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Serious Sam: Shatterverse Test/Review

Serious Sam gehört seit jeher zu den Shootern, bei denen Zurückhaltung keine besonders große Rolle spielt. Riesige Gegnerhorden, absurde Waffen, permanenter Beschuss und ein Protagonist, dessen Humor ähnlich subtil ausfällt wie eine Rakete mitten ins Gesicht, gehören seit Jahrzehnten zur Identität der Reihe. Mit Serious Sam: Shatterverse wagt die Marke nun allerdings einen ungewöhnlich großen Schritt. Statt einfach den nächsten klassischen Shooter zu liefern, kombiniert der neue Ableger die bekannte Daueraction mit Multiplayer und Roguelike-Elementen. Noch ungewöhnlicher ist der Wechsel hinter den Kulissen. Erstmals stammt ein Serious-Sam-Spiel nicht von Croteam, stattdessen übernimmt Behaviour Interactive das Ruder.

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Das Ergebnis erschien am 31. August für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Für unseren Test haben wir uns auf der PS5 durch die Gegnerhorden geschossen. Der dafür kostenlos zur Verfügung gestellte Key hat selbstverständlich keinen Einfluss auf unsere Bewertung. Shatterverse besitzt durchaus gute Ideen und schafft es erstaunlich häufig, trotz der deutlich veränderten Struktur nach Serious Sam zu klingen und sich auch so anzufühlen. Allerdings benötigt das Spiel ungewöhnlich lange, bevor seine Roguelike-Systeme tatsächlich Spaß machen. Dazu kommen eine unübersichtliche Benutzeroberfläche und zu wenig Abwechslung bei den Umgebungen. Wer die schwierigen ersten Stunden übersteht, entdeckt trotzdem einen unterhaltsamen Koop-Shooter.

Willkommen im Serious-Multiversum

Multiversen sind inzwischen wahrlich keine neue Idee mehr und auch Serious Sam bedient sich für Shatterverse bei diesem Konzept. Die Geschichte geht davon aus, dass nicht nur eine Realität existiert, sondern unzählige alternative Universen mit jeweils eigenen Varianten von Sam „Serious“ Stone. Das gefällt seinem ewigen Widersacher Uber Mental natürlich überhaupt nicht. Dieser beginnt damit, unterschiedliche Versionen von Sam in den verschiedenen Realitäten auszuschalten. Sein Ziel ist wenig überraschend die vollständige Kontrolle über sämtliche Universen. Um das zu verhindern, wird das sogenannte Serious Program ins Leben gerufen. Statt einen einzelnen Sam gegen die Armeen des Bösewichts antreten zu lassen, werden verschiedene Varianten des Helden versammelt und gemeinsam in den Kampf geschickt.

Damit liefert Behaviour Interactive zumindest eine ausreichend verrückte Erklärung dafür, warum plötzlich mehrere Versionen von Serious Sam gleichzeitig durch die Levels rennen. Insgesamt stehen fünf Charaktere zur Auswahl, wobei zu Beginn lediglich eine Variante verfügbar ist. Die übrigen vier werden bereits nach einigen Durchläufen freigeschaltet, sodass man nicht allzu lange auf die vollständige Besetzung warten muss. Neben einem Alien Sam mit vier Armen gibt es einen bewusst überzeichneten Comic Sam, einen Retro Sam mit herrlich wenigen Polygonen, eine weibliche Variante und schließlich Broken Sam, der schon optisch deutlich mitgenommener wirkt als seine Kollegen. Trotz der teilweise völlig unterschiedlichen Designs ist jederzeit erkennbar, wer hier als Vorlage gedient hat.

Die Unterschiede beschränken sich glücklicherweise nicht auf das Aussehen. Jede Sam-Variante verfügt über eine eigene ultimative Fähigkeit und entwickelt dadurch zumindest mit fortschreitendem Spielverlauf eine eigene Identität. Etwas schade ist lediglich, dass Behaviour Interactive auf einen Charaktereditor verzichtet. Gerade in einem Spiel, dessen grundlegende Idee aus unterschiedlichen Versionen desselben Helden besteht, hätte ein eigener Serious Sam wunderbar ins Konzept gepasst. Dafür treffen die Dialoge zwischen den verschiedenen Charakteren erstaunlich gut den bekannten Ton der Reihe. Das mag nicht sonderlich anspruchsvoll sein, gehört aber genauso zu Serious Sam wie die kreischenden Gegnerhorden. Gerade weil diesmal nicht Croteam selbst verantwortlich ist, fällt positiv auf, wie gut Behaviour Interactive diese Seite der Marke eingefangen hat.

