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Madden NFL 27 Test/Review

Kaum eine Sportspielreihe muss sich so regelmäßig denselben Vorwurf anhören wie Madden NFL. „Jedes Jahr dasselbe Spiel“ gehört seit Jahrzehnten zu den Standardkommentaren, sobald EA Sports die nächste Ausgabe seiner Football-Simulation veröffentlicht. Ganz aus der Luft gegriffen war diese Kritik nie. Es gab Jahre, in denen sich die Reihe tatsächlich zu wenig bewegte, Neuerungen kaum ins Gewicht fielen und selbst offensichtliche Probleme über mehrere Ableger hinweg mitgeschleppt wurden. Mit Madden NFL 27 wird dieser Vorwurf allerdings immer schwerer aufrechtzuerhalten. Vor allem auf dem Feld hat sich die Serie in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert, und der aktuelle Teil setzt diese Entwicklung fort. Defensive Reads funktionieren besser, Anpassungen vor dem Snap gehen schneller von der Hand und neue Catching-Mechaniken geben dem Spieler mehr direkte Kontrolle. Das Problem liegt mittlerweile an anderer Stelle. Während das eigentliche Football-Spiel so gut funktioniert wie seit Jahren nicht mehr, ziehen aggressive Monetarisierung, ein schwacher Superstar-Modus und altbekannte Ultimate-Team-Probleme das Gesamtpaket nach unten.

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Endlich wieder eine Defense, die ihren Namen verdient

Die größte Verbesserung gegenüber dem Vorgänger findet sich auf der defensiven Seite. Madden NFL 26 hatte insbesondere nach mehreren Updates mit einem zunehmend kaputten Pass Rush und einer allgemein zu schwachen Defensive zu kämpfen. Spiele mit völlig absurden Punktzahlen waren dadurch keine Seltenheit. Madden NFL 27 korrigiert diesen Kurs. Vor allem die Zonenverteidigung arbeitet deutlich intelligenter. KI-gesteuerte Verteidiger stehen nicht mehr passiv in ihren vorgesehenen Bereichen und warten darauf, dass der Ball irgendwo in ihrer Nähe landet. Stattdessen analysieren sie das Spielgeschehen aktiver und reagieren früher auf sich entwickelnde Routen. Das klingt zunächst nach einer kleinen Änderung, verändert das Spielgefühl aber enorm. Als Spieler muss man nicht mehr jeden einzelnen Fehler der KI selbst kompensieren. Eine ordentlich eingestellte Zone verhält sich endlich so, wie man es von professionellen Football-Spielern erwarten würde. Auch der Pass Rush fühlt sich wieder gefährlicher an. Quarterbacks bekommen weniger Zeit, ewig in der Pocket zu stehen und darauf zu warten, dass irgendwann ein Receiver frei wird. Dadurch wirken Begegnungen insgesamt ausgeglichener und glaubwürdiger.

Defensive Anpassungen gehen deutlich schneller

Eine der stärksten Neuerungen richtet sich vor allem an erfahrene Madden-Spieler. EA hat die Pre-Snap-Anpassungen umfassend neu organisiert. Wer über Jahre hinweg dieselben Tastenkombinationen benutzt hat, muss zunächst etwas Muskelgedächtnis umlernen. Dieser Aufwand lohnt sich allerdings. Viele Anpassungen, die früher vier oder fünf Eingaben benötigt haben, lassen sich jetzt innerhalb weniger Tastendrücke erledigen. Noch interessanter sind die neuen Macro Adjustments. Damit können mehrere taktische Veränderungen miteinander kombiniert und als eine Art Preset gespeichert werden. Wer beispielsweise vermutet, dass der Gegner einen bestimmten Spielzug vorbereitet, kann mit wenigen Eingaben gleichzeitig die Defensive Line verschieben, Cornerbacks anders ausrichten und die Tiefe der Linebacker-Zonen verändern. Für Gelegenheitsspieler mag das zunächst unnötig kompliziert klingen. Wer allerdings regelmäßig online spielt oder tief in Franchise-Dynastien steckt, bekommt hier eines der besten taktischen Werkzeuge, das Madden seit langer Zeit eingeführt hat. Gleichzeitig gibt es bereits vorbereitete Makros, sodass nicht jeder Spieler selbst komplexe Einstellungen erstellen muss.

