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STARBITES Test/Review

Auf den ersten Blick wirkt Starbites wie ein kleiner, unscheinbarer Indie-RPG-Titel, der sich optisch irgendwo zwischen PS2-Nostalgie und modernem Anime-Stil bewegt. Doch je länger man spielt, desto deutlicher wird, wie viel Herzblut und spielerische Tiefe tatsächlich in diesem Projekt steckt. Das Rollenspiel von Ikinagames braucht zwar einige Stunden, um richtig in Fahrt zu kommen, entwickelt sich danach aber zu einem überraschend starken Genrevertreter mit cleverem Kampfsystem, motivierender Charakterentwicklung und einer Geschichte, die deutlich größer wird, als es der Einstieg zunächst vermuten lässt.

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Zwischen Schrottplätzen und Hoffnungsschimmern

Die Handlung dreht sich um Lukida, eine junge Schrottsammlerin auf dem trostlosen Wüstenplaneten Bitter. Gemeinsam mit ihren Freunden versucht sie, ihrem ausbeuterischen Alltag zu entkommen und endlich ein besseres Leben zu beginnen. Anfangs wirkt die Story noch relativ simpel. Ein verlorenes Ticket, mysteriöse Angriffe und ein scheinbar klassisches Abenteuer bilden den Auftakt. Doch Starbites überrascht später mit deutlich größeren Themen und einigen gelungenen Wendungen, die der Geschichte mehr emotionale Wucht verleihen als zunächst erwartet. Besonders die zweite Hälfte gewinnt spürbar an Tempo und Atmosphäre. Die Charaktere wachsen einem zunehmend ans Herz und die Welt wirkt trotz ihres kleinen Umfangs erstaunlich lebendig. Allerdings leidet die Erzählung unter einem spürbaren Problem: ständigem Backtracking. Viele Quests schicken einen wiederholt durch dieselben Gebiete, oft nur für kleinere Aufgaben oder neue Dialoge. Da Schnellreisepunkte eher rar gesät sind, zieht sich dieser Teil des Spiels manchmal unnötig in die Länge.

Das Kampfsystem wird immer besser

Die größte Stärke von Starbites ist eindeutig das Kampfsystem. Auf den ersten Blick erinnert vieles an klassische rundenbasierte JRPGs, doch schon nach wenigen Stunden entfaltet das Spiel seine taktische Tiefe. Besonders das Schwächensystem erinnert stark an Octopath Traveler. Gegner besitzen unterschiedliche Schwächen gegen bestimmte Angriffstypen wie Thermal, Plasma oder Cut. Wer diese gezielt ausnutzt, reduziert die Schutzleiste des Gegners und versetzt ihn schließlich in einen Break-Zustand. Dadurch wird nicht nur zusätzlicher Schaden verursacht, sondern auch die Zugreihenfolge manipuliert. Das sorgt gerade bei Bosskämpfen für angenehm strategische Gefechte. Später kommen komplexere Mechaniken hinzu, bei denen Fähigkeiten mehrere Schwächen gleichzeitig treffen oder Gegnerformationen clever ausgenutzt werden müssen. Hinzu kommt das sogenannte Driver’s High-System. Sobald sich die entsprechende Anzeige füllt, kann ein Charakter sofort eingreifen und verstärkte Fähigkeiten nutzen. Dadurch entstehen dynamische Situationen, in denen sich Kämpfe innerhalb weniger Züge komplett drehen können. Während die ersten Spielstunden noch relativ einfach wirken, ziehen die späteren Bosse den Schwierigkeitsgrad angenehm an und verlangen tatsächlich taktisches Denken.

Große Freiheit beim Charakter-Building

Starbites macht besonders viel Spaß, sobald alle Gruppenmitglieder verfügbar sind und man frei mit Builds experimentieren kann. Jeder Charakter besitzt einen umfangreichen Skilltree, der Fähigkeiten erweitert, neue Effekte freischaltet oder den Driver’s-High-Modus verändert. Besonders angenehm: Respecs sind komplett kostenlos. Dadurch lädt das Spiel ständig dazu ein, neue Kombinationen auszuprobieren. Auch die Ausrüstungssysteme bieten überraschend viele Möglichkeiten. Waffen, Frames, Engines und Cores beeinflussen die Spielweise teilweise massiv. Manche Builds setzen auf Krit-Chancen, andere auf Buffs, Support oder aggressive Burst-Kombinationen. Vor allem Buffs und Debuffs spielen eine erfreulich wichtige Rolle. Viele Kämpfe lassen sich deutlich leichter kontrollieren, wenn man die richtigen Statuswerte manipuliert. Gerade in späteren Spielstunden entwickelt Starbites dadurch einen richtig motivierenden Gameplay-Loop.

Charmante Präsentation mit deutlichen Schwächen

Optisch hinterlässt Starbites einen zwiespältigen Eindruck. Die wunderschönen 2D-Illustrationen gehören klar zu den Highlights des Spiels. Der Stil kombiniert Anime-Elemente mit westlichen Comic-Einflüssen und verleiht den Charakteren enorm viel Persönlichkeit. Die 3D-Modelle können mit diesen Artworks allerdings nicht mithalten. Sie wirken deutlich einfacher und erinnern stellenweise tatsächlich an frühe PS2- oder Dreamcast-RPGs. Teilweise entsteht dadurch ein sichtbarer Stilbruch zwischen Dialogporträts und Ingame-Darstellung. Trotzdem besitzt genau diese Präsentation auch einen gewissen Charme. Das Spiel erinnert manchmal an alte Samstagmorgen-Cartoons der späten 90er, die erstmals mit 3D-Animationen experimentierten. Technisch läuft Starbites auf der PS5 angenehm flüssig mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde, allerdings schleichen sich einige kleinere Bugs ein. Kamerafehler, merkwürdige Übergänge oder seltsame NPC-Verhaltensweisen treten immer wieder auf. Nichts davon zerstört das Erlebnis komplett, doch etwas mehr Feinschliff hätte dem Spiel definitiv gutgetan.

Ein Indie-RPG mit Herz

Was Starbites letztlich so sympathisch macht, ist seine ehrliche Leidenschaft für klassische Rollenspiele. Das Spiel versucht nicht, riesige Open Worlds oder cineastische Inszenierungen zu liefern. Stattdessen konzentriert es sich auf motivierende Progression, clevere Kampfsysteme und eine Gruppe liebenswerter Charaktere. Natürlich gibt es Schwächen. Das Pacing stolpert regelmäßig über Backtracking, manche Dungeons ziehen sich unnötig und die technische Präsentation wirkt manchmal unausgereift. Doch je länger man spielt, desto stärker entfaltet sich das eigentliche Potenzial des Spiels.

Fazit

Starbites ist ein überraschend gelungenes Indie-RPG, das vor allem durch sein starkes Kampfsystem und die umfangreichen Build-Möglichkeiten überzeugt. Der Einstieg braucht etwas Geduld und einige Designentscheidungen wirken unnötig altmodisch, doch wer dranbleibt, wird mit einem charmanten Abenteuer belohnt. Gerade Fans klassischer JRPGs, die Freude daran haben, Gruppenbuilds zu optimieren und Schwächen clever auszunutzen, dürften hier eine Menge Spaß haben. Es ist vielleicht kein perfektes Rollenspiel, aber definitiv eines mit Persönlichkeit, Ideen und viel Herz.

Gesamtwertung: 7/10

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