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Deathbulge: Battle of the Bands Test/Review

Rollenspiele erzählen seit Jahrzehnten ähnliche Geschichten. Helden retten Königreiche, stellen sich uralten Göttern entgegen und verhindern den Weltuntergang. Trotz unterschiedlichster Settings folgen viele Genrevertreter bekannten Mustern. Deathbulge: Battle of the Bands schlägt jedoch einen völlig anderen Weg ein. Statt einer klassischen Fantasyreise erwartet euch ein chaotischer Battle-of-the-Bands-Wettbewerb, der plötzlich in ein übernatürliches Abenteuer voller skurriler Figuren, schrägem Humor und cleveren Rollenspielmechaniken ausartet. Entwickler Dan Martin und Five Houses LLC liefern dabei eines der ungewöhnlichsten Indie-RPGs der letzten Jahre ab. Hinter der absurden Prämisse verbirgt sich nämlich nicht nur ein witziges Abenteuer, sondern auch ein überraschend tiefgründiges Rollenspiel, das mit sympathischen Charakteren, frischen Ideen und einer Menge Persönlichkeit überzeugt.

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Eine Band auf dem Weg ins Chaos

Eigentlich wollen Faye, Ian und Briff lediglich an einem lokalen Battle of the Bands teilnehmen. Der Wettbewerb soll Spaß machen und vielleicht sogar etwas Preisgeld einbringen. Doch schon kurz nach Beginn gerät alles aus den Fugen. Ein mysteriöser Fluch verwandelt den Musikwettbewerb in eine gefährliche Reise voller übernatürlicher Ereignisse und zwingt das Trio dazu, gemeinsam gegen zahlreiche bizarre Bedrohungen anzutreten. Dabei sind die drei alles andere als typische Helden. Faye besitzt eine explosive Persönlichkeit und nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Ian begegnet den meisten Situationen mit entspannter Gelassenheit, während Briff oftmals eher zufällig durchs Abenteuer stolpert und mit seiner herrlich unbeholfenen Art regelmäßig für Lacher sorgt. Gerade diese Dynamik macht die Geschichte so unterhaltsam. Statt auf übertriebene Dramatik setzt Deathbulge auf glaubwürdige Freundschaften, kleine Streitereien und viele charmante Dialoge. Die Figuren fühlen sich dadurch erstaunlich lebendig an und wachsen einem schnell ans Herz. Auch die Spielwelt selbst ist eine einzige Wundertüte. Schräge Musiker, sprechende Fische, exzentrische Dorfbewohner und zahlreiche völlig absurde Begegnungen sorgen dafür, dass nahezu jeder neue Ort eine Überraschung bereithält. Besonders erfreulich ist dabei, wie viel optionaler Dialog im Spiel steckt. Wer neugierig jede Figur anspricht, wird ständig mit neuen Witzen oder kleinen Geschichten belohnt. Kaum ein NPC wirkt wie reine Dekoration, wodurch die Welt deutlich lebendiger erscheint als in vielen deutlich größeren Rollenspielen.

Taktische Kämpfe mit musikalischem Rhythmus

Auf den ersten Blick erinnert das Kampfsystem an klassische rundenbasierte Rollenspiele. Schnell zeigt sich jedoch, dass Deathbulge eigene Ideen verfolgt. Im Mittelpunkt steht ein modifiziertes Active-Time-Battle-System, bei dem Angriffe mit einer Rhythmusleiste kombiniert werden. Wer seine Aktionen im richtigen Moment ausführt, verstärkt deren Wirkung erheblich. Dadurch bleiben die Kämpfe jederzeit aktiv, ohne hektisch zu werden. Das Schöne daran ist, dass das System sowohl Gelegenheitsspieler als auch erfahrene Rollenspiel-Fans anspricht. Wer perfektes Timing beherrscht, holt deutlich mehr Schaden aus seinen Fähigkeiten heraus. Gleichzeitig funktioniert das Kampfsystem aber auch dann hervorragend, wenn man sich stärker auf die taktische Planung konzentriert. Auch beim Fortschritt geht Deathbulge ungewöhnliche Wege. Anstatt ständig neue Schwerter oder Rüstungen mit leicht besseren Werten zu sammeln, individualisieren die Bandmitglieder ihre Jacken mit verschiedenen Aufnähern. Jeder Patch schaltet neue Fähigkeiten, passive Boni oder sogar komplett neue Spielweisen frei. Über 100 unterschiedliche Fähigkeiten, zahlreiche Accessoires und verschiedene Klassenoptionen sorgen dafür, dass sich jede Figur flexibel anpassen lässt. Experimentieren macht deshalb enorm viel Spaß. Bereits kleine Änderungen an der Ausrüstung können den Kampfstil einer Figur deutlich verändern und laden immer wieder dazu ein, neue Kombinationen auszuprobieren.