Serious Sam entdeckt das Roguelike

Spielerisch entfernt sich Shatterverse zunächst deutlich von seinen Vorgängern. Gleichzeitig reichen wenige Minuten aus, um sich wieder heimisch zu fühlen. Am Ende geht es schließlich weiterhin darum, große Areale zu betreten und alles zu vernichten, was sich darin bewegt. Dafür steht ein umfangreiches Waffenarsenal bereit. Neben zahlreichen alten Bekannten finden sich einige neue Schießeisen, während natürlich Klassiker wie Schrotflinte, Gatling Gun und Raketenwerfer nicht fehlen dürfen. Die Waffen werden über ein Auswahlrad gewechselt, was angesichts der teilweise hektischen Situationen sinnvoll ist. Unterschiedliche Gegner verlangen nach verschiedenen Lösungen und ein schneller Wechsel zwischen den verfügbaren Waffen kann entsprechend wichtig werden.

Jede Sam-Variante kann zusätzlich sprinten, springen und Nahkampfangriffe einsetzen. Gerade Letztere besitzen eine wesentlich größere Bedeutung, als zunächst vermutet werden könnte. Wird ein Gegner so weit geschwächt, dass sich seine Lebensanzeige im roten Bereich befindet, kann er per Nahkampfangriff erledigt werden. Als Belohnung erhält Sam einen Teil seiner verlorenen Lebensenergie zurück. Da klassische Heilgegenstände vergleichsweise selten auftauchen, entwickelt sich dieses System schnell zu einem der wichtigsten Bestandteile des gesamten Kampfsystems. Wer langfristig überleben möchte, sollte Gegner nicht einfach nur aus sicherer Entfernung erschießen, sondern gezielt Möglichkeiten für heilende Finisher schaffen.

Die eigentliche Neuerung steckt jedoch in der Roguelike-Struktur. Shatterverse schickt das Team durch verschiedene Biome, deren Levels bei jedem neuen Durchgang erneut generiert werden. Während eines Runs werden Erfahrungspunkte gesammelt und in Verbesserungen investiert. Dadurch lassen sich sowohl die Werte des jeweiligen Charakters als auch einzelne Waffen verstärken. Ein Teil des Fortschritts bleibt nach dem Ende eines Durchgangs erhalten und erleichtert zukünftige Versuche. Das ist grundsätzlich eine sinnvolle Struktur und passt überraschend gut zum kompromisslosen Kampfsystem von Serious Sam. Das Problem liegt allerdings im Tempo, mit dem Shatterverse seine Möglichkeiten freigibt.

Gerade zu Beginn fühlen sich viele Verbesserungen beinahe bedeutungslos an. Die Werte steigen nur geringfügig und nach einem gescheiterten Durchgang entsteht zu häufig der Eindruck, kaum stärker geworden zu sein. Dadurch fehlt ausgerechnet in den ersten Stunden eines Roguelikes das so wichtige Gefühl, bei jedem Versuch zumindest einen kleinen Schritt weiterzukommen. Wer genügend Zeit investiert, wird irgendwann belohnt. Mit zunehmenden Upgrades öffnen sich deutlich mehr Möglichkeiten und die verschiedenen Sam-Versionen entwickeln ihre eigenen spielerischen Stärken.

Wenn niemand mehr weiß, was gerade passiert

Chaos gehört zu Serious Sam und wäre normalerweise kaum ein Kritikpunkt. Shatterverse schafft es allerdings nicht immer, wichtige Informationen innerhalb dieses Chaos verständlich zu vermitteln. Das fällt insbesondere im Multiplayer auf. Wird ein Mitspieler ausgeschaltet, erscheint eine Warnung inklusive Position und einem begrenzten Zeitfenster für die Wiederbelebung. In einem ruhigen Spiel wäre das vollkommen ausreichend. Serious Sam ist aber selten ruhig. Wenn Explosionen den Bildschirm füllen, Gegner aus mehreren Richtungen anstürmen und überall Projektile durch die Luft fliegen, lässt sich die Meldung erstaunlich leicht übersehen. Das kann weitreichende Folgen haben. Stirbt ein Teammitglied endgültig, fehlt nicht einfach nur ein weiterer Spieler. Der komplette verbleibende Run wird deutlich schwieriger. Entsprechend frustrierend ist es, wenn ein Charakter nicht deshalb verloren geht, weil das Team schlecht reagiert hat, sondern weil die relevante Information zwischen Effekten und Gegnern schlicht untergegangen ist.

Das gleiche Problem betrifft die heilenden Nahkampfangriffe. Eigentlich soll der rote Bereich der gegnerischen Lebensanzeige signalisieren, dass ein Finisher möglich ist. In der Praxis ist der Blick längst beim nächsten Gegner, einer Explosion oder einem heranfliegenden Projektil. Gerade im Multiplayer wird deshalb häufig weitergeschossen, bevor überhaupt jemand die Chance bekommt, den Nahkampfangriff auszuführen. Damit sabotiert die Präsentation ausgerechnet eine Mechanik, die für das Überleben enorm wichtig ist. Eine deutlichere Markierung, ein auffälligeres Symbol oder ein stärkeres akustisches Signal hätten hier bereits viel geholfen. Aktuell fühlt es sich teilweise wie Glückssache an, ob der richtige Moment innerhalb des allgemeinen Bildschirmchaos erkannt wird.

