Mario und Sport gehören seit Jahrzehnten untrennbar zusammen. Ob Kartfahren, Golf, Fußball oder olympische Disziplinen, Nintendos berühmtester Klempner ist sportlich extrem vielseitig. Tennis nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Mit Mario Tennis Fever erscheint nun der neunte Teil der Reihe und gleichzeitig der erste große Ableger auf der Nintendo Switch 2. Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Kann das Spiel mehr als nur ein leicht verbessertes Update von Mario Tennis Aces sein oder bleibt es bei einer soliden, aber kleinen Weiterentwicklung. Die Antwort liegt irgendwo dazwischen, doch eines steht fest. Mario Tennis Fever macht vor allem eines richtig. Es macht sehr viel Spaß.
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Eine starke spielerische Grundlage
Das Fundament von Mario Tennis Fever ist ein klassisches, gut funktionierendes Tennissystem. Man bewegt sich mit dem linken Stick über den Platz und nutzt verschiedene Tasten für Topspin, Slice, Lob und Stoppball. Schläge lassen sich aufladen, um mehr Druck zu erzeugen. Durch schnelles Doppeltippen sind sogar noch härtere und riskantere Bälle möglich. Die Steuerung ist zugänglich und gleichzeitig tief genug, um ambitionierte Spieler langfristig zu motivieren. Wer sauber positioniert ist und den richtigen Schlag im passenden Moment wählt, wird belohnt. Das Spielgefühl ist dynamisch, Rallyes entwickeln sich angenehm flüssig und Matches besitzen ein gutes Tempo. Allerdings gibt es kleinere Ungenauigkeiten. Sobald man einen Schlag vorbereitet, wechselt die Funktion des Sticks vom Laufen zum Zielen. In manchen Situationen scheint das Spiel nicht ganz korrekt zu erfassen, wohin man sich ursprünglich bewegen wollte. So kann es passieren, dass erreichbare Bälle knapp verpasst werden. Das kommt nicht ständig vor, fällt aber auf.

Wie gewohnt wählt man nicht nur ein Racket, sondern auch eine Spielfigur mit individuellen Eigenschaften. Donkey Kong überzeugt mit Kraft, hat aber weniger Kontrolle. Toadette punktet mit Präzision, ist jedoch weniger durchschlagskräftig. Mario und Rosalina bieten ausgewogene Allrounder Werte. Dieses System sorgt für taktische Entscheidungen, wirkt jedoch nicht vollständig ausbalanciert. Einige Figuren haben erkennbar mehr Vorteile als andere. Besonders im Online Spiel dürfte sich schnell eine klare Meta entwickeln. Das ist in kompetitiven Spielen nicht ungewöhnlich, dennoch ist es schade, wenn ein Teil der Charaktere dadurch seltener genutzt wird.
Fever Rackets als zentrales Highlight
Die eigentliche Besonderheit von Mario Tennis Fever sind die Fever Rackets. Jeder Spieler verfügt über eine spezielle Leiste, die sich während des Spiels füllt. Pro gefülltem Abschnitt kann ein Fever Schlag aktiviert werden. Ein Fever Schlag ist nicht nur besonders kraftvoll, sondern löst zusätzlich einen speziellen Effekt aus, der vom gewählten Racket abhängt. Das Fire Flower Racket schickt beispielsweise Feuerbälle mit über das Netz, die den Gegner kurzzeitig außer Gefecht setzen können. Andere Rackets verwandeln Teile des Spielfelds in Eisflächen, Öl oder Morast. Manche erhöhen temporär Tempo oder Schlagkraft. Besonders interessant ist die Möglichkeit, Fever Schläge zu kontern. Gelingt es, den Spezialschlag als Volley zurückzuspielen und landet der Ball beim Gegner, kehrt sich der Effekt um. Das sorgt vor allem im Doppel für spektakuläre Szenen voller Effekte und Farben. Allerdings entsteht dabei mitunter eine gewisse Unübersichtlichkeit. Zwischen Feuer, Blitzen und anderen Animationen kann der eigentliche Tennisball schwer zu verfolgen sein. Das ist vermutlich gewollt, wirkt aber gelegentlich etwas überladen.

