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Echoes of Aincard: Sword Art Online Test/Review

Mit Sword Art Online: Echoes of Aincrad kehrt Bandai Namco zu den Wurzeln der beliebten Anime- und Light-Novel-Reihe zurück. Statt die späteren Handlungsstränge aufzugreifen, erzählt das Action-RPG den legendären Aincrad-Arc erneut. Diesmal jedoch aus der Perspektive eines selbst erstellten Charakters. Dieser frische Blickwinkel verleiht der Geschichte neue Möglichkeiten und sorgt dafür, dass sich selbst langjährige Fans nicht einfach nur durch eine bekannte Handlung kämpfen. Auf dem Papier wirkt Echoes of Aincrad wie ein echter Neustart für die Videospielreihe. Höheres Produktionsniveau, ein komplett neues Kampfsystem und deutlich mehr Fokus auf Atmosphäre sollen das bislang beste Sword Art Online-Spiel liefern. Leider bleibt das Ergebnis hinter seinen Möglichkeiten zurück. Denn obwohl viele gute Ideen vorhanden sind, scheitert das Spiel immer wieder an unausgereiften Mechaniken und monotonem Missionsdesign.

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Zurück in das tödliche MMORPG

Wie bereits im Anime findet ihr euch in einem Virtual-Reality-MMORPG wieder, dessen Entwickler die Spieler in der Welt gefangen hält. Der einzige Weg in die Freiheit führt über das Abschließen aller 100 Ebenen von Aincrad. Wer im Spiel stirbt, stirbt auch in der Realität. Anstatt jedoch Kirito zu steuern, erstellt ihr euren eigenen Helden und erlebt die Ereignisse aus einer neuen Perspektive. Das sorgt für frischen Wind, ohne die bekannten Figuren komplett aus dem Fokus zu nehmen. Charaktere wie Kirito, Asuna oder Klein begegnen euch regelmäßig und spielen weiterhin wichtige Rollen. Die ersten Stunden dienen als ausführlicher Prolog und beginnen bereits während des Beta-Tests von Sword Art Online. Dabei erklärt das Spiel sämtliche Systeme sehr ausführlich und vermittelt glaubwürdig den langen Weg vom unerfahrenen Spieler bis zum kampferprobten Überlebenden.

Echoes of Aincrad setzt bewusst auf eine langsame Erzählweise. Statt ständig spektakuläre Ereignisse aneinanderzureihen, zeigt das Spiel den Alltag der gefangenen Spieler, ihre Ängste und den mühsamen Überlebenskampf. Genau darin liegt eine der größten Stärken des Spiels. Die düstere Grundstimmung des Death-Game-Arcs wird hervorragend eingefangen und vermittelt ein deutlich bedrückenderes Gefühl als viele frühere SAO-Spiele. Die Dialoge zwischen den Figuren bauen Beziehungen glaubwürdig auf und lassen die stetige Bedrohung jederzeit spürbar bleiben. Allerdings benötigt die Handlung sehr viel Anlauf. Erst nach mehreren Stunden gewinnt die Geschichte merklich an Fahrt. Bis dahin müssen zahlreiche eher belanglose Nebenaufgaben absolviert werden, die den Spielfluss unnötig ausbremsen.

Riesige Gebiete mit erstaunlich wenig Inhalt

Die einzelnen Quests führen euch in weitläufige Areale, die miteinander verbunden sind und eine halb offene Spielwelt bilden. Leider bleibt von der anfänglichen Faszination nicht viel übrig. Die Karten wirken häufig leer und bieten kaum interessante Entdeckungen. Statt versteckter Geheimnisse oder spannender Nebenaktivitäten rennt ihr meist lediglich von einem Zielmarker zum nächsten. Schatztruhen enthalten zudem oftmals wenig lohnende Beute, wodurch sich Erkundung kaum auszahlt. Diese monotone Struktur zieht sich über weite Teile des Spiels und gehört zu den größten Schwächen von Echoes of Aincrad. Spielerisch orientiert sich Echoes of Aincrad stärker an modernen Soulslikes als an klassischen Action-RPGs. Gegner erscheinen nach dem Tod erneut, Bosskämpfe finden hinter typischen Nebeltoren statt und das Kampfsystem setzt stark auf Ausweichrollen, präzises Timing und das Beobachten von Angriffsmustern. Gleichzeitig sorgen Rastpunkte dafür, dass ihr eure Gesundheit regenerieren und als Checkpoint nutzen könnt. Die Idee funktioniert grundsätzlich gut und passt überraschend gut zur gefährlichen Welt von Aincrad.

