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Disgaea Mayhem Test/Review

Die Disgaea-Reihe befindet sich seit einiger Zeit in einer schwierigen Phase. Nach dem spielerisch hervorragend ausbalancierten Disgaea 5 wirkte die Serie zunehmend so, als würde sie auf der Stelle treten. Neue Teile entfernten beliebte Mechaniken, nur um sie später wieder zurückzubringen und als große Weiterentwicklung zu verkaufen. Disgaea 7 beseitigte zwar viele der Probleme des enttäuschenden Vorgängers, zeigte aber gleichzeitig deutlich, wie sehr die klassische Strategie-RPG-Formel inzwischen nach frischen Ideen verlangte. Mit Disgaea Mayhem wagt Nippon Ichi Software deshalb einen radikalen Schritt. Statt rundenbasierter Taktik erwartet euch ein Hack-and-Slash-Action-RPG, das die überdrehten Systeme, absurden Zahlen und typischen Mechaniken der Reihe in ein völlig neues Genre übertragen möchte. Das Ergebnis besitzt tatsächlich eine überraschend starke spielerische Grundlage. Leider fehlt es jedoch an Abwechslung, Inhalt und einer funktionierenden Balance, um diesen mutigen Richtungswechsel wirklich zu rechtfertigen.

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Ein Söldner namens Nicht Zutreffend

In Sachen Humor, Figuren und Präsentation bleibt Disgaea Mayhem seinen Wurzeln treu. Im Mittelpunkt steht der grimmige Söldner N.A., dessen Name tatsächlich für „Not Applicable“, also „nicht zutreffend“, steht. Dunkler, geheimnisvoller und unnötig dramatischer könnte sich ein Disgaea-Protagonist kaum nennen. N.A. wird von Tichelle angeheuert, der jungen Herrscherin der Unterwelt Super Duper. Diese war einst für ihre brutalen und besonders starken Bestiendämonen bekannt, die nach dem Prinzip des Stärkeren lebten. Tichelles Vater Margraf gelang es jedoch, die rivalisierenden Gruppen mit einer kulinarischen Meisterleistung zu vereinen: dem Pristine Gleam Flan. Der Nachtisch war derart köstlich, dass selbst die aggressivsten Dämonen plötzlich zu friedlichen Süßigkeitenliebhabern wurden. Nach Margrafs Tod rebellieren die sechs mächtigen Psychlamates gegen Tichelle. Also soll N.A. sie erst vermöbeln und anschließend so lange ruhigstellen, bis sie Tichelles zunehmend merkwürdige Flan-Kreationen probiert haben. Die Geschichte ist erwartungsgemäß völliger Unsinn, funktioniert aber dank des charmanten Zusammenspiels ihrer Hauptfiguren. N.A.s betont raue Fassade bröckelt zunehmend unter Tichelles naiver Begeisterung und seiner eigenen wachsenden Vorliebe für ihre Desserts. Weniger gelungen sind die ständig wiederholten Witze über Kalorien, Gewichtszunahme und übermäßigen Flan-Konsum. Nach wenigen Stunden verlieren diese Gags deutlich an Wirkung. Glücklicherweise fällt die Kampagne mit etwa fünf Stunden ohnehin sehr kurz aus, sodass zumindest die Dynamik zwischen N.A. und Tichelle die Handlung bis zum Ende tragen kann.

Kein echtes Musou-Spiel

Auf den ersten Blick erinnert Disgaea Mayhem stark an Dynasty Warriors und andere Musou-Titel. Riesige Gegnergruppen, leichte und schwere Angriffe, auffällige Spezialattacken und abgeschlossene Missionen lassen zunächst genau diese Richtung vermuten. Tatsächlich fehlen jedoch fast sämtliche strategischen Elemente, die das Musou-Genre auszeichnen. Es gibt keine Stützpunkte zu erobern, keine Verbündeten zu kommandieren und keine gegnerischen Offiziere, die plötzlich auf dem Schlachtfeld auftauchen und den Missionsverlauf verändern. Auch Truppenbewegungen oder alternative Ziele spielen keine Rolle. Stattdessen besteht Disgaea Mayhem aus kleinen Arenakämpfen. Ihr betretet einen Bereich, besiegt mehrere Gegnerwellen und tretet anschließend gegen einen Miniboss oder Endgegner an. Die grundsätzliche Struktur erinnert daher eher an kompakte Action-RPGs wie Croixleur Sigma als an die großflächigen Schlachten eines Dynasty Warriors. Die Storygebiete fallen teilweise überraschend weitläufig aus und besitzen unterschiedliche Wege sowie Kulissen. Spielerisch wird daraus jedoch kaum etwas gemacht. Die Missionen führen euch meist direkt zu einer abgegrenzten Kampffläche, in der etwa 15 bis 20 Feinde erscheinen. Anschließend folgt häufig lediglich eine größere, andersfarbige Variante eines bereits bekannten Gegners. Damit verkommen die Umgebungen letztlich zu hübschen Hintergrundbildern für immer gleiche Arenakämpfe.

