Mit dem LEGO Star Wars 75421 Darth Vader’s TIE Fighter wagt LEGO einen der größten technologischen Schritte seit den interaktiven Mario-Sets. Unter dem Namen „SMART Play“ kombiniert das Set klassische Klemmbausteine mit Sensorik, Licht- und Soundeffekten sowie einer komplett neuen Art der Interaktion. Das Ergebnis ist kein gewöhnliches LEGO-Star-Wars-Set mehr, sondern eher eine Mischung aus Spielzeug, Elektronik-Gadget und interaktivem Rollenspielsystem. Und genau deshalb dürfte 75421 wohl eines der kontroversesten LEGO-Star-Wars-Sets der letzten Jahre werden. Für manche ist SMART Play die Zukunft des Spielens. Andere sehen darin eine unnötige Technisierung klassischer LEGO-Sets. Nach dem Aufbau zeigt sich allerdings schnell: Ganz so einfach ist die Diskussion nicht.
Was ist SMART Play überhaupt?
Die Grundidee hinter SMART Play ist tatsächlich ziemlich spannend. Im Zentrum des Systems steckt ein spezieller intelligenter LEGO-Stein, der verschiedene Sensoren integriert. Dazu gehören ein Gyroskop, Farberkennung und drahtlose Kommunikation mit anderen SMART-Komponenten. Außerdem verfügt der Stein über Licht- und Soundfunktionen. Das wirklich Beeindruckende dabei ist weniger die Technologie selbst, sondern ihre Miniaturisierung. LEGO hat es geschafft, die gesamte Technik in einem vergleichsweise kompakten Stein unterzubringen. Hinzu kommt erstmals kabelloses Laden über eine kleine Ladeplattform. Statt Batteriefach und AAA-Zellen wird der SMART Brick einfach per USB-Ladestation aufgeladen. Das kennt man in ähnlicher Form zwar bereits aus den LEGO-Mario-Sets, allerdings wirkt die Technik hier deutlich kompakter und stärker in das eigentliche Modell integriert.
| Bezeichnung | Darth Vader’s TIE Fighter |
| Art.-Nummer | 75421 |
| Teileanzahl | 473 |
| Alter | 8+ |
| Verfügbarkeit | ab sofort |
| UVP | 69,99 € |
| Minifiguren | zwei Stück |
| Sticker enthalten? | nein |
| Bedruckte Steine? | ja |
| Anleitung | gedruckt |
| Bauzeit | 2-3 Stunden |
Der erste Eindruck: Ein massiver TIE Fighter
Der eigentliche Star des Sets bleibt natürlich Darth Vaders ikonischer TIE Fighter. Schon beim Aufbau fällt auf, dass LEGO das Modell extrem robust konstruiert hat. Das ergibt auch Sinn, denn SMART Play setzt stark auf Bewegung. Das Schiff soll geschwenkt, gedreht und aktiv durchs Zimmer geflogen werden. Mit 473 Teilen fällt das Modell überraschend groß aus. Der zentrale Rumpf besitzt eine stabile Technic-Konstruktion, die deutlich massiver wirkt als viele frühere TIE-Fighter-Versionen in ähnlicher Größe. Die charakteristischen Flügel werden über mehrere verstärkte Segmente aufgebaut und fühlen sich angenehm stabil an. Der Bau selbst richtet sich allerdings klar an jüngere Fans und weniger an erwachsene Sammler. Komplexe Techniken oder raffinierte SNOT-Konstruktionen stehen hier nicht im Vordergrund. Stattdessen konzentriert sich LEGO auf Stabilität und Spielfunktionen. Trotzdem macht der Aufbau Spaß, gerade weil das Modell immer wieder kleine technische Überraschungen bereithält. Besonders die Integration der SMART-Komponenten in die Struktur des TIE Fighters wirkt erstaunlich clever.
Licht und Sound machen tatsächlich Spaß
Der große Unterschied zu klassischen LEGO-Star-Wars-Sets zeigt sich natürlich erst während des Spielens. Sobald Darth Vader im Cockpit sitzt und der SMART Brick aktiviert wird, beginnt das Modell auf Bewegungen zu reagieren. Beim Starten ertönen Triebwerksgeräusche. Beim schnellen Drehen oder „Swooshen“ verändert sich der Sound dynamisch. Zieht man den Trigger am Heck, aktiviert das Modell Lasergeräusche. Lichtimpulse simulieren zusätzlich Schüsse oder Aktivität im Cockpit. Und ja, das funktioniert erstaunlich gut. Selbst als erwachsener LEGO-Fan erwischt man sich dabei, den TIE Fighter durchs Zimmer zu fliegen und mit den Geräuschen herumzuspielen. Gerade Kinder dürften daran enorm viel Freude haben. Die Kombination aus Bewegung, Sound und Licht erzeugt tatsächlich ein deutlich immersiveres Spielerlebnis als klassische Star-Wars-Modelle. Besonders positiv ist dabei, dass LEGO diesmal weitgehend auf eine permanente App-Abhängigkeit verzichtet. Das Set funktioniert direkt nach dem Laden eigenständig. Die optionale SMART Assist App dient eher für Updates, Lautstärkeregelung oder Hilfestellungen.
