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Solarpunk Test/Review

Survival-Spiele leben oft von einem interessanten Widerspruch. Einerseits erzeugen sie Druck durch Ressourcenmanagement und Fortschrittssysteme, andererseits vermitteln sie ein Gefühl von Freiheit und Entschleunigung, das man in vielen anderen Genres kaum findet. Statt Termindruck, Arbeitsalltag und gesellschaftlichen Zwängen stehen Natur, Selbstversorgung und Kreativität im Mittelpunkt. Genau in diese Richtung schlägt auch Solarpunk ein. Das von Cyberwave entwickelte Survival-Abenteuer setzt auf eine friedliche Vision der Zukunft, in der erneuerbare Energien, nachhaltige Technologien und ein Leben im Einklang mit der Natur die Grundlage bilden. Statt gegen Monster zu kämpfen oder eine Welt zu retten, baut man sich auf schwebenden Inseln ein neues Zuhause auf. Das klingt zunächst nach einer reizvollen Alternative zu den oftmals stressigen Vertretern des Genres. Nach vielen Stunden Spielzeit bleibt jedoch ein gemischter Eindruck zurück. Solarpunk bietet einige entspannende Ideen und gelungene Systeme, leidet jedoch unter fehlender Abwechslung, wenig Persönlichkeit und einer Identitätskrise bei seinen eigenen Themen.

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Ein friedlicher Neuanfang in den Wolken

Wie viele Survival-Spiele beginnt auch Solarpunk mit nahezu nichts. Der Spieler wacht auf einer schwebenden Insel auf, ausgestattet mit einer simplen Mahlzeit und den nötigsten Werkzeugen. Nach einer kurzen Einführung wird man weitgehend sich selbst überlassen. Eine klassische Handlung existiert nicht. Es gibt keine NPCs, keine Questgeber und keine große Geschichte, die den Spieler antreibt. Stattdessen liegt der Fokus vollständig auf dem Aufbau einer eigenen Existenz. Häuser müssen errichtet, Felder bestellt und Produktionsketten aufgebaut werden. Für manche Spieler dürfte genau das ein großer Pluspunkt sein. Wer sich nach einem möglichst stressfreien Erlebnis sehnt, findet hier eine angenehm entschleunigte Spielwelt. Andere werden jedoch schnell feststellen, dass dem Spiel dadurch wichtige Motivationselemente fehlen.

Bekannte Survival-Kost ohne große Überraschungen

Spieler, die bereits Titel wie Minecraft, Valheim oder zahlreiche andere Survival-Simulationen gespielt haben, werden sich sofort zurechtfinden. Nahrung, Wasser und Gesundheit bilden die zentralen Überlebensmechaniken. Beeren sammeln, Regenwasser auffangen und regelmäßig essen reichen meist aus, um alle Bedürfnisse problemlos zu erfüllen. Gefahren gibt es kaum. Feinde fehlen komplett und ernsthafte Bedrohungen entstehen höchstens durch Stürze oder Vernachlässigung der Grundbedürfnisse. Dadurch entsteht zwar eine äußerst entspannte Atmosphäre, gleichzeitig fehlt jedoch jegliche Spannung. Der eigentliche Kern des Spiels liegt daher im Sammeln von Ressourcen und im Crafting. Holz, Stein, Erze und Pflanzen werden verarbeitet, um neue Werkzeuge, Maschinen und Gebäude freizuschalten. Besonders in den ersten Stunden entsteht dabei ein angenehmer Spielfluss. Ständig gibt es neue Gegenstände zu entdecken und weitere Produktionsketten aufzubauen.

Forschung und Automatisierung sorgen für Motivation

Eines der gelungensten Systeme von Solarpunk ist die Verbindung aus Forschung und Automatisierung. Über einen Forschungstisch werden neue Baupläne freigeschaltet, während spätere Maschinen viele zuvor manuelle Aufgaben übernehmen. Dabei spielt erneuerbare Energie eine zentrale Rolle. Solarpanels, Generatoren, Batterien und intelligente Sensoren sorgen dafür, dass Felder automatisch bewässert oder Rohstoffe eigenständig verarbeitet werden. Gerade dieser Fortschritt vermittelt ein befriedigendes Gefühl. Anfangs erledigt man jede Aufgabe selbst, später entsteht ein nahezu autarkes System, das große Teile der Arbeit übernimmt. Wer Freude daran hat, effiziente Produktionsnetzwerke aufzubauen, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen. Leider tritt nach einigen Stunden ein Problem auf. Viele Produktionsprozesse benötigen schlicht zu viel Wartezeit. Pflanzen wachsen langsam, Materialien werden nur verzögert verarbeitet und regelmäßig entsteht das Gefühl, auf den nächsten Fortschritt warten zu müssen. Dadurch verliert der Spielfluss zunehmend an Dynamik.

