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Kusan: City of Wolves Test/Review

Schon nach den ersten Minuten lässt Kusan: City of Wolves keinen Zweifel daran, welches Spiel als großes Vorbild dient. Das schnelle, kompromisslose Vorgehen durch enge Räume, die tödlichen Gegner und das ständige Streben nach einem noch saubereren Durchlauf erinnern deutlich an Hotline Miami. Statt greller Achtzigerjahre-Ästhetik setzt das Actionspiel jedoch auf eine düstere Cyberpunk-Stadt, koreanischen Hip-Hop und anthropomorphe Figuren. Entwickler CIRCLEfromDOT kombiniert brutale Nahkämpfe mit Schusswaffen, Wurfmessern, Paraden und einem umfangreichen Modulsystem. Daraus entsteht ein forderndes Top-Down-Actionspiel, das kaum Fehler verzeiht, erfolgreiche Angriffsketten dafür aber umso stärker belohnt. Nicht jede Mechanik fühlt sich gleichermaßen präzise an und auch die Geschichte benötigt einiges an Aufmerksamkeit. Trotzdem entwickelt Kusan: City of Wolves schnell einen Sog, dem sich Fans anspruchsvoller Actionspiele nur schwer entziehen können.

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Willkommen in einer Stadt voller Raubtiere

Im Mittelpunkt der Handlung steht Jin, ein wortkarger Kämpfer, der sich durch die gefährlichen Bezirke der Stadt Kusan schlägt. Die Metropole erinnert optisch an eine Mischung aus Blade Runner und Beastars. Neonlichter spiegeln sich auf nassen Straßen, während Wölfe und andere vermenschlichte Tiere in einer von Gewalt, Korruption und organisiertem Verbrechen geprägten Gesellschaft leben. Die Geschichte wird vor allem über stilisierte Comicsequenzen erzählt. Diese passen hervorragend zum visuellen Konzept und verleihen Jin sowie den übrigen Figuren eine starke Präsenz. Leider gelingt es der Handlung nicht immer, ihre Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Begriffe, Figuren und Konflikte werden teilweise eingeführt, ohne ausreichend erklärt zu werden. Gerade in den ersten Kapiteln kann es deshalb schwerfallen, den Überblick zu behalten. Mit zunehmender Spieldauer werden zwar einige Verbindungen deutlicher, doch die Geschichte bleibt eher ein atmosphärischer Rahmen für die Action als deren treibende Kraft. Das ist angesichts des gelungenen Gameplays kein großes Problem, verhindert aber, dass die Welt von Kusan ihr gesamtes erzählerisches Potenzial entfaltet.

Jeder Raum ist ein kleines Todesrätsel

Das Herzstück von Kusan: City of Wolves sind die schnellen und erbarmungslosen Kämpfe. Die meisten Level bestehen aus mehreren Räumen, in denen bewaffnete Gegner auf Jin warten. Ein einzelner Fehler kann bereits das Ende bedeuten, weshalb jede Begegnung wie ein kleines taktisches Rätsel funktioniert. Zu Beginn verfügt Jin lediglich über seine Fäuste. Schon bald kommen jedoch weitere Fähigkeiten hinzu. Er lernt, Angriffe zu parieren, ein Messer zu werfen, eine Pistole einzusetzen und verschiedene Techniken zu einer durchgehenden Angriffskette zu verbinden. Das Ziel besteht nicht nur darin, sämtliche Gegner auszuschalten. Kusan möchte, dass dies schnell, abwechslungsreich und möglichst stilvoll geschieht. Nach jedem Abschnitt wird die eigene Leistung anhand der benötigten Zeit, der längsten Kombo und der verwendeten Angriffsmöglichkeiten bewertet. Dadurch entsteht eine enorme Motivation, bereits abgeschlossene Level erneut zu spielen. Ein erster Durchgang dient häufig nur dazu, Gegnerpositionen und Gefahren kennenzulernen. Beim zweiten Versuch lassen sich Aktionen bereits besser planen, bis Jin schließlich fast wie in einer choreografierten Kampfszene durch die Räume fegt.

