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BioEden Test/Review

Explore, Expand, Exploit und Exterminate: Die vier namensgebenden Säulen des 4X-Genres drehen sich traditionell darum, eine Zivilisation aufzubauen, neues Land zu erschließen, Ressourcen auszubeuten und konkurrierende Mächte aus dem Weg zu räumen. BioEden stellt diese bekannte Formel auf den Kopf. Statt einen Planeten für den eigenen Fortschritt immer weiter auszubeuten, sollen wir die Folgen genau dieses Verhaltens beseitigen. Verschmutzte Flüsse werden gereinigt, zerstörte Lebensräume wiederhergestellt und ausgestorbene Tierarten zurück in die Natur gebracht. Das ist nicht nur thematisch erfrischend, sondern entwickelt sich zunächst zu einer ausgesprochen befriedigenden Strategiespielschleife. Leider offenbart BioEden bereits während des ersten Durchgangs seine größte Schwäche: Die Systeme sind schneller durchschaut und ausgereizt, als es dem langfristigen Spielspaß guttut.

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4X einmal andersherum

BioEden lässt sich am treffendsten als ökologisches 4X-Spiel beschreiben. Wir landen auf einem schwer verwüsteten fremden Planeten und sollen dessen Ökosystem Schritt für Schritt wiederbeleben. Dabei bleiben die klassischen Grundideen des Genres durchaus erkennbar, werden jedoch in einen völlig anderen Zusammenhang gesetzt. Wir erkunden die Überreste der Welt, erweitern den Einflussbereich unserer Technologie und verwerten die Hinterlassenschaften früherer Umweltzerstörung. Statt konkurrierende Zivilisationen auszulöschen, beseitigen wir allerdings Verschmutzung und versuchen, die Natur zurückzubringen. Diese Umkehrung funktioniert erstaunlich gut. Gerade weil viele bekannte Mechanismen erhalten bleiben, fühlt sich BioEden sofort vertraut an, ohne lediglich eine weitere Variation von Civilization und Co. zu sein. Expansion ist hier kein Selbstzweck, sondern dient letztlich der Renaturierung. Neue Produktionsanlagen ermöglichen es, weitere verschmutzte Gebiete zu säubern und damit wiederum neue Bereiche des Planeten wiederherzustellen. Das Spiel teilt sich dafür in zwei zentrale Bereiche auf: die Kuppeln und die eigentliche Oberwelt.

Innerhalb der Kuppeln widmen wir uns dem Wiederaufbau verschiedener Ökosysteme. Hier werden ausgestorbene Tierarten gezüchtet und auf ihre spätere Rückkehr in die Wildnis vorbereitet. Jede Spezies stellt dabei eigene Anforderungen an ihren Lebensraum. Manche Tiere benötigen bestimmte Pflanzen oder andere Arten in ihrer Umgebung, während bei anderen Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit berücksichtigt werden müssen. Die passenden Habitate werden auf einem sechseckigen Raster platziert. Da innerhalb einer Kuppel nur begrenzt Platz vorhanden ist, entwickelt sich daraus ein kleines Optimierungspuzzle.

Möglichst viele Tierarten sollen geeignete Lebensbedingungen erhalten, gleichzeitig müssen sich verschiedene Habitate geschickt überschneiden, damit kein wertvoller Raum verschwendet wird. Das Ziel besteht darin, eine stabile Population aufzubauen und die Tiere anschließend wieder in der freien Natur anzusiedeln. Gerade zu Beginn macht es viel Spaß, neue Spezies freizuschalten und deren Anforderungen miteinander zu kombinieren. Wer Freude daran hat, Produktionsketten oder Städte möglichst effizient zu organisieren, wird schnell damit beginnen, jeden einzelnen Bereich der Kuppeln optimal auszunutzen.

Ohne Infrastruktur keine Renaturierung

Die Voraussetzungen für diese Arbeit entstehen allerdings außerhalb der Kuppeln. Auf der Oberwelt müssen Energie und Wasser produziert sowie verschiedene Ressourcen gewonnen werden. Strom- und Wasserversorgung werden über miteinander verbundene Netzwerke verteilt, die wiederum neue Anlagen und Fördermöglichkeiten freischalten. Die gewonnenen Materialien werden praktisch für sämtliche anderen Systeme benötigt. Sie fließen in neue Produktionsgebäude, Pflanzen für die Habitate, Forschungsprojekte und letztlich auch in die Wiederbelebung zusätzlicher Tierarten.

Dadurch entsteht ein interessanter Kreislauf zwischen wirtschaftlicher Expansion und Umweltschutz. Je mehr Infrastruktur aufgebaut wird, desto mehr Möglichkeiten stehen zur Verfügung, um den Planeten zu retten. Trümmerfelder können beseitigt und verschmutzte Gewässer gereinigt werden, wodurch die Belastung der Umwelt Stück für Stück sinkt. Allerdings kann auch eine gut gemeinte Expansion zu weit gehen. Wer zu viele Anlagen gleichzeitig errichtet, erhöht die Instabilität des Gebiets. Dadurch steigt das Risiko von Umweltkatastrophen und gleichzeitig drohen Sanktionen der eigenen Gilde. BioEden zwingt uns deshalb zumindest theoretisch dazu, ständig zwischen Expansion, Effizienz und Nachhaltigkeit abzuwägen.

