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Captain Tsubasa 2: World Fighters Test/Review

Realistischer Fußball hat in Videospielen zweifellos seine Berechtigung. Wer aber schon einmal einen Sport-Anime gesehen hat, weiß auch, dass ein Match wesentlich unterhaltsamer werden kann, wenn ein einfacher Torschuss plötzlich wie der finale Angriff eines Shōnen-Helden inszeniert wird. Genau in dieser Disziplin fühlt sich Captain Tsubasa 2: World Fighters zu Hause. Hier geht es nicht um möglichst glaubwürdige Ballphysik oder taktische Feinheiten auf Bundesliga-Niveau, sondern um spektakuläre Spezialangriffe, absurde Tacklings, dramatische Rivalitäten und eine Geschichte, in der ein Fußballspiel schon einmal über das Schicksal eines Charakters zu entscheiden scheint.

Damit knüpft der Nachfolger direkt an Captain Tsubasa: Rise of New Champions aus dem Jahr 2020 an und setzt dessen Geschichte unmittelbar fort. Tsubasa ist inzwischen etwas älter geworden und verfolgt seinen Traum, in Brasilien zum Profifußballer aufzusteigen. Gleichzeitig steht ein internationales Jugendturnier bevor, bei dem Japan natürlich auf seinen Ausnahmespieler angewiesen ist. Inhaltlich bewegt sich das Spiel damit im World-Youth-Bereich der Vorlage und schöpft dessen Hang zum großen Drama genüsslich aus.

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Schon früh begegnet man Spielern, deren persönliche Geschichten problemlos eine komplette Seifenoper füllen könnten. Da werden nach gewonnenen Turnieren plötzlich wahre Namen und tragische Vergangenheiten enthüllt, während andere Charaktere selbst nach einem Tor keinen Ansatz eines Lächelns zeigen. Captain Tsubasa 2 nimmt diese Dramatik vollkommen ernst und ist gerade deshalb so unterhaltsam. Man muss die Anime- oder Manga-Vorlage nicht auswendig kennen, um daran Gefallen zu finden. Wer bereits Fan ist, bekommt natürlich deutlich mehr Anspielungen und bekannte Gesichter geboten.

Zwischen Fußballplatz und Anime-Drama

Interessanterweise spielen wir innerhalb der Kampagne nicht ausschließlich Tsubasa selbst. Stattdessen erstellen wir zu Beginn einen eigenen Charakter, der anschließend Teil der Handlung wird. Gesicht, Frisur und weitere Merkmale lassen sich entsprechend anpassen, wobei die eigene Figur in den zahlreichen Zwischensequenzen häufig eher als stiller Beobachter fungiert. Das ist eine etwas merkwürdige Entscheidung. Einerseits soll unser Avatar offensichtlich eine Verbindung zwischen Spieler und Geschichte herstellen, andererseits besitzt er kaum eine eigene Persönlichkeit. Während Tsubasa und seine Mitspieler große emotionale Konflikte austragen, steht der selbst erstellte Nachwuchskicker gerne etwas verloren im Hintergrund.

Je nachdem, wie absurd man seinen Charakter gestaltet hat, entwickelt das zumindest einen gewissen unfreiwilligen Charme. Überhaupt nimmt die Geschichte überraschend viel Raum ein. Wer bei einem Fußballspiel erwartet, nach wenigen Minuten auf dem Rasen zu stehen, dürfte von Captain Tsubasa 2 zunächst überrascht werden. Gerade in der Kampagne wird viel gelesen und zugeschaut. Neben der Haupthandlung gibt es zahlreiche optionale Charaktergeschichten und kleinere Episoden, durch die man die verschiedenen Spieler besser kennenlernt.

Fans der Reihe werden unfassbaren Spaß haben

Für Fans der Vorlage ist das ein Fest. Auch Neueinsteiger können sich schnell in den wunderbar überzeichneten Persönlichkeiten verlieren. Wer allerdings hauptsächlich Fußball spielen möchte und mit Anime-Dramatik wenig anfangen kann, wird sich regelmäßig fragen, wann endlich wieder der Anpfiff erfolgt. Selbst für Freunde der Geschichte gerät das Verhältnis zwischen Dialogen und tatsächlichen Matches gelegentlich aus der Balance. Sobald der Ball dann endlich rollt, orientiert sich Captain Tsubasa 2 zumindest in seinen Grundlagen an vertrauten Fußballspielen.

 

Der Ball wird durch die eigenen Reihen gepasst, Gegenspieler müssen überwunden und schließlich Abschlusspositionen geschaffen werden. Wirklich normal bleibt allerdings kaum eine dieser Aktionen. Besonders deutlich wird das beim Torschuss. Torhüter verfügen über eine Art Ausdauer beziehungsweise Lebensenergie, die durch erfolgreiche Abschlüsse reduziert wird. Beim Schuss bestimmen wir zusätzlich die gewünschte Richtung. Je nachdem, wie der Keeper reagiert, wird dessen Widerstand unterschiedlich stark geschwächt. Erst wenn seine Reserven aufgebraucht sind, lässt sich der Ball zuverlässig im Netz versenken.

Auch der Weg zum Strafraum funktioniert anders als bei klassischen Fußballsimulationen. Verschiedene Dribbling-Manöver ermöglichen es, an heranstürmenden Verteidigern vorbeizukommen. Wer diese Aktionen im richtigen Moment ausführt, baut eine Kette erfolgreicher Manöver auf und kann dadurch unter anderem die Stärke späterer Abschlüsse erhöhen. Das klingt zunächst komplizierter, als es tatsächlich ist. Die Tutorials erklären die ungewöhnlichen Systeme verständlich und führen schrittweise an die Eigenheiten des Spiels heran.

