Mit Hell Let Loose: Vietnam verlassen Team17 und Expression Games die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs und wagen sich in ein Szenario, das bei modernen Multiplayer-Shootern erstaunlich selten geworden ist. Der Vietnamkrieg bietet mit seinen dichten Dschungeln, weitläufigen Flüssen, Tunnelsystemen, Hubschraubern und verheerenden Napalmangriffen eigentlich perfekte Voraussetzungen für das taktische Konzept von Hell Let Loose. Und tatsächlich funktioniert der Wechsel des Kriegsschauplatzes spielerisch erstaunlich gut. Vietnam besitzt eine hervorragende Atmosphäre, die Kämpfe sind intensiv und das Zusammenspiel verschiedener Rollen bleibt eine große Stärke. Gleichzeitig kämpft das Spiel allerdings mit technischen Problemen, Bugs und einer Optimierung, die gerade in einem Shooter, in dem Sichtbarkeit über Leben und Tod entscheidet, besonders schwer wiegt.
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50 gegen 50 im vietnamesischen Dschungel
Wer bereits das ursprüngliche Hell Let Loose gespielt hat, wird sich schnell zurechtfinden. Auch in Vietnam treten bis zu 100 Spieler in 50-gegen-50-Schlachten gegeneinander an. Eine klassische Minimap, die uns permanent über die Position sämtlicher Gegner informiert, gibt es nicht. Stattdessen müssen wir uns über einen Kompass, die Karte und vor allem über die Kommunikation mit unseren Mitspielern orientieren. Die Armeen sind in verschiedene Einheiten aufgeteilt. Zur Auswahl stehen unter anderem Infanterie, Panzerbesatzungen, Aufklärungstrupps und Hubschraubereinheiten. Über allem steht der Commander, der das Schlachtfeld koordinieren, Ziele vorgeben sowie Unterstützungsaktionen wie Luftangriffe und Nachschublieferungen anfordern kann.

Innerhalb der einzelnen Squads übernehmen die Spieler wiederum unterschiedliche Aufgaben. Der klassische Rifleman versorgt seine Kameraden beispielsweise mit Munition, während Grenadiere explosive Unterstützung liefern. Sanitäter kümmern sich um verwundete Soldaten, Maschinengewehrschützen halten gegnerische Truppen mit Sperrfeuer in Schach und Scharfschützen versuchen, wichtige Ziele aus größerer Entfernung auszuschalten. Besonders wichtig ist dabei der Spotter. Dieser kann Ziele für den Scharfschützen markieren und unter anderem mit einer Leuchtpistole gegnerische Positionen aufdecken. Dadurch entsteht erneut eine enorme spielerische Vielfalt. Selbst wenn rundherum das komplette Chaos ausbricht, besitzt jeder Spieler eine klar definierte Aufgabe.
Kein Battlefield im Dschungel
Wer mit dem Sturmgewehr im Anschlag alleine über die Karte sprinten und ganze gegnerische Squads ausschalten möchte, wird in Hell Let Loose: Vietnam ziemlich schnell auf dem Boden der Tatsachen landen. Das Spieltempo ist deutlich langsamer und methodischer als bei vielen Mainstream-Shootern. Bereits ein einzelner gut platzierter Schuss kann ausreichen, um einen Soldaten auszuschalten. Entsprechend wichtig sind Deckung, Kommunikation und Geduld. Gerade die dichte Vegetation verändert die Dynamik der Gefechte enorm. Einen Gegner zwischen Bäumen, Sträuchern und hohem Gras zu erkennen, kann schwierig sein. Gleichzeitig lässt sich genau diese Umgebung hervorragend nutzen, um sich unbemerkt an gegnerische Positionen heranzuarbeiten. Geräusche spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Wer aufmerksam zuhört und selbst möglichst wenig Lärm verursacht, kann Gegner entdecken, bevor diese überhaupt wissen, dass jemand in der Nähe ist. Dadurch entstehen immer wieder fantastische Situationen. Manchmal liegt man minutenlang im Gras und versucht herauszufinden, aus welcher Richtung die Schüsse kommen. Wenige Augenblicke später explodiert die gesamte Umgebung unter einem Napalmangriff. Genau diese Mischung aus langen Phasen voller Anspannung und plötzlicher Eskalation gehört zu den größten Stärken des Spiels.

Zwischen Dschungel, Hafen und Flüssen
Auch beim Kartendesign kann Hell Let Loose: Vietnam überzeugen. Die verschiedenen Schlachtfelder nutzen das Szenario, um unterschiedliche Spielsituationen zu erzeugen. In den Huế Outskirts dominieren beispielsweise dichte Vegetation und schwierige Sichtverhältnisse. Selbst für Panzerbesatzungen wird das zum Problem, weil Bäume und Pflanzen die Sichtlinien massiv einschränken. Der Cam Ranh Port präsentiert sich dagegen teilweise deutlich offener. Sandige Flächen machen es einfacher, gegnerische Soldaten zu entdecken, sorgen gleichzeitig aber dafür, dass wir selbst schneller ins Visier geraten. Container und kleinere Vegetationsflächen werden dadurch zu wichtigen Deckungsmöglichkeiten.

