder ernst nimmt
Nach den erzählerischen Problemen der vergangenen Serienteile stand Infinity Ward vor einer schwierigen Aufgabe. Schließlich musste Modern Warfare 4 eine Geschichte fortsetzen, die sich über mehrere Jahre entwickelt hatte und dabei zunehmend unübersichtlich geworden war. Die Entwickler entscheiden sich deshalb für einen interessanten Ansatz und teilen die Handlung in zwei unterschiedliche Perspektiven auf. Auf der einen Seite steht der bekannte Captain John Price, der nach den dramatischen Ereignissen von Modern Warfare 3 auf der Flucht ist. Einst gehörte er zu den wichtigsten Figuren internationaler Spezialeinheiten, mittlerweile wird er von genau jenen Organisationen gesucht, für die er zuvor gearbeitet hat.

Price verfolgt weiterhin seinen persönlichen Rachefeldzug gegen den Terroristen Vladimir Makarov und versucht gleichzeitig herauszufinden, wer im Hintergrund die Fäden zieht. Parallel dazu erleben wir einen groß angelegten militärischen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel. Nordkorea beginnt eine Invasion Südkoreas, wodurch sich innerhalb kürzester Zeit ein verheerender Krieg entwickelt. Beide Handlungsstränge werden zunächst getrennt voneinander erzählt, bevor ihre Zusammenhänge zunehmend deutlich werden. Diese Struktur funktioniert überraschend gut und sorgt dafür, dass sich die Kampagne wesentlich abwechslungsreicher anfühlt als ihre Vorgänger.
Captain Price auf den Spuren von James Bond
Die Missionen rund um Captain Price erinnern stellenweise weniger an einen klassischen Militärshooter als vielmehr an einen modernen Agententhriller. Rasante Verfolgungsjagden, spektakuläre Fluchten und verdeckte Infiltrationen bestimmen seinen Teil der Geschichte. Besonders eine Mission in einem New Yorker Nachtclub bleibt im Gedächtnis. Hier kämpft sich Price durch zahlreiche Gegner und erinnert mit seinen kompromisslosen Nahkampftechniken stellenweise an John Wick. Auch die Inszenierung profitiert von der deutlich fokussierteren Erzählweise.

Infinity Ward versucht nicht mehr, sämtliche Figuren und Handlungsstränge der vergangenen Jahre zwanghaft weiterzuführen. Stattdessen werden einige Charaktere konsequent aus der Geschichte geschrieben, wodurch die Handlung spürbar an Klarheit gewinnt. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei der geheimnisvolle Antagonist The Archer, der von Mads Mikkelsen verkörpert wird. Der Schauspieler verleiht der Figur eine unangenehme und bedrohliche Präsenz. Allerdings erhält The Archer vergleichsweise wenig Bildschirmzeit, weshalb seine Beweggründe nicht immer die gewünschte emotionale Wirkung entfalten. Auch Makarov bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Obwohl der Terrorist weiterhin eine wichtige Rolle spielt, erreicht er nicht die bedrohliche Ausstrahlung seiner ursprünglichen Inkarnation aus Modern Warfare 2. Dadurch wirkt die Geschichte rund um Price gelegentlich etwas schwächer als der zweite große Handlungsstrang.
Der Krieg in Korea ist das eigentliche Highlight
Deutlich stärker präsentiert sich Modern Warfare 4 bei der Darstellung des koreanischen Konflikts. Hier schlüpfen wir unter anderem in die Rolle von Park Hyun Jun, der von Young Mazino verkörpert wird. Park gehört zu einer Gruppe südkoreanischer und amerikanischer Soldaten, die sich gemeinsam gegen die nordkoreanische Invasion verteidigen müssen. Was zunächst nach einer gewöhnlichen Militärgeschichte klingt, entwickelt sich zu einem überraschend emotionalen Abenteuer. Besonders die Beziehungen zwischen Park, seinem Freund Jae und dem nordkoreanischen Soldaten Ko verleihen der Handlung eine menschliche Komponente, die der Reihe zuletzt häufig gefehlt hat.

Statt sämtliche Gegner als eindimensionale Bösewichte darzustellen, versucht Infinity Ward unterschiedliche Perspektiven auf den Konflikt einzubeziehen. Das sorgt für einige interessante Charakterentwicklungen und verleiht den dramatischen Ereignissen zusätzliches Gewicht. Gerade Park erweist sich als sympathischer Protagonist, dessen Schicksal einem im Verlauf der Kampagne zunehmend ans Herz wächst. Hier erinnert Modern Warfare 4 tatsächlich wieder an die erzählerischen Stärken des Reboots von 2019, in dem Farah Karim eine ähnlich wichtige emotionale Rolle übernahm.
Stranded bringt frischen Wind in die Kampagne
Eine besonders interessante Mission trägt den Namen Stranded. Hier entfernt sich Modern Warfare 4 bewusst vom klassischen linearen Missionsdesign und setzt auf eine deutlich offenere Spielstruktur. Wir befinden uns tief hinter feindlichen Linien in einer verschneiten Region und müssen zunächst unsere Ausrüstung wiederherstellen. Dafür erkunden wir die Umgebung, überfallen gegnerische Außenposten und suchen nach Materialien, Waffen und weiteren nützlichen Gegenständen. Unser Unterschlupf dient dabei als Ausgangspunkt, an dem sich neue Ausrüstung herstellen lässt. Drei größere Hauptziele können in beliebiger Reihenfolge abgeschlossen werden.

