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Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 Test/Review

Auf den ersten Blick hat es Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 nicht leicht. Der erste Teil der Sammlung brachte mit Metal Gear Solid, Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty und Metal Gear Solid 3: Snake Eater gleich drei Spiele zusammen, die bis heute zu den bedeutendsten Titeln der PlayStation-Geschichte gehören. Zusätzlich waren die beiden ursprünglichen Metal-Gear-Abenteuer enthalten. Gegen ein solches Paket wirkt Volume 2 beinahe zwangsläufig etwas weniger spektakulär. Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots, das ursprünglich für PSP entwickelte Peace Walker und der nicht kanonische Game-Boy-Color-Ableger Ghost Babel bilden eine deutlich eigenwilligere Zusammenstellung.

Doch eigentlich reicht ein einziger Name aus, um die Existenz dieser Collection zu rechtfertigen: Metal Gear Solid 4. Fast zwei Jahrzehnte lang war das große Finale von Solid Snakes Geschichte fest an die PlayStation 3 gekettet. Während nahezu alle anderen wichtigen Teile der Reihe auf weiteren Plattformen erschienen, blieb Guns of the Patriots ein Relikt der PS3-Ära. Genau diese Gefangenschaft endet nun endlich. Allein deshalb fühlt sich Master Collection Vol. 2 wie ein wichtiges Stück Videospielkonservierung an. Ob man Metal Gear Solid 4 liebt oder angesichts seiner teilweise absurd langen Zwischensequenzen die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, spielt dabei fast keine Rolle. Dieses Spiel sollte verfügbar sein. Jetzt ist es das endlich wieder und präsentiert sich technisch besser als je zuvor.

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Metal Gear Solid 4 ist noch immer vollkommen wahnsinnig

Guns of the Patriots ist ein Spiel der Extreme. Hideo Kojima und sein damaliges Team versuchten 2008 nicht nur, eine neue Geschichte zu erzählen, sondern gefühlt jeden offenen Handlungsstrang der kompletten Reihe irgendwie zusammenzuführen. Das Ergebnis ist maßlos, kompliziert, gelegentlich albern und gleichzeitig faszinierend. Die Handlung setzt fünf Jahre nach Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty ein. Solid Snake leidet unter beschleunigter Alterung und sieht inzwischen aus wie ein deutlich älterer Mann. Trotzdem wird er noch einmal aus dem Ruhestand geholt. Seine letzte Mission besteht darin, Liquid Ocelot auszuschalten, der aus Revolver Ocelots Körper und Liquid Snakes Persönlichkeit entstanden ist. Wer an dieser Stelle bereits Fragezeichen über dem Kopf hat, sollte auf keinen Fall mit Metal Gear Solid 4 in die Reihe einsteigen. Selbst mit Kenntnis der ersten drei MGS-Spiele ist es gelegentlich schwierig, sämtlichen Wendungen zu folgen. Ohne dieses Vorwissen dürfte die Handlung nahezu unverständlich sein. Guns of the Patriots verweist permanent auf frühere Charaktere, Ereignisse und selbst kleine Details aus den Vorgängern. Die wenigen Erklärungen für Neueinsteiger reichen bei Weitem nicht aus, um fast zwei Jahrzehnte Metal-Gear-Wahnsinn nachträglich verständlich zu machen.

Wer genau diesen Wahnsinn liebt, bekommt dafür ein Festmahl serviert. MGS4 ist Kojima ohne Sicherheitsnetz. Nanomaschinen, gigantische Kriegsmaschinen, bizarre Charaktere, überlange Monologe und völlig absurde Momente treffen auf überraschend emotionale Szenen. Kaum ein anderes Spiel würde sich trauen, all diese Elemente innerhalb derselben Geschichte miteinander zu verbinden. Erstaunlicherweise haben auch viele der zentralen Themen kaum an Aktualität verloren. Guns of the Patriots beschäftigt sich mit einer sich selbst erhaltenden Kriegswirtschaft, privatisierten Konflikten, algorithmischer Informationskontrolle und umfassender digitaler Überwachung. Einige dieser Ideen wirken 2026 sogar aktueller als bei der ursprünglichen Veröffentlichung. Damit teilt MGS4 eine interessante Eigenschaft mit Sons of Liberty, dessen gesellschaftliche Themen ebenfalls erst Jahre später ihre volle Wirkung entfaltet haben.