Wenn ein Tackling über den halben Platz reicht

Die eigentliche Attraktion sind ohnehin die Spezialfähigkeiten. Captain Tsubasa wäre schließlich nicht Captain Tsubasa, wenn Fußballspieler einfach nur gewöhnlich grätschen oder einen Ball ins Tor schießen würden. Spezialtacklings lassen Akteure teilweise über gefühlt den halben Platz rutschen, während spektakuläre Schüsse mit einer Inszenierung präsentiert werden, die eher an einen finalen Bossangriff als an ein Fußballspiel erinnert. Besonders verrückt wird es bei gemeinsamen Fähigkeiten. Mehrere Spieler kombinieren ihre Kräfte, vollführen akrobatische Manöver und schicken den Ball mit einer solchen Wucht Richtung Tor, dass sich die Frage nach realistischen Fußballregeln endgültig erledigt hat.

Wer bereits Mario Strikers für übertrieben hält, bekommt hier noch einmal eine völlig andere Größenordnung geboten. Genau diese hemmungslose Überzeichnung ist die größte Stärke von Captain Tsubasa 2. Ein spektakulärer Angriff ist nicht einfach effektiv, sondern gleichzeitig eine kleine Belohnung fürs Auge. Selbst nach zahlreichen Matches macht es Spaß, die aufwendigen Animationen zu beobachten und neue Fähigkeiten auszuprobieren.

Der Umfang wächst

Abseits der Kampagne wächst der Umfang des Spiels mit zunehmender Spielzeit. Beim ersten Start wirkt das Hauptmenü noch überraschend überschaubar, doch nach und nach werden weitere Modi freigeschaltet. Dazu gehören umfangreichere Möglichkeiten zur Erstellung eigener Inhalte und zur Bearbeitung von Mannschaften sowie klassische Partien und Online-Matches. Gerade Spieler, die gerne an Teams und Charakteren herumbasteln, finden hier einiges zu tun. Der Online-Bereich fällt dagegen vergleichsweise übersichtlich aus. Grundsätzlich ist es schön, gegen andere Spieler antreten zu können, doch Captain Tsubasa 2 wirkt nicht wie ein Titel, dessen langfristiger Reiz hauptsächlich aus kompetitiven Ranglistenpartien entstehen soll.

Die große Stärke liegt eindeutig in seiner Kampagne, den Figuren und dem Spektakel auf dem Platz. Optisch präsentiert sich Captain Tsubasa 2 ebenfalls hervorragend. Die Anime-Ästhetik passt perfekt zur Vorlage und wird vor allem während der Spezialaktionen wirkungsvoll ausgespielt. Charaktermodelle sind ausdrucksstark, Effekte bewusst überzogen und die Inszenierung versteht genau, wann sie komplett eskalieren darf. Dazu kommt der herrlich eigenwillige Stil der Figuren. Frisuren und Outfits wirken teilweise wie direkt aus einer anderen Fußballära importiert, was dem Ganzen zusätzlichen Charme verleiht.

Fazit

Ganz perfekt ist Captain Tsubasa 2: World Fighters trotzdem nicht. Einige spielerische Systeme wirken etwas schwerfällig und verhindern, dass die eigentlichen Matches jene flüssige Präzision erreichen, die man von den besten Arcade-Sportspielen kennt. Wer ausschließlich nach dem spielerisch besten virtuellen Fußball sucht, findet anderswo sicherlich rundere Alternativen. Hinzu kommt der enorme Anteil an Geschichte. Dass Captain Tsubasa 2 seine Charaktere und Handlung ernst nimmt, gehört zu seinen größten Stärken, kann gleichzeitig aber auch zur Schwäche werden. Es gibt Abschnitte, in denen man sich einfach wünscht, etwas schneller wieder selbst den Ball treten zu dürfen. Der eigene Avatar bleibt ebenfalls eine etwas überflüssige Ergänzung, da ihm trotz seiner vermeintlich zentralen Rolle kaum Persönlichkeit zugestanden wird.

Wer sich damit arrangieren kann, bekommt allerdings ein wunderbar überdrehtes Anime-Fußballspiel. Captain Tsubasa 2: World Fighters möchte kein Konkurrent zu EA Sports FC sein und profitiert enorm davon. Statt taktischer Authentizität stehen spektakuläre Spezialaktionen, schräge Charaktere und eine Geschichte voller großer Emotionen im Mittelpunkt. Gerade diese Mischung macht den Titel so sympathisch. Tore werden hier nicht einfach erzielt, sondern regelrecht zelebriert. Tacklings gleichen Superangriffen und Rivalitäten besitzen mehr Drama als so manche komplette Fernsehserie. Fans von Captain Tsubasa dürften sich sofort zu Hause fühlen, doch auch Neueinsteiger mit einer Vorliebe für Arcade-Sport und Anime können problemlos ihren Spaß haben. Wer Fußball am liebsten möglichst realistisch serviert bekommt, dürfte mit dem Konzept wenig anfangen können. Wer dagegen schon immer der Meinung war, dass ein Fallrückzieher erst dann richtig gut ist, wenn dabei sämtliche Gesetze der Physik ignoriert werden, sollte Captain Tsubasa 2: World Fighters definitiv auf dem Schirm haben.

Captain Tsubasa 2: World Fighters

Captain Tsubasa 2: World Fighters
84 100 0 1
84/100
Total Score
  • Spielspaß
    90/100 Amazing
  • Grafik
    90/100 Amazing
  • Gameplay
    80/100 Very good
  • Sound
    75/100 Very good
  • Umfang
    85/100 Amazing

Positiv

  • Anime-Fußball wie in der Serie
  • neue Gameplayfunktionen fügen sich wunderbar ein
  • viel Freschaltbares
  • grafisch schön übertrieben

Negativ

  • sehr viel Text in der Story
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