Die Umsetzung hat aber auch Schwächen
So faszinierend die Technik grundsätzlich ist, so unausgereift wirkt manches Detail im Alltag. Vor allem die zusätzlichen SMART-Interaktionen bleiben hinter ihrem Potenzial zurück. Der beiliegende Hammer aktiviert Reparaturgeräusche, während die blaue Tankdüse Betankungs-Sounds auslöst. Nett gemeint, aber spielerisch relativ belanglos. Hier hätte LEGO deutlich kreativer werden können. Gerade Star Wars bietet unzählige Möglichkeiten für interaktive Missionen, Lichtschwertkämpfe oder echte Spielszenarien. Auch die Sprachumsetzung sorgt für Diskussionen. Statt echter Filmzitate oder zumindest einer glaubwürdigen Vader-Stimme ertönen eher generische elektronische Geräusche und Droiden-artige Sounds. Das wirkt manchmal etwas seltsam und nimmt der Immersion etwas die Magie. Hinzu kommt, dass die Sensorik nicht immer zuverlässig reagiert. Manche Sounds werden sofort ausgelöst, andere wiederum erst nach mehreren Versuchen. Gerade bestimmte Spezialeffekte wie der Imperial March scheinen eher zufällig aktiviert zu werden. Das System funktioniert insgesamt gut, wirkt aber noch wie eine frühe Generation einer größeren Idee.
Das Modell selbst
Abseits der Elektronik zeigt sich allerdings auch, dass SMART Play seinen Preis hat. Der TIE Fighter musste konstruktiv einige Opfer bringen, um Platz für die Technik zu schaffen. Besonders die offene Rückseite fällt negativ auf. Der hintere Bereich des Cockpits wirkt unfertig und wenig elegant. Während klassische TIE-Fighter-Modelle oft geschlossene und saubere Formen besitzen, sieht man hier sehr deutlich die technischen Komponenten und Mechaniken. Für Kinder dürfte das kaum eine Rolle spielen. Erwachsene Sammler oder Display-Fans werden sich daran aber vermutlich stören. Auch das Cockpit selbst bleibt relativ leer. Statt detaillierter Instrumente oder Innenraumelemente dient der Bereich hauptsächlich als Halterung für Darth Vader und die SMART-Technik. Man merkt dem Set deutlich an, dass die Spielfunktion über der Modelltreue stand.
Die Minifiguren
Die enthaltenen Figuren fallen überschaubar aus. Neben einem Rebellentruppen-Soldaten liegt natürlich Darth Vader bei, allerdings diesmal als spezielle SMART-Minifigur mit integriertem Tag-System. Optisch wirkt Vader solide, allerdings ohne große Überraschungen. Interessant ist vor allem die technische Integration, weniger die Figur selbst. Dafür bringt das Set einige spannende neue Teile und Drucke mit. Besonders der neue SMART Brick, die Ladestation und diverse spezielle Sensor-Komponenten dürften für Technik-Fans interessant sein.
Preis-Leistung überraschend fair
Erstaunlich ist tatsächlich der Preis. Elektroniksets von LEGO waren in der Vergangenheit oft extrem teuer. Im Vergleich dazu wirkt 75421 fast moderat kalkuliert. Natürlich bezahlt man einen deutlichen Technik-Aufpreis im Vergleich zu einem normalen TIE Fighter ähnlicher Größe. Gleichzeitig erhält man aber ein komplett neues interaktives System inklusive Sensorik, Beleuchtung und drahtloser Ladefunktion. Wer keinerlei Interesse an SMART Play hat, wird hier vermutlich trotzdem keinen echten Gegenwert sehen. Dafür ist das Modell zu stark auf die Technik zugeschnitten. Wer jedoch neugierig auf LEGOs neue Interaktivitäts-Offensive ist, bekommt hier einen durchaus spannenden Einstieg.
Fazit
LEGO Star Wars 75421 Darth Vader’s TIE Fighter ist vermutlich eines der experimentellsten LEGO-Star-Wars-Sets der letzten Jahre. Das Modell selbst ist solide, aber klar kompromissbehaftet. Die wahre Stärke liegt eindeutig in der neuen SMART-Play-Technologie. Und überraschenderweise funktioniert diese besser als erwartet. Die Licht- und Soundeffekte machen Spaß, die Bewegungssteuerung funktioniert meist zuverlässig und gerade jüngere Fans dürften vom interaktiven Gameplay begeistert sein. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass LEGO hier noch am Anfang steht. Viele Ideen wirken noch nicht vollständig ausgereift und das Potenzial des Systems wird längst nicht komplett ausgeschöpft. Trotzdem bleibt am Ende ein faszinierender erster Schritt in eine mögliche Zukunft interaktiver LEGO-Sets. Wichtig wird allerdings sein, dass SMART Play klassische LEGO-Modelle ergänzt und nicht ersetzt. Denn als vollwertiger Ersatz für traditionelle Star-Wars-Bausätze funktioniert dieses Konzept aktuell noch nicht.

