StartGaming HubYoshi and the Mysterious Book Test/Review

Yoshi and the Mysterious Book Test/Review

Die Yoshi-Reihe gehört seit Jahrzehnten zu den zugänglichsten Marken im Nintendo-Portfolio. Während viele Jump-&-Run-Spiele ihre Spieler mit schwierigen Herausforderungen, präzisem Timing oder komplexen Mechaniken konfrontieren, setzte Yoshi schon immer auf Charme, Kreativität und ein entspanntes Spielerlebnis. Titel wie Yoshi’s Woolly World und Yoshi’s Crafted World schafften dabei den Spagat zwischen familienfreundlicher Zugänglichkeit und cleverem Leveldesign erstaunlich gut. Mit Yoshi and the Mysterious Book versucht Entwickler Good-Feel nun erneut, frischen Wind in die Serie zu bringen. Das Ergebnis ist zwar ein sympathisches Abenteuer voller liebenswerter Ideen, verliert dabei aber einen großen Teil dessen, was die Reihe bislang so besonders gemacht hat.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Ein lebendiges Buch voller Geheimnisse

Die Handlung beginnt mit einem ungewöhnlichen Schauplatz. Yoshi findet sich im Inneren eines sprechenden Lexikons namens Mr. E wieder. Dieses geheimnisvolle Buch beherbergt zahlreiche Kreaturen, deren Geheimnisse es zu entdecken gilt. Natürlich dürfen auch bekannte Gesichter wie Bowser Jr. und Kamek nicht fehlen, allerdings spielen sie diesmal nur eine überraschend kleine Rolle. Optisch setzt das Spiel erneut auf einen einzigartigen Stil. Während Woolly World mit Wolltexturen und Crafted World mit Bastelmaterialien überzeugte, orientiert sich Mysterious Book an illustrierten Kinderbüchern. Figuren und Umgebungen besitzen einen charmanten Stop-Motion-Look, während verblassende Farben an den Seiten der Levels und dekorative Schriftzüge stets daran erinnern, dass man sich in einem Buch befindet. Leider entfaltet dieses Konzept nicht dieselbe Wirkung wie die kreativen Ideen der Vorgänger. Besonders im Handheld-Modus wirkt das Spiel überraschend unscharf. Die schwarzen Konturen vieler Objekte sehen pixelig aus und die Hintergründe bleiben oft detailarm. Auf dem Fernseher macht das Abenteuer eine deutlich bessere Figur, doch auch dort fehlt es vielen Arealen an visueller Vielfalt und Wiedererkennungswert.

Forschen statt Plattforming

Der größte Unterschied zu früheren Yoshi-Spielen zeigt sich im eigentlichen Spielprinzip. Statt klassischer Plattform-Level steht diesmal das Entdecken von Kreaturen im Mittelpunkt. Über die Seiten von Mr. E wählt man einzelne Gebiete aus, in denen verschiedene Wesen untersucht werden können. Jede Kreatur besitzt eigene Eigenschaften und Fähigkeiten. So stößt man beispielsweise früh auf die Glubbits, kleine Wesen, die Blasen erzeugen können und Yoshi dadurch neue Höhen erreichen lassen. Andere Tiere helfen beim Schwimmen oder ermöglichen den Zugang zu versteckten Bereichen. Für jede neue Entdeckung erhält man Sterne, die wiederum weitere Welten freischalten. Kleine Beobachtungen bringen einen Stern, größere Erkenntnisse gleich drei. Oft genügt es bereits, ein Wesen zu verschlucken oder seine Fähigkeit auszuprobieren, um neue Einträge im Lexikon freizuschalten. Dieses System sorgt zunächst für eine angenehme Neugier. Ständig entdeckt man neue Tiere und probiert aus, welche Geheimnisse sich hinter ihren Fähigkeiten verbergen. Gerade jüngere Spieler werden Freude daran haben, die verschiedenen Kreaturen zu erforschen und eigene Namen für sie zu vergeben.