Ein zentraler Bestandteil dieses Systems ist das Recycling alter Gebäude. Sobald eine Anlage ihren Zweck erfüllt hat oder durch effizientere Technologie ersetzt werden kann, lohnt es sich, sie wieder abzubauen. Dadurch entsteht ein Wirtschaftssystem, das sich bewusst von der typischen Vorstellung des endlosen Wachstums entfernt. Mehr Gebäude bedeuten nicht automatisch mehr Fortschritt. Stattdessen geht es darum, möglichst effizient mit der vorhandenen Infrastruktur zu arbeiten und über Forschung bessere Produktionsmethoden zu entwickeln. Das passt hervorragend zur ökologischen Ausrichtung des Spiels. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man ständig überlegt, welche Anlagen wirklich noch benötigt werden und welche inzwischen lediglich unnötige Belastung verursachen.

Wenn die Welt wieder Farbe bekommt

Besonders befriedigend ist die visuelle Veränderung des Planeten. Zu Beginn dominieren kränkliche und verschmutzte Landschaften. Je mehr Abfälle beseitigt, Gewässer gereinigt und Gebiete wiederhergestellt werden, desto stärker verändert sich die Farbgebung. Nach und nach kehrt Leben zurück. Gerade dieses unmittelbare visuelle Feedback motiviert enorm. Statt lediglich zuzusehen, wie Zahlen steigen und Produktionswerte effizienter werden, verändert sich die Welt sichtbar durch unsere Entscheidungen. Interessanterweise entwickelt sich die Reinigung der Landschaft dadurch fast zum eigentlichen Star von BioEden. Das Züchten und Freilassen neuer Tierarten ist zwar ein zentraler Bestandteil des Spiels, doch es kann überraschend motivierend sein, einfach noch den nächsten verschmutzten Fluss zu reinigen oder ein weiteres beschädigtes Gebiet wiederherzustellen. Hier funktioniert die ökologische Botschaft besonders gut, weil sie nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt wird. BioEden macht die Wiederherstellung einer zerstörten Welt schlicht spielerisch befriedigend.

Leider hält diese Motivation nicht dauerhaft an. Das größte Problem von BioEden liegt im überschaubaren Umfang seiner Entwicklungssysteme. Viele Technologien besitzen lediglich eine einzige relevante Verbesserung. Die Energieproduktion kann einmal entscheidend aufgewertet werden, Verbindungsleitungen erhalten ihre Verbesserung und auch andere Systeme erreichen überraschend schnell ihre effizienteste Form. Damit fällt ein wichtiger Bestandteil klassischer 4X-Spiele weg: das langfristige Optimieren einer immer komplexer werdenden Wirtschaft. Schon relativ früh lässt sich eine nahezu autarke Infrastruktur errichten, ohne die erste kritische Instabilitätsgrenze dauerhaft zu überschreiten. Wer kurzfristig besonders viele Ressourcen benötigt, kann die Belastung sogar bewusst erhöhen, große Mengen abbauen und anschließend wieder auf ein nachhaltigeres Niveau zurückkehren. Hat man dieses Prinzip einmal verstanden, verliert die wirtschaftliche Seite schnell einen Großteil ihrer Herausforderung.

Ein Strategiespiel ohne echte Eskalation

Gerade das ist schade, denn die grundlegenden Ideen würden sich hervorragend für eine deutlich tiefere strategische Erfahrung eignen. Instabilität könnte beispielsweise im späteren Spielverlauf wesentlich größere Konsequenzen besitzen. Unterschiedliche Tierarten könnten komplexere Wechselwirkungen entwickeln oder wiederhergestellte Ökosysteme könnten neue Probleme erzeugen, auf die dynamisch reagiert werden muss. Stattdessen bleibt BioEden weitgehend bei den Mechaniken, die bereits relativ früh eingeführt werden. Es entsteht kaum jene Eskalation, die gute Strategiespiele so lange interessant hält. Normalerweise beginnt ein 4X-Spiel mit wenigen überschaubaren Entscheidungen und entwickelt sich anschließend zu einem komplexen Geflecht aus Wirtschaft, Expansion, Forschung und langfristiger Planung. BioEden erreicht diesen Punkt nie wirklich. Sobald man verstanden hat, wie sich Instabilität kontrollieren und die Infrastruktur effizient organisieren lässt, ist der größte strategische Widerstand bereits überwunden.

