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Beast of Reincarnation Test/Review

Auf den ersten Blick könnte man Beast of Reincarnation schnell als weiteres Soulslike abstempeln. Düsteres Setting, harte Gegner, große Bosskämpfe und ein Kampfsystem, das präzises Parieren belohnt, scheinen direkt aus dem bekannten Baukasten zu stammen. Ganz so einfach macht es sich das Action-RPG allerdings nicht. Statt FromSoftware lediglich zu kopieren, verbindet Beast of Reincarnation klassische Schwertkämpfe mit einem ungewöhnlichen Partnersystem, offenen Gebieten und beinahe rundenbasierten Spezialaktionen. Heraus kommt ein Spiel, das seine Vorbilder offen zeigt, aber genügend eigene Ideen besitzt, um nicht im Schatten von Dark Souls oder Sekiro zu verschwinden. Nicht alles funktioniert dabei gleichermaßen gut. Die Geschichte bleibt erstaunlich blass, technisch gibt es einige Schwächen und auch der Schwierigkeitsgrad wirkt stellenweise unausgeglichen. Das eigentliche Kampfsystem gehört jedoch klar zu den größten Stärken des Spiels.

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Eine Welt, die von der Natur zurückerobert wurde

Im Mittelpunkt steht Emma, eine junge Frau, die von einer pflanzenartigen Seuche befallen wurde. Diese nimmt ihr nach und nach menschliche Emotionen, verleiht ihr gleichzeitig aber außergewöhnliche Fähigkeiten. Die Handlung spielt in einem postapokalyptischen Japan, in dem die Natur große Teile der menschlichen Zivilisation überwuchert hat. Ruinen liegen zwischen dichtem Pflanzenbewuchs, ehemalige Städte verschwinden unter Wurzeln und gefährliche Kreaturen durchstreifen die Landschaft. Diese sogenannten Malefacts sind bizarre Mischwesen aus Tieren und Pflanzen. Emma selbst reist nicht allein durch diese gefährliche Welt. An ihrer Seite befindet sich Koo, ein riesiger Wolf, der ebenfalls zu diesen Kreaturen gehört. Gemeinsam verfolgen die beiden das Ziel, das titelgebende Beast of Reincarnation zu besiegen und die letzten Überreste der Menschheit zu retten. Die Ausgangslage klingt spannend und besitzt durchaus Potenzial. Leider gelingt es der Handlung nur selten, daraus wirklich emotionale Momente zu entwickeln. Emma selbst bleibt aufgrund ihres Fluchs bewusst distanziert, was zwar erzählerisch nachvollziehbar ist, gleichzeitig aber auch dafür sorgt, dass es schwerfällt, eine echte Bindung zu ihr aufzubauen. Auch die Nebenfiguren bleiben größtenteils blass. Viele ihrer Geschichten werden in Gesprächen innerhalb der mobilen Basis erzählt, doch kaum eine davon entwickelt genug Tiefe, um länger im Gedächtnis zu bleiben.

Offene Gebiete statt riesiger Open World

Beast of Reincarnation setzt nicht auf eine komplett offene Welt. Stattdessen bereist ihr mehrere größere Gebiete, die jeweils frei erkundet werden können. Jede Region besitzt einen sogenannten Nushi, einen mächtigen Bossgegner, dessen Niederlage den Weg in das nächste Gebiet öffnet. Wer möchte, kann relativ direkt dem Hauptziel folgen. Deutlich lohnenswerter ist es allerdings, sich zunächst abseits der vorgesehenen Route umzusehen. Überall warten optionale Minibosse, wertvolle Gegenstände und versteckte Ressourcen. Dadurch lohnt es sich, auch entlegenere Winkel der Karten zu erkunden. Die Umgebungen fallen erfreulich unterschiedlich aus. Ihr wandert durch verwilderte Graslandschaften, zerstörte Dörfer und gewaltige unterirdische Siedlungen. Gerade die Mischung aus Natur und zerfallener Zivilisation erzeugt einige starke Bilder. Allerdings wirken die Gebiete außerhalb der Kämpfe häufig etwas statisch. Es gibt kaum dynamische Ereignisse oder überraschende Begegnungen. Dadurch kann das Erkunden längerer Abschnitte stellenweise etwas leer wirken.