Hinzu kommen Flüsse, die nicht nur zur Fortbewegung genutzt werden können. Soldaten können ins Wasser eintauchen und versuchen, gegnerische Stellungen auf ungewöhnlichen Wegen zu umgehen. Besonders interessant sind außerdem die Tunnelsysteme der nordvietnamesischen Armee. Sie ermöglichen schnelle Bewegungen über das Schlachtfeld und können genutzt werden, um Verstärkung näher an die Front zu bringen. Für die Gegenseite gilt es deshalb, entsprechende Tunneleingänge aufzuspüren und auszuschalten. Hubschrauber erweitern die Möglichkeiten zusätzlich, verlangen allerdings etwas Übung. Wer ohne Erfahrung ins Cockpit steigt, dürfte seinen ersten Einsatz möglicherweise schneller beenden als geplant.
Wenn Napalm den Himmel erleuchtet
Atmosphärisch ist Hell Let Loose: Vietnam stellenweise beeindruckend. Wenn Napalm eine komplette Stellung in Brand setzt oder Bombardements den Boden erschüttern, entfaltet das Spiel eine enorme audiovisuelle Wirkung. Die Kombination aus dichtem Dschungel, militärischem Funkverkehr, entfernten Schüssen und plötzlich einsetzenden Explosionen erzeugt eine bedrückende Atmosphäre. Dabei lebt die Inszenierung nicht von spektakulären geskripteten Sequenzen. Vielmehr entstehen die besten Momente direkt aus dem Multiplayer-Gameplay. Ein Angriff kann beispielsweise zunächst ruhig beginnen. Der eigene Trupp bewegt sich langsam durch den Dschungel, während über Funk Positionen durchgegeben werden. Dann fällt plötzlich der erste Soldat, Maschinengewehrfeuer schlägt durch die Vegetation und wenige Sekunden später ist die gesamte Umgebung im Chaos versunken. Genau hier zeigt sich, warum das grundsätzliche Konzept von Hell Let Loose weiterhin so gut funktioniert. Leider wird diese Atmosphäre regelmäßig von technischen Problemen ausgebremst.

Das größte Problem von Hell Let Loose: Vietnam ist aktuell die Technik. Gerade die Vegetation scheint enorme Anforderungen an die Hardware zu stellen. Pop-ins und flimmernde Pflanzen erschweren es teilweise zusätzlich, Gegner zu erkennen. Besonders problematisch ist das deshalb, weil gute Sichtbarkeit in einem taktischen Shooter dieser Art elementar ist. Hinzu kommen grafische Artefakte. Explosionen und Rauch können stellenweise pixelig wirken und die ohnehin schwierige Übersicht weiter reduzieren. Auch die Performance schwankt teilweise stark. Während beispielsweise Cam Ranh Port vergleichsweise zuverlässig mit rund 60 Bildern pro Sekunde laufen kann, sorgen dichter bewachsene Gebiete für deutlich größere Probleme. Besonders ärgerlich sind Situationen, in denen die Framerate ohne offensichtlichen Grund einbricht und sich erst nach einem Neustart wieder stabilisiert. Für einen kompetitiven Shooter ist das schlicht problematisch.
Bugs mitten im Krieg
Neben den Performance-Problemen besitzt das Spiel auch eine ordentliche Portion klassischer Multiplayer-Macken. Besonders auffällig wird das, wenn mehrere Spieler gleichzeitig durch enge Bereiche laufen. Kollisionen zwischen Teammitgliedern können zu merkwürdigen Bewegungen und einem unangenehmen Hin-und-her-Schieben führen. Solange gerade niemand schießt, ist das lediglich etwas albern. Unter Beschuss kann es dagegen schnell richtig nervig werden. Daneben gibt es deutlich kuriosere Bugs. Unbemannte Boote tauchen beispielsweise teilweise selbstständig unter Wasser und wieder auf. In einem besonders absurden Fall begann die Spielfigur sogar mitten in der Luft zu schwimmen, offenbar weil das Spiel fälschlicherweise davon ausging, dass sie bereits das einige Meter entfernte Wasser erreicht hatte. Solche Momente sind lustig, wenn man sie erzählt. In einem Spiel, das ansonsten stark auf Immersion und Authentizität setzt, reißen sie allerdings gehörig aus der Erfahrung heraus. Immerhin präsentierte sich die Netzwerkverbindung im Test trotz teilweise höherer Latenz überwiegend stabil.

Fazit
Hell Let Loose: Vietnam besitzt eine starke Grundlage und transportiert das taktische 50-gegen-50-Konzept überzeugend in den Vietnamkrieg. Besonders die dichten Dschungel, Flüsse, Tunnelsysteme und verheerenden Luftangriffe sorgen für eine hervorragende Atmosphäre. Wer bereit ist, langsam und taktisch vorzugehen, mit seinem Squad zu kommunizieren und unterschiedliche Rollen zu übernehmen, bekommt intensive Gefechte geboten, die sich deutlich von der schnellen Action vieler anderer Multiplayer-Shooter unterscheiden. Leider steht sich das Spiel technisch noch zu häufig selbst im Weg. Schwankende Performance, problematische Vegetationsdarstellung, Pop-ins und diverse Bugs können nicht nur die Immersion beschädigen, sondern sogar die spielerisch enorm wichtige Sichtbarkeit beeinflussen. Damit ist Hell Let Loose: Vietnam aktuell weniger die konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers als vielmehr eine vielversprechende Grundlage. Wenn Expression Games die technischen Probleme in den kommenden Monaten in den Griff bekommt und das Spiel kontinuierlich erweitert, könnte daraus ein hervorragender taktischer Multiplayer-Shooter werden. Momentan steckt unter dem dichten Blätterdach allerdings noch etwas zu viel Baustelle.
Hell Let Loose: Vietnam
Hell Let Loose: Vietnam-
Spielspaß80/100 Very good
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Grafik60/100 Normal
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Gameplay75/100 Very good
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Sound85/100 Amazing
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Umfang68/100 Good
Positiv
- Dichte und überzeugende Vietnam-Atmosphäre
- Starkes rollenbasiertes Teamplay
- Spektakuläre Napalm- und Luftangriffe
Negativ
- Teilweise deutliche Performance-Probleme
- Diverse Bugs und Kollisionsprobleme
- Mit sechs Karten zum Start noch überschaubarer Umfang

