Als Granblue Fantasy: Relink Anfang 2024 erschien, gelang Cygames etwas, woran nach der turbulenten Entwicklung kaum noch jemand geglaubt hatte. Trotz des Ausstiegs von PlatinumGames und mehrerer Jahre voller Funkstille entwickelte sich Relink zu einem der besten Action-RPGs des Jahres und begeisterte sowohl Fans der Granblue-Reihe als auch komplette Neueinsteiger. Der Wunsch nach weiteren Inhalten ließ daher nicht lange auf sich warten. Mit Endless Ragnarok liefert Cygames nun die erste große Erweiterung nach den ursprünglich geplanten Post-Launch-Updates. Wichtig ist allerdings, die Erwartungen richtig einzuordnen: Hierbei handelt es sich nicht um einen Nachfolger, sondern um eine klassische Endgame-Erweiterung. Neue Mechaniken, zusätzliche Charaktere und deutlich anspruchsvollere Herausforderungen stehen im Mittelpunkt, während die eigentliche Geschichte eher in den Hintergrund rückt.
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Ein gelungener Einstieg für Veteranen
Wer bereits einen Endgame-Spielstand besitzt, wird zunächst überrascht sein, wie geschickt Endless Ragnarok neue Systeme in das Hauptspiel integriert. Nach einer kurzen Einführungsphase erhalten Spieler direkt Zugriff auf neue Inhalte, zusätzliche Einstellungen und mehrere Komfortfunktionen, die sich die Community lange gewünscht hat. Dazu gehören unter anderem das sofortige Freischalten kompletter Meisterschaftsbäume, eine deutlich bessere Sigil-Suche nach Eigenschaften sowie zahlreiche kleinere Verbesserungen, die das Grinden erheblich angenehmer gestalten. Zusammen mit dem kostenlosen Patch fühlt sich Relink insgesamt runder an als jemals zuvor. Eine der größten Neuerungen sind die sechs zusätzlichen Helden. Neben den bereits bekannten Bossgegnern Gallanza und Maglielle stoßen mit Beatrix, Eustace, Fraux und Fediel weitere beliebte Figuren aus dem Granblue-Universum zur spielbaren Besetzung. Die Rekrutierung erfolgt angenehm flexibel. Einige Charaktere lassen sich direkt freischalten, während andere im Verlauf der Erweiterung automatisch zur Gruppe stoßen oder alternativ früher gegen spezielle Crewmate-Karten erhältlich sind. Dadurch können Fans ihre Lieblingscharaktere relativ früh ins Team aufnehmen.

Die Geschichte verliert an Dynamik
Inhaltlich beginnt Endless Ragnarok mit einer neuen Bedrohung, welche Monster mutieren lässt und die Sky Realm erneut ins Chaos stürzt. Anders als im Hauptspiel folgt die Handlung jedoch nicht mehr klassischen Storykapiteln. Stattdessen wird die gesamte Kampagne über neue Fatebreaker-Quests erzählt, die vollständig auch im Koop spielbar sind. Das ist zwar spielerisch sinnvoll, kostet der Geschichte jedoch einiges an Tempo und Inszenierung. Während Relink seine Handlung noch wie einen bombastischen Anime-Film präsentierte, besteht Endless Ragnarok überwiegend aus kurzen Dialogen und kleinen Erinnerungsszenen. Neue Gebiete sucht man vergeblich, stattdessen kämpfen Spieler hauptsächlich gegen neue oder überarbeitete Bossgegner. Gerade Spieler ohne tiefere Kenntnisse der Granblue-Lore werden dadurch deutlich weniger emotional abgeholt als noch im Hauptspiel. Spielerisch legt Endless Ragnarok dafür deutlich zu. Die neuen Gegner agieren aggressiver, verursachen erheblich mehr Schaden und verlangen deutlich besser optimierte Charakterbuilds. Zwar handelt es sich bei einigen Bossen um überarbeitete Versionen bekannter Gegner, doch zahlreiche neue Mechaniken sorgen dennoch für ausreichend Abwechslung. Besonders die komplett neuen Endgegner zählen zu den Highlights der Erweiterung und verlangen präzises Ausweichen sowie eine optimale Abstimmung des Teams.

Weapon Transcendence bringt frischen Wind
Das wohl wichtigste neue Fortschrittssystem ist die sogenannte Weapon Transcendence. Im Hauptspiel dominierten die Terminus-Waffen nahezu sämtliche Charakterbuilds und verdrängten große Teile des übrigen Waffenarsenals. Endless Ragnarok geht dieses Problem direkt an. Nahezu jede Waffenklasse erhält nun individuelle Spezialisierungen. Verteidigungswaffen profitieren beispielsweise von hohen Lebenspunkten, während offensive Varianten zusätzliche Boni über kritische Treffer oder andere Werte erhalten. Dadurch entstehen endlich unterschiedliche Buildmöglichkeiten, die deutlich mehr Experimentierfreude fördern als bisher. Zusätzlich erweitert das neue Master-Trait-System den Charakterausbau erheblich. Nach Erreichen von Stufe 100 sammeln die Helden weitere Meisterschaftspunkte und investieren diese in drei unterschiedliche Talentpfade: Insight, Essence und Crux. Jeder dieser Bäume verändert den Spielstil spürbar. So kann Katalina beispielsweise stärker auf ihren Beschwörungsgeist Ares spezialisiert werden oder stattdessen ihre Unterstützungsfähigkeiten für die gesamte Gruppe verbessern. Zwar verändern diese Spezialisierungen die Fähigkeiten nicht ganz so drastisch wie etwa Talentbäume in Path of Exile 2, dennoch bieten sie genügend Freiraum für abwechslungsreiche Builds und motivieren langfristig zum Experimentieren.