Eine der ungewöhnlicheren Ideen sind Emmas pflanzenartige Fähigkeiten. Mit ihren Haaren kann sie Wurzeln aus dem Boden wachsen lassen, die sie in die Höhe schleudern. Außerdem lassen sich horizontale Wurzelstrukturen erschaffen, die als improvisierte Brücken dienen. Diese Fähigkeiten verleihen der Erkundung zusätzliche Möglichkeiten und sorgen in einigen Gebieten für kleine Plattformpassagen. Gerade dort, wo das Leveldesign aktiv mit diesen Mechaniken arbeitet, gewinnt die Welt deutlich an Dynamik. Leider nutzt nicht jede Region diese Möglichkeiten konsequent. Manche Karten beschränken sich hauptsächlich darauf, euch von einer Gegnergruppe zur nächsten zu schicken.

Schwertkampf trifft auf taktische Befehle

Im Kampf zeigt Beast of Reincarnation seine größte Stärke. Emma setzt auf klassisches Schwertkampf-Gameplay. Es gibt keine Ausdauerleiste, wodurch Angriffe, Ausweichmanöver und Bewegungen deutlich freier miteinander verbunden werden können. Jeder Treffer reduziert nicht nur die Lebenspunkte des Gegners, sondern füllt zusätzlich eine Taumelleiste. Sobald diese vollständig gefüllt ist, kann Emma einen mächtigen Finisher ausführen und enormen Schaden verursachen. Besonders wichtig ist das Parieren. Erfolgreiche Paraden füllen die Taumelleiste wesentlich schneller als normale Angriffe und regenerieren gleichzeitig Emmas Entanglement Gauge, die für Spezialfähigkeiten benötigt wird. Das Zeitfenster fällt erfreulich großzügig aus. Dadurch verlangt das Spiel zwar Aufmerksamkeit, bestraft kleine Fehler aber deutlich weniger hart als beispielsweise Sekiro. Gerade deshalb lässt sich Beast of Reincarnation am ehesten als eine Art zugänglicheres Sekiro beschreiben. Perfektes Timing bleibt wichtig, doch das Spiel möchte den Spieler nicht permanent bestrafen.

Der eigentliche Unterschied zu vielen Genrevertretern entsteht durch Koo. Während des Kampfes kann Emma ihrem Begleiter Befehle erteilen. Sobald das entsprechende Menü geöffnet wird, verlangsamt sich die Zeit stark. Dadurch entsteht beinahe der Eindruck eines rundenbasierten Systems innerhalb eines Echtzeitkampfes. Koo besitzt verschiedene Spezialfähigkeiten, die über sogenannte FP aktiviert werden. Diese erhält er vor allem durch erfolgreiche Paraden von Emma. Dadurch entsteht ein cleverer Kreislauf. Wer gut pariert, kann Koo häufiger einsetzen. Dessen Fähigkeiten wiederum erleichtern größere Gegnergruppen oder Bosskämpfe. Seine Angriffe besitzen unterschiedliche Effekte. Einige verursachen Elementarschaden, andere ziehen Gegner zusammen, schleudern sie in die Luft oder erzeugen temporäre Greifpunkte. Da viele Feinde bestimmte Statusschwächen besitzen, lohnt es sich, Koo mit möglichst unterschiedlichen Fähigkeiten auszustatten.

Gute Synergie zwischen beiden Figuren

Besonders befriedigend wird das Kampfsystem, wenn Emmas Nahkampfangriffe und Koos Kommandos miteinander kombiniert werden. Ein Gegner wird zunächst pariert, anschließend mit einer Spezialfähigkeit geschwächt und schließlich durch Koos Angriff aus dem Gleichgewicht gebracht. Danach folgt ein Finisher, der den Kampf spektakulär beendet. Wenn diese Systeme ineinandergreifen, fühlt sich Emma enorm mächtig an. Gerade gegen größere Gegnergruppen entsteht ein angenehmer Wechsel aus aggressiven Angriffen, präzisen Paraden und taktisch eingesetzten Partnerfähigkeiten. Etwas schwächer fallen Emmas eigene Spezialattacken aus. Viele davon unterscheiden sich optisch und spielerisch nur geringfügig voneinander. Zwar sind sie effektiv, doch kaum eine Fähigkeit besitzt einen wirklich einzigartigen Charakter. Koos Fähigkeiten sorgen deutlich stärker für spielerische Abwechslung.

Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich insgesamt auf einem gut zugänglichen Niveau. Wer seinen Charakter regelmäßig verbessert und neue Waffen sowie Fähigkeiten freischaltet, sollte die meisten Herausforderungen bewältigen können. Dennoch teilen Gegner teilweise enormen Schaden aus. Ein kleiner Fehler kann schnell dazu führen, dass Emma innerhalb weniger Treffer stirbt. Diese Schadensspitzen wirken manchmal etwas unausgeglichen. Gerade wenn mehrere Gegner gleichzeitig angreifen, kann eine eigentlich kontrollierte Situation innerhalb weniger Sekunden eskalieren. Immerhin fällt die Strafe für den Tod angenehm mild aus. Es gehen weder Erfahrungspunkte noch Gegenstände verloren. Stattdessen startet ihr lediglich am zuletzt besuchten Lagerfeuer erneut. Das nimmt dem Spiel viel Frust und unterstreicht erneut, dass Beast of Reincarnation eher ein zugängliches Action-RPG als ein kompromissloses Soulslike sein möchte.

Der Cleanse Walker als mobile Heimat

Nach einem besiegten Gebietsboss kehrt Emma regelmäßig zum sogenannten Cleanse Walker zurück. Dabei handelt es sich um ein riesiges zweibeiniges Fahrzeug, das als mobile Basis dient. Hier könnt ihr mit Verbündeten sprechen, neue Rezepte erforschen, Gegenstände herstellen und euren Charakter weiterentwickeln. Die Struktur erinnert etwas an die Unterkünfte aus Death Stranding. Zwischen den gefährlichen Expeditionen entsteht so ein ruhiger Gegenpol, an dem die Handlung weitergeführt und neue Ausrüstung vorbereitet wird. Leider können gerade die Storyabschnitte nicht mit dem Gameplay mithalten. Viele Gespräche ziehen sich und schaffen es nur selten, echte emotionale Bindung zu den Figuren aufzubauen.

Optisch liefert Beast of Reincarnation ein gemischtes Bild. Die grundsätzliche Art Direction überzeugt. Überwucherte Ruinen, riesige Pflanzenwesen und verwitterte Landschaften erzeugen eine starke Atmosphäre. Einige Gebiete besitzen beeindruckende Panoramen und eine angenehm melancholische Stimmung. Auf einer normalen PS5 fallen allerdings immer wieder schwache Texturen und vereinfachte Details auf. Gerade aus der Nähe wirken manche Oberflächen auffällig unscharf. Auch die Performance bleibt nicht vollständig stabil. Im Performance-Modus zielt das Spiel auf 60 Bilder pro Sekunde, erreicht diese Marke aber nicht durchgehend. Besonders große Bosskämpfe und hektische Effekte können zu sichtbaren Einbrüchen führen. Im eigentlichen Kampf lassen sich diese Probleme meist verschmerzen, doch gerade bei spektakulären Bossen wären stabilere Bildraten wünschenswert gewesen.

Fazit

Beast of Reincarnation ist deutlich interessanter, als sein erster Soulslike-Eindruck vermuten lässt. Das Spiel übernimmt zwar bekannte Elemente aus Sekiro und anderen Action-RPGs, kombiniert diese aber mit einem cleveren Partnersystem und eigenen Traversalmechaniken. Vor allem das Kampfsystem überzeugt. Die großzügigen, aber befriedigenden Paraden, das flüssige Schwertspiel und Koos taktische Fähigkeiten greifen hervorragend ineinander und sorgen regelmäßig für dynamische Kämpfe. Auch die offenen Gebiete bieten genügend Geheimnisse und optionale Herausforderungen, um Erkundung zu belohnen. Nicht jede Region nutzt Emmas Fähigkeiten gleichermaßen gut, doch insgesamt funktioniert die Struktur. Schwächer fallen die Geschichte und einige technische Aspekte aus. Emma und ihre Verbündeten bleiben emotional distanziert, während schwache Texturen und gelegentliche Framerate-Einbrüche das ansonsten stimmige Gesamtbild trüben. Trotzdem besitzt Beast of Reincarnation genügend eigene Ideen, um sich von der Masse der Soulslike-Kopien abzusetzen. Wer ein zugänglicheres Action-RPG mit starken Pariermechaniken und ungewöhnlichem Partnerkampf sucht, sollte Emma und Koo durchaus eine Chance geben.

 

Beast of Reincarnation

Beast of Reincarnation
77 100 0 1
77/100
Total Score
  • Spielspaß
    85/100 Amazing
  • Grafik
    70/100 Good
  • Gameplay
    80/100 Very good
  • Sound
    65/100 Good
  • Umfang
    85/100 Amazing

Positiv

  • Schnelles und befriedigendes Kampfsystem
  • Koo sorgt für interessante taktische Möglichkeiten
  • Abwechslungsreiche Traversalmechaniken

Negativ

  • Geschichte bleibt überraschend blass
  • Technische und grafische Schwächen
  • Geschichte bleibt überraschend blass
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