Ein Spiel ohne Widerstand

So charmant die Grundidee auch ist, sie offenbart gleichzeitig das größte Problem des Spiels. Yoshi and the Mysterious Book ist unglaublich einfach. Nintendo hat die Reihe schon immer zugänglich gestaltet, doch diesmal scheint Good-Feel jede Form von Herausforderung vollständig entfernt zu haben. Yoshi ist dauerhaft unverwundbar und selbst Stürze in Abgründe werden automatisch korrigiert. Scheitern ist praktisch unmöglich. Das macht das Abenteuer zwar ideal für sehr junge Spieler, nimmt dem Spiel aber nahezu jede Spannung. Bereits nach wenigen Stunden hatte ich genügend Sterne gesammelt, um sämtliche Hauptwelten freizuschalten. Die wenigen Herausforderungen bestehen hauptsächlich aus den versteckten Blumen, die in den Levels gesammelt werden können. Diese dienen später zum Freischalten sogenannter Erkundungswerkzeuge. Dabei handelt es sich um optionale Benutzeroberflächen wie einen Blumenradar oder andere Hilfsmittel. Während einige dieser Werkzeuge durchaus sinnvoll sind, wirken andere völlig überflüssig. Warum ich beispielsweise eine permanente Anzeige für die Sprunghöhe von Yoshi benötigen sollte, bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Viele Ideen, wenig Entwicklung

Grundsätzlich mangelt es Yoshi and the Mysterious Book nicht an kreativen Einfällen. Die verschiedenen Kreaturen bringen interessante Fähigkeiten mit und sorgen regelmäßig für neue Situationen. Das Problem ist jedoch, dass diese Ideen selten über ihre jeweiligen Levels hinaus genutzt werden. Fast jede Kreatur bleibt auf ihr eigenes Gebiet beschränkt. Dadurch entsteht kaum ein Gefühl von Fortschritt oder Weiterentwicklung. Wo andere Plattformspiele neue Fähigkeiten miteinander kombinieren und immer komplexere Herausforderungen daraus entwickeln, wiederholt Mysterious Book immer wieder denselben Ablauf. Neue Kreatur entdecken, Fähigkeiten ausprobieren, Sterne sammeln, nächstes Gebiet freischalten. Nach einigen Stunden beginnt sich diese Struktur deutlich abzunutzen. Die Level fühlen sich eher wie kleine Sandkästen an als wie sorgfältig designte Plattform-Passagen. Besonders im Vergleich zu den dichten und abwechslungsreichen Welten von Woolly World wirkt das Spiel überraschend leer.

Für wen ist dieses Spiel eigentlich gedacht?

Während des gesamten Tests stellte sich mir immer wieder dieselbe Frage: Wer genau ist die Zielgruppe? Auf der einen Seite deutet alles auf ein Vorschulspiel hin. Die permanente Unverwundbarkeit, die simplen Aufgaben und die bekannten Kinderlieder in der Musik sprechen eine klare Sprache. Auf der anderen Seite enthält das Spiel erstaunlich viel Text. Mr. E kommentiert nahezu jede Entdeckung und viele Hinweise setzen bereits gewisse Lesefähigkeiten voraus. Gerade jüngere Kinder könnten damit Schwierigkeiten haben. Zusätzlich fehlt ein Koop-Modus vollständig. Das erscheint besonders merkwürdig, da sich das Spiel perfekt für gemeinsame Entdeckungstouren mit Eltern oder Geschwistern angeboten hätte. Als ich das Spiel meiner vierjährigen Tochter zeigte, fiel ihr Urteil nach weniger als einer Stunde überraschend eindeutig aus: „Können wir jetzt wieder Mario Kart spielen?“

Klangvoll und charmant

Was Musik und Sounddesign betrifft, liefert Nintendo gewohnt hohe Qualität. Die entspannte Hintergrundmusik passt hervorragend zur Atmosphäre und sorgt für eine angenehme Stimmung. Auch die Geräusche der Kreaturen und Yoshis typische Laute sind erneut voller Charme. Gerade jüngere Spieler dürften viel Freude daran haben, die verschiedenen Wesen allein aufgrund ihrer niedlichen Geräusche kennenzulernen.

Fazit

Yoshi and the Mysterious Book ist keineswegs ein schlechtes Spiel. Die Idee, eine Vielzahl unterschiedlicher Kreaturen zu erforschen und ihre Geheimnisse aufzudecken, besitzt durchaus ihren Reiz. Das Abenteuer versprüht den typischen Nintendo-Charme und bietet einige Stunden entspannte Unterhaltung. Gleichzeitig fehlt es dem Spiel an nahezu allem, was die besten Yoshi-Abenteuer ausgezeichnet hat. Die Level wirken leer, die Struktur wiederholt sich schnell und jegliche Form von Herausforderung wurde konsequent entfernt. Hinzu kommt eine Präsentation, die trotz Switch 2 nicht an die kreative Strahlkraft der Vorgänger heranreicht. Für sehr junge Spieler kann Mysterious Book ein angenehmer Einstieg in die Welt der Plattformspiele sein. Wer jedoch auf die Cleverness und den Ideenreichtum früherer Yoshi-Abenteuer hofft, wird vermutlich enttäuscht werden.

Gesamtwertung: 8/10

Ähnliche Artikel