Mit Starfield hat Bethesda Game Studios eines der ambitioniertesten RPGs der letzten Jahre geschaffen. Hunderte Planeten, unzählige Systeme und eine riesige Galaxie klingen zunächst nach dem ultimativen Open World Erlebnis. Doch genau hier liegt das größte Problem des Spiels. Denn so groß das Universum auch ist, es fühlt sich selten lebendig an. Während frühere Bethesda Titel davon lebten, dass jeder Weg eine Entdeckung bereithielt, dreht Starfield dieses Prinzip um. Statt die Reise zu genießen, springt man von Ziel zu Ziel und verliert dabei genau das, was diese Spiele früher so besonders gemacht hat.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Fortschritt statt Entdeckung
Die Struktur von Starfield setzt stark auf schnelles Reisen. Planeten werden nicht organisch erkundet, sondern meist über Menüs ausgewählt und direkt angesteuert. Dieser Ablauf unterbricht den Spielfluss und sorgt dafür, dass sich das Spiel oft wie eine Abfolge von Missionen anfühlt, statt wie eine zusammenhängende Welt. Zwischen den großen Städten fehlt es an echten Highlights. Viele Planeten wirken zufällig generiert und bieten kaum Anreize, vom vorgegebenen Weg abzuweichen. Es fehlt dieses Gefühl, zufällig etwas Besonderes zu entdecken, das frühere Bethesda Spiele ausgezeichnet hat. Trotz dieser Schwächen bietet Starfield einige richtig starke Momente. Besonders die Fraktionsquestlines gehören zu den Highlights des Spiels. Organisationen wie die UC Vanguard oder die Crimson Fleet liefern spannende Geschichten, die das Universum mit Leben füllen. Diese Nebenhandlungen sind oft deutlich interessanter als die Hauptstory. Während die zentrale Handlung rund um mysteriöse Artefakte eher blass bleibt, überzeugen viele Nebenmissionen mit kreativen Ideen und starken Charakteren. Wer Starfield wirklich genießen möchte, sollte sich nicht nur auf die Hauptquest konzentrieren, sondern die verschiedenen Fraktionen erkunden und ihre Geschichten erleben.

Kampf, der endlich überzeugt
Ein Bereich, in dem Starfield klar Fortschritte macht, ist das Gameplay im Kampf. Hier liefert Bethesda sein bislang bestes System ab. Waffen fühlen sich präzise an, Treffer haben Gewicht und das gesamte Kampferlebnis wirkt deutlich moderner. Auch die Individualisierung spielt eine große Rolle. Ausrüstung lässt sich anpassen, Fähigkeiten erweitern das Arsenal und Begleiter unterstützen aktiv im Gefecht. Selbst ohne klassische Hilfssysteme funktioniert das Gunplay zuverlässig und macht Spaß. Mit dem Free Lanes Update wurden einige der größten Kritikpunkte zumindest teilweise angegangen. Reisen innerhalb eines Systems fühlen sich nun dynamischer an, da man tatsächlich zwischen Planeten fliegen kann. Während dieser Flüge kann man sich frei im Schiff bewegen, mit Begleitern sprechen oder das Inventar verwalten. Zufällige Begegnungen mit anderen Schiffen sorgen zusätzlich für etwas mehr Leben im All. Diese Änderungen verbessern das Spielgefühl spürbar, können aber die grundlegenden Designprobleme nicht vollständig beheben.

Technik auf höchstem Konsolen Niveau
Auf der PlayStation 5 präsentiert sich Starfield in seiner bislang besten Form. Schnelle Ladezeiten, stabile Performance und eine insgesamt saubere technische Umsetzung sorgen für ein deutlich runderes Erlebnis als zum Release. Besonders Besitzer der PS5 Pro profitieren von erweiterten Grafikoptionen. Verschiedene Modi ermöglichen es, zwischen Performance und visueller Qualität zu wählen, was dem Spiel zusätzliche Flexibilität verleiht. Auch wenn kleinere Bugs weiterhin auftreten können, ist die technische Basis insgesamt sehr solide. Das größte Problem bleibt jedoch bestehen. Starfield fühlt sich oft wie ein Puzzle an, dessen Teile nicht ganz zusammenpassen. Viele Systeme funktionieren für sich genommen gut, doch es fehlt die Verbindung zwischen ihnen. Die Welt wirkt fragmentiert, da Übergänge meist über Menüs stattfinden und echte Erkundung kaum belohnt wird. Dadurch entsteht der Eindruck, dass man sich von Aufgabe zu Aufgabe bewegt, ohne wirklich Teil dieser Welt zu werden. Starfield ist vor allem für Spieler interessant, die strukturierte Rollenspiele mit klaren Zielen bevorzugen und weniger Wert auf klassische Open World Erkundung legen. Wer gerne Quest für Quest abarbeitet, sich in Fraktionsgeschichten verliert und ein solides Kampfsystem schätzt, wird hier viel Spaß haben. Spieler hingegen, die genau das typische Bethesda Gefühl suchen, bei dem man einfach loszieht und sich in einer lebendigen Welt verliert, könnten enttäuscht werden. Starfield belohnt Fokus mehr als Neugier – und genau das macht es zu einem guten, aber nicht herausragenden Vertreter seines Genres.

Fazit
Starfield ist ein sehr gutes RPG, das jedoch hinter seinem eigenen Anspruch zurückbleibt. Es bietet starke Kämpfe, interessante Nebenquests und eine beeindruckende technische Umsetzung, besonders auf der PS5. Gleichzeitig fehlt es an dem, was Bethesda Spiele einst ausgemacht hat. Die Magie des Entdeckens, das Gefühl, in einer lebendigen Welt unterwegs zu sein, kommt hier nur selten auf. Trotz zahlreicher Updates und Verbesserungen bleibt Starfield ein Spiel mit großem Potenzial, das nicht vollständig ausgeschöpft wird.

