Mit Star Wars: Ahsoka – Staffel 1 bringt Marvel die erste Staffel der erfolgreichen Disney+-Serie auch als Graphic Novel auf den Markt. Die große Frage lautet dabei natürlich: Braucht eine Serie, die erst vor Kurzem erschienen ist, überhaupt schon eine Comic-Adaption? Tatsächlich liefert der Band zwar kaum neue Inhalte, bietet dafür aber einen etwas anderen Blick auf die Geschichte rund um Ahsoka Tano.
Die Jagd nach Thrawn beginnt erneut
Die Handlung orientiert sich nahezu eins zu eins an der Vorlage. Nach dem Fall des Galaktischen Imperiums untersucht die ehemalige Jedi Ahsoka Tano eine neue Bedrohung für die Galaxis. Gemeinsam mit Sabine Wren und Hera Syndulla stößt sie auf eine Verschwörung, die letztlich zur möglichen Rückkehr von Großadmiral Thrawn führen könnte, einem der gefährlichsten Strategen des ehemaligen Imperiums. Während sich die Helden auf eine Reise durch verschiedene Sternensysteme begeben, erwarten den Leser Lichtschwertduelle, politische Intrigen und zahlreiche Verbindungen zu früheren Ereignissen aus dem Star Wars-Universum. Gleichzeitig setzt sich Ahsoka mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander und sucht ihren Platz in einer Galaxis, die sich nach dem Ende des Imperiums neu ordnen muss.
Überraschend hilfreich für das Figurenverständnis
Wer die Disney+-Serie bereits gesehen hat, dürfte sich fragen, welchen Mehrwert diese Umsetzung überhaupt bietet. Schließlich hält sich der Comic äußerst eng an Handlung, Dialoge und Erzählstruktur der Vorlage. Gerade darin liegt jedoch eine kleine Stärke. Während die Serie oftmals voraussetzt, dass Zuschauer bereits mit Figuren aus Star Wars: The Clone Wars oder Star Wars Rebels vertraut sind, gelingt es der Graphic Novel durch innere Monologe und zusätzliche Erzählertexte, einige Charaktere und ihre Beweggründe verständlicher zu machen. Beziehungen und Motivationen wirken dadurch stellenweise klarer als noch auf dem Bildschirm. Neue Szenen oder zusätzliche Hintergrundinformationen sollte man allerdings nicht erwarten. Wer auf bislang unbekannte Geschichten gehofft hat, wird enttäuscht.
Autor Rodney Barnes setzt auf eine schnörkellose Umsetzung und konzentriert sich darauf, die Geschichte möglichst präzise zu erzählen. Die Dialoge bleiben nah an der Serie, während die Erzähltexte den Lesefluss angenehm unterstützen, ohne überladen zu wirken. Auch zeichnerisch bewegt sich der Band auf gewohnt hohem Marvel-Niveau. Steven Cummings und Georges Jeanty orientieren sich stark am etablierten Stil der aktuellen Star Wars-Comics. Klare Linien, dynamische Seitenlayouts und gut erkennbare Figuren sorgen dafür, dass sich Fans der Comicreihe sofort zuhause fühlen. Große künstlerische Experimente gibt es zwar nicht, notwendig sind sie hier aber auch nicht.
Fazit
Star Wars: Ahsoka – Staffel 1 ist genau das, was man von einer Comic-Adaption erwarten darf: eine werkgetreue Umsetzung der Serie, die den Stoff kompakt und übersichtlich nacherzählt. Wer die Serie bereits kennt, erhält zwar kaum neue Inhalte, profitiert aber von einer etwas klareren Darstellung einiger Figuren und ihrer Motivation. Vor allem Leser, die mit den zahlreichen Verbindungen zu The Clone Wars und Rebels ihre Schwierigkeiten hatten, könnten hier einen leichteren Zugang finden. Wer hingegen auf zusätzliche Geschichten oder neue Perspektiven gehofft hat, wird diese hier nicht finden. Als Begleitband zur Serie funktioniert die Graphic Novel jedoch ausgesprochen gut. Und ist für Fans von Ahsoka Tano eine empfehlenswerte Ergänzung der Sammlung.