Nach einem abgeschlossenen Durchgang stellt sich deshalb schnell die Frage nach dem Wiederspielwert. BioEden bietet zwar unterschiedliche Kampagnenoptionen, doch deren Unterschiede fallen zu gering aus. Meist verändert sich lediglich die Geschwindigkeit bestimmter Abläufe oder einzelne Rahmenbedingungen werden angepasst. Die grundlegende Strategie bleibt praktisch identisch. Da zudem bereits während des ersten Durchgangs fast alle wichtigen Systeme und Technologien erlebt werden können, fehlt ein überzeugender Grund, sofort eine weitere Kampagne zu beginnen. Gerade für ein Genre, dessen Vertreter häufig Dutzende oder sogar Hunderte Stunden verschlingen können, ist das ungewöhnlich. BioEden möchte allerdings offensichtlich auch kein zweites Civilization sein. Das Spiel ist wesentlich kompakter angelegt und funktioniert eher als überschaubares Strategiespiel für zwischendurch. Das ist grundsätzlich völlig legitim. Trotzdem hätte etwas mehr spielerische Tiefe den vorhandenen Mechaniken gutgetan.

Gute Botschaft ohne moralischen Zeigefinger

Was BioEden besonders gut gelingt, ist die Vermittlung seines zentralen Themas. Umweltschutz wird nicht lediglich als Hintergrundgeschichte verwendet, sondern steckt direkt in den Spielmechaniken. Wir bauen Infrastruktur, um sie später wieder abzureißen. Ressourcen werden benötigt, um die Schäden früherer Ausbeutung zu beseitigen. Fortschritt bedeutet nicht, immer größere Fabriken zu errichten, sondern irgendwann mit weniger Infrastruktur mehr erreichen zu können. Gleichzeitig zeigt die sich sichtbar erholende Spielwelt unmittelbar die Auswirkungen unserer Arbeit. Damit funktioniert BioEden als kleine Umkehrung klassischer Aufbaustrategie erstaunlich gut. Das Spiel möchte nicht zeigen, wie erfolgreich eine Zivilisation einen Planeten ausbeuten kann, sondern wie befriedigend es sein kann, die daraus entstandenen Schäden wieder rückgängig zu machen.

Fazit

BioEden besitzt eine tolle Grundidee. Die bekannten Prinzipien eines 4X-Spiels werden genutzt, um keine Welt zu erobern, sondern eine bereits zerstörte wiederherzustellen. Verschmutzte Gewässer reinigen, Trümmer beseitigen, nachhaltige Infrastruktur aufbauen und ausgestorbene Tierarten wieder ansiedeln entwickelt schnell einen überraschend motivierenden Rhythmus. Besonders gelungen ist das Zusammenspiel aus Oberwelt und Kuppeln. Während draußen Ressourcen gewonnen und die Umwelt gereinigt werden, entstehen innerhalb der geschützten Bereiche kleine ökologische Puzzles, bei denen verschiedene Tierarten möglichst effizient untergebracht werden müssen. Auch visuell funktioniert der Fortschritt hervorragend. Zu beobachten, wie sich eine kränkliche und verschmutzte Landschaft langsam wieder in eine lebendige Welt verwandelt, gehört zu den befriedigendsten Aspekten des Spiels.

Leider schöpft BioEden sein Potenzial nicht vollständig aus. Die Forschung ist zu überschaubar, Produktionssysteme erreichen zu schnell ihre optimale Form und die Instabilitätsmechanik lässt sich nach kurzer Eingewöhnung problemlos kontrollieren. Gerade erfahrene 4X-Spieler werden deshalb schon während des ersten Durchgangs kaum noch vor echte Herausforderungen gestellt. Noch schwerer wiegt der geringe Wiederspielwert. Die verschiedenen Kampagnen verändern zu wenig am eigentlichen Ablauf und bereits nach ungefähr zehn Stunden hat man einen Großteil dessen gesehen, was BioEden spielerisch zu bieten hat. Damit bleibt ein sympathisches und angenehm ungewöhnliches Strategiespiel, das für einige Abende hervorragend unterhalten kann. Wer eine komplexe 4X-Erfahrung sucht, die auch nach dem fünften Durchgang noch neue strategische Herausforderungen bereithält, wird hier allerdings nicht glücklich. BioEden hat eine clevere Botschaft, eine befriedigende Gameplay-Schleife und einige wirklich gute Ideen. Es fehlt lediglich an der nötigen Tiefe, um aus diesen Ideen ein Strategiespiel zu machen, zu dem man immer wieder zurückkehren möchte.

BioEden

BioEden
80 100 0 1
80/100
Total Score
  • Spielspaß
    80/100 Very good
  • Grafik
    85/100 Amazing
  • Gameplay
    80/100 Very good
  • Sound
    85/100 Amazing
  • Umfang
    70/100 Good

Positiv

  • Originelle ökologische Interpretation des 4X-Genres
  • Sichtbare Veränderungen der Landschaft motivieren
  • Recycling sinnvoll in die Spielmechanik integriert
  • Leicht verständlicher Einstieg

Negativ

  • Zu wenige relevante Upgrades
  • Unterschiedliche Kampagnen verändern zu wenig
  • Forschungssystem schnell ausgereizt
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