Fangen mit Timing

Auch die Offensive erhält ein neues Werkzeug. Das Timing-Based Catching funktioniert ähnlich wie ein perfekter Wurf in NBA 2K. Im richtigen Moment muss die entsprechende Eingabe erfolgen, um den Ball möglichst sauber zu sichern. Dadurch wird ein Teil der Berechnung aus den Händen der Attribute genommen und stärker dem Spieler überlassen. Das System ist optional und kann komplett deaktiviert werden. Anfangs wirkt es etwas gewöhnungsbedürftig, doch nach einigen Partien entwickelt sich ein angenehmer Rhythmus. Besonders enge Situationen profitieren davon, weil ein erfolgreicher Catch stärker das Gefühl vermittelt, tatsächlich selbst daran beteiligt gewesen zu sein. Wie gut das System langfristig funktioniert, hängt allerdings stark vom Balancing ab. Wird das Zeitfenster zu großzügig, verliert es seinen Zweck. Ist es zu streng, wird es frustrierend. Aktuell funktioniert die Balance ordentlich, doch hier dürfte EA in den kommenden Monaten noch mehrfach nachjustieren.

Franchise wird persönlicher

Für viele Madden-Spieler bleibt Franchise der wichtigste Modus, und genau dort setzt EA erneut einige der interessantesten Neuerungen an. Herzstück ist die neue Persona Engine. Jeder Spieler besitzt nun verschiedene Persönlichkeitseigenschaften, die seine Entscheidungen und Erwartungen beeinflussen. Manche Athleten stellen das Team über alles, andere interessieren sich vor allem für möglichst hohe Verträge. Einige sind geduldig, andere reagieren schnell beleidigt oder fordern möglicherweise sogar einen Trade. Das verändert den Umgang mit dem eigenen Kader spürbar. Ein NFL-Team besteht aus 53 Spielern, und erstmals fühlt es sich stärker danach an, tatsächlich 53 unterschiedliche Persönlichkeiten zu betreuen. Das macht Vertragsentscheidungen und langfristige Kaderplanung wesentlich interessanter.

Auch das Vertragssystem wurde deutlich erweitert.Früher bestand eine Vertragsverhandlung meistens daraus, Laufzeit und Gehalt festzulegen. Madden NFL 27 erlaubt deutlich komplexere Strukturen. Gehalt und Bonuszahlungen können flexibler verteilt werden, Void Years lassen sich integrieren und No-Trade-Klauseln können Teil eines Angebots werden. Außerdem finden Vertragsverhandlungen nun während der gesamten Saison statt. Spieler stehen nicht mehr plötzlich gesammelt zu einem bestimmten Zeitpunkt bereit, sondern Gespräche entstehen organischer. Diese Änderungen machen Franchise deutlich glaubwürdiger. Allerdings scheint die neue Logik noch nicht immer perfekt zu funktionieren. Berichte anderer Spieler zeigen teilweise KI-Teams, die zu viele Spieler auf derselben Position verpflichten oder Verträge abschließen, die langfristig massive Salary-Cap-Probleme verursachen. Solche Probleme traten im Test nicht ständig auf, sind aber ein Punkt, den EA dringend beobachten sollte.

Superstar bleibt die große Baustelle

Leider hält nicht jeder Modus dieses Qualitätsniveau. Superstar gehört weiterhin zu den schwächsten Bestandteilen des Spiels. Grundsätzlich ist die Idee attraktiv. Man erstellt seinen eigenen Spieler, wählt eine Position und arbeitet sich durch eine NFL-Karriere. Neu hinzugekommen ist unter anderem die Position des Free Safety. Auf dem Feld kann das durchaus Spaß machen. Das Bewertungssystem produziert allerdings regelmäßig merkwürdige Ergebnisse. Ein eindeutiger Tackle wird gelegentlich nur als Assist gewertet. Block-Situationen werden falsch interpretiert und selbst Spielergebnisse können innerhalb des Modus inkorrekt angezeigt werden. Solche Fehler sind besonders ärgerlich, weil die Leistungsbewertung eine zentrale Rolle bei der Charakterentwicklung spielt.