Umfangreiche Spielmodi
Mario Tennis Fever bietet zahlreiche Spielmöglichkeiten. Lokal kann man mit Freunden antreten oder Turniere bestreiten. Online stehen Ranglisten Matches sowie private Lobbys zur Verfügung. Das Online Erlebnis ist grundsätzlich unterhaltsam, leidet jedoch teilweise unter Verzögerungen. In einigen Partien trat spürbare Latenz auf, was den Spielfluss beeinträchtigen kann. Für Einzelspieler gibt es eine Adventure Mode. In dieser Geschichte wurden mehrere Figuren durch ein mysteriöses Wesen in Baby Versionen verwandelt. In einer Tennisakademie erlernt man Schritt für Schritt alle Techniken, um die Bedrohung zu besiegen.

Die Idee ist charmant und eignet sich gut als Einführung. Die Umsetzung ist jedoch recht langsam. Wer bereits Erfahrung mit Tennisspielen hat, wird die ersten Stunden als wenig fordernd empfinden. Zudem fehlt es der Handlung an echter Spannung. Viele Herausforderungen bestehen aus ähnlichen Aufgaben, etwa dem Zurückschlagen von Projektilen oder kurzen Matches ohne große Variation. Mit etwa vier bis fünf Stunden ist der Story Modus allerdings überschaubar. Danach bieten die Missionstürme mehr Abwechslung. Hier gilt es, spezielle Ziele zu erfüllen, beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Winnern zu schlagen. Diese Herausforderungen sind motivierender und abwechslungsreicher als der Story Modus. Zusätzlich warten noch zahlreiche weitere Aufgaben mit Sternbewertungen. Diese verlängern die Spielzeit, wirken jedoch weniger inspirierend als reguläre Matches gegen andere Spieler.
Freischaltsystem und Motivation
Neue Figuren und Fever Rackets werden vor allem durch gespielte Matches freigeschaltet. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Modus gewählt wird. Das sorgt für Flexibilität und verhindert unnötigen Grind in einer bestimmten Spielart. Zusätzliche Belohnungen gibt es für Turniersiege und Missionserfolge. So bleibt stets ein Anreiz bestehen, verschiedene Modi auszuprobieren. Visuell präsentiert sich Mario Tennis Fever farbenfroh und klar. Die Animationen sind sauber, die Effekte spektakulär und die Plätze abwechslungsreich gestaltet. Im Handheld Modus läuft das Spiel in 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde. Gedockt wird eine 4K Darstellung geboten, wobei die Bildrate leicht unter 60 fps schwanken kann, insgesamt aber stabil bleibt. Der grafische Fortschritt gegenüber Mario Tennis Aces ist jedoch geringer als erhofft. Für eine neue Konsole hätten sich manche Spieler vermutlich einen deutlicheren Sprung gewünscht. Dennoch wirkt das Spiel keineswegs veraltet oder unattraktiv. Audiovisuell erfüllt Mario Tennis Fever seine Aufgabe zuverlässig und ansprechend.

Fazit
Mario Tennis Fever ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe. Die spielerische Basis überzeugt durch ein zugängliches, aber tiefgehendes Tennissystem. Die Fever Rackets sorgen für frische Dynamik und spektakuläre Momente. Der Story Modus ist eine nette Einführung, bleibt jedoch etwas oberflächlich und repetitiv. Die Missionstürme und Online Matches bieten deutlich mehr Langzeitmotivation. Grafisch ist der Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger überschaubar, doch das Gesamtbild ist weiterhin farbenfroh und stabil. Unterm Strich ist Mario Tennis Fever kein radikaler Neustart, sondern eine solide Weiterentwicklung. Wer Lust auf ein spaßiges, temporeiches Tennisspiel im typischen Mario Stil hat, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket für die Nintendo Switch 2.