Vielseitige Werkzeuge für tödliche Kombinationen

Jins Arsenal wächst im Verlauf der Kampagne stetig an. Nahkampfangriffe bilden zwar das Fundament, doch erst die Kombination mit Fernkampfwaffen und Spezialfähigkeiten sorgt für den besonderen Rhythmus. Ein Gegner wird mit einem Messer betäubt, der nächste mit einem gezielten Schuss ausgeschaltet, bevor Jin in den Nahkampf übergeht und einen weiteren Angreifer mit einer Parade aus dem Gleichgewicht bringt. Wenn diese Abfolge funktioniert, fühlt sich Kusan hervorragend an. Das Spiel belohnt aggressives Vorgehen, verlangt dabei aber gleichzeitig ständige Aufmerksamkeit. Gegner greifen aus unterschiedlichen Richtungen an und besitzen verschiedene Waffen sowie Angriffsmuster. Wer einfach blind in einen Raum stürmt, wird häufig innerhalb weniger Sekunden ausgeschaltet. Gerade deshalb wirken erfolgreiche Durchläufe so befriedigend. Jeder Sieg fühlt sich erarbeitet an und vermittelt den Eindruck, die Systeme tatsächlich besser verstanden zu haben.

Nicht jede Mechanik ist allerdings gleich gut umgesetzt. Besonders das Parieren bereitet regelmäßig Schwierigkeiten. Das Zeitfenster für eine erfolgreiche Parade wird selbst nach dem Tutorial nicht deutlich genug vermittelt. Teilweise werden Angriffe scheinbar zufällig abgewehrt, obwohl die Eingabe nicht bewusst gesetzt wurde. In anderen Situationen scheitert die Parade, obwohl das Timing korrekt wirkte. Da das Spiel in späteren Abschnitten zunehmend auf diese Mechanik setzt, können solche Momente frustrierend sein. Gerade bei schnellen Gegnergruppen entsteht gelegentlich das Gefühl, weniger an der eigenen Reaktion als an einer unklaren Eingabeabfrage zu scheitern. Auch die allgemeine Steuerung wirkt stellenweise etwas steif. Richtungswechsel und bestimmte Aktionsfolgen fühlen sich nicht immer so unmittelbar an, wie es ein derart schnelles Spiel erfordert. Mit zunehmender Übung lassen sich viele dieser Probleme ausgleichen, vollständig verschwinden sie jedoch nicht.

Module ermöglichen individuelle Builds

Deutlich überzeugender fällt das Fortschrittssystem aus. Im Laufe des Spiels sammelt Jin verschiedene Module, mit denen sich seine Fähigkeiten verändern und verbessern lassen. Diese Module werden auf einem begrenzten, gitterartigen Feld platziert. Jede Verbesserung benötigt unterschiedlich viel Platz. Einfache Boni wie zusätzliche Munition lassen sich relativ leicht unterbringen, während stärkere Module mehrere Felder blockieren. Dadurch muss regelmäßig entschieden werden, welche Vorteile zum eigenen Spielstil passen. Soll Jin mehr Patronen tragen, sich schneller bewegen oder sogar Projektile parieren können? Große und mächtige Module bieten deutliche Vorteile, nehmen dafür aber den Raum mehrerer kleiner Verbesserungen ein. Das Raster kann mit gesammelter Spielwährung erweitert werden, wodurch nach und nach komplexere Kombinationen möglich werden. Dieses System verleiht dem Spiel eine überraschende taktische Tiefe und motiviert dazu, verschiedene Ausrichtungen auszuprobieren. Wer häufig zur Pistole greift, kann den Build entsprechend auf Munition und Fernkampfschaden ausrichten. Spieler mit einem aggressiveren Nahkampfstil investieren dagegen eher in Geschwindigkeit, Paraden und defensive Fähigkeiten.

Bosskämpfe als echte Prüfungen

Zwischen den regulären Leveln warten mehrere Bossgegner. Diese Kämpfe verlangen meist ein deutlich besseres Verständnis der zuvor erlernten Mechaniken. Statt ganze Räume möglichst schnell zu säubern, gilt es hier, Angriffsmuster zu erkennen und auf kleine Öffnungen zu warten. Die Bosse halten wesentlich mehr aus als gewöhnliche Gegner und bestrafen unüberlegte Angriffe gnadenlos. Einige Begegnungen führen allerdings auch die Schwächen der Steuerung besonders deutlich vor Augen. Wenn Paraden nicht zuverlässig reagieren oder Jin in einem ungünstigen Winkel stehen bleibt, können Niederlagen unfair wirken. Trotzdem gehören die Bosskämpfe zu den Höhepunkten. Nach mehreren gescheiterten Versuchen endlich den entscheidenden Treffer zu landen, vermittelt genau jenes Erfolgserlebnis, das ein anspruchsvolles Actionspiel benötigt.