Abseits des Feldes wird Superstar schnell anstrengend. Die Karriere besteht weiterhin aus vielen Menüs, Markenkooperationen und Dialogentscheidungen, die meistens kaum Auswirkungen haben. Ob wir in einer Nachricht freundlich oder selbstbewusst antworten, verändert selten etwas Bedeutendes. Dadurch wirkt vieles wie Beschäftigungstherapie statt echte Rollenspielentscheidung. Noch problematischer ist allerdings die Monetarisierung. Spieler können echtes Geld ausgeben, um ihren Charakter schneller zu verbessern. Zusätzlich existiert ein Superstar Pass mit Battle-Pass-Struktur, der weitere Skillpunkte und Belohnungen bietet. Theoretisch lässt sich alles auch ohne zusätzliche Ausgaben spielen. Praktisch wird der Fortschritt jedoch deutlich langsamer. Selbst wer Superstar ausschließlich alleine spielt, bekommt ständig das Gefühl vermittelt, dass zusätzliche Zahlungen ausdrücklich erwünscht sind.

Monetarisierung wird zum echten Problem

Madden NFL 27 überschreitet bei seiner Monetarisierung immer häufiger eine unangenehme Grenze. Neben den Ausgaben innerhalb von Superstar existiert zusätzlich der Team Pass, der regelmäßig gegen weiteres Geld neue Inhalte bietet. Besonders ärgerlich ist, dass teilweise kosmetische Gegenstände aus vorherigen Madden-Spielen erneut auftauchen. Damit zahlt man nicht nur für zusätzliche Inhalte, sondern teilweise sogar für recycelte Belohnungen. Gerade bei einem Vollpreisspiel ist das schwer zu rechtfertigen. Diese Entwicklung wirkt besonders problematisch, wenn man bedenkt, dass EA offenbar langfristig einen größeren sozialen PvPvE-Modus ähnlich NBA 2Ks The City plant. Sollte das aktuelle Monetarisierungsmodell dort übernommen werden, dürfte der Widerstand deutlich größer ausfallen.

Natürlich ist auch Madden Ultimate Team wieder vorhanden. Grundlegend verändert wurde der Modus nicht. Neue sogenannte Evo-Karten können stärker entwickelt und teilweise in ihrer Ausrichtung verändert werden. Dadurch entsteht etwas mehr Flexibilität beim Aufbau des eigenen Teams. Das grundsätzliche Problem bleibt jedoch bestehen. Ultimate Team verlangt enorme Zeit oder sehr viel Geld, um dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben. Online trifft man weiterhin regelmäßig auf Teams, in die offensichtlich große Summen investiert wurden. Hinzu kommen bekannte Meta-Probleme, bei denen bestimmte Spielzüge oder Mechaniken innerhalb der Community schnell überstrapaziert werden. Wer dieses System bereits in den vergangenen Jahren nicht mochte, wird auch Madden NFL 27 kaum seine Meinung ändern.

Mehr NFL-Atmosphäre

Deutlich erfreulicher fallen die Verbesserungen der Präsentation aus. Besonders schön sind spezielle Übertragungen für Feiertage wie Halloween, Thanksgiving und Weihnachten. Stadien, Grafiken und Präsentationselemente werden entsprechend angepasst, wodurch bestimmte Saisonspiele tatsächlich etwas Besonderes wirken. Hinzu kommen detailliertere alternative Feldgestaltungen, die passend zu Throwback- oder Alternate-Trikots aktiviert werden. Auch Halbzeit- und Wochenrückblicke wurden erweitert. Scott Hanson führt erneut durch verschiedene Präsentationselemente und sorgt mit seiner bekannten Art für zusätzliche Authentizität. Neu ist beispielsweise ein Player-of-the-Week-Segment, das den Eindruck einer laufenden NFL-Saison weiter verstärkt. Es sind keine gewaltigen Neuerungen, aber genau solche Details tragen dazu bei, dass Franchise-Spielzeiten lebendiger wirken.