4K und 60 FPS lassen Old Snake wieder glänzen

Der wichtigste Punkt der Neuveröffentlichung ist allerdings die technische Umsetzung und hier gibt es erfreulich wenig zu kritisieren. Schon die Steuerung wurde sinnvoll modernisiert. Auf der PS3 lagen Zielen und Schießen ursprünglich auf L1 und R1, was nicht zuletzt an den wenig überzeugenden Triggern des DualShock 3 lag. In der neuen Version werden standardmäßig L2 und R2 verwendet. Das klingt nach einer Kleinigkeit, fühlt sich aber sofort wesentlich natürlicher an. Noch größer fällt der Unterschied bei der Performance aus. Metal Gear Solid 4 hatte auf der PS3 regelmäßig Schwierigkeiten, überhaupt stabile 30 Bilder pro Sekunde zu erreichen. In besonders aufwendigen Szenen konnte die Bildrate deutlich darunter fallen. Die neue Version läuft dagegen mit weitgehend stabilen 60 FPS und profitiert enorm davon. Gerade die Gefechte wirken wesentlich unmittelbarer und das gesamte Spielgefühl wird spürbar verbessert.

Hinzu kommt die deutlich höhere 4K-Auflösung. Dadurch sieht Guns of the Patriots überraschend modern aus. Natürlich lässt sich das Alter eines frühen PS3-Spiels nicht vollständig verstecken, doch Charaktermodelle, Animationen und viele Umgebungen profitieren enorm von der höheren Bildqualität. Stellenweise könnte man beinahe vergessen, dass die ursprüngliche Veröffentlichung aus dem Jahr 2008 stammt. Ganz perfekt ist der Port allerdings nicht. In zwei Zwischensequenzen fällt die Auflösung auffällig ab und das Bild wirkt plötzlich deutlich unschärfer. Besonders ärgerlich ist, dass ausgerechnet eine der ikonischen Ocelot-Szenen davon betroffen ist. Im Vergleich zur ansonsten hervorragenden Umsetzung bleibt das allerdings ein kleiner Schönheitsfehler, der sich hoffentlich noch per Update beseitigen lässt. Unterm Strich ist diese Version genau die Neuauflage, auf die Fans seit Jahren gewartet haben. Metal Gear Solid 4 sieht besser aus, läuft flüssiger und lässt sich angenehmer steuern als je zuvor. Allein dafür besitzt Master Collection Vol. 2 bereits eine Daseinsberechtigung.

Peace Walker zeigt die andere Seite von Metal Gear

Das zweite große Spiel der Sammlung ist Metal Gear Solid: Peace Walker. Der Titel erschien ursprünglich 2010 für PSP und wurde später bereits im Rahmen der HD Collection auf PS3 umgesetzt. Auch Peace Walker gehört zu den umstritteneren Kapiteln der Reihe, allerdings aus vollkommen anderen Gründen als Guns of the Patriots. Während Metal Gear Solid 4 teilweise mehr interaktiver Film als klassisches Spiel sein möchte, konzentriert sich Peace Walker wesentlich stärker auf Gameplay, Fortschritt und wiederholbare Missionen. Gleichzeitig führte es zahlreiche Ideen ein, die später zum Fundament von Metal Gear Solid V: The Phantom Pain wurden. Dazu gehören insbesondere die Verwaltung der eigenen Basis und die missionsbasierte Struktur. Für ein Handheld-Spiel funktionierte dieses Konzept hervorragend. Kurze Einsätze von ungefähr 20 Minuten passten perfekt zu einer mobilen Plattform und ermöglichten schnelle Sessions zwischendurch. Auf einem großen Fernseher und während längerer Spielsitzungen treten die Schwächen dieser Struktur wesentlich deutlicher hervor. Viele Missionen wiederholen sich und gerade Kämpfe gegen Roboter oder schwere Fahrzeuge folgen zu häufig demselben Schema. Was auf einer PSP als kompakter Gameplay-Loop funktionierte, kann auf einer modernen Konsole schnell monoton wirken.