Conflux bringt Roguelite-Elemente
Mit Conflux erhält Relink außerdem einen komplett neuen Einzelspielermodus. Dabei kämpft ihr euch durch mehrere zufällig zusammengestellte Etappen, sammelt temporäre Verstärkungen und entscheidet nach jedem Bosskampf, ob ihr weitermachen oder eure Belohnungen sichern möchtet. Die einzelnen Abschnitte bestehen nicht ausschließlich aus Kämpfen. Zeitprüfungen, Plattformpassagen, Minispiele oder kleine Rätsel sorgen zwischendurch für angenehme Abwechslung. Allerdings zeigt sich nach einigen Stunden auch die größte Schwäche des Modus: Viele Abläufe wiederholen sich recht schnell, insbesondere da die Endbosse pro Schwierigkeitsgrad immer identisch bleiben. Dennoch eignet sich Conflux hervorragend zum Farmen wertvoller Materialien und stellt eine gelungene Ergänzung zum bisherigen Endgame dar. Eine weitere interessante Neuerung stellen die erstmals direkt steuerbaren Beschwörungen dar. Diese können während Fatebreaker-Quests eingesetzt werden und verbrauchen unterschiedlich viele Punkte einer neuen Beschwörungsleiste. Die mächtigeren Beschwörungen verursachen enormen Schaden, während andere hilfreiche Buffs oder Spezialeffekte aktivieren. Durch clevere Kombinationen lassen sich ihre Kosten sogar deutlich reduzieren, wodurch taktisches Ressourcenmanagement entsteht. Lediglich die Steuerung der besonders großen Beschwörungen wirkt stellenweise etwas sperrig.

Das Grinding wurde deutlich verbessert
Besonders erfreulich ist, wie stark Cygames auf das Feedback der Community reagiert hat. Viele Materialien, die zuvor nur mit enormem Zeitaufwand erhältlich waren, droppen nun deutlich häufiger. Auch Terminus-Waffen erscheinen wesentlich zuverlässiger und können unter bestimmten Voraussetzungen sogar direkt hergestellt werden. Dadurch fühlt sich der gesamte Spielfortschritt wesentlich flüssiger an und motiviert deutlich länger als noch zum Release des Hauptspiels. Etwas kritischer fällt dagegen die Erweiterung des Assist-Systems aus. Sowohl der Assist- als auch der Full-Assist-Modus dürfen nun nahezu in allen Inhalten verwendet werden – selbst in den anspruchsvollen Fatebreaker-Quests. Da der Full Assist perfekte Ausweich- und Blockmanöver nahezu fehlerfrei ausführt, nimmt er Solo-Spielern einen großen Teil der eigentlichen Herausforderung ab. Lediglich einige der härtesten Endgame-Kämpfe verlangen weiterhin manuelles Spielen. Einer der größten Wünsche der Community wurde ebenfalls erfüllt. Endless Ragnarok unterstützt erstmals vollständiges Crossplay zwischen allen Plattformen. Zusätzlich können Spieler eigene Charaktere ähnlich wie die Pawns aus Dragon’s Dogma hochladen, damit andere sie für ihre Gruppen nutzen können. Gerade für den Koop dürfte diese Funktion die Community langfristig zusammenhalten.

Fazit
Granblue Fantasy: Relink – Endless Ragnarok ist genau die Erweiterung, die sich Fans des Hauptspiels gewünscht haben. Zwar fällt die Geschichte deutlich schwächer aus als im Hauptspiel und neue Gebiete fehlen komplett, doch spielerisch hebt Cygames das ohnehin starke Endgame auf ein neues Niveau. Weapon Transcendence, Master Traits, Conflux, neue Charaktere und zahlreiche Komfortverbesserungen sorgen dafür, dass Relink heute wesentlich abwechslungsreicher und motivierender wirkt als noch zum Release. Gleichzeitig beweist das kostenlose Update eindrucksvoll, wie ernst Cygames das Feedback seiner Community genommen hat. Wer bereits viele Stunden mit Relink verbracht hat, erhält mit Endless Ragnarok jede Menge neue Gründe zurückzukehren. Gleichzeitig macht die Erweiterung Lust auf einen echten Nachfolger, der all diese neuen Ideen künftig von Anfang an integrieren könnte.

Granblue Fantasy: Relink - Endless Ragnarok
Granblue Fantasy: Relink - Endless Ragnarok-
Spielspaß9/10 Amazing
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Grafik9/10 Amazing
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Gameplay9/10 Amazing
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Sound9/10 Amazing
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Umfang Erweiterung7/10 Good
Positiv
- Deutlich erweitertes und abwechslungsreicheres Endgame
- Viele sinnvolle Komfortverbesserungen
- Crossplay
- Weapon Transcendence und Master Traits sorgen für spannende Buildvielfalt
Negativ
- Geschichte bleibt hinter dem Hauptspiel zurück
- Kaum neue Umgebungen oder Bosse