Das Kampfsystem macht zunächst richtig Spaß

Das eigentliche Kampfsystem ist zweifellos die größte Stärke von Disgaea Mayhem. N.A. reagiert schnell und präzise, besitzt ein flottes Ausweichmanöver mit Unverwundbarkeitsphasen und kann leichte sowie schwere Angriffe zu verschiedenen Kombos verbinden. Jede Waffenart verfügt über einen eigenen Kampfstil. Besonders die Doppelpistolen und Faustwaffen überzeugen durch bewegliche Angriffsketten, mit denen N.A. gleichzeitig Schaden verursacht und gegnerischen Attacken ausweicht. Dadurch entsteht ein angenehm flüssiges Spielgefühl, das vor allem in den ersten Stunden hervorragend funktioniert. Zusätzlich lassen sich bis zu vier Spezialfähigkeiten ausrüsten. Einige davon beseitigen ganze Feindgruppen mit spektakulären Effekten, während andere massiven Schaden gegen einzelne Ziele verursachen. Die überzogenen Animationen passen hervorragend zur Disgaea-Reihe und lassen Zahlen, Explosionen und Gegner regelmäßig über den gesamten Bildschirm fliegen. Auch Konterangriffe sind möglich, wenn Spezialfähigkeiten im richtigen Moment eingesetzt werden. Aufgrund der schwachen Balance werden diese Mechaniken später allerdings kaum benötigt.

Battle Buddies und Magichange

Nach abgeschlossenen Missionen könnt ihr besiegte Monster gegen Mana anwerben und als sogenannte Battle Buddies mitnehmen. Ihre künstliche Intelligenz lässt zwar häufig zu wünschen übrig, doch dank der zurückkehrenden Magichange-Mechanik besitzen sie dennoch einen praktischen Nutzen. Bei Magichange verwandelt sich ein Monster vorübergehend in eine Waffe und eröffnet dadurch ein neues Moveset. Jede Monsterspezies entspricht dabei einer bestimmten Waffenart. Ist die Magichange-Leiste gefüllt, könnt ihr die Transformation aktivieren oder ihre gesamte verbleibende Energie für eine mächtige Spezialattacke opfern. Die Battle Buddies spielen außerdem im Chara World-Modus eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um ein simples Brettspiel mit automatischen Kämpfen. Eure Gruppe bewegt sich über einen linearen Weg, besiegt gegnerische Monster und sammelt dauerhafte Verbesserungen für N.A. Auf diese Weise schaltet ihr auch neue Evilities frei, darunter passive Fähigkeiten wie Doppelsprünge, verbesserte Heilung oder zusätzliche Kampfboni. Wer alle Möglichkeiten der Charakterentwicklung ausschöpfen möchte, muss daher mehrere Monster aufbauen und regelmäßig einsetzen.

Item World ohne Überraschungen

Natürlich kehrt auch die bekannte Item World zurück. Statt umfangreicher zufällig generierter Ebenen erwarten euch diesmal kleine Kampfarenen mit unterschiedlichen Formen. Einige bestehen aus kreisförmigen Flächen, andere aus schmalen Ringen, kreuzförmigen Plattformen oder Gebieten mit störenden Säulen. Optisch bleiben diese Abschnitte allerdings enttäuschend eintönig. Nahezu alle schweben in einer violetten Leere und unterscheiden sich lediglich durch ihre Geometrie. Ironischerweise funktionieren diese kleinen Arenen spielerisch besser als die größeren Storygebiete. Gegner befinden sich ständig in Reichweite, greifen aggressiv an und zwingen euch dazu, zwischen normalem Kanonenfutter und stärkeren Gegnern zu wechseln. Das Problem liegt weniger in der eigentlichen Struktur als in ihrer Wirkung auf die Balance.