Schöne Ideen, fragwürdige Umsetzung der Solarpunk-Philosophie

Der Begriff Solarpunk steht normalerweise für eine Zukunftsvision, in der Mensch und Natur harmonisch zusammenleben. Technologie dient dabei dem Schutz der Umwelt statt ihrer Ausbeutung. Genau hier gerät das Spiel jedoch in einen gewissen Widerspruch. Zwar nutzt man ausschließlich nachhaltige Energiequellen und kann Bäume nachpflanzen, gleichzeitig verwandelt man eine ursprünglich unberührte Naturlandschaft schrittweise in eine industrielle Produktionsanlage. Viele Pflanzen verschwinden dauerhaft nach der Ernte und die zahlreichen Maschinen verändern die einst friedlichen Inseln erheblich. Dadurch entsteht das Gefühl, dass Solarpunk seine eigene Botschaft nicht konsequent zu Ende denkt. Die Grundidee bleibt sympathisch, wird aber nicht vollständig ausgeschöpft.

Später lassen sich auch Tiere halten. Hühner bilden den Einstieg in die Tierzucht, später folgen weitere Nutztiere. Leider gehören die Tiere zu den schwächsten Bestandteilen des Spiels. Zwar liefern sie wichtige Ressourcen wie Eier, wirken jedoch erstaunlich leblos. Beziehungen oder Interaktionen existieren praktisch nicht. Die Tiere lassen sich nicht streicheln oder individuell betreuen und fungieren letztlich lediglich als weitere Produktionsgebäude mit Beinen. Gerade Fans von Farming-Spielen wie Stardew Valley oder Story of Seasons dürften hier deutlich mehr Persönlichkeit vermissen.

Die Welt verliert schnell ihren Reiz

Sobald das erste Luftschiff gebaut wurde, öffnet sich die Spielwelt. Neue schwebende Inseln können erkundet werden und bieten zusätzliche Ressourcen. Anfangs wirkt dieses System vielversprechend. Neue Gebiete zu entdecken sorgt für Neugier und motiviert zum Weiterforschen. Leider wird schnell deutlich, dass fast jede Insel nach dem gleichen Muster funktioniert. Man landet, sammelt die neuen Rohstoffe ein und verlässt das Gebiet anschließend wieder. Es gibt kaum Gründe zurückzukehren. Händler, besondere Ereignisse oder einzigartige Belohnungen fehlen nahezu vollständig. Dadurch verliert die Erkundung überraschend schnell ihren Reiz. Nach etwa zehn Stunden stellte sich bei mir zunehmend Routine ein. Neue Inseln bedeuteten meist lediglich neue Rohstoffe statt neuer Erlebnisse.

Das Bausystem ist das wahre Highlight

Wo Solarpunk jedoch wirklich glänzt, ist der Hausbau. Die verfügbaren Baumöglichkeiten sind beeindruckend umfangreich und erlauben die Konstruktion wunderschöner Gebäude. Verschiedene Wandtypen, Dachformen, Fenster, Glasbauteile und Dekorationsobjekte bieten enorm viel kreativen Freiraum. Besonders Gewächshäuser, Veranden und futuristische Wohnhäuser lassen sich eindrucksvoll gestalten. Wer gerne stundenlang Häuser plant und dekoriert, dürfte hier die größte Freude haben. Das Bausystem gehört ohne Zweifel zu den stärksten Aspekten des gesamten Spiels. Optisch präsentiert sich Solarpunk solide. Die schwebenden Inseln, die friedliche Atmosphäre und die farbenfrohen Landschaften sorgen für eine angenehme Stimmung. Gleichzeitig fehlt es der Spielwelt oft an markanten Highlights. Auch technisch läuft nicht alles perfekt. Während meines Tests kam es mehrfach zu kleineren Bugs beim Andocken des Luftschiffs. In einigen Fällen öffneten sich die Türen nicht korrekt oder mein Charakter fiel durch die Spielwelt. Größere Probleme traten zwar nicht auf, dennoch wirken einige Systeme noch etwas unfertig.

Fazit

Solarpunk bietet eine entspannte Survival-Erfahrung, die vor allem Spieler ansprechen dürfte, die Wert auf Bauen, Ressourcenmanagement und Automatisierung legen. Das Spiel erzeugt eine angenehme Wohlfühlatmosphäre und überzeugt insbesondere mit seinem gelungenen Bausystem. Gleichzeitig fehlt es der Welt an Persönlichkeit. Die Erkundung bleibt oberflächlich, Charaktere und Geschichten fehlen komplett und viele Systeme wirken lediglich funktional statt inspirierend. Hinzu kommt, dass die eigentliche Solarpunk-Idee nicht immer konsequent umgesetzt wird. Wer ein ruhiges Survival-Spiel ohne Kämpfe sucht und gerne kreative Bauprojekte umsetzt, kann hier viele entspannte Stunden verbringen. Wer jedoch nach einer lebendigen Welt, spannenden Entdeckungen oder einer packenden Geschichte sucht, wird vermutlich schnell das Interesse verlieren.

Gesamtwertung: 8/10

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