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Resident Evil Requiem Test/Review

Mit Resident Evil Requiem versucht Capcom, zwei sehr unterschiedliche Seiten der Serie miteinander zu vereinen. Einerseits erinnert das Spiel stark an die klassische Survival-Horror-Formel moderner Remakes wie Resident Evil 4, andererseits greift es Elemente des intensiveren Horrors aus Resident Evil 7: Biohazard auf. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlicher Mix aus atmosphärischem Horror und actionreichen Gefechten, der über weite Strecken hervorragend funktioniert. Allerdings zeigt sich im Verlauf der Kampagne auch, dass diese Balance nicht durchgehend gehalten wird.

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Zwei Charaktere, zwei Spielstile

Die Handlung von Resident Evil Requiem setzt nach den neuesten Ereignissen der Reihe ein und führt die Geschichte der Serie weiter. Im Mittelpunkt stehen zwei spielbare Charaktere mit deutlich unterschiedlichen Rollen. Zum einen gibt es Grace, eine FBI-Agentin, die eine Reihe mysteriöser Mordfälle untersucht. Die Spur führt sie zurück zu einem Ereignis, das Fans der Serie nur allzu gut kennen: dem Raccoon-City-Vorfall aus dem Jahr 1998. Parallel dazu verfolgt auch Leon S. Kennedy eigene Ermittlungen. Während er ebenfalls versucht, die Hintergründe der aktuellen Ereignisse zu entschlüsseln, kämpft er gleichzeitig mit einer unbekannten Infektion. Im Verlauf der Handlung kreuzen sich ihre Wege. Beide Charaktere gelangen schließlich zu den Überresten der legendären Stadt Raccoon City, wo sie versuchen, ein Geheimnis namens Elpis aufzudecken.

Survival Horror mit Grace

Grace verkörpert den klassischen Survival-Horror-Ansatz der Reihe. Obwohl sie als FBI-Agentin ausgebildet ist, reagiert sie deutlich nervöser und vorsichtiger auf die Schrecken, die ihr begegnen. Genau diese Unsicherheit macht sie zu einer idealen Figur für die atmosphärischen Horrormomente des Spiels. Ihre Abschnitte werden standardmäßig aus der Ego-Perspektive gespielt, wobei eine Third-Person-Option ebenfalls vorhanden ist.

Grace verfügt nur über eine begrenzte Anzahl an Waffen, und Munition ist knapp. Ihr Inventar ist begrenzt, wodurch Ressourcenmanagement wieder eine wichtige Rolle spielt. Statt ständig zu kämpfen, liegt der Fokus stärker auf Erkundung, Rätseln und vorsichtigem Vorgehen. Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist das Rhodes Hill Care Center. Diese Einrichtung gehört zu den atmosphärisch dichtesten Orten des Spiels. Die verwinkelten Flure, verschlossenen Türen und komplexen Rätsel erinnern stark an klassische Resident-Evil-Schauplätze. Spieler durchstreifen die Anlage auf der Suche nach einem Ausweg, während gleichzeitig immer neue Gefahren lauern.

Action mit Leon

Sobald man die Kontrolle über Leon übernimmt, ändert sich das Spielgefühl deutlich. Seine Abschnitte orientieren sich stärker an der actionlastigen Seite der Reihe. Standardmäßig wird Leon aus der Third-Person-Perspektive gespielt, wodurch man einen besseren Überblick über das Geschehen erhält. Sein Arsenal ist deutlich umfangreicher als das von Grace. Schrotflinten, Gewehre, Granaten und weitere Waffen sorgen dafür, dass Kämpfe intensiver und spektakulärer ausfallen. Neben klassischen Schusswaffen setzt Leon auch Nahkampfangriffe ein. Stylische Moves, Tritte und Judo-Würfe erlauben es, Gegner schnell auszuschalten. Während Grace häufig vorsichtig agieren muss, geht Leon deutlich offensiver vor. Viele Situationen sind darauf ausgelegt, dass man sich direkt durch Gegnerhorden kämpft.

Gerade der Wechsel zwischen diesen beiden Spielstilen sorgt im ersten Teil des Spiels für ein sehr gelungenes Tempo. Die Handlung springt regelmäßig zwischen Grace und Leon hin und her. Dadurch entsteht ein abwechslungsreicher Rhythmus. Nach einer intensiven Horrorpassage folgt oft eine actionreiche Sequenz, die für etwas Entlastung sorgt. Dieser Wechsel hält das Gameplay frisch und sorgt dafür, dass sich keine der beiden Mechaniken zu schnell abnutzt. Leider verändert sich dieses Gleichgewicht im weiteren Verlauf der Kampagne.