Immer noch ein wunderbarer Spaß

Auch der Schwierigkeitsgrad ist unausgewogen. Klassische Schleichmissionen fallen häufig viel zu leicht aus. Die gegnerische KI stellt keine besonders große Herausforderung dar und das Fulton-System beseitigt bewusstlose Gegner unmittelbar vom Schlachtfeld. Sobald eine Wache per Ballon abtransportiert wurde, besteht keine Gefahr mehr, dass deren Verschwinden untersucht wird. Bosskämpfe schlagen dagegen in die entgegengesetzte Richtung aus. Peace Walker wurde stark auf kooperatives Spielen ausgelegt, passt die Begegnungen für Solospieler jedoch nicht ausreichend an. Entsprechend besitzen einige Bosse absurd große Energiereserven und ziehen sich erheblich länger hin, als es spielerisch interessant wäre. Die Geschichte soll wiederum eine Verbindung zwischen Metal Gear Solid 3 und den späteren Ereignissen der Reihe herstellen. Ob diese Ergänzung wirklich notwendig war, ist Geschmackssache. Das Ende von Snake Eater funktionierte bereits hervorragend und benötigte eigentlich keine ausführliche Fortsetzung. Wer trotzdem mehr über Big Boss und seine Entwicklung erfahren möchte, bekommt hier einen wichtigen Teil seiner Geschichte. Peace Walker ist damit auch heute noch interessant, zeigt sein Handheld-Erbe auf einer aktuellen Konsole aber deutlicher denn je. Gleichzeitig bildet es einen spannenden Gegenpol zu MGS4. Während Guns of the Patriots seine Geschichte mit geradezu hemmungsloser Inszenierung erzählt, möchte Peace Walker vor allem gespielt werden.

Ghost Babel ist das ungewöhnliche Extra

Etwas versteckt innerhalb der Bonus-App befindet sich schließlich Metal Gear: Ghost Babel. Der Titel erschien ursprünglich für den Game Boy Color und erzählt eine alternative Fortsetzung zu Metal Gear 2: Solid Snake. Innerhalb des offiziellen Kanons spielt die Geschichte keine Rolle. Spielerisch orientiert sich Ghost Babel stark an den ursprünglichen Metal-Gear-Titeln, ergänzt deren Formel jedoch um einige Mechaniken der späteren Solid-Spiele. Aus heutiger Sicht ist der Titel vor allem als historisches Kuriosum interessant. Sein größtes Problem ist gleichzeitig offensichtlich: Da Ghost Babel ausdrücklich außerhalb der regulären Zeitlinie stattfindet, besitzt es für die große Metal-Gear-Geschichte deutlich weniger Relevanz als MGS4 oder Peace Walker. Trotzdem ist seine Aufnahme in die Sammlung begrüßenswert. Gerade solche weniger bekannten Spiele profitieren von Collections, da sie ansonsten zunehmend schwer zugänglich werden. Darüber hinaus macht Ghost Babel Hoffnung auf eine mögliche Master Collection Vol. 3. Sollte Konami diesen Weg weitergehen, wären beispielsweise Metal Gear Acid und dessen Nachfolger interessante Kandidaten. Gerade die experimentelleren Ableger der Reihe verdienen ebenfalls eine moderne Möglichkeit, gespielt zu werden.

Die Collection selbst könnte wesentlich schöner sein

So gut insbesondere die Umsetzung von Metal Gear Solid 4 gelungen ist, so wenig überzeugend fällt die eigentliche Präsentation der Sammlung aus. Wie bereits bei Master Collection Vol. 1 handelt es sich nicht um ein vollständig zusammenhängendes Paket. Stattdessen werden mehrere separate Anwendungen installiert. Metal Gear Solid 4 besitzt seinen eigenen Launcher, Peace Walker ebenfalls und für die Bonusinhalte gibt es eine dritte Anwendung. Gegenüber Volume 1 müssen zwar weniger verschiedene Apps verwaltet werden, elegant wirkt die Lösung trotzdem nicht. Zusätzlich ist die Verteilung der Inhalte teilweise unnötig verwirrend. Die MGS4 Database, die ursprünglich parallel zu Guns of the Patriots veröffentlicht wurde und wie eine umfangreiche Enzyklopädie zur Geschichte der Reihe funktioniert, befindet sich beispielsweise innerhalb der MGS4-App. Das ergibt grundsätzlich Sinn. Die digitalen Soundtracks von MGS4 und Peace Walker wiederum liegen in der Bonus-App statt bei den jeweiligen Spielen.

