Seit ich Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung damals in der Schule zum ersten Mal gesehen habe, lässt mich Darth Maul nicht mehr los. Die geheimnisvolle Aura des rot-schwarz tätowierten Sith wurde durch seine viel zu kurze Leinwandzeit nur noch verstärkt. Trotz seines scheinbar unspektakulären Endes entwickelte sich Maul später, vor allem in Star Wars: The Clone Wars, zu einer der spannendsten Figuren des Kanons: ein Charakter. Der die verborgenen Strippenzieher hinter dem Krieg erkennt und aus Rache gegen sie vorgehen will. Nachdem bereits zahlreiche Figuren aus der weit, weit entfernten Galaxis eigene Anthologie-Reihen erhalten haben, ist nun endlich auch Maul an der Reihe. Star Wars: Darth Maul – Black, White & Red folgt dabei dem bekannten Konzept der Marvel-Anthologien. Mehrere in sich abgeschlossene Kurzgeschichten, die sich um die Titelfigur drehen. Im Gegensatz zu manch anderen Vertretern liegt der Fokus hier jedoch klar auf der Charakterarbeit. Und darauf, die Grundlagen für Mauls spätere Entwicklung zu legen. Wenn auch mit einem etwas eingeschränkten Blickwinkel.
Vier Missionen, ein zentrales Thema
Die erste Story, „Ghost Ship“ von Benjamin Percy und Stefano Raffaele, schickt Maul im Auftrag von Darth Sidious auf eine Bergungsmission. Ein Transporter ist spurlos verschwunden, an Bord befinden sich Mitglieder eines Kults. Der sowohl die Sith als auch andere Machtnutzer vernichten will. Während Maul versucht, die Situation unter Kontrolle zu bringen, beginnen Zweifel an den Plänen seines Meisters zu keimen. Damit wird bereits hier das zentrale Thema des Bandes gesetzt: Macht, Kontrolle und Misstrauen. Percys Skript überzeugt mit einer starken inneren Stimme für Maul, doch es ist vor allem Raffaeles Artwork, das mit teilweise verstörenden, fast schon horrorartigen Bildern heraussticht. Mein persönliches Highlight ist jedoch die zweite Geschichte, „The Remainders“ von Mark Russell und Carlos Nieto. Hier greift Maul eine abgelegene Minenkolonie im Outer Rim an, die von einer kleinen Gruppe ehemaliger Kopfgeldjäger beschützt wird. In erstaunlich kurzer Zeit gelingt es Russell, diese Figuren greifbar und sympathisch zu machen – fast so sehr, dass man ihren unausweichlichen Ausgang bedauert. Gleichzeitig wird Maul als gnadenlose Naturgewalt inszeniert. Nietos Zeichenstil verbindet dabei eine gewisse Manga-Dynamik mit dem klassischen Star Wars-Look und liefert einige eindrucksvolle Actionmomente.
Viel Variation und doch ein bisschen zu gleich
Die dritte Story, „The Mission“ von Erica Schultz und Leonard Kirk, dürfte vor allem Fans der Prequel-Ära ansprechen. Nachdem Sheev Palpatine erpresst wird, schickt er Maul aus, um den Verantwortlichen auszuschalten. Hier wird besonders deutlich, dass Maul letztlich nur ein Werkzeug seines Meisters ist. Gleichzeitig werden erste Ansätze jener Entwicklung sichtbar, die ihn später prägen wird. Schultz nutzt die Gelegenheit, die kriminelle Unterwelt von Coruscant auszuleuchten. Während Kirk mit routinierter Qualität sowohl Aliens als auch Actionsequenzen in Szene setzt. Den Abschluss bildet „Peace and Quiet“ von Greg Pak sowie Luca Pizzari und Will Sliney. Die vergleichsweise ruhige, stellenweise sogar humorvolle Geschichte zeigt Maul auf einer abgelegenen Welt, wo er Geduld durch Meditation lernen soll, zumindest theoretisch. Praktisch wird er jedoch ständig gestört und reagiert entsprechend wenig zen-mäßig. Die Idee ist unterhaltsam und bietet einen spannenden Kontrast zur Jedi-Philosophie. Auch wenn die wechselnden Zeichenstile nicht immer ganz harmonieren.
Anthologien leben
von Vielfalt und Black, White & Red bietet durchaus unterschiedliche Settings und kreative Ansätze. Erzählerisch ähneln sich die Geschichten jedoch stärker, als man es sich wünschen würde. Das Muster bleibt meist gleich. Maul erhält einen Auftrag, führt ihn aus und hinterfragt dabei zunehmend seine Rolle im System seines Meisters. Zwar funktioniert dieser Ansatz gut, um die Grundlage für Mauls spätere Entwicklung zu legen, doch die starke Fokussierung auf die Prequel-Ära schränkt die Möglichkeiten spürbar ein. Gerade bei einer Figur mit einer so vielseitigen Geschichte hätte man sich auch Ausflüge in andere Zeitabschnitte gewünscht. So entsteht beim Lesen am Stück ein gewisser Gleichklang. Trotz einzelner kreativer Highlights.
Fazit
Star Wars: Darth Maul – Black, White & Red ist vor allem eines. Ein Fest für Fans des Sith-Lords. Wer Maul in seiner kompromisslosen, brutalen Art erleben möchte, kommt hier definitiv auf seine Kosten. Die einzelnen Geschichten liefern interessante Einblicke in seine Psyche und säen gekonnt die Samen für seine spätere Entwicklung. Wer hingegen auf besonders abwechslungsreiche Storys oder neue Facetten außerhalb der Prequel-Zeit hofft, könnte etwas enttäuscht werden. Dennoch bleibt der Band eine solide Anthologie mit starken Momenten, die vor allem durch ihre intensive Charakterzeichnung punktet. Unterm Strich gilt. Viel Dunkle Seite, etwas zu wenig Vielfalt. Aber für Maul-Fans definitiv einen Blick wert.