Eine zweite Hälfte mit viel zu viel Action

Capcom hatte im Vorfeld angekündigt, dass die rund 15-stündige Kampagne ungefähr gleichmäßig zwischen Leon und Grace aufgeteilt sein würde. In der Praxis sieht das allerdings anders aus. Während die erste Hälfte des Spiels tatsächlich einen guten Mix bietet, verschiebt sich das Verhältnis später deutlich. Sobald die Handlung nach Raccoon City führt, übernimmt Leon einen Großteil der spielbaren Abschnitte. Grace bleibt zwar weiterhin Teil der Geschichte, doch ihre Rolle beschränkt sich zunehmend auf Zwischensequenzen. Am Ende fühlt sich die Spielzeit eher wie eine Zwei-Drittel-Verteilung zugunsten von Leon an.

Der Aufenthalt in den Ruinen von Raccoon City gehört zu den eindrucksvollsten Momenten des Spiels. Für Fans der Reihe ist es ein besonderes Erlebnis, bekannte Orte in zerstörtem Zustand wiederzusehen. Viele Bereiche der Stadt wurden mit großer Liebe zum Detail gestaltet. Besonders ikonische Orte wie das Raccoon Police Department sorgen für starke Nostalgie-Momente. Überall finden sich kleine Hinweise, Easter Eggs und Referenzen zur Geschichte der Serie. Einige Abschnitte sind sogar halb offen gestaltet. Spieler können mehrere Ziele in beliebiger Reihenfolge erledigen und optionale Orte erkunden.

Ein großartiges Kampfsystem

Auch wenn die Actiondominanz im zweiten Teil des Spiels etwas zu stark ausfällt, bleibt das Kampfsystem eine der größten Stärken von Resident Evil Requiem. Die Kämpfe fühlen sich intensiv, dynamisch und zufriedenstellend an. Waffen haben ordentlich Wucht, und Gegner reagieren glaubwürdig auf Treffer. Gerade in größeren Gefechten entsteht ein sehr gutes Tempo, das die Spannung konstant hoch hält. Allerdings kann die dauerhafte Action auf Dauer auch etwas ermüdend wirken. Was im ersten Teil des Spiels durch Horrorpassagen aufgelockert wurde, fehlt später häufig. Überraschend ist hingegen die Wirkung der Geschichte. Obwohl das Spiel mit bekannten Schauplätzen und beliebten Figuren arbeitet, bleibt die Handlung insgesamt etwas zurückhaltend. Die einzelnen Momente sind spannend inszeniert, und viele Szenen funktionieren hervorragend. Am Ende bleibt jedoch das Gefühl, dass die übergreifende Handlung nicht ganz das Gewicht besitzt, das man sich vielleicht erhofft hatte.

Technisch beeindruckend

Technisch gehört Resident Evil Requiem zu den besten Arbeiten, die Capcom bisher mit der RE Engine umgesetzt hat. Die Grafik überzeugt mit beeindruckender Detaildichte. Besonders in engen Innenräumen kommen Licht- und Schatteneffekte hervorragend zur Geltung. Auf der PlayStation 5 Pro läuft das Spiel mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde inklusive Raytracing. Wer darauf verzichtet, kann sogar eine Bildrate von bis zu 120 FPS erreichen. Während des Tests traten keine größeren Bugs oder technische Probleme auf. Das Spiel läuft ausgesprochen stabil.

Fazit

Resident Evil Requiem ist ein sehr gelungenes Kapitel der Reihe. Die Kombination aus klassischem Survival Horror und actionreichen Gefechten funktioniert über weite Strecken hervorragend. Der Wechsel zwischen Grace und Leon sorgt zunächst für ein abwechslungsreiches Spielerlebnis. Leider verliert das Spiel in der zweiten Hälfte etwas von dieser Balance, da der Fokus zunehmend auf Action liegt. Trotz dieser Schwäche bleibt Resident Evil Requiem ein starkes Abenteuer mit großartigen Kämpfen, beeindruckender Technik und vielen nostalgischen Momenten für Fans der Serie. Wer sowohl Survival Horror als auch actionreiche Resident-Evil-Momente mag, bekommt hier ein insgesamt sehr gelungenes Gesamtpaket.

Gesamtwertung: 9/10

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