Die Balance zerfällt schon nach kurzer Zeit

Disgaea-Spiele waren schon immer dafür bekannt, dass sich ihre Systeme bewusst ausnutzen lassen. Wer ausreichend Zeit in die Item World investiert, kann normalerweise extrem mächtige Charaktere erschaffen und selbst die schwierigsten Herausforderungen dominieren. In Disgaea Mayhem geschieht das jedoch viel zu schnell. Bereits weniger als eine Stunde in der Item World reicht aus, um einfache Ausrüstung derart stark aufzuwerten, dass sämtliche Storygegner praktisch bedeutungslos werden. Nach einer kurzen Verbesserungsrunde starben die meisten Bosse im Test innerhalb weniger Treffer. Selbst der Endgegner hielt kaum länger durch. Das ist besonders ärgerlich, weil gerade die Storybosse über die interessantesten Angriffsmuster und Mechaniken verfügen. Diese können sich jedoch gar nicht entfalten, wenn sie schon nach wenigen Sekunden zu Boden gehen. Das Spiel besitzt zwar ein Taumelsystem, bei dem Gegner durch konstante Angriffe aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Doch auch dieses System wird bereits früh komplett überflüssig, sobald die eigenen Schadenswerte außer Kontrolle geraten. Die Item World zu ignorieren ist ebenfalls keine sinnvolle Lösung. Dort werden wichtige Fähigkeiten und Ausrüstungsoptionen freigeschaltet, die offensichtlich für das vollständige Kampfsystem vorgesehen sind. Wer sie auslässt, spielt mit künstlich eingeschränkten Möglichkeiten. Wer sie nutzt, zerstört hingegen die gesamte Schwierigkeitskurve.

Erschreckend wenig Gegnervielfalt

Noch schwerer wiegt der massive Mangel an frischen Inhalten. Bereits nach wenigen Stunden habt ihr nahezu jeden Gegnertyp gesehen. Spätere Missionen greifen auf dieselben Modelle und Angriffsmuster zurück und verändern lediglich Farben sowie Werte. Dadurch kämpft ihr während der kurzen Kampagne und im anschließenden Endgame ständig gegen dieselben Monster. Auch Minibosse sind häufig nur vergrößerte Varianten gewöhnlicher Feinde. Disgaea war zwar schon immer auf Wiederholung und Grinding ausgelegt, doch normalerweise standen genügend Klassen, Karten, Gegner und Systeme zur Verfügung, um diesen Kreislauf interessant zu halten. Disgaea Mayhem besitzt hingegen nur eine dünne Schicht an Inhalten, die immer weiter gedehnt wird. Selbst inklusive des Postgames bietet das Spiel kaum mehr als etwa zehn Stunden wirklich neue Ideen. Der Weg zu den anspruchsvolleren Herausforderungen wird deshalb bereits langweilig, bevor diese überhaupt zugänglich sind.

Fazit

Disgaea Mayhem ist ein mutiger, aber deutlich zu halbherziger Versuch, die langjährige Strategie-RPG-Serie in ein neues Genre zu führen. Das Grundgerüst funktioniert erstaunlich gut. N.A. steuert sich präzise, die Waffen besitzen unterhaltsame Movesets und die überdrehten Spezialattacken vermitteln genau den Disgaea-Wahnsinn, den Fans erwarten. Auch bekannte Systeme wie Magichange, Item World, Chara World und Evilities wurden grundsätzlich clever an das actionreiche Gameplay angepasst. Die sympathische Beziehung zwischen N.A. und Tichelle rundet die charmante Präsentation ab. Doch all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Disgaea Mayhem deutlich zu wenig Inhalt bietet. Die Kampagne ist extrem kurz, Gegner und Missionen wiederholen sich permanent und die weitläufigeren Level besitzen kaum spielerischen Nutzen. Hinzu kommt eine katastrophale Balance, durch die selbst die interessantesten Bosskämpfe nach minimalem Grinding innerhalb weniger Sekunden vorbei sind. Damit wirkt Disgaea Mayhem weniger wie die große Neuerfindung der Reihe und mehr wie ein spielbarer Konzeptnachweis. Das Fundament für ein hervorragendes Action-RPG ist vorhanden. Nippon Ichi Software hätte jedoch wesentlich mehr Zeit, Abwechslung und Feinschliff investieren müssen, um daraus ein vollwertiges Spiel zu machen. Disgaea Mayhem ist letztlich wie ein Flan, der viel zu früh aus dem Ofen genommen wurde: Die süße Oberfläche sieht verlockend aus, doch darunter fehlt es an Festigkeit und Substanz.

Disgaea Mayhem

Disgaea Mayhem
7 10 0 1
7/10
Total Score
  • Spielspaß
    8/10 Very good
  • Grafik
    7/10 Good
  • Gameplay
    7/10 Good
  • Sound
    8/10 Very good
  • Umfang
    6/10 Normal

Positiv

  • Schnelles und präzises Kampfsystem
  • Unterschiedliche Waffen mit gelungenen Kombos
  • Bekannte Systeme wurden sinnvoll ins Action-Genre übertragen

Negativ

  • Massive Wiederverwertung von Gegnern und Inhalten
  • Völlig unausgewogene Schwierigkeitskurve
  • Item World zerstört die Balance extrem schnell
  • Sehr kurze Kampagne
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