Mit The Expanse: Osiris Reborn schlägt Owlcat Games eine überraschend neue Richtung ein. Das Studio, das bislang vor allem für komplexe isometrische Rollenspiele bekannt war, wechselt nicht nur auf die Unreal Engine 5, sondern auch direkt in die Third-Person-Perspektive. Das Ergebnis erinnert erstaunlich stark an Mass Effect und könnte genau jene Lücke füllen, die BioWares Sci-Fi-Reihe seit Jahren hinterlassen hat. Die Handlung spielt im Universum der Romane von James S.A. Corey, erzählt aber weitgehend ihre eigene Geschichte. Wir übernehmen die Rolle eines Mitarbeiters von Pinkwater Security, der einen viralen Ausbruch auf der Eros Station überlebt. Dahinter steckt offenbar die Organisation Protegen, die im weiteren Verlauf eine zentrale Rolle einnimmt. Kenntnisse der Bücher oder der TV-Serie sollen dabei nicht zwingend erforderlich sein.

Third-Person-RPG statt Textwüste
Schon spielerisch unterscheidet sich Osiris Reborn stark von bisherigen Owlcat-Titeln. Statt einer isometrischen Ansicht bewegen wir uns direkt durch dreidimensionale Umgebungen, während Dialoge cinematic inszeniert werden. Sämtliche wichtigen Figuren sind vertont und die massiven Textblöcke früherer Spiele wurden deutlich reduziert. Das bedeutet allerdings nicht, dass Owlcat seine RPG-Wurzeln vergessen hätte. Gespräche bieten zahlreiche Antwortmöglichkeiten, Entscheidungen können unmittelbare oder spätere Konsequenzen haben und regelmäßig kommen klassische Skillchecks zum Einsatz. Gerade diese Mischung wirkt vielversprechend. Osiris Reborn sieht zunächst wie ein klassisches Action-RPG aus, besitzt darunter aber offenbar weiterhin die Rollenspieltiefe, für die das Studio bekannt ist.
Auch beim Kampfsystem drängt sich der Vergleich mit Mass Effect regelrecht auf. Gefechte laufen vollständig in Echtzeit ab und werden aus der Schulterperspektive gespielt. Deckungen sind wichtig, Schusswaffen besitzen spürbaren Rückstoß und Treffer geben ordentliches Feedback. Besonders relevant sind die Begleiter. Sie lassen sich gezielt in Deckung schicken oder auf bestimmte Gegner ansetzen, wodurch selbst hektischere Feuergefechte einen taktischen Einschlag bekommen. Das System wirkt bislang nicht revolutionär, aber erfreulich solide. Gerade in Kombination mit den Dialogen, Entscheidungen und dem eher bodenständigen Sci-Fi-Szenario entsteht schnell dieses klassische Space-RPG-Gefühl, das derzeit nur wenige Spiele bieten.
Optisch macht The Expanse: Osiris Reborn bereits einen sehr starken Eindruck. Detaillierte Materialien, aufwendige Reflexionen und realistisch gestaltete Umgebungen zeigen deutlich, was Owlcat aus der Unreal Engine 5 herausholen möchte. Der Preis dafür ist momentan allerdings etwas spürbar. In der angespielten Version kam es zweimal zu Abstürzen. Angesichts des noch entfernten Veröffentlichungstermins ist das allerdings noch kein Grund zur Panik. Hier bleibt ausreichend Zeit für Optimierung. Auch das Writing wirkt bislang etwas weniger stark als bei Owlcat-Spielen wie Pathfinder. Ob das an der stärker cinematic ausgerichteten Präsentation liegt oder sich im vollständigen Spiel noch ändert, bleibt abzuwarten. Wir sind auf jeden Fall sehr gesapnnt auf den Titel und glauben dass das eines des interessantesten und besten Sci-Fi RPGs werden kann.
Fazit
The Expanse: Osiris Reborn entwickelt sich zu einem ausgesprochen interessanten Sci-Fi-RPG. Third-Person-Kämpfe, taktisch einsetzbare Begleiter, umfangreiche Dialogoptionen und klassische Skillchecks erinnern stark an Mass Effect, ohne dass Owlcat seine eigene Rollenspiel-DNA vollständig ablegt. Die Geschichte muss erst beweisen, dass sie mit den stärksten Werken des Studios mithalten kann. Die Grundlage ist allerdings enorm vielversprechend. Sollte Owlcat die technischen Probleme bis zum Release beheben und die erzählerischen Qualitäten weiter ausbauen, könnte Osiris Reborn tatsächlich zu einem der interessantesten Sci-Fi-RPGs der kommenden Jahre werden.