Das klingt nach Kleinigkeiten und sobald man sich innerhalb eines der eigentlichen Spiele befindet, spielt es tatsächlich kaum noch eine Rolle. Trotzdem hätte eine Sammlung dieser Bedeutung eine liebevollere Benutzeroberfläche verdient. Gerade Metal Gear bietet genug ikonisches Bildmaterial, Musik und Stilmittel, um daraus eine wirklich besondere Präsentation zu bauen. So entsteht gelegentlich der Eindruck, dass Konami großen Aufwand in die einzelnen Ports gesteckt hat, die Verpackung drumherum aber eher funktional zusammengestellt wurde.

Fazit

Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 besitzt vielleicht nicht die beeindruckende Auswahl ihres Vorgängers, doch das spielt letztlich kaum eine Rolle. Diese Collection hat eine Aufgabe, die wichtiger ist als die reine Anzahl enthaltener Klassiker: Sie befreit Metal Gear Solid 4 endlich von der PlayStation 3. Nach beinahe zwei Jahrzehnten kann Guns of the Patriots wieder auf aktueller Hardware gespielt werden und präsentiert sich dabei besser denn je. 4K-Auflösung, stabile 60 Bilder pro Sekunde und eine sinnvoll modernisierte Steuerung machen diese Fassung zur bislang besten Möglichkeit, Solid Snakes letztes großes Abenteuer zu erleben. Die wenigen auffälligen Auflösungseinbrüche in einzelnen Zwischensequenzen ändern daran wenig. Das Spiel selbst bleibt ein faszinierendes Monster.

MGS4 ist maßlos, selbstverliebt, emotional, albern, visionär und gelegentlich vollkommen absurd. Wer Metal Gear hauptsächlich wegen des präzisen Stealth-Gameplays liebt, wird auch heute noch manche Entscheidung kritisch sehen. Wer dagegen die erzählerischen Eskapaden von Hideo Kojima genießt, bekommt eines der kompromisslosesten Spiele seiner Karriere. Peace Walker ist als Ergänzung ebenfalls willkommen, auch wenn man dem Titel seine Herkunft von der PSP heute deutlich anmerkt. Die missionsbasierte Struktur, das Basenmanagement und das Fulton-System waren wegweisend für Metal Gear Solid V, doch repetitive Missionen, zu einfache Schleichpassagen und zähe Bosskämpfe sorgen dafür, dass der Titel auf einem großen Bildschirm weniger überzeugend funktioniert als ursprünglich auf dem Handheld. Ghost Babel ist schließlich eine charmante Zugabe und vor allem aus historischer Perspektive spannend.

Dass Konami selbst solche ungewöhnlichen Ableger wieder verfügbar macht, ist ein gutes Zeichen für die Zukunft der Reihe. Wirklich enttäuschend ist lediglich die Präsentation der Collection selbst. Drei getrennte Anwendungen und etwas willkürlich verteilte Bonusinhalte vermitteln nicht gerade den Eindruck einer sorgfältig kuratierten Jubiläumsausgabe. Eine zentrale Oberfläche hätte dem Paket wesentlich besser gestanden. Trotzdem überwiegt am Ende die Freude darüber, Metal Gear Solid 4 endlich wieder unkompliziert spielen zu können. Nanomaschinen, völlig überdrehte Bossgegner, endlose Zwischensequenzen, bizarre Nebenfiguren und eines der verrücktesten Finale der Videospielgeschichte laufen nun mit 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm. Fast zwanzig Jahre musste Old Snake darauf warten. Allein dafür ist Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 eine wichtige Veröffentlichung.

Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2

Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2
89 100 0 1
89/100
Total Score
  • Spielspaß
    90/100 Amazing
  • Grafik
    85/100 Amazing
  • Gameplay
    85/100 Amazing
  • Sound
    95/100 The best
  • Umfang
    90/100 Amazing

Positiv

  • Metal Gear Solid 4 endlich auf aktueller Hardware
  • Sinnvoll modernisierte Steuerung
  • Ghost Babel als interessantes historisches Extra
  • Guns of the Patriots bleibt einzigartig

Negativ

  • Peace Walker zeigt sein Handheld-Alter deutlich
  • Sammlung auf mehrere separate Apps verteilt
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