Die audiovisuelle Präsentation zählt zu den größten Stärken von Kusan: City of Wolves. Das Spiel kombiniert detaillierte Pixelgrafik mit modernen Effekten und stilisierten Comicsequenzen. Die Stadt wirkt dreckig, gefährlich und gleichzeitig faszinierend. Neonfarben, dunkle Gassen und industrielle Anlagen erzeugen eine dichte Cyberpunk-Atmosphäre. Die anthropomorphen Figuren geben dem Szenario zusätzlich eine eigene Identität und verhindern, dass die Spielwelt wie eine weitere gewöhnliche Zukunftsmetropole wirkt. Der Soundtrack orientiert sich laut den Entwicklern stark an koreanischem Hip-Hop. Die treibenden Beats passen hervorragend zum hohen Spieltempo und begleiten die Kämpfe mit der nötigen Energie. Gerade während längerer Kombos verschmelzen Musik und Action zu einem regelrechten Rausch. Die Musik trägt außerdem dazu bei, dass selbst wiederholte Versuche eines schwierigen Abschnitts kaum langweilig werden. Stattdessen entsteht schnell der Wunsch, den nächsten Durchgang noch sauberer und schneller abzuschließen.

Hoher Schwierigkeitsgrad mit großem Wiederspielwert

Kusan: City of Wolves ist kein einfaches Spiel. Bereits frühe Abschnitte verlangen Konzentration und eine gewisse Frusttoleranz. Spätere Level erhöhen die Gegnerzahl, führen neue Gefahren ein und setzen eine sichere Beherrschung sämtlicher Fähigkeiten voraus. Dabei kann die Kampagne gelegentlich über das Ziel hinausschießen. Einige Räume wirken weniger clever designt als schlicht überladen. Vor allem mehrere Schützen und Nahkämpfer auf engem Raum können für chaotische Situationen sorgen. Wer sich auf den Schwierigkeitsgrad einlässt, wird jedoch mit hohem Wiederspielwert belohnt. Die Ranglisten am Ende jedes Levels laden dazu ein, bessere Zeiten zu erreichen, abwechslungsreichere Angriffe einzusetzen und Fehler vollständig zu vermeiden. Kusan eignet sich deshalb hervorragend für kurze Sessions. Ein einzelner Abschnitt lässt sich in wenigen Minuten absolvieren, kann aber für den perfekten Rang zahlreiche Versuche erfordern.

Fazit

Kusan: City of Wolves ist ein schnelles, stilvolles und forderndes Top-Down-Actionspiel, das seine Inspiration durch Hotline Miami offen zeigt, aber genügend eigene Ideen entwickelt. Das abwechslungsreiche Arsenal, das clevere Modulsystem und die konsequente Bewertung von Zeit, Kombos und Angriffen erzeugen einen motivierenden Spielablauf. Erfolgreiche Durchläufe fühlen sich großartig an und laden sofort dazu ein, noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Nicht alle Mechaniken erreichen die gewünschte Präzision. Besonders das Parieren besitzt ein schwer lesbares Zeitfenster, während die Steuerung gelegentlich etwas steif wirkt. Auch die Geschichte wird unnötig kompliziert erzählt und verliert sich stellenweise in ihren eigenen Begriffen. Dem stehen jedoch eine fantastische Pixeloptik, ein treibender Soundtrack und ein hoher Wiederspielwert gegenüber. Wer schnelle Action, schwierige Herausforderungen und stilvolle Cyberpunk-Welten mag, findet in Kusan: City of Wolves einen kompromisslosen Geheimtipp.

Kusan: City of Wolves

Kusan: City of Wolves
80 100 0 1
80/100
Total Score
  • Spielspaß
    80/100 Very good
  • Grafik
    80/100 Very good
  • Gameplay
    85/100 Amazing
  • Sound
    70/100 Good
  • Umfang
    85/100 Amazing

Positiv

  • Schnelle und befriedigende Top-Down-Action
  • Umfangreiches Arsenal mit vielen Kombinationsmöglichkeiten
  • Starker Soundtrack mit koreanischem Hip-Hop-Einfluss

Negativ

  • Manche Level können frustrierend ausfallen
  • Geschichte ist unnötig schwer verständlich
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