Wer möchte, konzentriert sich ausschließlich auf die wichtigsten Aufgaben und setzt die Geschichte vergleichsweise schnell fort. Alternativ lässt sich die weitläufige Umgebung ausführlich erkunden. Dabei warten versteckte Waffen, kleinere Rätsel und zusätzliche Herausforderungen. Besonders die Möglichkeit, unterschiedliche Vorgehensweisen auszuprobieren, macht Stranded zu einer gelungenen Abwechslung. Gleichzeitig erinnert die Mission an den Extraction-Modus DMZ, dessen Mechaniken hier sinnvoll in die Kampagne integriert werden. Statt lediglich als Tutorial für einen anderen Spielmodus zu dienen, fügt sich das offene Missionsdesign überraschend natürlich in die Handlung ein.
Das Gunplay bleibt eine der größten Stärken
Auch spielerisch präsentiert sich Modern Warfare 4 in hervorragender Form. Infinity Ward versteht es weiterhin ausgezeichnet, Waffen ein glaubwürdiges Gewicht zu verleihen. Jeder Schuss fühlt sich kraftvoll an, während die unterschiedlichen Waffentypen ein überzeugendes Feedback liefern. Besonders Sturmgewehre und Maschinenpistolen profitieren von der präzisen Steuerung. Auch die Bewegungen wirken angenehm flüssig. Wir können aus dem Sprint heraus in eine Rutschbewegung wechseln, uns an Deckungen positionieren und anschließend gezielt um Ecken feuern.

Gerade in hektischen Gefechten entsteht dadurch ein sehr dynamisches Spielgefühl. Allerdings sollte man die Gegner nicht unterschätzen. Obwohl die künstliche Intelligenz keine außergewöhnlichen Leistungen vollbringt, reagieren feindliche Soldaten durchaus gefährlich auf unvorsichtiges Vorgehen. Wer ohne Deckung durch offene Bereiche sprintet, wird selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad schnell bestraft. Besonders in den späteren Missionen ist deshalb ein überlegter Umgang mit Munition, Panzerplatten und Deckungsmöglichkeiten notwendig. Gelegentlich stellen sich uns außerdem schwer gepanzerte Gegner entgegen, die insbesondere in engen Räumen eine ernsthafte Herausforderung darstellen.
Multiplayer: Weniger Geschwindigkeit, mehr Kontrolle
Nach der gelungenen Einzelspielerkampagne fällt der Wechsel in den Multiplayer zunächst etwas ernüchternd aus. Dabei ist das grundlegende Spielgefühl keineswegs schlecht. Infinity Ward entscheidet sich diesmal bewusst für ein etwas langsameres Tempo. Im Vergleich zu Black Ops 6 und Black Ops 7 benötigen Gegner mehr Treffer, bevor sie ausgeschaltet werden. Dadurch dauern direkte Duelle etwas länger und lassen mehr Raum für taktische Entscheidungen. Statt dass automatisch derjenige gewinnt, der seinen Gegner zuerst entdeckt, können Spieler häufiger auf Beschuss reagieren und sich rechtzeitig in Deckung bringen.

Auch bei den Bewegungsmöglichkeiten geht Modern Warfare 4 einen Schritt zurück. Auf Tactical Sprint, Omnimovement und Wallrunning wird verzichtet. Das mag zunächst wie ein Rückschritt erscheinen, sorgt allerdings für ein übersichtlicheres und kontrollierteres Spielgefühl. Gerade Spieler, die sich an den teilweise extrem hektischen Bewegungsabläufen der vergangenen Ableger gestört haben, dürften diese Entscheidung begrüßen. Im Mittelpunkt steht wieder stärker das eigentliche Gunplay. Und das funktioniert weiterhin hervorragend.
Kill Block ist die beste neue Multiplayer-Karte
Das größte Highlight des Mehrspielermodus ist die neue Karte Kill Block. Dabei handelt es sich um eine futuristische militärische Trainingsanlage, deren Aufbau sich zwischen den Runden verändern kann. Die Arena besteht aus drei unterschiedlichen Bereichen, deren Gestaltung regelmäßig neu zusammengestellt wird. Mal stehen Schiffscontainer im Zentrum der Karte, ein anderes Mal erscheinen bekannte Elemente früherer Call-of-Duty-Schauplätze. Sogar das berühmte Hubschrauberwrack aus Crash kann Bestandteil der Arena werden. Besonders interessant ist die Präsentation dieser Veränderungen.