Ein kleiner Kritikpunkt betrifft PvP-Partien. Viele der aufwendigen Präsentationselemente werden dort automatisch übersprungen. Spieler sehen dadurch beispielsweise weniger Einläufe, Highlights oder TV-ähnliche Übergänge. Gerade weil EA viel Arbeit in diese Elemente steckt, wäre eine Option schön, auch Online-Spiele mit der vollständigen Präsentation auszutragen. Wer primär in Online-Ligen spielt, bekommt ansonsten einen erstaunlich kleinen Teil dieser Neuerungen zu Gesicht. Das Wichtigste bleibt am Ende dennoch das eigentliche Football-Spiel. Und genau hier überzeugt Madden NFL 27. Die defensiven Verbesserungen sorgen für glaubwürdigere Partien, das neue Pre-Snap-System gibt erfahrenen Spielern deutlich mehr Kontrolle und Timing-Based Catching erweitert die Offensive um eine interessante Mechanik. Laufspiel, Pass Rush, Coverage und direkte Spielersteuerung greifen insgesamt sehr gut ineinander. Madden fühlt sich auf dem Feld mittlerweile deutlich weniger nach einer Reihe an, die Jahr für Jahr nur minimale Veränderungen erhält.

Fazit

Madden NFL 27 ist auf dem Spielfeld eines der besten Madden-Spiele der vergangenen Jahre. Die Defensive funktioniert endlich wieder glaubwürdig, KI-Spieler reagieren intelligenter und die neuen Pre-Snap-Anpassungen geben erfahrenen Spielern enorm viel Kontrolle. Besonders die Macro Adjustments sind eine hervorragende Ergänzung, die taktische Änderungen deutlich schneller und komfortabler macht. Auch Franchise entwickelt sich weiter. Die Persona Engine verleiht Spielern mehr Persönlichkeit und das überarbeitete Vertragssystem bringt die Kaderplanung näher an die Realität der NFL. Gleichzeitig steht sich Madden abseits des Feldes selbst im Weg.

Superstar bleibt trotz guter Ansätze ein menülastiger und fehleranfälliger Modus. Ultimate Team besitzt weiterhin die bekannten Pay-to-Win-Probleme und die Monetarisierung greift inzwischen sogar immer stärker auf eigentlich klassische Einzelspielerbereiche über. Es entsteht deshalb ein merkwürdiges Gesamtbild. Das Madden, das man tatsächlich auf dem Footballfeld spielt, ist richtig gut geworden. Das Madden drumherum versucht dagegen zunehmend aggressiv, zusätzliche Einnahmen zu generieren. Wer hauptsächlich Franchise spielt und sich auf das eigentliche Football konzentriert, bekommt trotzdem eine hervorragende Simulation. Der alte „jedes Jahr dasselbe“-Vorwurf greift hier schlicht nicht mehr.

Madden NFL 27

Madden NFL 27
82 100 0 1
82/100
Total Score
  • Spielspaß
    75/100 Very good
  • Grafik
    90/100 Amazing
  • Gameplay
    85/100 Amazing
  • Sound
    90/100 Amazing
  • Umfang
    70/100 Good

Positiv

  • Stark verbesserte Defensive
  • Deutlich besserer Pass Rush
  • Persona Engine wertet Franchise deutlich auf
  • Schöne neue Präsentationselemente und Feiertagsspiele

Negativ

  • Monetarisierung wird immer aggressiver
  • Superstar bleibt menülastig und fehleranfällig
  • Ultimate Team bleibt stark auf Grind und Echtgeld ausgelegt
  • Vollständige Präsentation fehlt in vielen Online-Partien
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