Komfortfunktionen, wie man sie sich öfter wünschen würde

Besonders gelungen ist das Inventarsystem. Während viele Rollenspiele ihre Spieler mit Heiltränken, Statusheilungen und unzähligen Verbrauchsgegenständen überschütten, geht Deathbulge einen wesentlich eleganteren Weg. Einmal freigeschaltete Gegenstände stehen dauerhaft zur Verfügung. Statt sie ständig neu kaufen zu müssen, verbrauchen sie lediglich einen gemeinsamen Vorrat. Das reduziert Inventarverwaltung auf ein Minimum und sorgt dafür, dass man sich deutlich stärker auf das eigentliche Abenteuer konzentrieren kann. Auch zufällige Kämpfe gehören der Vergangenheit an. Gegner laufen sichtbar durch die Spielwelt, sodass man selbst entscheidet, wann man kämpfen möchte. Das hält den Spielfluss angenehm hoch und verhindert unnötige Unterbrechungen. Humor in Videospielen ist oft Geschmackssache. Deathbulge trifft jedoch erstaunlich häufig den richtigen Ton. Die Witze entstehen nicht durch billige Internet-Memes oder platte Popkultur-Referenzen, sondern durch hervorragend geschriebene Figuren und herrlich absurde Situationen. Das Spiel nimmt klassische Rollenspielklischees liebevoll aufs Korn, ohne dabei jemals arrogant oder aufgesetzt zu wirken. Besonders gelungen ist dabei, dass zwischen all den Gags immer wieder ruhige Momente Platz finden. Gerade dadurch wirken die emotionaleren Szenen deutlich glaubwürdiger und verleihen den Charakteren zusätzliche Tiefe. Sogar eine spätere Dating-Sequenz entwickelt sich zu einem der großen Highlights des Spiels und zeigt eindrucksvoll, wie kreativ Deathbulge mit seinen Ideen umgeht.

Handgezeichnet mit viel Persönlichkeit

Optisch hebt sich Deathbulge ebenfalls klar von der Konkurrenz ab. Der unverwechselbare Comicstil von Dan Martin wurde hervorragend ins Spiel übertragen. Handgezeichnete Animationen, ausdrucksstarke Charakterporträts und farbenfrohe Umgebungen verleihen dem gesamten Abenteuer einen ganz eigenen Charme. Besonders schön ist, dass sich Outfitänderungen nicht nur im Gameplay, sondern auch in Dialogen und Zwischensequenzen widerspiegeln. Dadurch wirken kosmetische Anpassungen tatsächlich relevant. Auch musikalisch liefert das Spiel ab. Rockmusik steht zwar erwartungsgemäß im Mittelpunkt, doch der Soundtrack überrascht immer wieder mit Funk, elektronischen Klängen oder ruhigeren Melodien. Gemeinsam mit der gelungenen Soundkulisse entsteht eine Atmosphäre, die perfekt zum verrückten Abenteuer passt. Trotz aller Kreativität gibt es kleinere Schwächen. Erfahrene Rollenspieler entdecken relativ früh besonders starke Kombinationen, wodurch manche Kämpfe etwas an taktischer Herausforderung verlieren. Wirklich anspruchsvoll wird es meist erst bei optionalen Bossen und späteren Begegnungen. Auch die Spielzeit fällt mit rund 15 bis 20 Stunden vergleichsweise kompakt aus. Das Abenteuer verzichtet zwar erfreulicherweise auf künstliche Streckung, doch gerade wegen der sympathischen Figuren hätte man gerne noch etwas mehr Zeit mit ihnen verbracht. Immerhin sorgen optionale Inhalte, alternative Enden und zusätzliche Herausforderungen für einen ordentlichen Wiederspielwert.

Fazit

Deathbulge: Battle of the Bands ist genau die Art von Rollenspiel, für die die Indie-Szene bekannt und beliebt ist. Das Spiel versucht nicht krampfhaft, anders zu sein, sondern überzeugt mit originellen Ideen, großartigem Humor und einer überraschend emotionalen Geschichte. Das clevere Kampfsystem, die kreative Charakterentwicklung und die zahlreichen Komfortfunktionen sorgen dafür, dass das Rollenspiel auch spielerisch jederzeit Spaß macht. Vor allem aber lebt Deathbulge von seinen Figuren. Faye, Ian und Briff gehören zu den sympathischsten RPG-Charakteren der letzten Jahre und tragen das gesamte Abenteuer mühelos bis zum Abspann. Wer nach einem hundertstündigen Epos oder maximaler taktischer Komplexität sucht, wird hier zwar nicht vollständig fündig. Alle anderen erwartet jedoch eines der charmantesten und originellsten Indie-Rollenspiele der letzten Jahre, das mit Herz, Witz und einer gehörigen Portion musikalischem Wahnsinn begeistert.

Gesamtwertung: 9/10

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