Das Kampfsystem bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück

Leider krankt genau dieser zentrale Bestandteil an zahlreichen Problemen. Sämtliche Waffen fühlen sich erstaunlich leicht und nahezu gewichtslos an. Schläge vermitteln kaum Wucht und selbst Treffer auf Gegner erzeugen nur wenig spürbares Feedback. Umgekehrt reagieren auch eure Gegner oft merkwürdig auf Angriffe. Entweder fliegen sie spektakulär durch die Arena oder zeigen nahezu keinerlei Trefferanimationen. Dadurch fehlt vielen Kämpfen das befriedigende Gefühl, das Soulslikes normalerweise auszeichnet. Positiv fallen immerhin die spektakulären Sword Skills auf, die ordentlich inszeniert sind und den Kämpfen etwas Dynamik verleihen. Auch eure KI-Begleiter schlagen sich erstaunlich gut. Sie übernehmen Gegner, lenken Bosse ab und retten euch regelmäßig aus brenzligen Situationen.

Mehrere Gegner sorgen für Frust

Besonders problematisch wird das Kampfsystem, sobald mehrere Gegner gleichzeitig angreifen. Obwohl das Spiel grundsätzlich darauf ausgelegt ist, Feinde einzeln auszuschalten, werfen euch viele Bosskämpfe ganze Gegnergruppen entgegen. Da Animationen oftmals schwer lesbar sind und Angriffe von außerhalb des Bildschirms erfolgen, entstehen regelmäßig unfair wirkende Situationen. Hier zeigt sich deutlich, dass das Kampfsystem nicht genügend Möglichkeiten bietet, um solche chaotischen Kämpfe sauber zu kontrollieren.

Motivierender Fortschritt

Einen großen Pluspunkt stellt hingegen das Fortschrittssystem dar. Besiegte Gegner lassen regelmäßig Waffen mit zufälligen Eigenschaften fallen. Nicht benötigte Ausrüstung kann genutzt werden, um Lieblingswaffen aufzuwerten oder besondere Fähigkeiten zu übertragen. Dadurch entsteht schnell der Wunsch, immer bessere Kombinationen zu erschaffen. Zusammen mit dem klassischen Levelaufstieg und den frei verteilbaren Fertigkeitspunkten entwickelt sich eine motivierende Loot-Spirale, die gerade Genrefans lange beschäftigen dürfte. Wer Freude daran hat, immer stärkere Ausrüstung zu sammeln und seinen Charakter kontinuierlich zu optimieren, findet hier einen der gelungensten Aspekte des Spiels. Neben dem Kampfsystem enttäuscht Echoes of Aincrad leider auch bei den Komfortfunktionen.

Das Spiel lässt sich selbst während längerer Zwischensequenzen nicht pausieren. Noch problematischer wird es, wenn ihr eine Quest vorzeitig beendet. Beim erneuten Laden müsst ihr weite Teile des Abschnitts erneut spielen, sämtliche Zwischensequenzen noch einmal ansehen und verliert sogar die während der Mission gefundene Beute. Gerade bei den oft sehr langen Missionen durch riesige Gebiete wirkt diese Designentscheidung unnötig frustrierend. Hinzu kommen gelegentliche Framerate-Einbrüche in größeren Kämpfen oder dicht bevölkerten Bereichen, die den ansonsten ordentlichen technischen Eindruck etwas trüben. Nach Abschluss des Spiels wird zusätzlich der sogenannte Death Game Mode freigeschaltet. Hier bedeutet eine Niederlage den endgültigen Verlust des Spielstands, ganz wie im Anime. Die Idee passt hervorragend zum Szenario, dürfte aufgrund des langsamen Einstiegs und der teilweise unfairen Kämpfe aber wohl nur die härtesten Fans reizen.

Fazit

Sword Art Online: Echoes of Aincrad versteht hervorragend, warum der Aincrad-Arc bis heute als Höhepunkt der Reihe gilt. Die düstere Atmosphäre, die glaubwürdige Bedrohung und die starke Charakterentwicklung transportieren den Geist der Vorlage besser als viele frühere Spiele. Leider stehen dem gelungene Ideen zahlreiche spielerische Schwächen gegenüber. Das monotone Questdesign, die leeren Gebiete, das unausgereifte Kampfsystem und einige fragwürdige Komfortentscheidungen verhindern, dass Echoes of Aincrad sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Wer die Welt von Sword Art Online liebt und Freude an umfangreichen Loot-Systemen sowie langsamem Charakteraufbau hat, wird dennoch viele Stunden Spaß finden. Für Action-RPG-Fans ohne Bezug zur Vorlage gibt es allerdings deutlich rundere Genrevertreter.

Gesamtwertung: 7/10

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