Gute Grundlage, zu wenig Abwechslung

Grundsätzlich besitzt Serious Sam: Shatterverse einen funktionierenden Gameplay-Loop. Die Kombination aus klassischer Serious-Sam-Action und Roguelike-Fortschritt funktioniert besser, als man zunächst erwarten würde. Wenn das Team gut ausgerüstet ist, verschiedene Fähigkeiten zusammenspielen und immer größere Gegnergruppen auf dem Bildschirm auftauchen, entsteht genau die herrlich übertriebene Action, die man von der Reihe erwartet. Umso bedauerlicher ist, dass ausgerechnet die prozedural generierten Levels langfristig nicht genügend Abwechslung liefern. Das Konzept unterschiedlicher Biome wäre eigentlich hervorragend dafür geeignet, jeden Durchgang etwas anders wirken zu lassen. Dafür gibt es schlicht zu wenige Biome.

Die zufällige Generierung kann dieses Problem nur begrenzt kaschieren. Räume und Gegnerkonstellationen verändern sich, doch die grundlegenden Schauplätze werden schnell vertraut. Gerade bei einem Roguelike, das Spieler zu zahlreichen weiteren Runs motivieren möchte, ist das ein entscheidender Schwachpunkt. Dazu kommt der langsame Einstieg. Shatterverse zeigt seine interessantesten Systeme nicht schnell genug. Wer nach den ersten Durchläufen das Gefühl bekommt, ständig dieselben Dinge zu tun und dabei kaum stärker zu werden, könnte das Spiel bereits beiseitelegen, bevor die eigentliche Charakterentwicklung überhaupt interessant wird. Das ist besonders schade, weil genau danach eine deutlich bessere Erfahrung wartet. Sobald die Upgrades stärker ins Gewicht fallen und die Eigenheiten der unterschiedlichen Sams zur Geltung kommen, verändert sich das Spielgefühl merklich. Runs werden dynamischer, Builds interessanter und die Motivation, noch einen Versuch zu starten, steigt.

Fazit

Serious Sam: Shatterverse ist ein mutiges Experiment für eine Reihe, die lange Zeit von einer relativ klaren Formel gelebt hat. Behaviour Interactive übernimmt nicht einfach das bekannte Konzept von Croteam, sondern versucht, Serious Sam mit Koop-Multiplayer, mehreren Charaktervarianten und einer Roguelike-Struktur neu auszurichten. Überraschenderweise geht dabei nur wenig von der eigentlichen Identität verloren. Die Waffen fühlen sich vertraut an, Gegner treten weiterhin in absurd großen Mengen auf und der herrlich grobe Humor wurde erstaunlich gut getroffen. Auch die verschiedenen Versionen von Sam passen hervorragend zur Multiversum-Idee und unterscheiden sich dank ihrer Fähigkeiten zunehmend voneinander.

Das größte Problem ist, dass Shatterverse viel zu lange benötigt, um seine Stärken auszuspielen. Gerade während der ersten Runs fällt der permanente Fortschritt so gering aus, dass kaum das Gefühl entsteht, tatsächlich voranzukommen. Für ein Roguelike ist das gefährlich, denn genau diese Motivation ist normalerweise der Grund dafür, nach einer Niederlage sofort einen weiteren Versuch zu starten. Wer durchhält, bekommt später deutlich mehr geboten. Mit stärkeren Upgrades, unterschiedlichen Sam-Builds und einem wachsenden Waffenarsenal entwickelt das Spiel einen angenehm chaotischen Rhythmus. Leider verhindern die geringe Anzahl an Biomen und die daraus resultierende Wiederholung, dass die prozedural generierten Levels ihr eigentliches Potenzial ausschöpfen.

Auch die Benutzeroberfläche benötigt Nachbesserungen. Wichtige Hinweise auf gefallene Mitspieler oder mögliche heilende Nahkampfangriffe verschwinden viel zu leicht im Effektgewitter. Gerade in einem Spiel, das bewusst auf maximale Action setzt, müssten solche Informationen wesentlich deutlicher kommuniziert werden. Damit bleibt Serious Sam: Shatterverse ein interessantes, aber nicht vollständig ausgereiftes Experiment. Die Kombination aus Serious Sam und Roguelike funktioniert grundsätzlich und besitzt genügend Eigenständigkeit, um sich von klassischen Serienteilen abzusetzen.

Serious Sam: Shatterverse

Serious Sam: Shatterverse
76 100 0 1
76/100
Total Score
  • Spielspaß
    80/100 Very good
  • Grafik
    75/100 Very good
  • Gameplay
    75/100 Very good
  • Sound
    85/100 Amazing
  • Umfang
    65/100 Good

Positiv

  • Klassische Serious-Sam-Action trotz neuer Ausrichtung
  • Bekannter grober Humor gut eingefangen
  • Im Koop herrlich chaotisch

Negativ

  • Erste Runs vermitteln kaum ein Gefühl von Entwicklung
  • Prozedurale Levels schnell repetitiv
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