Auf den ersten Blick wirkt Luna Abyss wie ein typischer AA-Shooter mit begrenztem Budget. Die Technik erreicht nicht ganz das Niveau der großen Genre-Könige und gerade die ersten Spielstunden hinterlassen zunächst einen eher simplen Eindruck. Doch je länger man spielt, desto stärker entfaltet sich das Potenzial des neuen Projekts von Kwalee und den Kwalee Labs. Denn hinter den leicht angestaubten Texturen steckt ein atmosphärisch enorm dichtes Sci-Fi-Abenteuer, das mit seinem Mix aus Bullet-Hell-Action, Plattforming und kosmischem Horror deutlich mehr Eindruck hinterlässt, als man anfangs erwarten würde.
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Gefangen auf dem Roten Mond
Die Geschichte spielt auf dem sogenannten Red Moon, einer riesigen Gefängniswelt über der Erde. Man übernimmt die Rolle von Fawkes, einem Gefangenen mit jahrzehntelanger Haftstrafe, der als sogenannter Scout rekrutiert wird. Diese Scouts erhalten die Möglichkeit, ihre Strafe zu verkürzen, indem sie die Tiefen des sogenannten Abyss erkunden, ein gigantisches Labyrinth unter der Oberfläche des Mondes, in dem unzählige Geheimnisse und tödliche Kreaturen lauern. Schon früh gelingt es Luna Abyss, eine faszinierende Stimmung aufzubauen. Gewaltige Industrieanlagen verschwinden in bodenlosen Schluchten, riesige Rohre ziehen sich wie Wurzeln durch die Umgebung und immer wieder eröffnet das Spiel beeindruckende Ausblicke auf gigantische Räume voller Dunkelheit und fremdartiger Architektur. Technisch mag das Spiel nicht immer mit den ganz großen Produktionen mithalten können, doch die Art Direction ist hervorragend. Besonders das Spiel mit Licht, Schatten und Größenverhältnissen erzeugt eine unangenehme, fast schon klaustrophobische Atmosphäre, die irgendwo zwischen Science-Fiction und Cosmic Horror angesiedelt ist.

Vom simplen Shooter zur hektischen Bullet-Hell-Action
Gameplay-technisch startet Luna Abyss zunächst überraschend zurückhaltend. Zu Beginn fühlt sich das Gunplay noch relativ simpel an. Waffen verfügen über eine Art Auto-Aim, Ausweichmöglichkeiten sind stark eingeschränkt und die ersten Kämpfe wirken beinahe etwas träge. Doch das ändert sich mit fortschreitender Spielzeit drastisch. Nach und nach führt das Spiel neue Waffen, Bewegungsfähigkeiten und Gegnertypen ein. Ein Shotgun-artiger Shield Breaker zerstört blaue Schutzschilde, später kommen Dash-Manöver, Doppelsprünge und weitere Spezialwaffen hinzu. Besonders clever ist dabei, wie Luna Abyss seine Gegnerstruktur erweitert. Feinde, die zunächst wie Bosskämpfe wirken, tauchen später regulär in größeren Kampfsituationen auf. Dadurch entwickelt sich das Kampfsystem kontinuierlich weiter und zwingt einen immer wieder dazu, Bewegungsmuster und Waffen sinnvoll zu kombinieren. Im späteren Spielverlauf erinnert das Gameplay stellenweise fast an eine Mischung aus DOOM Eternal und Returnal. Man wechselt blitzschnell zwischen Waffen, springt durch Projektilsalven, nutzt den Grappling Hook und kombiniert offensive sowie defensive Fähigkeiten in hektischen Gefechten. Gerade diese Progression gehört zu den größten Stärken des Spiels. Luna Abyss erweitert seine Mechaniken konstant, ohne den Spieler jemals mit unnötigen Systemen zu überladen.

Plattforming als gelungene Abwechslung
Neben den Kämpfen setzt das Spiel auch stark auf Plattforming-Passagen. Anfangs bleiben diese noch relativ simpel, doch später werden Dash, Doppelsprung, Grappling Hook und weitere Fähigkeiten clever miteinander kombiniert. Besonders in den späteren Kapiteln entstehen dadurch angenehm dynamische Abschnitte, die stellenweise sogar an die Plattforming-Sequenzen aus Destiny 2 erinnern. Die Balance zwischen Action und Bewegung funktioniert überraschend gut und verhindert effektiv, dass die Shooter-Passagen monoton werden. Die eigentliche Handlung kann mit dem starken Worldbuilding allerdings nicht ganz mithalten. Zwar gelingt es Luna Abyss durchaus, eine mysteriöse und geheimnisvolle Lore aufzubauen, doch emotional bleibt die Geschichte eher distanziert. Die verschiedenen Charaktere wirken zwar ordentlich vertont, bleiben aber relativ schwer greifbar. Vor allem die ominöse Aylin, die Fawkes immer wieder in den Abyss schickt, bleibt trotz ihrer zentralen Rolle erstaunlich blass. Auch das Finale entwickelt sich letztlich recht vorhersehbar und liefert keine wirklich großen Überraschungen. Dennoch funktioniert die Atmosphäre der Welt hervorragend. Gerade die Mischung aus religiösen Symbolen, gigantischen Industrieanlagen und kosmischem Horror erzeugt eine konstant unangenehme Spannung.

Kleine Schwächen im Spielfluss
Ganz ohne Probleme kommt Luna Abyss allerdings nicht aus. Besonders die Gefängniszelle zwischen den Kapiteln wirkt unnötig umständlich. Nach jeder Mission kehrt man dorthin zurück, kann Textlogs lesen und mit Aylin sprechen, doch echte Interaktionsmöglichkeiten gibt es kaum. Dadurch fühlen sich diese Abschnitte eher wie Überbleibsel einer größeren Idee an, die während der Entwicklung gekürzt wurde. Auch technisch schwankt das Spiel gelegentlich. Einige Texturen wirken unscharf und manche Umgebungen erinnern eher an die letzte Konsolengeneration. Dafür läuft das Spiel auf der PS5 insgesamt sehr stabil und hält seine Bildrate auch in hektischen Kämpfen sauber.

Fazit
Luna Abyss überrascht als atmosphärischer AA-Shooter mit einer faszinierenden Sci-Fi-Welt, starkem Progressionsgefühl und intensivem Bullet-Hell-Gameplay. Was zunächst wie ein eher durchschnittlicher Shooter wirkt, entwickelt sich im Verlauf zu einem bemerkenswert dynamischen Actionspiel mit cleverem Leveldesign und hervorragender Atmosphäre. Die Story bleibt zwar etwas vorhersehbar und manche Übergangsbereiche wirken unnötig sperrig, doch das starke Gameplay und die beeindruckende Welt machen diese Schwächen größtenteils wett. Wer schnelle Shooter mit düsterer Sci-Fi-Stimmung und einem Hauch Cosmic Horror mag, sollte Luna Abyss definitiv im Auge behalten.