Die einzelnen Kartenabschnitte werden wie bei einem riesigen Spielautomaten neu zusammengestellt. Dadurch entsteht ein ungewöhnliches Zusammenspiel aus Zufall, Nostalgie und taktischer Anpassung. Zum Start steht Kill Block vor allem für Gunfight zur Verfügung. Besonders die Variante mit 10 gegen 10 Spielern sorgt für intensive Gefechte. Da ausgeschaltete Spieler innerhalb einer Runde nicht unmittelbar zurückkehren, verändert sich das Tempo der Kämpfe kontinuierlich. Während zu Beginn noch zahlreiche Spieler gleichzeitig aufeinandertreffen, entstehen gegen Ende häufig spannende Duelle zwischen den letzten Überlebenden. Kill Block zeigt eindrucksvoll, wie sich das bekannte Multiplayer-Konzept mit vergleichsweise einfachen Ideen sinnvoll erweitern lässt.
Viele Spielmodi, aber wenig echte Innovation
Beim Umfang lässt sich Modern Warfare 4 dagegen kaum etwas vorwerfen. Neben den bekannten Klassikern stehen zahlreiche weitere Modi zur Verfügung. Allerdings gelingt es nicht jeder Neuerung, das bekannte Spielprinzip sinnvoll zu erweitern. Ein Beispiel ist Collateral. Der Modus erinnert an Search and Destroy, kombiniert dessen Bombenmechanik allerdings mit einer Kaufphase, wie man sie aus Counter-Strike oder Valorant kennt. Die Idee klingt interessant, funktioniert in der Praxis jedoch nur bedingt. Zwar können durchaus spannende Runden entstehen, doch häufig konzentrieren sich die Spieler stärker auf das Ausschalten der Gegner als auf das eigentliche Missionsziel.

Dadurch verliert Collateral einen Teil seiner taktischen Tiefe. Noch problematischer ist Frontline. Im Grunde handelt es sich um Team Deathmatch mit festen Spawnpunkten. Das führt regelmäßig dazu, dass sich eine Mannschaft in der Nähe des gegnerischen Einstiegsbereichs positionieren kann. Zwar schützt eine kurze Unverwundbarkeitsphase unmittelbar nach dem Respawn vor besonders unfairen Situationen, doch das grundlegende Problem bleibt bestehen. Entweder dominiert das eigene Team die gegnerischen Spawnpunkte oder man wird selbst wiederholt unter Beschuss genommen. Beides sorgt nicht unbedingt für spannende Matches.
Fazit
Call of Duty: Modern Warfare 4 ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Nach den erzählerischen Enttäuschungen der vergangenen Jahre gelingt Infinity Ward endlich wieder eine Kampagne, die den Namen Modern Warfare verdient. Besonders die Geschichte rund um den koreanischen Konflikt überzeugt mit interessanten Charakteren, emotionalen Momenten und spektakulären Militäroperationen. Auch die Missionen rund um Captain Price bieten zahlreiche unterhaltsame Szenen, wenngleich die persönliche Rachegeschichte nicht ganz das Niveau des zweiten Handlungsstrangs erreicht. Die abwechslungsreiche Missionsgestaltung gehört zu den größten Stärken. Besonders Stranded zeigt, wie sich offenere Spielmechaniken sinnvoll in eine klassische Call-of-Duty-Kampagne integrieren lassen.
Hinzu kommen das hervorragende Gunplay, die eindrucksvolle Inszenierung und die fantastische Soundkulisse. Weniger überzeugend fällt dagegen der Multiplayer aus. Zwar funktionieren die grundlegenden Mechaniken weiterhin ausgezeichnet, doch viele der neuen Karten bleiben austauschbar. Auch die problematischen Spawnpunkte und einige unausgereifte Spielmodi verhindern, dass der Mehrspielerbereich sein volles Potenzial entfaltet. Kill Block ist dabei die erfreuliche Ausnahme und zeigt, dass Infinity Ward durchaus noch kreative Ideen besitzt. Call of Duty: Modern Warfare 4 ist damit eines der besseren Spiele der jüngeren Seriengeschichte, allerdings vor allem wegen seiner starken Einzelspielerkampagne. Wer sich nach einem klassischen, spektakulär inszenierten Militärshooter sehnt, bekommt hier endlich wieder ein überzeugendes Abenteuer geboten. Multiplayer-Fans erhalten dagegen hauptsächlich vertraute Call-of-Duty-Unterhaltung, die zwar weiterhin Spaß macht, aber nur selten wirklich überrascht.

Call of Duty: Modern Warfare 4
Call of Duty: Modern Warfare 4-
Spielspaß85/100 Amazing
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Grafik100/100 The best
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Gameplay80/100 Very good
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Sound95/100 The best
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Umfang90/100 Amazing
Positiv
- Hervorragend inszenierte Einzelspielerkampagne
- Beeindruckende Schlachten in Südkorea
- Fantastisches Gunplay
- Hervorragende Soundkulisse und Musik
- Umfangreiches Multiplayer-Angebot
Negativ
- Multiplayer-Karten überwiegend uninspiriert
- Einige neue Spielmodi nicht ausgereift
- Ground War bleibt wenig eigenständig

